Mitglied bei IASE und Überlegungen für Euro-Kritiker

Die „2nd ​​​​​​​​​International Conference Sport Economics & Sport Management (SESM)“ in Berlin vor zehn Tagen (siehe ‚Dopingvortrag in Berlin‘) wurde neben dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auch von der International Association of Sports Economists (IASE) mitorganisiert. Ich bin dort jetzt Mitglied geworden. So kann ich meine Verbundenheit ausdrücken und erhalte Informationen über weitere Veranstaltungen und Aktivitäten. Vor allem kostet die Mitgliedschaft nichts.

Ich überlege, ob IASE vielleicht in einer von zwei Hinsichten ein Vorbild für die immer noch angedachte Gründung von Euro-Kritiker e. V. (siehe ‚Interessensabfrage für Euro-Kritiker e. V. i. G.‘) sein könnte. Keinerlei (verbindlicher) Mitgliedsbeitrag könnte zu deutlich mehr Mitgliedern führen. Wer grundsätzlich Interesse hat, sollte sich jedenfalls nicht davon abschrecken lassen, „dass ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von 10 Euro vorgesehen ist und ein Förderbeitrag von 5 Euro“. Das war nur eine Idee, die vielleicht gar nicht so gut war und über die die Gründungsversammlung auf jeden Fall befinden muss. Alternativ zu keinem Beitrag, um die Zahl der Mitglieder zu maximieren, könnte die Zahl der formalen Mitglieder durch einen nicht zu geringen Beitrag extra niedrig gehalten werden, während andere, beitragsfreie Formate für Unterstützer und Interessenten anzubieten sind. Ein sehr niedriger Beitrag verursacht hingegen höhere Verwaltungskosten als Einnahmen.

Überlegenswert ist außerdem, ob ein solcher Verein weniger politisch als akademisch ausgestaltet werden sollte. Überparteilich wäre er in jedem Fall, doch ein politischer Verein setzt mehr auf die Breitenwirkung und ein akademischer Verein auf die inhaltliche Qualität. Doch ein wirklich wissenschaftlicher Verein sollte wohl neutral bzw. ergebnisoffen hinsichtlich möglicher Erkenntnisse zu seinem Kernthema sein. Also Euro-Forscher statt Euro-Kritiker?

Petition zum Ende der Euro-Rettung

Letzte Woche habe ich die Petition „Ende der Euro-Rettung“ unterzeichnet:

Wir fordern alle Abgeordneten des Bundestages auf, sich entschieden für ein schnelles Ende der ungeregelten Euro-Rettung einzusetzen:

  • Ende des EU Target-System ohne jährlichen Ausgleich der Salden
  • Ende der Wertpapierankäufe durch die EZB
  • Ende der Finanzhilfen für Pleitestaaten 

(1)   Wir fordern den jährlichen Ausgleich von neu entstehenden Salden im Target-System und die Tilgung der bislang aufgelaufenen Salden innerhalb der nächsten 5 Jahre.
(2)   Wir fordern den sofortigen Stopp der Käufe von Staatsanleihen durch die EZB.
(3)   Wir fordern das Ende von Laufzeitverlängerungen und Zinsstundungen im Rahmen der bereits vereinbarten Euro-Rettungskredite. Entweder muss dafür Sorge getragen werden, dass die bestehenden Kredite mit Zinsen in einem überschaubaren Zeitraum zurückgezahlt werden oder die uneinbringbaren deutschen Forderungen müssen im aktuellen Bundeshaushalt abgeschrieben werden.

Dazu gibt es noch eine Begründung und eine Verknüpfung mit der „Euro Risiko-Uhr“. Was mir zu denken gibt, ist, dass es nach zwölf Tagen noch keine 90 Unterzeichner gibt. Das erinnert mich an meine ‚Interessensabfrage für Euro-Kritiker e. V. i. G.‘, die es schon etwas länger gibt, ohne dass sie zumindest bislang über diese Größenordnung hinausgekommen wäre. Ist den meisten Menschen die Bedeutung des Themas nicht (mehr?) klar?

Ist Le Pen plötzlich für den Euro?

Marine „Le Pen weicht ihre Anti-Euro-Haltung auf“. „Au revoir, ‚Frexit‘!“ „Verübte Marine Le Pen politischen Selbstmord?“ Ich sehe das nicht so dramatisch. Natürlich ist es blanker Opportunismus von ihr, jetzt bei der Stichwahl um das Präsidentenamt auch bei Eurobefürwortern oder zumindest besorgten Sparern, die bei der Abwertung nach einer Euroabschaffung große Verluste fürchten, Stimmen gewinnen zu wollen. Doch ich hatte sie schon vorher so verstanden (siehe ‚Gauland mit Weidel, Macron gegen Le Pen‘), dass auf ihren Wahlsieg nicht unbedingt der sofortige Austritt aus der Eurozone oder sogar der EU insgesamt folgen würde, sondern dass sie das französische Volk dazu befragen will. Das ist eine demokratische Vorgehensweise, zu der sich ihr EU- und euroverliebter Gegenkandidat Emmanuel Macron kaum wird durchringen können. Auch die Idee einer Parallelwährung, also Euro und Franc nebeneinander, hat viel für sich, selbst wenn ihre Ausführungen dazu noch recht konfus wirken.

Inzwischen hoffe ich, dass Frau Le Pen, die nationalistisch, doch entgegen den ständigen Wiederholungen in deutschen Medien keineswegs rechtsextrem ist, die französischen Präsidentschaftswahlen gewinnt, weil das endlich europaweit zu einer ernsthaften Debatte darüber führen würde, wie es mit der EU und Eurozone weitergehen soll. Der Brexit hat dazu leider nicht gereicht, sondern in vier Minuten einigten sich „27 gegen London“. Es ist völlig unklar, wie vor allem Frau Merkel sich echte Verhandlungen vorstellt oder ob sie diese überhaupt wünscht. Vielleicht erwartet sie mit anderen europäischen Regierungschefs, dass das Vereinigte Königreich die EU-Leitlinien komplett schluckt oder ansonsten ohne jedes Abkommen aus der EU herausfällt. Die Bundestagswahl wird daran nichts ändern, die französische Präsidentschaftswahl böte immerhin eine Chance dazu. Herr Macron will hingegen die EU und Eurozone noch weiter vertiefen, bzw. einfach mehr Geld von Deutschland, um in Frankreich nichts ändern zu müssen.

Schäuble und Sinn zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss

Nicht nur ‚CDU/CSU brechen schon wieder Versprechen zu Griechenland‘, indem sie auf die Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei weiteren Griechenlandkrediten verzichten wollen, sondern Bundesfinanzminister Wolfgang „Schäuble plädiert für Euro-Hilfen ohne den IWF“ weit darüber hinaus. Er möchte den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu einem Europäischen Währungsfonds umbauen und so dauerhaft den IWF mit seiner Expertise einschließlich Kritik loswerden. Am deutschen Geld soll Europa genesen, wozu auch die von Herrn Schäuble befürwortete Bankenunion gehört.

Dabei ist durch den Euro das genaue Gegenteil der Fall, krankt also mindestens die Hälfte der Eurozone. Die „Bundesregierung wehrt sich gegen Kritik an Handelsüberschuss“, insbesondere auch wieder Herr Schäuble in Auseinandersetzung mit der IWF-Chefin Christine Lagarde (siehe „Lagarde und Schäuble streiten über deutschen Exportüberschuss“). Doch es ist scheinheilig, den deutsche Leistungsbilanzüberschuss von inzwischen 263 Milliarden Euro bzw. 8,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf „den Eurokurs und die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)“ zu schieben, „die außerhalb der Reichweite der Bundesregierung lägen“. Herr Schäuble und Frau Merkel haben durchaus den Euro, die Eurorettungspolitik und auch die Zinspolitik der EZB zu verantworten. Sie könnten jederzeit Änderungen herbeiführen, wenn sie wollten. Aber sie wollen diese Exportüberschüsse mit geringeren Reallöhnen in Deutschland und höherer Arbeitslosigkeit in vielen anderen Ländern. Eine ernsthafte Opposition dagegen wäre wirklich nötig.

„Eine [gute] Antwort auf die Vorwürfe von Präsident Trump“ hinsichtlich der hohen deutschen Exportüberschüsse gibt übrigens Hans-Werner Sinn. Er rechnet erst vor, dass der Euro für Deutschland gut ein Drittel zu niedrig bewertet ist, nämlich der Euro insgesamt zum Dollar rund 17 Prozent und Deutschland innerhalb des Euros nochmals 19 Prozent. „Die Unterbewertung impliziert eine hohe Nachfrage nach deutschen Waren im Ausland und zugleich eine Zurückhaltung der Deutschen beim Import.“ Für die Unterbewertung im Euro macht Herr Sinn inflationäre Kreditblasen in den südlichen Euro-Staaten verantwortlich. Für die Unterbewertung des Euros insgesamt sieht er eine Ursache „in der ultralockeren Geldpolitik der EZB, speziell ihrem QE-Programm“.

Zu bedenken ist aber, dass das  QE und auch andere expansive Maßnahmen der EZB von der Mehrheit des EZB-Rates gegen den erbitterten Widerstand der Deutschen Bundesbank beschlossen wurden. Deutschland selbst kann man dafür nicht verantwortlich machen.

Das sehe ich anders, weil zwar die Bundesbank und vor allem ihr Präsident Jens Weidmann Widerstand leisteten, nicht aber die Bundesregierung, die durchaus großen Einfluss hätte. Die zweite Ursache für die Unterbewertung des Euros gegenüber dem Dollar sieht Herr Sinn in den USA, die aller Welt und insbesondere auch Deutschland Finanzprodukte verkauften, wodurch der Dollar stieg. Deutschland hatte übrigens wenig davon, sondern verschenkt quasi seine Exporte wie auch nach Griechenland:

Als „stupid German money“ belächelte die Wall Street das Geld, das aus Deutschland kam, um die amerikanische Sozialpolitik zu finanzieren. Der Schwindel flog in der Finanzkrise auf. Bereits im Jahr 2010 musste der deutsche Staat seinen Banken mit 280 Mrd. Euro bei der Gründung zweier Bad Banks zur Seite springen, die diese problematischen Finanzprodukte aus Amerika dann aufnahmen. Ein erheblicher Teil der vielen Porsches, Mercedes und BMWs,  die nach Amerika geliefert wurden, ist so gesehen gar nicht bezahlt worden. Das sollte der neue amerikanische Präsident bedenken, bevor er einen Handelskrieg vom Zaun bricht oder auch nur über Twitter ungerechtfertigte Anschuldigungen gegen andere Länder verbreitet.

Währungspapier nach Begutachtung erschienen

Mein ‚Diskussionspapier zu Währungsfrage‘ „Which Currency Is Best for Business in a Small Country?“ war bereits 2015 als ‚Währungspapier vom Journal of Contemporary Economic and Business Issues angenommen‘ worden. Zwischenzeitlich gab es dann sogar doch noch eine Begutachtung (interessant ist, was bei deren negativem Ausgang angesichts der bereits gemachten Zusage passiert wäre) und deshalb weitere Überarbeitung. Inzwischen ist hier der Beitrag erschienen und darf gerne weiterverbreitet und zitiert werden. Ich bleibe dran am Thema, wie auch mein ‚Neues Diskussionspapier zum „Euro aus Unternehmensperspektive“‚ zeigt.