Diskussionspapier zu Vertrauenswürdigkeit und Aussehen

Es gibt ein neues Diskussionspapier von meinen Mitarbeitern Frau Dr. Julia Müller, Herrn Michael Müller (weder verwandt noch verheiratet) und mir mit dem Titel „Is Trustworthiness Written on the Face?“ („Ist Vertrauenswürdigkeit ins Gesicht geschrieben?“) Es geht darum, ob man Personen ihre Vertrauenswürdigkeit ansehen kann, wobei das sogenannte Vertrauensspiel von anderen Studenten gespielt wurde als denen, die später die Vertrauenswürdigkeit anhand von Fotos einschätzten. Im Ergebnis gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Spielverhalten und der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit nach dem Aussehen, was vielleicht sogar eine gute Nachricht ist. Interessanterweise gibt es jedoch durchaus eine relevante Dimension des Aussehens, nämlich die Einschätzung der Attraktivität. Attraktivere Personen verhalten sich statistisch signifikant weniger vertrauenswürdig (im Sinne des Spiels, was man auch als rationaler oder egoistischer beschreiben kann) als andere, vielleicht weil sie im realen Leben eher damit durchkommen.

19. Workshop Hochschulmanagement auch in Hamburg

Die letzten zwei Tage war ich beim „Workshop Hochschulmanagement Hamburg 2017“, der diesmal (zum letzten Jahr siehe ’18. Workshop Hochschulmanagement in Hamburg‘) an der Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg unter militärischer Bewachung (bzw. mit strenger Pforte) stattfand. Ich trug dort meine ‚Einreichung für den 19. Workshop Hochschulmanagement‘ zu den „Vor- und Nachteile[n] verschiedener Arten von Drittmitteln“ vor, wozu demnächst auch wieder ein Diskussionspapier oder auch Zeitschriftenbeitrag erscheinen wird. Es gab zehn weitere spannende Vorträge und viele interessante Gespräche am Rande. Ich freue mich schon auf den 20. Workshop Hochschulmanagement zum 20-jährigen Jubiläum der Wissenschaftlichen Kommission Hochschulmanagement in Duisburg.

Philosoph Derek Parfit gestorben

Der britische Philosoph Derek Parfit ist bereits am 1. Januar im Alter von 74 Jahren verstorben. „The whole philosophy community is mourning Derek Parfit. Here’s why he mattered.“

Während meines Philosophiestudiums las ich sein erstes Hauptwerk „Reasons and Persons“. Dabei beeindruckte mich vor allem seine Dekonstruktion der personalen Identität. Mein Ich wird vor allem durch Erinnerungen, aber auch langfristige Charaktereigenschaften, kognitive Fähigkeiten etc. konstituiert. Über lange Zeiträume verändere ich mich jedoch stark, so dass ich vielleicht noch derselbe, aber nicht mehr der Gleiche bin. In Gedankenexperimenten mit z. B. geteilten und anders wieder zusammengesetzten Gehirnhälften wird dann die Identität ganz hinterfragt. Wenn ich verdoppelt würde, wer wäre dann mein richtiges Ich? Als kleines Kind war ich meinem Sohn heute ähnlicher als mir jetzt, was wiederum Auswirkungen auf die Ethik, aber z. B. auch die Klugheit des Egoismus hat.

Interessant fand ich auch Fragen nach der optimalen Größe der Menschheit. Sollten zusätzliche Menschen in die Welt kommen, solange ihr Lebensglück positiv ist? Ich denke da allerdings nicht utilitaristisch, sondern rein individualistisch und voluntaristisch, also dass die Zahl der Kinder nicht gesellschaftlich determiniert werden sollte, sondern sich aus der jeweils freien Entscheidung der vielen (potentiellen) Eltern ergibt.

Politisch relevant ist das Argument, dass alle bedeutenden Ereignisse die Identität der nachfolgenden Menschen beeinflussen. Ohne den Zweiten Weltkrieg wäre ich z. B. nie geboren worden, sondern höchstens ein anderer an meiner Stelle. Das relativiert dann auch die Klagen von Nachkommen von Opfern, die es ohne die beklagte Tat gar nicht gäbe.

Parfits zweites Hauptwerk „On What Matters“ (zwei Bände, denen noch ein dritter dieses Jahr folgen soll) habe ich noch nicht gelesen. Vielleicht finde ich einmal die Zeit dazu, doch die Vorstellung von einer objektiven Ethik finde ich nicht so überzeugend, zumal sie inhaltlich recht illiberal zu sein scheint.

In jedem Fall ist ein großer Philosoph gestorben, aber nach seiner eigenen Theorie nicht so ganz, weil Erinnerungen an ihn und Gedanken von ihm fortleben.

Diskussionspapier zu Erklärungen über Abfindungen

Es ist wieder ein ‚Monatliches Diskussionspapier meines Instituts‘ erschienen, und zwar diesmal für den Monat Dezember von meiner externen Doktorandin Frau Schottmüller-Einwag mit dem Titel: „Übereinstimmung von Entsprechenserklärungen und Erklärungsentsprechen bei Abfindungen“. Die Zusammenfassung lautet:

Diese Studie untersucht die Übereinstimmung von Erklärungsentsprechen und Entsprechenserklärung bezüglich Ziffer 4.2.3 Abs. 4 S. 1 Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) in den Jahren 2010 bis 2014. Dazu wurden in einer Vollerhebung die Entsprechenserklärungen und Abfindungssummen aller für den Fall der vorzeitigen Beendigung der Bestellung eines Vorstandsmitglieds eines DAX-Unternehmens gezahlten und veröffentlichten Abfindungen anhand der Geschäftsberichte recherchiert, die jeweilige Abfindungsrelation bestimmt und mit der empfohlenen Obergrenze des DCGK verglichen. In 57 % der Abfindungsfälle, in denen die Unternehmen zuvor ihr Entsprechen erklärt hatten, wurde die Obergrenze überschritten. Des Weiteren wurde untersucht, ob DAX-Unternehmen, die die empfohlene Obergrenze überschritten hatten, diese Überschreitung im vergangenheitsbezogenen Teil der folgenden Entsprechenserklärung offenlegten. Keines der Unternehmen, die die Obergrenze in einem Abfindungsfall überschritten hatten, legte diese Überschreitung im vergangenheitsbezogenen Teil der folgenden Entsprechenserklärung offen. Die empfohlene Obergrenze des DCGK hat in der Mehrheit der Abfindungsfälle in DAX-Unternehmen im Untersuchungszeitraum keine faktische Bindungswirkung entfaltet.

Anders ausgedrückt bedeutet das, dass in konkreten Abfindungsfällen von Vorstandsmitgliedern von DAX-Unternehmen mehrheitlich die Obergrenzen überschritten wird, zu denen sich die Unternehmen selbst bekennen. Sie geben das auch nachher nicht zu, womit sie formal alle Regeln einhalten, faktisch aber nicht.

Die entscheidende Frage ist, ob man von den Unternehmen mehr Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit verlangen sollte oder ob hier der Gesetzgeber aktiv werden müsste. Das Hauptproblem scheint dabei gar nicht zu sein, dass solche Obergrenzen für Abfindungen gesetzlich vorgeschrieben werden müssten, sondern dass diese bislang nicht verbindlich in den Anstellungsverträgen vereinbart werden können. Es müsste also eine gerichtsfeste Klausel zugelassen werden, Vorstandsmitglieder auch ohne zwingenden Grund gegen Zahlung einer regelkonformen Abfindung abberufen und entlassen zu dürfen.

Einreichung für den 19. Workshop Hochschulmanagement

Gerade habe ich einen Abstract für den 19. „Workshop Hochschulmanagement [in] Hamburg 2017“ geschrieben und eingereicht. Der Titel meines Beitragsangebots lautet „Vor- und Nachteile verschiedener Arten von Drittmitteln“. Ich knüpfe darin direkt an mein ‚Diskussionspapier zu Drittmittelorientierung‘ an, welches zwischenzeitlich in der Zeitschrift Hochschulmanagement erschienen ist, und zwar in Heft 1+2 / 2016. Die Einreichungsfrist für den Workshop endet übrigens heute, doch Anmeldungen sind noch bis zum 5. Februar 2017 (!) möglich.