Mitglied bei IASE und Überlegungen für Euro-Kritiker

Die „2nd ​​​​​​​​​International Conference Sport Economics & Sport Management (SESM)“ in Berlin vor zehn Tagen (siehe ‚Dopingvortrag in Berlin‘) wurde neben dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auch von der International Association of Sports Economists (IASE) mitorganisiert. Ich bin dort jetzt Mitglied geworden. So kann ich meine Verbundenheit ausdrücken und erhalte Informationen über weitere Veranstaltungen und Aktivitäten. Vor allem kostet die Mitgliedschaft nichts.

Ich überlege, ob IASE vielleicht in einer von zwei Hinsichten ein Vorbild für die immer noch angedachte Gründung von Euro-Kritiker e. V. (siehe ‚Interessensabfrage für Euro-Kritiker e. V. i. G.‘) sein könnte. Keinerlei (verbindlicher) Mitgliedsbeitrag könnte zu deutlich mehr Mitgliedern führen. Wer grundsätzlich Interesse hat, sollte sich jedenfalls nicht davon abschrecken lassen, „dass ein monatlicher Mitgliedsbeitrag von 10 Euro vorgesehen ist und ein Förderbeitrag von 5 Euro“. Das war nur eine Idee, die vielleicht gar nicht so gut war und über die die Gründungsversammlung auf jeden Fall befinden muss. Alternativ zu keinem Beitrag, um die Zahl der Mitglieder zu maximieren, könnte die Zahl der formalen Mitglieder durch einen nicht zu geringen Beitrag extra niedrig gehalten werden, während andere, beitragsfreie Formate für Unterstützer und Interessenten anzubieten sind. Ein sehr niedriger Beitrag verursacht hingegen höhere Verwaltungskosten als Einnahmen.

Überlegenswert ist außerdem, ob ein solcher Verein weniger politisch als akademisch ausgestaltet werden sollte. Überparteilich wäre er in jedem Fall, doch ein politischer Verein setzt mehr auf die Breitenwirkung und ein akademischer Verein auf die inhaltliche Qualität. Doch ein wirklich wissenschaftlicher Verein sollte wohl neutral bzw. ergebnisoffen hinsichtlich möglicher Erkenntnisse zu seinem Kernthema sein. Also Euro-Forscher statt Euro-Kritiker?

Dopingvortrag in Berlin

Heute haben zwei meiner Mitarbeiter und ich jeweils einen Vortrag bei der „2nd ​​​​​​​​​International Conference Sport Economics & Sport Management (SESM)“ in Berlin gehalten. Thema meines Vortrags war „Doping in Teams“, wozu es bislang noch nicht viele wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Das Hauptergebnis meines theoretischen Modells ist, dass auch Doping ein Kollektivgut in Teams darstellt, also das Team und andere Teammitglieder eher stärker davon profitieren als der jeweils dopende Sportler selbst. In den meisten Fällen wird deshalb entweder gar nicht gedopt oder umgekehrt maximal, wenn die Strafe dafür oder die Entdeckungswahrscheinlichkeit zu gering sind. Ein mittleres Dopingniveau ist eher unwahrscheinlich. Empirisch werden echte Mannschaftssportler kaum beim Doping erwischt (im Gegensatz zu Radsportlern, die als Individualisten in unechten Teams unterwegs sind), was daran liegen könnte, dass entweder die meisten wirklich nicht dopen oder die Entdeckungswahrscheinlichkeit so klein ist, vielleicht sogar endogen aus politischen Gründen. Die Ergebnisse lassen sich übrigens leicht aus dem Sportkontext auf andere Bereiche übertragen, in denen Teams schummeln können, wie z. B. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Ökonomenpanel zur Einkommensteuer

Es gibt inzwischen die „Ergebnisse [vom] Ökonomenpanel April 2017: Einkommensteuer in Deutschland – besteht eine Reformnotwendigkeit?“ Die Mehrheit meiner Kollegen urteilt wieder so ähnlich wie ich, nur mit noch etwas mehr Befürwortung des Status quo, während eine Minderheit beim gegenwärtigen Rekordsteueraufkommen sogar noch Steuererhöhungen will, insbesondere für etwas höhere Einkommen bereits ab 150 % des mittleren Einkommens. Meine eigenen Antworten sind diese:

Be- und  Entlastungen bei der Einkommensteuer

Im Zusammenhang mit möglichen Be- oder Entlastungen der Steuerzahler im Rahmen der Einkommensteuer stellt sich die Frage, welche Einkommensgruppen insbesondere von einer Be- oder Entlastung profitieren sollten. Gemäß einer Definition der Bundesregierung lassen sich 3 Einkommensgruppen unterscheiden:

· Niedrige Einkommensgruppen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens bezogen auf den gesellschaftlichen Mittelwert

· Mittlere Einkommensgruppen mit einem Einkommen zwischen 60 und 150 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens bezogen auf den gesellschaftlichen Mittelwert

· Hohe Einkommensgruppen mit einem Einkommen über 150 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens bezogen auf den gesellschaftlichen Mittelwert

Wie beurteilen Sie die Steuerlast der folgenden Einkommensgruppen?

Einkommensgruppen mit geringem Haushaltseinkommen (unter 60 Prozent des Medianeinkommens)

Zu hoch.

Einkommensgruppen mit mittlerem Haushaltseinkommen (60 – 150 Prozent des Medianeinkommens)

Zu hoch.

Einkommensgruppen mit hohem Haushaltseinkommen (über 150 Prozent des Medianeinkommens)

Zu hoch.

Wenn Sie das gesamte Einkommensteueraufkommen betrachten, gibt es Ihrer Meinung nach Anpassungsbedarf?

Die Steuerzahler sollten insgesamt entlastet werden.

Welches Entlastungsvolumen ist Ihrer Meinung nach bei der Einkommensteuer gerechtfertigt?

20-30 Mrd. Euro.

Regelmäßig fordert die Politik eine steuerliche Entlastung der Mittelschicht. Konkrete Vorschläge zielen häufig auf eine Abflachung des Mittelstandsbauchs im Einkommensteuertarif ab. Der Mittelstandsbauch führt bei geringen und mittleren Einkommen zu einem schnell ansteigenden Grenzsteuersatz, weshalb der Mittelstand in der öffentlichen Debatte häufig als derjenige Teil der Gesellschaft angesehen wird, welcher einen besonders großen Teil der staatlichen Abgaben trägt.

Welche Variante der Tarifanpassung bevorzugen Sie zur Abflachung des Mittelstandsbauchs?

Gleichzeitige Verschiebung beider Werte (d.h. Parallelverschiebung der zweiten linear-progressiven Zone).

Weitere Steueraspekte

Wie sollte Ihrer Meinung nach mit der Abgeltungsteuer verfahren werden?

Beibehaltung der Abgeltungsteuer (Status quo).

Wie sollte Ihrer Meinung nach in Zukunft mit dem Solidaritätszuschlag verfahren werden?

Ersatzlose Abschaffung des Solidaritätszuschlags – in einem Zug.

Wie beurteilen Sie die folgenden, im Zusammenhang mit dem Spitzen- und Reichensteuersatz relevanten Aspekte?

Der Spitzensteuersatz von 42 % (ohne Solidaritätszuschlag) ist

genau richtig.

Der Reichensteuersatz von 45 % (ohne Solidaritätszuschlag) ist

zu hoch.

Die Schwelle des zu versteuernden Einkommens für den Spitzensteuersatz von 42 % (53.665 Euro) ist

zu niedrig.

Die Schwelle des zu versteuernden Einkommens für den Reichensteuersatz von 45 % (254.446 Euro) ist

zu niedrig.

Die Kalte Progression

Die Kalte Progression (im engeren Sinne) ist definiert als eine Steuermehrbelastung, die im zeitlichen Verlauf entsteht, wenn die Eckwerte des progressiven Steuertarifs nicht an die Preissteigerungsrate angepasst werden.
Auch in Abwesenheit eines steigenden Preisniveaus kann es infolge eines realen Einkommenswachstums dazu kommen, dass der Staat durch die Progressivität des Steuertarifs einen zunehmend größeren Teil der privaten Einkünfte absorbiert und die Steuerpflichtigen in höhere Grenzsteuersätze „hineinrutschen“ (Kalte Progression im weiteren Sinne). Die kumulierte Belastung dieser „heimlichen Steuererhöhungen“ zwischen 2011 und 2016 werden auf 33,5 (Kalte Progression im engeren Sinne) bzw. 70,1 Mrd. Euro (Kalte Progression im weiteren Sinne) geschätzt.

Eine von Ökonomen vielfach empfohlene Lösung des Problems der Kalten Progression ist die Indexierung des Steuertarifs als Einkommensteuertarif „auf Rädern“. Hierbei werden die Tarifeckwerte sowie alle Freibeträge und steuerrechtlich abzugsfähigen Posten im Zeitablauf an das Preisniveau und ggf. die Realeinkommensentwicklung angepasst.

Wie groß sind Ihrer Meinung nach die folgenden, im Zusammenhang mit der Kalten Progression immer wieder genannten Probleme?

Verletzung des Leistungsfähigkeitsprinzips (steigende Steuerlast bei gleicher realer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit)

Großes Problem.

Verzerrung der Steuerlastverteilung (besonders starke Belastung der Bezieher geringer Einkommen)

Großes Problem.

Heimliches Zustandekommen der Steuererhöhung ohne gesetzliche Grundlage

Größeres Problem.

Fehlanreize für Finanz- und Haushaltspolitik

Größeres Problem

In welchem Rhythmus sollte der Einkommensteuertarif Ihrer Meinung nach zum Ausgleich der Kalten Progression korrigiert werden?

Automatische jährliche Anpassung der Tarifeckwerte und Abzugsposten („Tarif auf Rädern“).

In welchem Umfang sollte der Einkommensteuertarif Ihrer Meinung nach zum Ausgleich der Kalten Progression korrigiert werden?

Anpassungen im Umfang der Entwicklungen des Preisniveaus und der Reallöhne.

Grundsatzfragen zur Einkommensteuer

Welche grundsätzliche einkommensteuerliche Tarifausgestaltung bevorzugen Sie?

Stufentarif.

Die Einkommensteuer steht in der Bundesrepublik für rund 36,5 % des gesamten Steueraufkommens. Würden Sie eine Steuerreform befürworten, die für ein höheres Einkommensteueraufkommen sorgt, wenn gleichzeitig andere Steuern gesenkt werden (bei gleichem Gesamtsteueraufkommen)?

Nein.

Ihr öffentlicher Kommentar zur Einkommensteuer (optional):

Der Mittelstandsbauch ist ein Scheinproblem. Die kalte Progression ist hingegen ein reales Problem, welches sich jetzt in Zeiten niedriger Inflation am ehesten lösen lassen sollte.

Brexit-Verhandlungen und Marktzugang bei Einhaltung der EU-Standards

Die EU scheint die Brexit-Verhandlungen tatsächlich platzen lassen zu wollen. Die „EU will bei millardenschwerer Austritts-Rechnung nicht nachgeben“, sondern sattelt noch immer mehr drauf, so dass jetzt schon über 100 Milliarden Euro von Großbritannien verlangt werden (siehe auch „FT breakdown: the €100bn Brexit bill“). Insbesondere „Deutschland wolle London nicht erlauben, die Austrittsrechnung zu drücken, indem der britische Anteil an EU-Gebäuden und anderen Vermögenswerten abgezogen werde.“ Der britische Brexit-Minister David „Davis warnte, London könne auch ohne Vereinbarung mit der EU austreten und müsse dann gar nichts zahlen.“ Das ist richtig, zumal die EU keine Abofalle ist, bei der auch nach einem Austritt immer weiter gezahlt werden muss. Tatsächlich geht es also eher um das Eintrittsgeld für den zukünftigen Marktzugang. Es ist dabei überhaupt nicht im Interesse der EU oder gar der EU-Bürger, Großbritannien ganz aus dem gemeinsamen Markt auszuschließen, sei es durch prohibitive Forderungen nach Geldzahlungen oder der Unterwerfung unter alle auch zukünftigen EU-Regelungen.

Es ist für alle besser, wenn der gemeinsame Markt größer ist. Dabei gibt es eine einfache Möglichkeit, wie die EU nicht nur Großbritannien, sondern auch weitere Staaten in den gemeinsamen Markt einbeziehen könnte. Dazu könnte einfach mein Vorschlag zu ‚Freihandel und Regulierung‘ in modifizierter und für die EU besonders günstiger Form angewandt werden: Die EU öffnet ihren Binnenmarkt für alle Waren und Dienstleistungen eines Landes, die den EU-Standards entsprechen, wenn umgekehrt das Land alle Waren und Dienstleistungen gemäß den EU-Standards ungehindert ins Land lässt. Das Land dürfte also in seinem Inneren und gegenüber weiteren Ländern strengere, laxere oder einfach nur andere Standards anwenden, muss aber alles aus der EU akzeptieren, was den EU-Standards entspricht. Dafür darf es in die EU liefern, was ebenfalls den EU-Standards entspricht. In den meisten Fällen werden dann wohl einfach die EU-Standards übernommen, die damit insgesamt weiter verbreitet und für immer mehr Länder interessanter werden.

Diskussionspapier zu Drittmittelvarianten

Inzwischen ist meine ‚Einreichung für den 19. Workshop Hochschulmanagement‘, die ich beim ’19. Workshop Hochschulmanagement auch in Hamburg‘ im Februar vorgetragen hatte, als „Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 4/2017“ erschienen mit dem Titel: „Vor- und Nachteile verschiedener Arten von Drittmitteln“. Die Zusammenfassung lautet:

Es gibt verschiedene Arten von Drittmitteln für wissenschaftliche Forschung. Insbesondere lassen sich Drittmittel für freie Forschung, zur ergebnisoffenen Themenbearbeitung und für spezifizierte Auftragsforschung unterscheiden. Deren jeweilige Vor- und Nachteile werden diskutiert, auch im Verhältnis zur Grundfinanzierung.