Ökonomenpanel zur Fleischwirtschaft

Beim 30. Ökonomenpanel von ifo und FAZ ging es um die Frage „Brauchen wir staatliche Eingriffe in den Fleischmarkt?“ Wie üblich dokumentiere ich meine Antworten, die diesmal recht häufig mit der Mehrheit übereinstimmen.

Gegenwärtig werden wirtschaftspolitische Eingriffe des Staates in den Fleischmarkt diskutiert.

(Wie) sollte Ihrer Meinung nach der Staat in den Fleischmarkt eingreifen? [Mehrfachnennungen möglich]

Regulierung zum Tierwohl

Regulierung zum Arbeitnehmerschutz

Andere Maßnahmen: Regulierung zum Gesundheits- und Konsumentenschutz

(nicht: Regulierung zum Klima- und Umweltschutz)

Welche der gegenwärtig diskutierten arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für die Fleischindustrie halten Sie für sinnvoll? [Mehrfachnennungen möglich]

Regulierung  von Subunternehmen

Höhere Mindeststandards bei der Unterbringung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer[n]

Bessere medizinische Überwachung und Versorgung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Höhere Mindeststandards beim betrieblichen Arbeitsschutz

Verstärkte staatliche Kontrollen

(nicht: Verbot von Werksverträgen, Pflicht einer digitalen Zeiterfassung, Erhöhter Mindestlohn in der Fleischwirtschaft)

Sollten Ihrer Meinung nach die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie auf europäischer Ebene einheitlich geregelt werden, um einen Unterbietungswettbewerb der EU-Mitgliedstaaten zu verhindern?

Nein, weil Deutschland erst einmal seine Hausaufgaben machen muss, ehe es anderen Vorschriften macht.

Welche der gegenwärtig diskutierten Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um das Tierwohl zu fördern? [Mehrfachnennungen möglich]

Verbesserte Mindeststandards für die Tierhaltung durch Regulierung (z.B. größere Fläche pro Tier)

Schärfere Kontrollen der bestehenden Mindeststandards für die Tierhaltung und höhere Strafen bei Verstößen

Veröffentlichung grober Verstöße gegen die Tierwohlstandards durch einzelne Firmen („name & shame“)

(nicht: Einführung eines freiwilligen staatlichen Tierwohl-Labels in der Nutztierhaltung; Zusätzliche Tierwohl-Förderprämien; Tierschutzabgabe, die auf den Fleischpreis aufgeschlagen wird und zweckgebunden für höhere Tierschutzstandards verwendet wird; Aufklärungs- und Fortbildungskampagnen für Tierhalter; Preiswerbeverbot für Fleischprodukte)

Welche Maßnahmen halten Sie für sinnvoll, um mögliche Auswirkungen der Fleischwirtschaft auf die Umwelt und das Klima zu berücksichtigen? [Mehrfachnennungen möglich]

Einbindung der Fleischwirtschaft in den europäischen CO2-Zertifikatehandel

Gebote und Verbote bei der Nutztierhaltung (z.B. Gülleeinsatz als Düngemittel)

(nicht: CO2-Steuer auf Fleischprodukte, deren Höhe auch internationale Transportwege berücksichtigt; Verbraucheraufklärung über den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Klimawandel; Gebote und Verbote beim Fleischkonsum (Konsumbeschränkungen für Fleischprodukte)

Sollten die gegenwärtigen Subventionen für die Fleischindustrie durch EU-Gelder reformiert werden?

Ja, sie sollten gesenkt werden, weil sie den Markt verzerren (Fleischkonsum sollte staatlich weder beschränkt noch gefördert werden).

Sollten die gegenwärtigen Subventionen für die Bio-Fleischwirtschaft reformiert werden?

Ja, sie sollten gesenkt werden, weil das auch eine Verzerrung ist.

Ihr öffentlicher Kommentar zur Fleischwirtschaft (optional):

Die Tiere sind am ehesten staatlich zu schützen, weil sie sich nicht selbst schützen können. Konsumenten profitieren von Transparenz und Wettbewerb, was auch für Beschäftigte gilt.

Zweieinhalb Argumente für Quoten

Die ‚CDU will eigene Frauenquote und Gleichstellung statt Gleichberechtigung für alle‘. Die Argumente dagegen dürften den Leserinnen und Lesern meines Blogs vertraut sein. Es wird in die Entscheidungs- und Wahlfreiheit eingegriffen, um nach dem Geschlecht zu diskriminieren, was bereits für sich genommen ein Übel ist. Außerdem wird die Qualität der Gewählten schlechter, wenn nicht mehr die Besten insgesamt ausgewählt werden dürfen, sondern dies quotiert und getrennt nach Geschlechtern erfolgen muss. Die Standardargumente dafür überzeugen nicht, etwa dass es nur darum ginge, die Diskriminierung von Frauen zu verhindern und auszugleichen, die ohne Diskriminierung überall hälftig vertreten sein müssten (bzw. in begehrten Spitzenpositionen, während sie auch anderswo unterrepräsentiert sind, z. B. bei den normalen Parteimitgliedern oder in Gefängnissen). Dass die Entscheidungen von Gremien mit einem höheren Frauenanteil besser würden, spricht (zumindest für sich genommen) auch nicht für eine verpflichtende Quote, weil dann doch eigentlich freiwillig mehr Frauen gewählt werden müssten bzw. diese sich im Wettbewerb durchsetzen sollten (wenn nicht innerhalb von männerdominierten Organisationen, dann im Wettbewerb zwischen solchen Organisationen, von denen die mit mehr Frauen annahmegemäß besser abschneiden sollten).

Gibt es vielleicht bessere Argumente, die für eine Frauenquote sprechen könnten? Mir fallen zweieinhalb ein: Das erste Argument stellt nicht auf die gegebene Qualität, sondern die Anstrengung von Frauen und Männern im Wettbewerb ab. Gerade wenn Männer als solche in einer relevanten Hinsicht besser sein sollten (z. B. im Sport hinsichtlich Muskelkraft), kann das den Wettbewerb vermindern und die Anstrengung bei Männern, die ohnehin gewinnen, und Frauen, die schlechtere Chancen haben, verringern. Eine Quote bzw. Separierung nach dem Geschlecht (wie in den meisten Sportarten üblich), kann dann den Wettbewerb und damit das Anstrengungsniveau für beide Geschlechter erhöhen. Ob das tatsächlich so ist und ob es mögliche Einschränkungen der Qualität überkompensiert, ist eine empirische Frage.

Das zweite Argument für eine Quote gilt in einer ‚Kakistokratie‘, bei der Herrschaft der Schlechtesten. Wie bei einem Qualitätswettbewerb eine Quote die Qualität senkt, so kann sie bei einem Antiqualitätswettbewerb die (besonders niedrige) Qualität erhöhen. Ohne Quote werden die Schlechtesten überhaupt ausgesucht bzw. drängen sich diese im Rahmen adverser Selektion selbst nach vorne. Mit einer Quote setzen sich immer noch die allerschlechtesten Männer durch, aber weniger von ihnen, während die von der Quote profitierenden Frauen zwar auch schlecht sind, aber besser als die von der Quote verdrängten Männer, weil sie sich sonst schon ohne Quote durchgesetzt hätten. Noch besser als eine Quote wäre es natürlich, solche dysfunktionalen Auswahlprozesse ganz zu durchbrechen und z. B. durchs Losen zu ersetzen, welches zu mittlerer statt besonders schlecher (oder umgekehrt guter) Qualität führt.

Das letzte halbe Argument für eine Quote setzt bei der Idee an, Männerseilschaften zu durchbrechen, die den freien Wettbewerb um begehrte Positionen beschränken. Solche Beschränkungen hindern sowohl die Anstrengung als auch die Qualität (zumindest wenn es sich um einen Qualitätswettbwerb und keine Kakistokratie handelt). Die Einführung einer Quote bringt tatsächlich das zuvor existierende Machtgefüge durcheinander. Allerdings ergeben sich dann neue Machtstrukturen, die sich ihrerseits zu verfestigen und den Wettbewerb zu beeinträchtigen drohen. Wichtig ist in diesem Fall also gar nicht die Quote, sondern die Veränderung bei ihrer Einführung, später aber z. B. auch bei ihrer Abschaffung oder Verschärfung auf 100 Prozent etc. Ein einfacheres Mittel als eine sich ständige ändernde Quote wären deshalb Amtszeitbegrenzungen für alle.

Weitere digitale Disputation und Ausschreibungen

Nach der ersten digitalen Disputation (siehe ‚Erstmals Seminar und Disputation digital‘) gab es gleich die zweite. Bereits vor acht Tagen wurde auch mein Mitarbeiter Milan Klus promoviert, ebenfalls mit uneingeschränktem höchsten Lob (summa cum laude). Das ist keineswegs die Standardnote, war aber in beiden Fällen durchaus verdient. Meinen Glückwunsch!

Wenn zwei Mitarbeiter demnächst gehen, brauche ich mindestens einen oder eine neue. Dabei war meine ‚Wiederholte Stellenausschreibung‘ vom Februar erfolgreich. Jetzt gibt es eine neue Stellenausschreibung für eine(n) „wissenschaftliche Mitarbeiterin/wissenschaftliche[n] Mitarbeiter“. Vorerst handelt es sich um eine Dreiviertel-Stelle, die auf drei Jahre befristet ist, wobei sie auch aufgestockt und maximal um drei weitere Jahre verlängert werden kann. Ich bin gespannt, ob sich die Corona-Maßnahmen bereits am akademischen Arbeitsmarkt bemerkbar machen und zu mehr Bewerbungen führen.

Daneben gibt es noch eine Stellenausschreibung für eine „studentische Hilfskraft“. Hier beträgt die wöchentliche Arbeitszeit 6 Stunden und die anfängliche Befristung 6 Monate, wobei eine längere Zusammenarbeit erwünscht ist. Beide Stellen sind für den 1. Oktober ausgeschrieben mit einer Bewerbungsfrist bis zum 31. Juli, damit noch Zeit zur Auswahl und für den sechswöchigen Einstellungsprozess der Verwaltung bleibt.

Mindestlöhne sollen in der Krise stark steigen

Vor sechs Jahren wurde ein ‚Flächendeckender Mindestlohn beschlossen‘, der dann zum 1. Januar 2015 mit 8,50 Euro eingeführt wurde. Seit Anfang dieses Jahres liegt der Mindestlohn bei 9,35 Euro, was einer Steigerung um 10 Prozent in vier Jahren entspricht. Kaum bricht die Wirtschaft ein, nimmt der Mindestlohn jedoch richtig Fahrt auf. Der „Mindestlohn soll in vier Stufen steigen“, empfiehlt mit Blick auf die Vergangenheit statt Zukunft die Mindestlohnkommission. Deren Empfehlungen pflegt die Bundesregierung zu folgen, die jetzt entgegen der grundgesetzlich garantierten Tarifautonomie per Verordnung den (Mindest-)Lohn bestimmt. Konkret soll der Mindestlohn in den nächsten zwei Jahren um 11,8 Prozent auf 10,45 Euro steigen. In der gleichen Zeit wird mit einem krisenbedingt eher fallenden Lohnniveau gerechnet.

Die Befürworter der staatlichen Preis- und Lohnsetzung freuten sich, dass die Mindestlohneinführung keine Arbeitsplätze gekostet hätte. Doch tatsächlich wuchs die Beschäftigung weniger stark, als sie es angesichts einer relativ guten Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage hätte tun können (siehe „Bilanz nach fünf Jahren: Was hat der gesetzliche Mindestlohn gebracht?“). Der eigentliche Test steht aber ohnehin erst jetzt bevor, bei schlechter Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation. In dieser Phase den Mindestlohn auch noch so stark zu erhöhen, wird zu Problemen führen, sowohl für Beschäftigte mit niedrigen Löhnen und Arbeitssuchende in diesem Bereich als auch für kleinere und mittlere Unternehmen sowie Selbständige. Dagegen kann der Staat einfach die Steuern und Sozialabgaben sowie die Kreditaufnahme weiter erhöhen und damit auch Großkonzerne, Medienunternehmen und z. B. Schalke mit bei 2,5 Millionen Euro pro Jahr gedeckelten Spielergehältern (siehe ‚Landesregierung will für Schalke bürgen‘) subventionieren.

Erstmals Seminar und Disputation digital

Gestern und heute hatte ich mein erstes digitales Seminar mittels Zoom von zu Hause aus, zufällig passend zum schon vorher ausgesuchten Thema „Digitalisierung in Unternehmen“. Es hat besser geklappt als befürchtet (siehe ‚Lehrveranstaltungen verschoben und noch offen‘).

Am Donnerstag gab es noch eine andere Premiere, nämlich die erste von mir betreute digitale Disputation ebenfalls mittels Zoom. Promoviert wurde mein wissenschaftlicher Mitarbeiter Todor Lohwasser mit der glatten Bestnote summa cum laude. Meinen Glückwunsch!