Ehrendoktorwürde für Andreas Dombret und Ökonomische Bildung

Heute fand die „Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Andreas Raymond Dombret“ statt. Herr Dombret ist Mitglied des Vorstands der Bundesbank und dort für die Bereiche Banken- und Finanzaufsicht, Risiko-Controlling sowie Ökonomische Bildung zuständig. Außerdem ist er Honorarprofessor an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel. Die Ehrendoktorwürde wurde ihm heute von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei einem feierlichen Festakt in der Aula des Schlosses verliehen.

Herr Dombret hielt einen Vortrag zu dem Thema „Haben wir einen (Lehr-)Plan? Ökonomische Bildung in Deutschland stärken“, was mich auch ganz persönlich interessiert, war ich doch bis 2010 am Institut für Ökonomische Bildung tätig und habe noch immer zahlreiche Lehramtsstudenten. Seine Kernthesen lauten, dass Ökonomische Bildung wichtig ist und ein eigenes Schulfach benötigt. Gelehrt werden sollten sowohl für die Schüler individuell relevante Inhalte, die zu „Financial Literacy“ führen, als auch übergreifende Theorien, die mündige Bürger zu richtigen Entscheidungen in der Demokratie befähigen. Gegen den Ideologievorwurf setzt er auf Pluralismus, also das Lehren unterschiedlicher Theorien und auch der Geschichte des Fachs. Außerdem schlägt er vor, „Jugend forscht“ auch für ökonomische Forschungsprojekte zu öffnen.

Den letztgenannten Vorschlag kannte ich noch nicht und halte ihn für sehr gut. Grundsätzlich kann ich auch den anderen Thesen zustimmen, würde jedoch die Schwerpunkte etwas anders setzen. Wirtschaft als eigenes Schulfach wäre wünschenswert, viel wichtiger ist aber die wirtschaftswissenschaftliche Lehrerbildung. Wenn fachfremde Lehrer Wirtschaft unterrichten, ist nicht viel gewonnen, während fachlich qualifizierte Lehrer das auch im Rahmen eines übergreifenden Faches mit z. B. dem Namenn Sozialwissenschaften machen können. Die realistische Verankerung eines Schulfaches Wirtschaft wäre doch ohnehin umlaufend mit anderen Fächern wie Politik und Soziologie. Die Auseinandersetzung mit einander widersprechenden Wirtschaftstheorien könnte für die grundständigen Schulen zu kompliziert sein. Vermutlich wäre es besser, heute unstrittiges bzw. von der großen Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler geteiltes Grundwissen zu vermitteln und dafür den Pluralismus stärker an den Hochschulen zu pflegen.

7. Jahresbericht des Instituts für Organisationsökonomik

Heute ist der „7. Jahresbericht des Instituts für Organisationsökonomik“ als Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 10/2017 erschienen. Darin wird über die Beschäftigten und Aktivitäten des Instituts in den letzten beiden Semester berichtet. Wir haben wieder viel gemacht, weshalb es auch entsprechend viel zu berichten gibt, was etliche Seiten füllt und selbst Zeit kostet.

Sollten in Deutschland Studiengebühren erhoben werden? Contra

In WiSt – Wirtschaftswissenschaftliches Studium gibt eine Rubrik „Pro & Contra“, diesen Monat zu der Frage: „Sollten in Deutschland Studiengebühren erhoben werden?“ Der Pro-Beitrag von Stefan Winter ist hier unbeschränkt lesbar. Als einer der wenigen Ökonomen, der gegen Studiengebühren ist und bereits „Eine ökonomische Argumentation gegen Studiengebühren“ schrieb, die gekürzt in WiSt erschien, schrieb ich den Contra-Beitrag dazu. Dem Verlag gefällt es vielleicht nicht, doch ich habe mein Copyright nicht abgetreten und gebe nur meinen eigenen Text wieder:

Sollten in Deutschland Studiengebühren erhoben werden?

Contra

Zum konkreten Vorschlag

Echte Studiengebühren, die während des Studiums von allen Studierenden bzw. deren Eltern kassiert werden, halten Kinder aus ärmeren Familien vom Studium ab. Nachgelagerte und einkommensabhängige Studiengebühren stellen dagegen faktisch eine weitere Steuer bzw. Sonderabgabe dar, obwohl die Steuer- und Abgabenlast in diesem Land bereits auf Rekordniveau ist. Statt immer neue Steuern zu erfinden, sollte Nichtakademikern eher ein Steuernachlass gewährt werden.

Kein Problem der Gebührenfreiheit

Es gibt keine Mauer mit Schießbefehl mehr in Deutschland, sondern jeder darf auswandern. Akademiker zahlen dann hierzulande keine Steuern mehr, was aber auch auf nachgelagerte Studiengebühren zuträfe. Wenn tatsächlich immer mehr Absolventen abwandern, müssen die Bedingungen für Steuerzahler hier attraktiver statt noch unattraktiver gestaltet werden.

Wider die Argumente der Befürworter

Die arme Krankenschwester muss nicht das Studium des reichen Arztsohnes bezahlen, sondern Studierte zahlen viel mehr zusätzliche Steuern, als die Hochschulen kosten. Die gesellschaftliche Rendite eines Studiums ist hoch und der Staat sollte mehr in Bildung investieren. Das ist auch gerechter zwischen den Generationen, da die heutigen Akademiker keine Studiengebühren bezahlen mussten, sowie zwischen Eltern und Kinderlosen, die ebenfalls vom Studium der Kinder anderer Leute profitieren. Schließlich darf jeder freiwillig an seine alte Hochschule spenden, was ohne weitere Sonderabgabe leichter geht.

Aufnahme in Herausgeberkreis abgelehnt

Heute habe ich die Einladung in einen Herausgeberkreis (Editorial Board) abgelehnt, und zwar von Universe Scientific Publishing für die Zeitschrift Advances in Higher Education. Die Qualität der Zeitschrift und der bereits veröffentlichten Artikel scheint recht niedrig zu sein. Aber das ist nicht das Schlimmste, so bin ich doch z. B. letzte Jahr ‚In noch einem Herausgeberbeirat gelandet‘, der nicht zu einer wissenschaftlichen Top-Zeitschrift gehört.

Doch unterschiedliche Qualitätsstandards sind eine Sache, grundsätzlich fehlende Seriosität ist etwas ganz anderes (was auch in Politik und Wirtschaft gilt). So geht es bei der jetzt abgelehnten Anfrage wohl gar nicht wirklich um Wissenschaft, sondern nur um den Schein davon, um hohe Veröffentlichungsgebühren (Publication Fees) zu kassieren, die bereits für sich genommen zweifelhaft sind. Einreichungsgebühren (Submission Fees) sind für Autoren erst einmal unangenehmer, weil man sie auch zahlen muss, selbst wenn die Einreichung abgelehnt wird. Dafür sind sie eher mit einem ernsthaften Begutachtungsprozess vereinbar und können diesen sogar unterstützen, weil schlechtere Einreichungen eher abgeschreckt werden. Bei Veröffentlichungsgebühren drohen hingegen das Veröffentlichen und damit die positive Begutachtung verkauft zu werden.

Entsprechend steht der Verlag auf „Beall’s List: Potential, possible, or probable predatory scholarly open-access publishers“, die leider nicht mehr gepflegt wird (siehe dazu auch „Journale im Zwielicht“). Auch von anderen Verlagen auf dieser Liste bekomme ich zunehmend Veröffentlichungsangebote. Teilweise sind diese sogar für mich kostenlos, womit vermutlich meine wissenschaftliche Reputation eingekauft werden soll. Dabei vertraue ich nicht blind auf die Liste, sondern prüfe die betreffende Zeitschrift genauer, jedoch leider meistens mit negativem Ergebnis. Ich lehne es auch ab, für solche Zeitschriften Gutachten zu schreiben, wobei ich vielleicht doch einmal austesten sollte, wie eigentlich mit einem negativen Gutachten umgegangen würde.

Themenheft von Hochschulmanagement zur VHB-Pfingsttagung 2018

Zur VHB-Pfingsttagung 2018 in Magdeburg wird es nicht nur ein Sonderheft der Zeitschrift Business Research (BuR) geben mit diesem Call for Papers (siehe ‚Einreichungen zur VHB-Pfingsttagung 2018 und Sonderheft‘). Es ist auch ein Themenheft der Zeitschrift Hochschulmanagement (HM) geplant. Der Call for Papers dafür ist im aktuellen Heft versteckt und wohl noch nicht online, weshalb ich ihn hier einstelle:

Call for Papers für die VHB-Pfingsttagung 2018 und Themenheft dazu

Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg richtet die 80. Pfingsttagung des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. (VHB) vom 23. bis 25. Mai 2018 aus. Das Generalthema lautet: „(Ir)Rationalität von Entscheidungen in der betriebswirtschaftlichen Forschung und Praxis – (Ir)Rationality of Decisions in Business Research and Practice“. Daneben bietet die Jahrestagung des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. ein Forum, um neue Forschungsergebnisse aus allen Gebieten der Betriebswirtschaftslehre vorzustellen und zu diskutieren.

Die Vorträge im offenen Programmteil finden in Parallelsitzungen mit und ohne Diskutant statt. Über die Zuordnung entscheidet die Programmkommission. Die dem Vortrag zugrundeliegende Einreichung darf noch nicht veröffentlicht sein. Beiträge sind elektronisch über das Konferenzsystem der Tagung unter www.bwl2018.org in den drei folgenden separaten Dokumenten einzureichen:
» Autorenangaben (Name, Anschrift und Email-Adresse),
» Abstract von maximal 300 Wörtern,
» anonymisiertes Manuskript.
Abstract und Manuskript können in deutscher oder englischer Sprache verfasst sein. Der Umfang des Manuskripts sollte 25 Seiten nicht überschreiten. Die Sprache des Manuskripts bestimmt die Sprache des Vortrags auf der Tagung. Eingereichte Manuskripte werden von mindestens zwei Gutachterinnen oder Gutachtern beurteilt. Einreichungsschluss ist am 30. November 2017. Unter www.bwl2018.org finden Sie nähere Informationen zur VHB-Pfingsttagung und den offiziellen Call for Papers.

Die Programmkommission der Pfingsttagung wird von Herrn Prof. Dr. Alexander Dilger geleitet, der Track Hochschulmanagement von Herrn Prof. Dr. Joachim Prinz. Beide sind auch Mitglieder des Herausgeberkreises dieser Zeitschrift Hochschulmanagement (HM) und planen ein Themenheft mit deutschsprachigen Beiträgen oder nach Absprache Kurzfassungen von Beiträgen zur Pfingsttagung und zum Themenbereich Hochschulmanagement. Die Beiträge dafür sind ebenfalls bis zum 30. November 2017 zusätzlich an info@universitaetsverlagwebler.de mit dem Stichwort „Pfingsttagung“ zu senden.