Demonstrationen gegen AfD und für Wissenschaft

Artikel 8 Grundgesetz lautet:

(1) Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.
(2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

Auf den Versammlungszweck kommt es dabei nicht an. Dabei ist nicht jede Demonstration gleich sinnvoll. Inhaltlich kann für Gegensätzliches demonstriert werden, doch manche Arten von Demonstrationen sind grundsätzlich problematisch, z. B. wenn die Regierung oder zumindest Regierungsparteien und -mitglieder gegen die Opposition demonstriert statt umgekehrt die Opposition gegen die Regierung oder besser noch problematische Teile der Regierungspolitik.

NRW-Ministerpräsidentin „Hannelore Kraft nennt Demonstrationen gegen AfD ‚großartig'“. Das halte ich für eine unlautere Form des Wahlkampfs durch die SPD-Landesvorsitzende, zumal es auch gewalttätige Demonstranten und verletzte Polizisten gab. „Solidarität statt Hetze“ hätte deshalb eher die AfD verdient, ob man diese Partei nun mag oder nicht. Vor allem ist Frau Kraft als Ministerpräsidentin auch und gerade für die Polizisten ihres Bundeslandes verantwortlich, die den Rechtsstaat und die Demokratie verteidigen.

Es gab noch andere Demonstrationen heute, z. B. den „March for Science“, der in vielen Städten rund um die Welt wirklich friedlich stattfand. Doch auch hier habe ich gerade als Wissenschaftler grundsätzliche Zweifel. So stammt in Münster der Aufruf vom AStA (mit Unterstützung vom Rektorat), der sonst auch Demonstrationen gegen die AfD unterstützt und Diskussionsrunden mit AfD-Vertretern pauschal ablehnt (siehe z. B. „Deine Uni, deine Stadt – bunt und vielfältig! Studierende gegen rechtes Gedankengut.“).

In dem Aufruf gibt es dann entsprechend Widersprüche. Einerseits will man dafür „demonstrieren, dass wissenschaftliche Erkenntnisse als Grundlage des gesellschaftlichen Diskurses nicht verhandelbar sind. Diese Tatsachen können nicht geleugnet, relativiert oder sogenannten ‚alternative[n] Fakten‘ gegenüber als gleichwertig dargestellt werden.“ „Wissenschaft ist keine Meinung!“ Andererseits heißt es: „Eine Vielzahl an Perspektiven und Ideen ist unabdingbar für den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt.“ Man ist „für eine freie Wissenschaft ohne Zensur“.

Ich denke, dass Wissenschaft genau dazwischen liegt, also weder dogmatisch noch relativistisch ist. In der Wissenschaft geht es nicht um das Verkünden unhinterfragbarer Wahrheiten, sondern dort werden durchaus Meinungen diskutiert, die jedoch nicht alle als gleichwertig angesehen werden, sondern die besseren Argumente sollen entscheiden. Zu den stärksten Argumenten gehören nachprüfbare Beobachtungen. Doch selbst reine Fakten sind theoriegeladen und diskussionswürdig, insbesondere wenn sie weit über Einzelbeobachtungen hinausgehen wie z. B. der Klimawandel und dessen Verursachung durch Menschen. Auch wenn solche Fakten von den meisten Wissenschaftlern anerkannt werden, folgt aus ihnen allein normativ nichts, sondern erst in Verbindung mit bestimmten Normen und Werturteilen, die ihrerseits vernünftig diskutiert werden können, was jedoch außerhalb der meisten Wissenschaften liegt, insbesondere außerhalb der reinen Naturwissenschaften.

Schließlich fragt sich, ob politische Demonstrationen das geeignete Mittel sind, um für die Wissenschaft zu werben. Idealerweise zählen die Argumente nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch für sie. Für viele Laien und Politiker zählen jedoch vor allem die Ergebnisse, insbesondere wenn sie spektakuläre Erfolge wie in Technik und Medizin ermöglichen. Ansonsten wird die Wissenschaft auch gerne missbraucht, um das jeweils politisch Gewünschte zu rechtfertigen. Dieser Vorwurf kann jedoch nicht nur Donald Trump oder der AfD gemacht werden, sondern trifft auch die etablierten Politiker, gegen die es keine solchen Demonstrationen gab.

Währungspapier nach Begutachtung erschienen

Mein ‚Diskussionspapier zu Währungsfrage‘ „Which Currency Is Best for Business in a Small Country?“ war bereits 2015 als ‚Währungspapier vom Journal of Contemporary Economic and Business Issues angenommen‘ worden. Zwischenzeitlich gab es dann sogar doch noch eine Begutachtung (interessant ist, was bei deren negativem Ausgang angesichts der bereits gemachten Zusage passiert wäre) und deshalb weitere Überarbeitung. Inzwischen ist hier der Beitrag erschienen und darf gerne weiterverbreitet und zitiert werden. Ich bleibe dran am Thema, wie auch mein ‚Neues Diskussionspapier zum „Euro aus Unternehmensperspektive“‚ zeigt.

Umfrage mit Gewinnmöglichkeit

An meinem Institut für Organisationsökonomik veranstaltet jemand im Rahmen seiner Bachelorarbeit eine Umfrage und ich wurde gebeten, diesen Link weiterzugeben. Es geht um die Bereitstellung eines Kollektivguts, was in eine Seefahrergeschichte verpackt ist, und die Aufteilung von Amazon-Gutscheinen, die man tatsächlich gewinnen kann. Es sind keine Vorkenntnisse nötig, denn es gibt keine an sich richtigen oder falschen Lösungen, aber vielleicht doch mehr oder weniger faire sowie effiziente Verteilungen. Meine Meinung dazu schildere ich bei Interesse ein anderes Mal, wenn die Umfrage vorbei ist. Sie können sich gerne daran beteiligen und auch andere darauf hinweisen.

Zu einer Antrittsvorlesung in Ludwigshafen

Wir haben den ‚Vater-Sohn-Urlaub auf Mallorca‘ noch um einen Tag hierzulande verlängert, weil heute die „Antrittsvorlesung ‚What gets measured gets managed!? Messbarkeitsprobleme des Leistungscontrollings am Beispiel des Hochschulwesens‘ von Prof. Dr. Harry Müller“ an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein stattfand. Fabian machte sich erst Sorgen, wurde dann aber sehr gut von einer Sekretärin betreut. Herr Müller wurde von mir 2013 „summa cum laude“ promoviert und ist seit Februar der erste richtige Professor von meinen Doktoranden (im Sommer folgt dann noch ein bereits berufener Universitätsprofessor). Meinen Glückwunsch auch an dieser Stelle!

In seiner Antrittsvorlesung ging Herr Müller auf allgemeine Probleme der Leistungsrechnung ein, während sonst häufig die Kostenrechnung im Vordergrund steht. Kommerzielle Unternehmen können größtenteils die Leistung über den Umsatz messen, was Non-Profit-Organisationen und öffentlichen Betrieben so nicht möglich ist. Wesentliche Probleme zeigte er am Beispiel der Hochschulen und konkret an Lehre und Forschung auf. Wenn nicht wirklich der gewünschte Outcome gemessen wird, entstehen Fehlanreize. Diese sind allerdings gegen die positiven Anreize abzuwägen, weshalb meistens nicht auf Messungen verzichtet werden sollte, deren Mängel jedoch zu sehen und möglichst zu begrenzen sind.

Im Übrigen ist es zumindest an Universitäten gute Tradition, dass während und nach Antrittsvorlesungen keine öffentliche Diskussion stattfindet. Die Hochschule Ludwigshafen am Rhein sollte sich daran vielleicht ein Vorbild nehmen, wenn sie jetzt Antrittsvorlesungen wiederbelebt. Der vortragende neue Kollege kann schlecht von sich aus seltsame Fragen (z. B. wenn eine strikt positive Korrelation mit einer Normalverteilung verwechselt wird) abwürgen, sondern nur wie Herr Müller gekonnt beantworten.

Neues Diskussionspapier zum „Euro aus Unternehmensperspektive“

Mein erstes ‚Diskussionspapier zu Währungsfragen‘ mit dem Titel „Which Currency Is Best for Business in a Small Country?“ blieb wie vermutet nicht das letzte zu dieser Thematik. Direkt anknüpfend an das zweite Diskussionspapier zu diesem Thema (außerdem gab es noch mein ‚Diskussionspapier aus dem Vortrag zu EU-Problemen‘), ‚“Welche Unternehmen profitieren vom Euro?“‚, inzwischen erschienen in der Festschrift „Internationales Management und die Grundlagen des globalisierten Kapitalismus“ für Herrn Kollegen Johann Engelhard zum 65. Geburtstag, habe ich heute „The Euro from a Business Perspective“ fertiggestellt, und zwar wieder als echtes Diskussionspapier mit der Bitte um Diskussion, Verbesserungsvorschläge etc. Auf Deutsch lautet die Zusammenfassung:

Der Euro aus Unternehmensperspektive

Die Eurozone hat zahlreiche Probleme. Trotzdem gibt es nicht nur große politische Unterstützung für sie, sondern befürworten auch die meisten Unternehmen den Euro oder beklagen sich zumindest nicht. Es lohnt sich zu analysieren, welche Unternehmen vom Euro profitieren und warum die meisten anderen nicht gegen ihn opponieren. Exportierende Unternehmen in den nördlichen Ländern der Eurozone haben Vorteile vom Euro und der Eurorettungspolitik, selbst wenn ihre Länder und Völker leiden. Andere Unternehmen, insbesondere in den südlichen Mitgliedsstaaten, leiden selbst, fürchten jedoch ein Zerbrechen der Eurozone noch mehr als ihre Fortsetzung. Für kleine Unternehmen lohnt es sich nicht, für einen Politikwechsel Lobbyismus zu betreiben, während die am schlimmsten betroffenen Unternehmen gar nicht mehr existieren. Alle Unternehmen müssen sich mit dem Euro arrangieren, sollten sich aber auch auf ein mögliches Ende der Eurozone vorbereiten. Unternehmen in anderen europäischen Ländern sollten überlegen, ob sie wirklich möchten, dass ihre Länder der Eurozone beitreten.