Diskussionspapier zu gemeinnützigen Netzwerken

Noch im November ist das Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 11/2022 erschienen mit dem Titel „Non-Profit Networks“. Es dokumentiert einen alten Vortrag von mir zu gemeinnützigen Netzwerken, der vor allem die Bedeutung von Vertrauen sowohl für gemeinnützige Organisationen als auch Netzwerke sowie ihre Kombination betont.

Subventioniertes Gas sollte weiterverkauft werden dürfen

Es gibt Streit um ein Detail der „Gaspreisbremse: Rettung oder Ruin der Industrie?“ Deshalb wurde auch der ‚Vorschlag der Gaskommission zur Gaspreisbremse‘ noch nicht umgesetzt. Dieser sieht vor, dass größere Unternehmen, die für 70 Prozent ihres Gasverbrauchs im Jahr 2021 einen Beschaffungspreis von 7 Cent pro Kilowattstunde garantiert bekommen, das subventionierte Gas auch weiterverkaufen dürfen, wenn sie selbst mehr einsparen. Das ist ökonomisch und ökologisch völlig vernünftig, doch Strukturkonservative in der SPD und ihnen nahestehende Experten wollen den Weiterverkauf nicht erlauben. Jedes Unternehmen soll nach deren Ansicht selbst das vergünstigte Gas verbrauchen müssen, auch wenn es anderswo einen höheren Wert hat, was die Befürworter dieses unökonomischen Vorschlags jedoch bezweifeln. Niemand könne das in einer verflochtenen Wirtschaft wissen. Aber genau deshalb gibt es Preissignale und ist die Marktwirtschaft einer staatlichen Planwirtschaft so überlegen.

Man kann sinnvoll diskutieren, ob der Staat überhaupt eine Gasbremse einführen und teuer bezahlen soll. Aber wenn er das tut, dann doch bitte möglichst effizient. Der linke Vorschlag führt nicht nur zu einer schlechteren Verwendung des knappen Gases, sondern auch zu einem insgesamt höheren Verbrauch, was die Kosten noch mehr erhöht und zu einer echten Mangellage führen kann, in welcher der Staat dann noch mehr eingreifen müsste, was vielleicht das eigentliche Ziel dieses Ansinnens ist. Bundeskanzler Olaf Scholz ist jedenfalls dafür zum Nachteil nicht nur der Unternehmen, sondern auch von deren Beschäftigten, den Konsumenten, Steuerzahlern und der Umwelt. Unabhängig davon wäre es in jedem Fall sinnvoll, auch in Deutschland wieder mehr Gasförderung zu erlauben und sichere Atomkraftwerke weiterlaufen zu lassen, statt Gas (und Kohle) zur Verstromung einzusetzen.

12. Jahresbericht und h-Index von 20

Gestern ist der „12. Jahresbericht des Instituts für Organisationsökonomik“ erschienen. Im Vergleich zum ’11. Jahresbericht meines Instituts‘ gibt es wieder mehr Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften. Dabei stammen die höherrangigen von meinen (ehemaligen) Mitarbeitern, wie es aber wohl auch sein soll bei selbständiger Forschung von ihnen.

Ich freue mich, dass ich bei Google Scholar inzwischen einen h-Index von 20 erreicht haben, also 20 Beiträge von mir mindestens 20-mal zitiert wurden. Laut dem Erfinder des h-Index, Jorge E. Hirsch, bin ich damit ein „successful scientist“ (bzw. wäre es, wenn ich es innerhalb von 20 Jahren seit meiner ersten wissenschaftlichen Publikation geschafft hätte statt nach 25 Jahren, siehe „An index to quantify an individual’s scientific research output“).

Ökonomenpanel zur Energiepreiskrise

Beim 40. Ökonomenpanel von ifo und FAZ ging es um die „gegenwärtigen Preisanstiege auf den Energiemärkten“ bzw. um die „Energiepreiskrise: Nur 14% der Ökonom*innen unterstützen Strom- und Gaspreisdeckel zur Entlastung der Haushalte“. Da stimme ich mit der Mehrheit meiner Kollegen überein. 81 Prozent sind wie ich für den Weiterbetrieb der verbliebenen Atomkraftwerke und mit mir erwarten sogar 94 Prozent eine Rezession in Deutschland. Allerdings erwarte ich auch Black-Outs oder Rationierungen von Strom und Gas im Winter, während eine relative Mehrheit (47 Prozent) das nicht tut. Ebenso ist eine relative Mehrheit (46 Prozent) für eine Übergewinn-/Zufallsgewinnsteuer und sogar eine absolute Mehrheit (55 Prozent) für die Verstaatlichung angeschlagener Energieversorgungsunternehmen, was ich beides ablehne. Dies sind die Fragen und meine Antworten im Einzelnen:

Auf welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen sollte sich die Bundesregierung Ihrer Meinung nach im Umgang mit den drastisch gestiegenen Strom- und Gaspreisen fokussieren? (Mehrfachnennungen möglich)

Angebot z.B. durch weitere Energiequellen ausweiten,
Haushalte finanziell entlasten,
Betriebe finanziell entlasten,
Andere: Nicht mitten in der Krise gut und sicher laufende Atomkraftwerke abschalten und die viel zu hohen Kosten nicht noch weiter durch eine Gasumlage erhöhen.

Welche der folgenden Maßnahmen unterstützen Sie, um eine Ausweitung des Strom- und Gasangebots in Deutschland zu erreichen? (Mehrfachnennungen möglich)

Weiterbetrieb der verbliebenen Atomkraftwerke über 2022 hinaus,
Bau weiterer LNG-Terminals,
Wiederinbetriebnahme von abgeschalteten Kohlekraftwerken,
Aufhebung des Fracking-Verbots in Deutschland,
Einkauf von Flüssiggas – auch aus autokratischen Staaten,
Andere: Kein Einknicken vor Präsident Putin, doch ernsthafte Bemühungen um eine schnelle Beendigung des Krieges.

Sollten Haushalte weitere Entlastungen von den hohen Energiekosten erhalten? 

Ja.

Wenn Sie weitere Entlastungen für Haushalte befürworten, geben Sie bitte an: Sollten die Entlastungen auf bestimmte Personengruppen beschränkt sein? (optional)

Die (Sonder-)Steuern, Abgaben und Umlagen für zu teure Energie sollten allgemein gesenkt werden. Haushalte mit geringen Einkommen sollten zusätzlich unterstützt werden.

Wenn Sie weitere Entlastungen für Haushalte befürworten, geben Sie bitte an: In welcher Form sollten Haushalte Ihrer Meinung nach entlastet werden? 

Energiegelder (Transferzahlungen),
Andere: Senkung der (Sonder-)Steuern, Abgaben und Umlagen auf Energie.

Sollten Betriebe weitere Entlastungen von den hohen Energiekosten erhalten? 

Ja.

Wenn Sie weitere Entlastungen für Betriebe befürworten, geben Sie bitte an: Sollten die Entlastungen auf bestimmte Betriebe beschränkt sein? (optional)

Nein.

Sollten Ihrer Meinung nach durch die Energiekrise angeschlagene Energieversorgungsunternehmen verstaatlicht werden?

Nein, weil geordnete Insolvenzverfahren besser sind.

Unterstützen Sie die Einführung einer Übergewinn-/ Zufallsgewinnsteuer für die Produzenten von erneuerbaren Energien, Kern- und Kohleenergie? 

Nein, weil Gewinne legitim sind und zur Bereitstellung von mehr Energie und Investitionen anregen. Allerdings sollte die Bepreisung überdacht werden, insbesondere von erneuerbaren Energien, die unabhängig vom Preis liefern, was Sonne und Wind gerade hergeben.

Erwarten Sie für den kommenden Winter Black-Outs oder Rationierungen von Strom und Gas? 

Ja.

Sind Sie der Meinung, dass es in Folge der Energiepreiskrise zu einer Rezession in Deutschland kommen wird?

Ja.

Welche durchschnittliche Inflationsrate erwarten Sie in Deutschland für die folgenden Jahre? (In Prozent)

2023: 10
2024: 9
2025: 8

Ihr öffentlicher Kommentar zu den Energiemärkten (optional):

Der Staat muss jetzt vor allem das Angebot ausweiten statt weiter beschränken. Er darf die Preise nicht noch weiter künstlich erhöhen, sondern sollte alle Sonderbelastungen von Energie aussetzen. Besonders bedürftige Haushalte sind zu unterstützen.

Wirtschaftsnobelpreis 2022 für Ex-Notenbanker und Bankexperten

„The Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel 2022“ geht an Ben S. Bernanke, Douglas W. Diamond und Philip H. Dybvig für ihre Forschung zu Banken und Finanzkrisen. Dass Banken wichtige Funktionen als Finanzintermediäre erfüllen, wusste man allerdings schon vor ihnen. Dagegen war (und ist) es strittig, ob der Staat Banken in schweren Krisen retten soll, wofür die Preisträger plädieren. Meiner Ansicht nach sollten nicht nur bei Banken chaotische Zusammenbrüche vermieden werden, während geordnete Insolvenzverfahren besser sind als ihr Ruf.

Die Preisvergabe ist dieses Jahr politischer als sonst, weil Herr Bernanke nicht nur Wissenschaftler war und ist, der vor allem die Weltwirtschaftskrise um 1930 untersuchte, sondern auch von 2006 als Nachfolger von Alan Greenspan bis 2014 Präsident des Federal Reserve Board war. Damit führte er als oberster Notenbanker die USA in die Finanzkrise und auch wieder hinaus. Seine Geldpolitik war nicht ganz unschuldig an der damaligen Krise und legte später den Grundstein für die heutigen Inflationsprobleme. Zugleich hat er, auch mit seinen Kenntnissen über die Weltwirtschaftskrise, noch schlimmere Auswirkungen der Finanzkrise in den USA verhindert, während sie in Europa auch zur Eurokrise führte. Insgesamt halte ich ihn für einen guten Wissenschaftler und viel besseren Notenbanker als Frau Lagarde, aber nicht wirklich für nobelpreiswürdig.

Aktuelle Stellenausschreibung

Mein Mitarbeiter Felix Hoch wurde dieses Semester summa cum laude promoviert und wechselt intern an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, wozu ich ihm geraten hatte. Meinen Glückwunsch zu beidem!

Deshalb brauche ich einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin, wozu es eine aktuelle Stellenausschreibung gibt. Dazu fünf Erläuterungen: Die nicht der offiziellen Rechtschreibung entsprechenden Gendersternchen hat die Verwaltung entgegen meiner Vorlage und ohne Rücksprache eingefügt. Die Befristung auf gleich drei Jahre verlangt der Personalrat entgegen der geltenden Rechtslage (siehe bereits ‚Kommentierte Stellenausschreibung‘). Dafür fehlt der wichtige Hinweis, dass eine Verlängerung um maximal nochmals drei Jahre möglich ist. Ebenso ist eine Aufstockung auf eine volle Stelle möglich (oder auch eine Reduktion auf eine halbe Stelle, falls jemand das bevorzugen sollte). Schließlich diskriminiere ich niemanden, auch keine Männer.

Hans-Werner Sinn zur Gaskrise

Die ‚Mehrwertsteuer auf Gas wird gesenkt, was nur verbraucherfeindliche Ökonomen kritisieren‘. Es gibt aber auch noch sehr vernünftige Kollegen, z. B. „Grüne Energiewende schuld an Gaskrise: Ökonom Hans-Werner Sinn im Interview“. Seine Verteidigung der Gasumlage finde ich nicht überzeugend, aber dafür seine Antwort auf diese suggestive Frage:

Herr Prof. Dr. Sinn, Wirtschaftsminister Habeck hat neulich gesagt, dass das Modell der Abhängigkeit von „billigem“ russischen Gas gescheitert sei. Ist der liberale Wirtschaftsansatz der Bundesrepublik daran schuld? Der liberale Gasmarkt hat sich ja für das billigste Produkt entschieden.

[Antwort:] Nein, das Russengas gewann seine dominante Stellung wegen der grünen Energiewende, also aus politischen Gründen. Da Wind- und Solarenergie sehr flatterhaft sind, braucht man während der häufigen, langanhaltenden Dunkelflauten regelbare, konventionelle Kraftwerke als Lückenfüller, und zwar im vollen Umfang des deutschen Strombedarfs. Die Kohle- und Atomkraftwerke wollte die Politik ja abschalten, also blieb den Erzeugern nur das teure Gas. Die unheilvolle Abhängigkeit vom Russengas ist der Kollateralschaden einer unbedacht organisierten Energiewende.

Es folgt seine Verteidigung der Gasumlage, wobei die Antwort für sich genommen durchaus richtig ist, aber eben nicht die Gasumlage rechtfertigt, die die ohnehin schon stark extrem stark gestiegenen Preise für die Verbraucher weiter verteuert:

[Frage:] Minister Habeck will Deutschland nun von „billigem“ russischen Gas befreien und verteidigt deshalb die Gasumlage. Will man hier die Inflation mit noch höheren Gaspreisen bekämpfen?
[Antwort:] Die deutsche Bevölkerung muss die hohen Gaspreise tragen, denn der liebe Gott hilft ihr nicht. Wenn das Gas knapp ist, müssen die Preise steigen, um den Verbrauch zu dämmen. Sonst muss man das Gas rationieren, was aber Tohuwabohu in der Wirtschaft erzeugt, weil der Staat gar nicht wissen kann, wer leicht verzichten kann und wer nicht.

Die folgende Frage scheint mir sinnvoller als die Antwort:

[Frage:] Warum kann der Staat nicht einzeln prüfen wie bei Uniper, welcher Konzern wirklich Hilfe braucht? Die Krisengewinner RWE und Shell brauchen das Geld aus der Gasumlage nicht.
[Antwort:] Jeder Anbieter kann selbst entscheiden, ob er von der Möglichkeit der Preiserhöhung Gebrauch macht. Er ist nicht verpflichtet. Die meisten müssen die steigenden Einkaufspreise aber auf die Verbraucher umlegen, um nicht in Konkurs zu gehen.

Konzerne mit hohen Gewinnen können sich damit auch für die Gasumlage entscheiden und ihre Gewinner weiter erhöhen zu Lasten der Verbraucher. Dasselbe gilt für die von der Politik geschaffene Möglichkeit, die Preise weit über das vertraglich vereinbarte Niveau anzuheben. Konzerne mit Verlusten können diese an die Verbraucher weiterreichen und dadurch weiter Gewinne machen und Managerboni auszahlen. Richtig wären geordnete Insolvenzverfahren, bei denen die Eigentümer ihr Eigenkapital und die Manager ihre Boni verlieren sowie die Verträge mit den betroffenen Kunden dann neu verhandelt werden können, statt alle Gaskunden (aber auch nur diese und nicht die Steuerzahler nach ihrer Leistungsfähigkeit) in Haftung zu nehmen.

[Frage:] Ist die Gasumlage mit Blick auf die Inflation doch eine Fehlentscheidung? Sie wird die allgemeine Inflation in Deutschland laut dem Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) auf über zehn Prozent treiben.
[Antwort:] Auch so droht eine zweistellige Inflation der Verbraucherpreise. Der Inflationsdruck ist bei allen gewerblichen Erzeugerpreisen schon seit dem letzten Jahr riesig, nicht nur bei der Energie. Dagegen sollte der Staat nicht mithilfe einer Preisdeckelung vorgehen. Vielmehr ist es Sache der EZB, die Inflation zu bekämpfen. Gegen spezifische Preiserhöhungen beim Gas vorzugehen, ist falsch, denn höhere Preise veranlassen die Verbraucher, weniger zu kaufen, und die Firmen aus anderen Quellen mehr Gas herbeizuschaffen. […]
Eine Deckelung des Gaspreises ist nicht sinnvoll, weil der Staat dann zu einer Rationierung der Gasmengen gezwungen ist. Eine Rationierung von Gütern ist das Kennzeichen einer kommunistischen Zentralverwaltungswirtschaft. Die funktioniert einfach nicht. Was funktioniert, ist die Zinspolitik der Zentralbank. Eine Erhöhung der Zinsen im Euroraum würde die Kapitalflucht nach Amerika bremsen, die seit dem letzten Jahr stattfand. Der Euro würde sofort aufwerten, und sämtliche Preise der aus dem Nicht-Euroraum importierten Güter, auch der Energie, würden fallen.

Der Verweis auf die allgemein viel zu hohe Inflation, gegen die die EZB mehr tun könnte und müsste, ist richtig, rechtfertigt aber nicht die Gasumlage, die die extremen Preiserhöhungen beim Gas noch zusätzlich steigert. Der Verzicht auf eine solche Umlage wäre keine Preisdeckelung, auch die Absenkung der Mehrwertsteuer ist keine solche Deckelung, sondern lässt den Preismechanismus noch besser wirken, da die höheren Preise stärker bei den Anbietern und deren Lieferanten ankommen und weniger an den Fiskus abfließt.

[Frage:] Die EZB hat jedoch erstmals seit elf Jahren den Leitzins auf 0,5 Prozent erhöht. Nicht genug?
[Antwort:] Die EZB hat die kräftige Zinswende der Amerikaner, die schon letztes Jahr angekündigt wurde, nur sehr zögerlich mitgemacht. Das hat die Kapitalflucht verursacht und den Euro gegenüber dem Dollar um gut 20 Prozent abgewertet. Die Importe vom Weltmarkt wurden dadurch für sich genommen um knapp 20 Prozent teurer. Diesen Effekt kann man durch eine restriktive Geldpolitik rückgängig machen.

Das ist richtig. Für die hohe Inflation ist primär die EZB verantwortlich, für die desaströse deutsche Energiepolitik jedoch nicht.

Herr Sinn sagt weiter:

Preispolitik ist in der Marktwirtschaft im Grundsatz nicht Sache der Regierung, sondern der Notenbank. Nur in einer kommunistischen Zentralverwaltungswirtschaft diktiert der Staat die Preise. Das gilt auch, wenn ein externer Diktator die Macht hat, den Gashahn abzudrehen. Mit dem Fiasko, das daraus entsteht, wird der Markt bei sich frei bildenden Preisen immer noch zehnmal besser fertig als eine Regierung, die auf Preiskontrollen und Rationierungsmaßnahmen setzt.

Das ist richtig, doch die Gasumlage ist auch ein staatlicher Eingriff in die freie Preisbildung am Markt, ebenso die Energiesteuer. Die allgemeine Mehrwertsteuer ist kein solcher Eingriff, doch ihre Senkung zur Absenkung anderer staatlicher Belastungen ist gerechtfertigt.

[Frage:] Braucht Deutschland aber eine Übergewinnsteuer für die Krisengewinner unter den Energiekonzernen?
[Antwort:] Die Übergewinnsteuer gehört nicht in die Marktwirtschaft, weil es ein Ad-hoc-Instrument ist, das die Systematik des Steuersystems und das Vertrauen in das Recht zerstört. Wenn man zu sehr eingreift, wandern die Unternehmen ab, und es entsteht ein Wohlstandsverlust bei den breiten Massen, weil gut bezahlte Arbeitsplätze fehlen. Dieser blinde Aktionismus, den die Fans der Übergewinnsteuer vertreten, ist einer Marktwirtschaft nicht zuträglich.

Auch das halte ich für richtig, doch es spricht zugleich gegen die Gasumlage und andere Staatseingriffe, die Gewinne am Markt vorbei erhöhen.

Der folgende Punkt von Herrn Sinn ist extrem wichtig und sollte zu einem allgemeinen Umdenken führen:

Deutschland hat sich schon darauf festgelegt, bis 2045 den Anteil der fossilen Energien auf null zu senken. Es ist eine gefährliche Utopie, bei der man sich nur wundern kann, dass sie so viel Rückhalt in der Bevölkerung hatte. Die Menschen wissen offenbar gar nicht, was ihre Politiker beschlossen haben. Und vermutlich wissen es die Politiker nicht einmal selbst.

Die folgende Antwort ist ebenfalls wichtig und könnte dafür sprechen, in Deutschland doch kein Gas zu fördern, obwohl das die Abhängigkeit vom russischen Gas mindern würde:

[Frage:] Bedauern Sie hier eher den Ausstieg aus der Atomkraft oder auch den Ausstieg aus der Kohle und aus dem Öl?
[Antwort:] Nur der Kohleausstieg macht Sinn. Wenn wir unsere Braunkohle nicht mehr abbauen, bleibt der Kohlenstoff auf dem deutschen Territorium und geht nicht in die Luft. Das ist beim Erdöl anders, weil es im Gegensatz zur Braunkohle auf den Weltmärkten angeboten wird. Wenn wir auf Erdöl verzichten, geben wir es für andere Länder frei, die es zu fallenden Preisen gerne kaufen und an unserer Stelle verbrennen, allen voran China. Um das zu verhindern, müssten wir das Öl kaufen und es auf europäischem Territorium einlagern und versiegeln, was aber ein absurder Vorschlag wäre. Wegen der Freigabe der Mengen geht der Klimawandel genauso schnell weiter wie ohne unseren Verzicht. Unsere Verzichtspolitik schädigt das Herzstück der deutschen Industrie, nämlich die Automobilindustrie, stärkt unsere Konkurrenten und reduziert den Lebensstandard der europäischen Bevölkerung, ohne der Umwelt auch nur ein bisschen zu helfen. Die deutsche Industrieproduktion ist schon seit 2018 rückläufig, und zwar nicht erst seit der Corona-Pandemie. Das liegt an der Herzkrankheit, die seit 2018 durch die CO2-Verordnungen der EU für den Automobilsektor ausgelöst wurde.

Wichtig und richtig ist sein Plädoyer für Atomkraft:

[Frage:] Was wären an dieser Stelle Ihre konstruktiven Vorschläge für eine bessere Energiepolitik der Bundesregierung?
[Antwort:] Es ist sinnlos, bei den am Weltmarkt gehandelten Brennstoffen mit der Verzichtspolitik fortzufahren, wenn die anderen Länder nicht folgen. Der Klimaclub wäre eine Möglichkeit gewesen, doch China und Indien pfeifen darauf. Wir müssen in die Atomkraft gehen. Der Ausstieg aus der Atomkraft war falsch, und jetzt ist Deutschland Geisterfahrer auf der Autobahn: das einzige Land auf der Erde, das noch aus der Atomkraft aussteigt. Alle anderen Länder wie Schweden und Belgien haben sich von ihrem Ausstieg wieder verabschiedet. Wir behaupten, wir hätten die Weisheit gepachtet und alle anderen müssten uns jetzt folgen. Es folgt uns nur keiner. Das sollte doch zu denken geben.
In der Gaskrise die Atomkraftwerke weiterhin abschalten zu wollen, ist zutiefst ideologisch und unbedacht. Die Franzosen haben gerade unter Präsident Emmanuel Macron beschlossen, neun neue Atomkraftwerke zu errichten, und neue Typen werden erforscht. Frankreich wird dann Deutschland in noch größerem Umfang als bislang als Lieferant von Atomstrom zur Verfügung stehen, und es wird uns auch gerne teuren Wasserstoff liefern, der daraus hergestellt werden soll und von der EU-Kommission als „grün“ klassifiziert wird.

Mehrwertsteuer auf Gas wird gesenkt, was nur verbraucherfeindliche Ökonomen kritisieren

‚Ungerechte Gasumlage startet mit netto 2,419 Cent pro kWh‘, wurde Anfang der Woche verkündet. Drei Tage später erklärt der Kanzler, vielleicht wegen der zwischenzeitlichen Proteste, die „Bundesregierung senkt Mehrwertsteuer auf Gas“ von 19 auf 7 Prozent für die Dauer der Umlage, also aus heutiger Sicht bis März 2024. „Mit dem Schritt würden die Gaskunden insgesamt deutlich stärker entlastet, als sie durch die staatliche Gasumlage belastet würden“, behauptet der Kanzler, was jedoch bei den aktuellen Preisen nicht stimmt. Bei ihnen ist die Gasumlage höher. Bei weiter steigenden Preisen würde sich der Vorteil aus Steuersenkung erhöhen, könnte allerdings auch die Gasumlage weiter steigen, auf die ebenfalls der ermäßigte Steuersatz erhoben wird. Einen vollständigen Erlass der Steuer für die Umlage hatte die EU-Kommission ausgeschlossen. Außerdem wird es eine weitere Umlage für Regelenergie geben, die für Haushalte 0,57 Cent und für Unternehmen 0,39 Cent je Kilowattstunde beträgt. Insgesamt ist die Steuersenkung besser als gar keine Entlastung, aber noch besser wäre wohl ein Verzicht auf die Gasumlage(n) gewesen, die der Staat doch auch aus den höheren Steuereinnahmen hätte begleichen können. Auch mit dem ermäßigten Steuersatz nimmt der Fiskus übrigens mehr ein als vor den enormen Preissteigerungen in diesem Jahr.

Viele deutsche „Ökonomen halten wenig von der Mehrwertsteuersenkung“, so wie sie vorher schon gegen den Tankrabatt (siehe ‚Energiesteuer wird kurz ein wenig gesenkt […]‘) waren. Jens Südekum will z. B. „Preissignale voll wirken lassen“, als wenn die Preise sich nicht auch mit der Steuerreduktion vervielfachen würden. „Zudem werden die Anreize zum Gassparen verringert“, was angesichts des enormen und für die meisten Verbraucher noch völlig unsicheren Preisanstiegs faktisch falsch ist (es gilt höchstens, dass der Sparanreiz nicht ganz so stark steigt, als wenn es nur die Preissteigerungen und die Gasumlage gegeben hätte und keine Steuerreduktion). Jeder spart, was er kann. Das könnte nur durch Gasabschaltungen noch gesteigert werden, die die Politik aber zumindest noch vorgibt, verhindern zu wollen.

Veronika Grimm fürchtet: „Hoffentlich denken die Menschen jetzt nicht, dass Gas doch nicht so teuer wird“. Das denkt jedoch niemand außer ihr. Die Preise explodieren, wozu der Staat ganz wesentlich beigetragen hat, erst durch die hohe Abhängigkeit von russischem Gas und den systematischen Abbau von Alternativen wie Kohle, Öl und auch Atomkraft, dann durch die verfehlte Sanktionspolitik, an der Präsident Putin für seinen Krieg noch zusätzlich verdient. Dafür bekommen die deutschen Verbraucher die Rechnung präsentiert, an der sich auch der Staat durch Steuern und Abgaben kräftig bereichert, während er den Konzernen, die teilweise hohe Zusatzgewinne machen, nicht nur die neue Gasumlage zuschanzt, sondern auch kräftige Preiserhöhungen entgegen geschlossenen Verträgen erlaubt zu Lasten der Verbraucher, die von vielen meiner Kollegen leider nicht geschätzt werden, obwohl ihr Nutzen das Hauptziel des Wirtschaftens sowie des Staates sein sollte.

Diskussionspapier zur Personalrekrutierung aus dem Ehrenamt

Das Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 7/2022 widmet sich dem Thema „Personalrekrutierung aus dem Ehrenamt durch NPOs“. Die Zusammenfassung lautet: „Non-Profit-Organisationen (NPOs) können ehrenamtliche Positionen zur Selektion ihrer hauptamtlich Beschäftigten einsetzen, da Höherproduktive auch im Ehrenamt weniger Arbeitsleid empfinden.“ In der Parteipolitik scheint es allerdings genau umgekehrt zu sein, dass die Niedrigproduktiven geringere Opportunitätskosten haben und die Mehrheit bilden.

Beitrag zum Euro aus Unternehmensperspektive erschienen

„The Euro from a Business Perspective“ ist vorab online in Economia Internazionale/International Economics erschienen, wo es auch bereits einen „Comment to ‚The Euro from a Business Perspective‘ by A. Dilger“ gibt. Mein Beitrag ist eine überarbeitete Version vom (2017) ‚Neue[n] Diskussionspapier zum „Euro aus Unternehmensperspektive“‚, welches offensichtlich immer noch relevant ist, inzwischen vielleicht sogar noch relevanter.