Ablehnung von Neutralität, Objektivität und Pluralität von Journalisten

„Die Zeit der Neutralität ist vorbei“, schreibt Philipp Oehmke, Spiegel-Korrespondent in New York, zustimmend im Spiegel. Er applaudiert dazu, dass James Bennet, der bei der New York Times die Meinungsseite verantwortete, gehen musste, weil er einen als solchen gekennzeichneten Meinungsbeitrag von Tom Cotton drucken ließ, einem republikanischen Senator und Anhänger von Donald Trump, der dessen Forderung bekräftigte, gegen gewaltsame Demonstranten notfalls auch das Militär einzusetzen. Der Spiegel-Korrespondent findet die Verteidigung mit Meinungspluralität „selbstgefällig und denkfaul“. Auch von journalistischer Neutralität hält er nichts:

Neutralität galt jahrzehntelang als Qualitätsmerkmal, als noble Erhabenheitsgeste der seriösen Presse. Die Einsicht, dass hinter jedem Text mit noch so großem Neutralitätsanspruch ein Autor mit eigener Biografie steckt, die sich in der komplizierten Welt von heute mit all ihren vielfältigen und verschränkten Identitäten kaum mehr missachten lässt, hat sich erst in den vergangenen Jahren im Journalismus niedergeschlagen. Der Neutralitätsjournalismus, der scheinbar von einer „Position aus dem Niemandsland“ kommt, wie es der New Yorker Medienforscher Jay Rosen bezeichnete, wirkt heute nicht nur uninteressant und unaufrichtig. Er versagt vor allem in seinem Auftrag als „vierte Gewalt“.

Denn gegenüber Donald Trump dürfe man nicht neutral sein, das habe ihn überhaupt erst zum Präsidenten gemacht. Daraus folgt, dass Herr Oehmke eigentlich gar nicht über Politik berichten, sondern diese selbst machen will. Die Journalisten könnten und sollten bestimmen, wer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird. „Wer stets allen Positionen Raum verschaffen will, macht es sich einfach und begibt sich in eine moralische Indifferenz.“ Die Meinung eines andersdenkenden Präsidenten und von Millionen seiner Anhänger darf demnach nicht einmal mehr verbreitet werden. Dabei sitzt typischerweise die Regierung am längeren Hebel und definiert, was Fake News sind (siehe ‚Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll Zensur durchsetzen‘, ‚Merkel und EU wollen abweichende Meinungen bestrafen‘ und ganz aktuell „EU bittet soziale Netzwerke wegen Corona-Fake-News zum Rapport“).

Der Spiegel-Journalist zitiert zustimmend Ben Smith, den Medienkolumnisten der New York Times: „Statt vorgetäuschter Objektivität brauche moderner Journalismus in diesen Krisenzeiten klare moralische Ansagen“. Dabei lautete das Motto des Spiegels „Sagen, was ist“. Das ist natürlich schwieriger, als einfach die gerade angesagte, politisch korrekte Haltung zu zeigen. Um Fakten, Objektivität und Wahrheit muss man sich bemühen und hat sie nie sicher, das gilt für Journalisten wie auch für Wissenschaftler. Doch wenn man sich nicht einmal mehr bemüht, hat man den Beruf verfehlt bzw. übt einen anderen Beruf aus, sei es als Politiker, Propagandist oder Lobbyist.

Das heißt nicht, dass man nicht auch seine Meinungen sagen darf und sogar soll. Aber das ist als solches zu kennzeichnen (dieser Blog entspricht z. B. einer Meinungsseite) und möglichst mit anderen Meinungen zu kontrastieren (dazu dienen die Kommentare und Diskussionen hier). Nach dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben nun wohl auch ehemals große Zeitungen wie die New York Times und der Spiegel den seriösen Journalismus auf. Dabei öffnet sich der Spiegel ein ironisches Hintertürchen, indem er Florian Gathmann Raum für die Gegenmeinung gibt: „Wir müssen so neutral sein wie möglich“.

Blog wurde sieben

Bereits gestern vor sieben Jahren erfolgte der ‚Blog-Start‘. Die Probleme im Land sind leider nicht kleiner geworden und es fehlt inzwischen eine echte Alternative. Umso wichtiger sind kritische Stimmen. Als eine kleine davon bleibt dieser Blog vielleicht sinnvoll. Für die Verbreitung ergeben sich folgende Kennzahlen im Vergleich zum Vorjahr (siehe ‚Sechster Jahrestag dieses Blogs‘):

Bis gestern 0 Uhr erschienen insgesamt 2.402 Blogbeiträge, dementsprechend wurden 347 Beiträge im siebten Jahr veröffentlicht. Es erschienen bis dahin insgesamt 65.847 Kommentare, davon 9.020 im siebten Jahr. Die Zahl der Seitenaufrufe lag zu dem Zeitpunkt bei insgesamt 1.927.684, entsprechend gab es im siebten Jahr 202.044 davon.

Dem Blog direkt oder per E-Mail folgen 272 Personen, das sind 25 mehr als vor einem Jahr. Bei Twitter, wo alle Beiträge automatisch verlinkt werden, habe ich 675 Follower, 92 mehr als vor einem Jahr. Bei Facebook habe ich 4.958 „Freunde“, 2.112 mehr als vor einem Jahr und nur noch 42 vom Limit von 5.000 entfernt (dazu mehr, wenn es erreicht ist). Meine deutschsprachige Facebook-Seite gefällt noch 346 Personen, 15 weniger als vor einem Jahr. Auf Profil und Seite verlinke ich alle Blogbeiträge, was momentan nur händisch geht. Mein englischsprachiges Profil ohne direkten Blogbezug hat schließlich „nur noch“ 4.107 „Friends“, 879 weniger als vor einem Jahr.

Aktuelle Meldungen an VG Wort

Heute habe ich 12 wissenschaftliche Texte für 2019 und einen für die METIS-Sonderausschüttung von 2018 bei der VG Wort gemeldet. Außerdem waren auch diesmal ‚Weniger Blogbeiträge meldefähig‘ wie schon letztes Jahr im Vergleich zu 2018 (siehe ‚Erstmals auch Blogbeiträge an VG Wort gemeldet‘). Die folgenden sechs Beiträge aus 2019 konnte ich regulär melden:

41 Parteien zur EU-Wahl in Deutschland zugelassen

Wahlergebnisse zum EU-Parlament in Deutschland und zur Bremer Bürgerschaft

AfD-Liste in Sachsen zusammengestrichen

Monetärer Anreiz für schnelles Gutachten

Grün-Rot-Rot in Umfrage vorn

AfD-Bundesvorstand von des Flügels Gnaden

Außerdem erreichte wieder dieser Beitrag von 2015 die nötige Zugriffszahl in 2019:

Was bedeutet Populismus?

Schließlich erreichte der folgende Beitrag von 2019 als einziger mit über 10.000 Zeichen die dafür relevante anteilige Zugriffszahl:

Macron will eine noch schlimmere EU

Im Ergebnis lohnt sich die Meldung von Blogbeiträgen kaum noch, weshalb ich auch nicht mehr versuche, auf die Mindestzahl von 1.800 Zeichen zu kommen (10.000 Zeichen würden sich eher lohnen, sind aber sehr viele). Vermutlich hat dieser Blog einfach nicht mehr genügend regelmäßige Leser, um häufiger auf 1.500 Zugriffe (aus Deutschland) zu kommen. Außerdem werden immer noch Beiträge zur AfD am häufigsten gelesen, während mich diese Partei immer weniger interessiert.

Wenig los zwischen den Jahren

Auch wenn die Zeitung jeden Tag ähnlich dick ist, passiert nicht jeden Tag gleich viel Wichtiges. Heute habe ich z. B. einmal wieder eine halbstündige Nachrichtensendung im Fernsehen gesehen ohne eine einzige echte Nachricht. Auch bei Google News finde ich nichts, worüber sich wirklich zu bloggen lohnt (vielleicht von den Beleidigungen des WDR im doppelten Sinne abgesehen).

Ich glaube, dass das kein Zufall ist. Natürlich gibt es Zufallsschwankungen hinsichtlich wichtiger Ereignisse. Aber es gibt auch Perioden, in denen grundsätzlich weniger passiert, weil die meisten Menschen einschließlich mir vor allem privaten Dingen nachgehen. In diesem Sinne wünsche ich eine geruhsame Zeit zwischen den Jahren. Denn wenn etwas mit Nachrichtenwert los ist, ist es leider meistens nichts Positives.

Deutschsprachiges Facebook-Profil überholt englischsprachiges

Meine „Englischsprachige Facebook-Seite“ (eigentlich dieses Profil) erreichte Anfang des Jahres ‚5.000 Freunde in vier Tagen‘, was das Limit darstellt. Einige Monate hat das gehalten bzw. konnten gelegentliche Abgänge durch Zugänge ausgeglichen werden (am ‚Sechste[n] Jahrestag dieses Blogs‘ Anfang Juni hatte ich dort 4.986 Facebook-Freunde), doch inzwischen bröckelt es deutlich, weil die anfangs wahllos akzeptierten „Freunde“ häufig doch nicht so real und seriös waren. Einige Accounts werden wohl von Facebook gelöscht, andere von den Betreibern. Einige „Freundschaften“ werden wohl beendet, weil ich nichts kaufe, keinen Kredit beantrage und auch unseriösen Links nicht folge. Andere beende ich selbst, wenn sie zu unseriös und zugleich aktiv sind, während ich mir den Bestand wohl besser nicht genauer anschaue. Jedenfalls ist er auf aktuell 4.172 Facebook-Freunde geschrumpft. Die meisten Neuzugänge kommen jetzt über mein deutschsprachiges Profil, von dem ich Anfragen von Profilen fremder Sprache weiterleite.

Heute berichte ich darüber, weil es erstmals mit 4.184 Facebook-Freunden über dem Wert für die englischsprachige Seite liegt. Das Limit von 5.000 dürfte nächstes Jahr erreicht werden, woraufhin das regelmäßige ‚Ausmisten bei Facebook‘ etwas gründlicher ausfallen dürfte. Schon jetzt bin ich bei der Annahme von Anfragen etwas selektiver als früher und werde dann meine neuen Kriterien vorstellen.

Die Profile unterscheiden sich übrigens nicht nur in der Sprache, sondern vor allem auch in den Inhalten. Auf dem deutschsprachigen Profil teile ich vor allem die Verlinkungen auf diesen Blog, die automatisch auf meiner ‚[…] Fanseite bei Facebook‘ mit momentan 344 Likes erscheinen. Auf der englischsprachigen Seite berichte ich fast jeden Tag kurz über vor allem familiäre Aktivitäten. Wen das interessiert, der kann der Seite folgen oder sollte sich direkt bei mir melden. Doppelte Freundschaften akzeptiere ich nur in Ausnahmefällen von mir real bekannten Personen, aber ein Wechselwunsch ist kein Problem. Mir selbst wäre stets der Inhalt wichtiger als die Sprache (solange ich diese verstehe).