Philosoph Derek Parfit gestorben

Der britische Philosoph Derek Parfit ist bereits am 1. Januar im Alter von 74 Jahren verstorben. „The whole philosophy community is mourning Derek Parfit. Here’s why he mattered.“

Während meines Philosophiestudiums las ich sein erstes Hauptwerk „Reasons and Persons“. Dabei beeindruckte mich vor allem seine Dekonstruktion der personalen Identität. Mein Ich wird vor allem durch Erinnerungen, aber auch langfristige Charaktereigenschaften, kognitive Fähigkeiten etc. konstituiert. Über lange Zeiträume verändere ich mich jedoch stark, so dass ich vielleicht noch derselbe, aber nicht mehr der Gleiche bin. In Gedankenexperimenten mit z. B. geteilten und anders wieder zusammengesetzten Gehirnhälften wird dann die Identität ganz hinterfragt. Wenn ich verdoppelt würde, wer wäre dann mein richtiges Ich? Als kleines Kind war ich meinem Sohn heute ähnlicher als mir jetzt, was wiederum Auswirkungen auf die Ethik, aber z. B. auch die Klugheit des Egoismus hat.

Interessant fand ich auch Fragen nach der optimalen Größe der Menschheit. Sollten zusätzliche Menschen in die Welt kommen, solange ihr Lebensglück positiv ist? Ich denke da allerdings nicht utilitaristisch, sondern rein individualistisch und voluntaristisch, also dass die Zahl der Kinder nicht gesellschaftlich determiniert werden sollte, sondern sich aus der jeweils freien Entscheidung der vielen (potentiellen) Eltern ergibt.

Politisch relevant ist das Argument, dass alle bedeutenden Ereignisse die Identität der nachfolgenden Menschen beeinflussen. Ohne den Zweiten Weltkrieg wäre ich z. B. nie geboren worden, sondern höchstens ein anderer an meiner Stelle. Das relativiert dann auch die Klagen von Nachkommen von Opfern, die es ohne die beklagte Tat gar nicht gäbe.

Parfits zweites Hauptwerk „On What Matters“ (zwei Bände, denen noch ein dritter dieses Jahr folgen soll) habe ich noch nicht gelesen. Vielleicht finde ich einmal die Zeit dazu, doch die Vorstellung von einer objektiven Ethik finde ich nicht so überzeugend, zumal sie inhaltlich recht illiberal zu sein scheint.

In jedem Fall ist ein großer Philosoph gestorben, aber nach seiner eigenen Theorie nicht so ganz, weil Erinnerungen an ihn und Gedanken von ihm fortleben.

Diskussionspapier zu Erklärungen über Abfindungen

Es ist wieder ein ‚Monatliches Diskussionspapier meines Instituts‘ erschienen, und zwar diesmal für den Monat Dezember von meiner externen Doktorandin Frau Schottmüller-Einwag mit dem Titel: „Übereinstimmung von Entsprechenserklärungen und Erklärungsentsprechen bei Abfindungen“. Die Zusammenfassung lautet:

Diese Studie untersucht die Übereinstimmung von Erklärungsentsprechen und Entsprechenserklärung bezüglich Ziffer 4.2.3 Abs. 4 S. 1 Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) in den Jahren 2010 bis 2014. Dazu wurden in einer Vollerhebung die Entsprechenserklärungen und Abfindungssummen aller für den Fall der vorzeitigen Beendigung der Bestellung eines Vorstandsmitglieds eines DAX-Unternehmens gezahlten und veröffentlichten Abfindungen anhand der Geschäftsberichte recherchiert, die jeweilige Abfindungsrelation bestimmt und mit der empfohlenen Obergrenze des DCGK verglichen. In 57 % der Abfindungsfälle, in denen die Unternehmen zuvor ihr Entsprechen erklärt hatten, wurde die Obergrenze überschritten. Des Weiteren wurde untersucht, ob DAX-Unternehmen, die die empfohlene Obergrenze überschritten hatten, diese Überschreitung im vergangenheitsbezogenen Teil der folgenden Entsprechenserklärung offenlegten. Keines der Unternehmen, die die Obergrenze in einem Abfindungsfall überschritten hatten, legte diese Überschreitung im vergangenheitsbezogenen Teil der folgenden Entsprechenserklärung offen. Die empfohlene Obergrenze des DCGK hat in der Mehrheit der Abfindungsfälle in DAX-Unternehmen im Untersuchungszeitraum keine faktische Bindungswirkung entfaltet.

Anders ausgedrückt bedeutet das, dass in konkreten Abfindungsfällen von Vorstandsmitgliedern von DAX-Unternehmen mehrheitlich die Obergrenzen überschritten wird, zu denen sich die Unternehmen selbst bekennen. Sie geben das auch nachher nicht zu, womit sie formal alle Regeln einhalten, faktisch aber nicht.

Die entscheidende Frage ist, ob man von den Unternehmen mehr Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit verlangen sollte oder ob hier der Gesetzgeber aktiv werden müsste. Das Hauptproblem scheint dabei gar nicht zu sein, dass solche Obergrenzen für Abfindungen gesetzlich vorgeschrieben werden müssten, sondern dass diese bislang nicht verbindlich in den Anstellungsverträgen vereinbart werden können. Es müsste also eine gerichtsfeste Klausel zugelassen werden, Vorstandsmitglieder auch ohne zwingenden Grund gegen Zahlung einer regelkonformen Abfindung abberufen und entlassen zu dürfen.

Einreichung für den 19. Workshop Hochschulmanagement

Gerade habe ich einen Abstract für den 19. „Workshop Hochschulmanagement [in] Hamburg 2017“ geschrieben und eingereicht. Der Titel meines Beitragsangebots lautet „Vor- und Nachteile verschiedener Arten von Drittmitteln“. Ich knüpfe darin direkt an mein ‚Diskussionspapier zu Drittmittelorientierung‘ an, welches zwischenzeitlich in der Zeitschrift Hochschulmanagement erschienen ist, und zwar in Heft 1+2 / 2016. Die Einreichungsfrist für den Workshop endet übrigens heute, doch Anmeldungen sind noch bis zum 5. Februar 2017 (!) möglich.

Letztes Weihnachtsgeld

Dieses Jahr habe ich zum letzten Mal Weihnachtsgeld bzw. eine Sonderzahlung im Dezember erhalten. Das wurde zwar bereits vor über einem halben Jahr beschlossen (siehe „Das Dienstrechtsmodernisierungsgesetz (DRModG) – Informationen für Beamtinnen und Beamte“), aber die Universität teilte es erst heute mit. Finanziell ist das übrigens kein Nachteil, weil die Sonderzahlung von 30 Prozent für höhere Beamte einfach auf alle zwölf Monate im Umfang von 2,5 Prozent höheren Zahlungen verteilt wird. Doch zumindest gefühlt ist diese Modernisierung keine Verbesserung.

Diskussionspapier zur Austragung Olympischer Spiele in Deutschland

Es gibt ein neues Diskussionspapier von meiner Mitarbeiterin Frau Linn-Brit Bakkenbüll und mir zur „Willingness to Pay and Accept for Hosting Olympic Games in Germany“, auf Deutsch „Zahlungsbereitschaft und Kompensationsforderung für die Austragung von Olympischen Spielen in Deutschland“. Es handelt sich um die Überarbeitung und Übersetzung eines Teils vom ‚Diskussionspapier zu Zahlungsbereitschaften für Olympia‘ mit dem Titel „Zahlungsbereitschaften für deutsche Erfolge bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi und die Austragung Olympischer Spiele in Deutschland“, um diesen dann bei einer englischsprachigen Zeitschrift einreichen zu können. Der andere Teil zur Zahlungsbereitschaft von sportlichen Erfolgen wurde bei einer deutschsprachigen Zeitschrift eingereicht. Die aktuelle Zusammenfassung lautet auf Deutsch:

Diese empirische Studie untersucht, ob und wie viel Individuen zur Austragung Olympischer Spiele in Deutschland zu zahlen bereit sind. Zusätzlich wird erstmals ermittelt, was Individuen dafür verlangen würden, dass Olympische Spiele im eigenen Land stattfinden, wenn sie das eigentlich nicht wollen. Außerdem identifiziert diese Studie Determinanten, die die Zahlungsbereitschaft einschließlich der Kompensationsforderungen für die Austragung Olympischer Spiele in Deutschland beeinflussen. Die positive Zahlungsbereitschaft abzüglich Forderungen wird positiv beeinflusst von der gefühlten Bedeutung von deutschen Erfolge bei Olympia. Sozioökonomische Faktoren wie Geschlecht, Alter und Einkommen beeinflussen dieses Maß ebenfalls signifikant. Die Extrapolation der individuellen Zahlungsbereitschaften und Kompensationsforderungen ergibt, dass die deutsche Bevölkerung im Aggregat über eine Zahlungsbereitschaft von netto 3,57 Mrd. Euro für die Austragung von Olympischen Spielen in Deutschland verfügt.