Entwicklung steigert Migration aus armen Ländern

Zufällig habe ich heute einen wissenschaftlichen Beleg („Does Development Reduce Migration?“) für meine hier schon häufiger zumindest in den Kommentaren vertretene These gefunden, dass die Bekämpfung absoluter Armut gar nicht gegen Massenmigration hilft, wie unsere Politiker mit der Bundeskanzlerin an der Spitze behaupten. Das Hauptergebnis lautet:

The most basic economic theory suggests that rising incomes in developing countries will deter emigration from those countries, an idea that captivates policymakers in international aid and trade diplomacy.

A lengthy research literature and recent data suggest something quite different: that over the course of a “mobility transition”, emigration generally rises with economic development—at least until countries reach upper-middle income level, like Algeria or El Salvador. Only thereafter, as countries become even richer, do emigration rates typically fall.

Die Emigration ist seit Jahrzehnten am größten bei einem Bruttosozialprodukt von ca. 5.000 bis 7.000 US-Dollar (real nach Kaufkraftparitäten in US-Preisen von 2005) pro Kopf (siehe auch „Think Development in Poor Countries Will Reduce Migration? The Numbers Say Otherwise“). Darüber führt steigender Wohlstand zu weniger Auswanderern, darunter jedoch zu mehr, weil sich die Ärmsten der Armen internationale oder gar transkontinentale Migration kaum vorstellen oder gar leisten können.

Daraus folgt natürlich nicht, dass die Menschen insbesondere in Afrika nicht der Armut entkommen sollten (wobei klassische Entwicklungshilfe ihnen jedoch kaum hilft oder sogar schadet). Doch ein Mittel gegen Migration ist das erst einmal nicht, sondern im Gegenteil ein Verstärker derselben. Ähnliches könnte für „humanitäre Kampfeinsätze“ gelten, die Fluchtursachen beseitigen sollen, in der Realität aber häufig zu mehr Flüchtlingen führen.

Einreichungen zur VHB-Pfingsttagung 2018 und Sonderheft

Als Vorsitzender der ‚Programmkommission der VHB-Pfingsttagung 2018‘ in Magdeburg teile ich mit, dass es seit heute bis zum 30. November möglich ist, hier Beiträge zur VHB-Pfingsttagung 2018 in Magdeburg einzureichen (siehe auch den Call for Papers). Ein besonderer Anreiz für englischsprachige Beiträge zum Generalthema „(Ir)Rationality of Decisions in Business Research and Practice“ ist ein Sonderheft der Zeitschrift Business Research (BuR) mit eigenem Call for Papers. Quasi kraft Amtes bin ich Mitherausgeber des Heftes und freue mich auch über Einreichungen dafür. Schließlich können Sie für die Tagung werben und diese bei Facebook liken.

Medianwählermodell mit treuen Parteianhängern

Mir ist eine interessante und auch praktisch relevante Variante des Medianwählermodells eingefallen. Mich würden Hinweise darauf interessieren, ob es diese in der Literatur schon gibt.

Das Medianwählermodell besagt, dass sich in einem Zwei-Parteien-System beide Parteien der Mitte annähern, weil am Ende der Medianwähler genau in der Mitte entscheidet. Dazu wird angenommen, dass jeder die Partei wählt, die ihm relativ am nächsten steht. Stellt sich eine Partei links auf und die andere rechts, dann bekommt die erste alle Stimmen links der Mitte und die zweite die rechts davon. Wandert die rechte Partei in die Mitte, gewinnt sie aus der Mitte und sogar von gemäßigt Linken Stimmen dazu. Bleibt die andere Partei unverändert, wird sie jede Wahl verlieren. Das gilt erst recht, wenn sie noch weiter nach links rückt, um der anderen Partei auszuweichen. Sie gewinnt jedoch Stimmen zurück oder sogar hinzu, wenn sie selbst in die Mitte wandert. Schließlich treffen sich beide genau in der Mitte und der (fast) indifferente Medianwähler gibt den Ausschlag.

Für das Modell gibt es viele Varianten und Erweiterungen. So ist es nicht entscheidend, dass die Wählerpräferenzen eindimensional auf einem Kontinuum von links nach rechts verteilt sind. Das Modell funktioniert auch zwei- und mehrdimensional. Bei mehr als zwei Parteien wird es allerdings deutlich komplizierter.

Meine kleine Erweiterung besteht darin, dass es treue Parteianhänger geben mag, die eine Partei auf jeden Fall wählen. Wenn eine Partei mehr davon hat als die andere, dann sollte sie jede Wahl gewinnen, indem sie über den Medianwähler hinaus in den Bereich der anderen Partei eindringt. Selbst wenn die Parteien dann ihre relativen Positionen tauschen sollten, bliebe sie stärker. Überhaupt ist es ein Problem im Grundmodell, dass bei einem Tausch der relativen Positionen, also wenn z. B. die vormals rechte Partei geringfügig linker wird als die vormals linke, (fast) alle Wähler sofort die Partei wechseln sollten. Meine Erweiterung ließe sich also auch dahingehend abschwächen, dass es gar keine absolut treuen Wähler geben muss, sondern bei manchen die Parteibindung einfach etwas stärker ist, so dass sie langsamer die präferierte Partei wechseln würden als andere.

Ein Zahlenbeispiel mag die Idee mit treuen Wählern veranschaulichen. Es gebe 101 Wähler, die von links nach rechts geordnet sind. Der 51. Wähler ist dann der Medianwähler, der im Grundmodell die Wahl entscheidet. Die linkere Partei hat die ersten 50 Wähler auf ihrer Seite, die rechtere Partei die Wähler vom 52. bis 101. Der Medianwähler entscheidet sich für eine der beiden Parteien, die ihm geringfügig mehr zusagt, wodurch diese die Wahl gewinnt. Wenn nun die anfangs rechtere Partei fünf treue Wähler hat, die sie auf jeden Fall wählen, während anfangs die linkere Partei nicht über solche Wähler verfügt, kann sie eine Position formulieren, die nicht dem 51. Wähler am besten gefallen soll, sondern z. B. dem 49. Wenn die zuvor linkere Partei ihre Position nicht ändert, steht sie plötzlich rechts, da ihr Angebot dem 50. Wähler noch etwas besser gefällt als dem 49. Trotzdem wird sie die Wahl verlieren, weil die andere Partei 49 linke Wähler gewinnt und 5 treue Wähler behält, also insgesamt 54 von 101 Stimmen auf sich vereinigt. Wenn die vormals linkere Partei deshalb etwas weiter nach links rückt und den 49. Wähler noch etwas besser umschmeichelt, verliert sie trotzdem mit 49 zu 52 Stimmen.

Professur für Geld und Währung in Greifswald

An der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, wo ich mich 2001 habilitierte, ist die „W3-Professur für Allgemeine Volkswirtschaftslehre, insbesondere Geld und Währung“ neu zu besetzen. Ich halte das für ein sehr wichtiges und spannendes Forschungsgebiet, bei dem es nicht nur um den Euro geht, sondern auch um Geld als solches, dessen wirtschaftliche Bedeutung und mögliche Fehlentwicklungen. Allerdings bin ich kein Makroökonom und ist die Spezialisierung in den Wirtschaftswissenschaften noch viel weiter fortgeschritten.

Gerade deshalb möchte ich (angehende) Kollegen mit einem passenden Themenschwerpunkt ermuntern, sich zu bewerben. Greifswald ist jedenfalls kein so schlechter Standort. Man kann dort arbeiten, wo andere Urlaub machen, auch wenn dieses Jahr unser Urlaub und Doktorandenseminar dort ausfallen.

Programmkommission der VHB-Pfingsttagung 2018

Ich war ‚Mitglied der Programmkommission der VHB-Pfingsttagung 2017‘. Das erfolgte im Vorgriff auf meinen Vorsitz der Programmkommission für die VHB-Pfingsttagung 2018 in Magdeburg. Die Programmkommission organisiert die Begutachtung und Auswahl der eingereichten Beiträge.

Dabei fiel mir die Besetzung aller Themenbereiche schwerer als erwartet. Das liegt aber nicht daran, dass ich nicht mit allen Themenbereichen gleichermaßen vertraut bin. Auch mir nicht persönlich bekannte Personen sagten nicht mit höherer Wahrscheinlichkeit (ca. 50 Prozent) ab als selbst gute Bekannte. Dabei ist eine klare und zeitnahe Absage besser als ein langes Herumgedruckse. Das Hauptproblem war wohl, dass nicht einfach Kommissionsmitglieder gesucht wurden, sondern jeweils für Themengebiete, so dass bei einer Absage themenspezifisch weitergesucht werden musste und Zusagen anderswo nichts nutzten.

Jedenfalls ist das jetzt geschafft und ich danke allen Kommissionsmitgliedern für ihre Zusage und Mitarbeit. Beiträge können (ab ca. Mitte September) bis zum 30. November eingereicht werden (siehe den Call for Papers). Dazu muss man weder Verbandsmitglied noch Professor sein, sollte allerdings wissenschaftlich auf zumindest einem Teilgebiet der Betriebswirtschaftslehre forschen, wobei auch  Beiträge von Forschern aus Nachbardisziplinen willkommen sind.