DFG entscheidet sich gegen freies Wissen

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) feiert ihre Gründung bzw. die ihrer Vorgängerorganisation, der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, vor 100 Jahren unter anderem mit der Kampagne „DFG2020 – Für das Wissen entscheiden“. Damit will sie „ihre Überzeugung für eine freie und erkenntnisgeleitete Forschung in die Gesellschaft tragen“. „Die Online-Aktion gibt allen Interessierten eine Bühne für Text-, Bild- und Video-Statements. Jede und jeder soll sich ermuntert fühlen, Gründe #fürdasWissen zu benennen, die so vielfältig sein können, wie die Menschen.“

Das gilt dann aber doch nicht für jeden, denn die „Forschungsgesellschaft löscht Beitrag von Dieter Nuhr – der sieht sich denunziert“. Dabei hatte er nicht einmal von sich aus einen Beitrag eingereicht, sondern war von der DFG dazu aktiv eingeladen worden. Diese veröffentlichte den Beitrag erst lobend, um dann vor Gegenwind bei Twitter einzuknicken, womit sie die von ihr selbst propagierten Werte negiert. Dabei ist ‚Meinungs- und Debattenfreiheit gerade an Universitäten‘ und anderen Wissenschaftseinrichtungen besonders wichtig und zugleich gefährdet.

Wenn die Wissenschaftsfunktionäre Dieter Nuhr für nicht politisch korrekt genug halten, hätten sie ihn nicht einladen müssen. Aber sie haben ihn auf eine angeblich für alle offene Bühne aktiv eingeladen und sein Beitrag dort rechtfertigt nicht die Löschung. Er sagte Folgendes, wie er auf Facebook berichtet:

Wissen bedeutet nicht, dass man sich zu 100% sicher ist, sondern dass man über genügend Fakten verfügt, um eine begründete Meinung zu haben. Weil viele Menschen beleidigt sind, wenn Wissenschaftler ihre Meinung ändern: Nein, nein! Das ist normal! Wissenschaft ist gerade, DASS sich die Meinung ändert, wenn sich die Faktenlage ändert. Wissenschaft ist nämlich keine Heilslehre, keine Religion, die absolute Wahrheiten verkündet. Und wer ständig ruft „Folgt der Wissenschaft!“ hat das offensichtlich nicht begriffen. Wissenschaft weiß nicht alles, ist aber die einzige vernünftige Wissensbasis, die wir haben. Deshalb ist sie so wichtig.

Den ersten Satz sehe ich kritisch, weil Fakten auch nicht einfach gegeben sind, sondern ihrerseits wissenschaftlich oder auf anderem Wege erhoben werden müssen. Auch das Faktenwissen ist nicht absolut, sondern offen für Kritik und andere Erkenntnisse. Den vorletzten Satz finde ich ebenfalls zu stark, da es auch noch andere vernünftige Erkenntnisquellen als die Wissenschaft gibt. Aber das sind Kleinigkeiten, die keinesfalls das Löschen des Beitrags rechtfertigen.

Anlass des Shitstorms, vor dem die DFG eingenickt ist, war wohl neben der Person des Satirikers der drittletzte Satz, der auf Greta Thunberg und Fridays for Future anspielt. Klimaaktivisten verstehen keinen Spaß und vertragen auch die Wahrheit nicht, wenn sie nicht ihrem festgefügten Weltbild entspricht. Nichts anderes sagt Herr Nuhr, während die DFG der Wissenschaft und sich selbst einen Bärendienst erwiesen hat.

Diskussionspapier zu fehlendem Heimspielvorteil bei Geisterspielen

Das aktuelle Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik stammt von meinem neuen Mitarbeiter, Herrn Lars Vischer, und mir. Es trägt den Titel „No Home Bias in Ghost Games“. Die deutsche Zusammenfassung lautet:

Wegen der COVID-19-Pandemie musste die erste deutsche Bundesliga der Männer die Saison 2019/20 mit Geisterspielen beenden, da Zuschauer in den Stadien nicht zugelassen waren. Wenn wir diese Spiele mit den regulären Spielen zwischen denselben Teams vergleichen, stellen wir fest, dass der normale Vorteil für die Heimmannschaft verschwindet. Ein Grund dafür ist das Verschwinden des Bias der Schiedsrichter für die Heimmannschaft, während Änderungen in der sportlichen Leistung der Mannschaften in dieser Hinsicht irrelevant zu sein scheinen.

Weitere digitale Disputation und Ausschreibungen

Nach der ersten digitalen Disputation (siehe ‚Erstmals Seminar und Disputation digital‘) gab es gleich die zweite. Bereits vor acht Tagen wurde auch mein Mitarbeiter Milan Klus promoviert, ebenfalls mit uneingeschränktem höchsten Lob (summa cum laude). Das ist keineswegs die Standardnote, war aber in beiden Fällen durchaus verdient. Meinen Glückwunsch!

Wenn zwei Mitarbeiter demnächst gehen, brauche ich mindestens einen oder eine neue. Dabei war meine ‚Wiederholte Stellenausschreibung‘ vom Februar erfolgreich. Jetzt gibt es eine neue Stellenausschreibung für eine(n) „wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftliche[n] Mitarbeiter“. Vorerst handelt es sich um eine Dreiviertel-Stelle, die auf drei Jahre befristet ist, wobei sie auch aufgestockt und maximal um drei weitere Jahre verlängert werden kann. Ich bin gespannt, ob sich die Corona-Maßnahmen bereits am akademischen Arbeitsmarkt bemerkbar machen und zu mehr Bewerbungen führen.

Daneben gibt es noch eine Stellenausschreibung für eine „studentische Hilfskraft“. Hier beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 6 Stunden und die anfängliche Befristung 6 Monate, wobei eine längere Zusammenarbeit erwünscht ist. Beide Stellen sind für den 1. Oktober ausgeschrieben mit einer Bewerbungsfrist bis zum 31. Juli, damit noch Zeit zur Auswahl und für den sechswöchigen Einstellungsprozess der Verwaltung bleibt.

Digitaler NRW-Uni-Laufcup abgeschlossen

Zuerst lief ich ‚8 km in 43 Minuten beim digitalen NRW-Uni-Laufcup‘. Es folgten 10 km in 52:40, 12 km in 1:02:55 und letzte Woche 5,555 km (bzw. 5,56 km wegen der Mess[un]genauigkeit meiner Laufuhr) in 26:08. Interessanterweise wurde ich dabei immer schneller (pro Kilometer), obwohl die Distanzen erst länger wurden. Jede Distanz bin ich übrigens dreimal gelaufen und hier steht jeweils der schnellste Wert. Letztes Jahr war ich allerdings noch schneller, als ich die ‚5 km Leonardo-Campus-Run in 22:42‘ lief. Mir fehlt wahrscheinlich der echte Wettkampfcharakter. Die schnellsten 5,555 km lief ich übrigens in Münster um den Aasee, alle anderen elf Läufe in Dortmund.

Alle Ergebnisse finden sich hier, wobei ich nur auf die Gesamtergebnisse eingehe, bei denen alle vier Läufe zusammengezählt wurden. Ich komme dann auf 3:04:43 für die insgesamt 35,555 km. Damit wurde ich der 89. von 142 Männern. Die hintere Hälfte ist eher neu für mich, wobei es wohl auch einen Selektionseffekt gab: Es machten eher bessere Läufer mit, von denen auch nicht alle die vier Läufe durchgehalten haben. Meine Frau wurde übrigens die 36. von 97 Frauen. Von allen 239 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde ich 109.

Erstmals Seminar und Disputation digital

Gestern und heute hatte ich mein erstes digitales Seminar mittels Zoom von zu Hause aus, zufällig passend zum schon vorher ausgesuchten Thema „Digitalisierung in Unternehmen“. Es hat besser geklappt als befürchtet (siehe ‚Lehrveranstaltungen verschoben und noch offen‘).

Am Donnerstag gab es noch eine andere Premiere, nämlich die erste von mir betreute digitale Disputation ebenfalls mittels Zoom. Promoviert wurde mein wissenschaftlicher Mitarbeiter Todor Lohwasser mit der glatten Bestnote summa cum laude. Meinen Glückwunsch!