Bundesarbeitsgerichtspräsidentin versteht den Wert von Arbeit und Freizeit nicht

Es ist bekannt, dass die Arbeitsgerichte in Deutschland zumindest auf den ersten Blick besonders arbeitnehmerfreundlich urteilen und die meisten Juristen wenig von wirtschaftlichen Zusammenhängen verstehen. Die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts Ingrid Schmidt verkündet entsprechend Unsinn: „‚Das 148-fache eines Facharbeiters – so viel kann keine Arbeit wert sein'“. Natürlich kann Arbeit so viel und noch mehr wert sein, z. B. die von besonders nachgefragten Spitzensportlern, von genialen Erfindern oder auch von hervorragenden Managern. Wenn ein DAX-Konzern viele Zigmilliarden bewegt und ein Manager nur ein Promille mehr herausholt als andere, handelt es sich um Zigmillionen. Dasselbe gilt, wenn er in guten Zeiten gar nicht mehr Gewinn erwirtschaftet, aber das Insolvenzrisiko entsprechend reduziert und für weit mehr als 148 Facharbeiter den Arbeitsplatz rettet.

Das eigentliche Problem in der Praxis ist nicht die Höhe von Managergehältern, sondern die Art ihrer Auszahlung. Häufig hängen sie gar nicht vom Gewinn und dessen Mehrung ab, sondern vor allem von der Unternehmensgröße. Selbst wer Verluste einfährt, kann Millionengehälter und sogar noch Boni sowie am Ende eine hohe Abfindung (siehe ‚Diskussionspapier zu Erklärungen über Abfindungen‘) kassieren. Dort sollte man ansetzen. Als Minimum sollte bei Aktiengesellschaften stets die Hauptversammlung über hohe Zahlungen an Manager entscheiden dürfen, wenn sie den darüber im Aufsichtsrat befindenden Managern nicht traut.

Was die dienstlichen E-Mails in der Freizeit angeht, die Frau Schmidt öffentlich kritisiert, um dann demnächst angeblich ganz unbefangen darüber zu urteilen, so gibt es zumindest bei mir diese Trennung von Arbeit und Freizeit schon lange nicht mehr. Ich erledige tags und nachts dienstliche und private Dinge nebeneinander. Gerade noch habe ich die E-Mail einer Studentin beantwortet, jetzt schreibe ich diesen Blog, gleich kann ich hoffentlich zu Bett gehen, wenn ich mich nicht noch um meine Tochter kümmern muss.

Ökonomenpanel zu den Brexit-Verhandlungen

Es gibt die „Ergebnisse [vom] Ökonomenpanel Februar 2017: Die Brexit-Verhandlungen – Inhalt und Konsequenzen für Großbritannien und die EU“. Interessant finde ich, dass die relative Mehrheit meiner Kollegen (31 Prozent) meint, die EU würde genau das anstreben, was ich für wünschenswert halte, nämlich einen bilateralen Vertrag mit Großbritannien nach dem „Ukraine-Plus-Modell“. Gewünscht hätte sich die relative Mehrheit (39 Prozent) hingegen einen möglichst sanften Brexit mit dem „Norwegen-Modell“, welches jedoch zum Befragungszeitpunkt von Großbritannien bzw. Premierministerin Theresa May bereits ausgeschlossen worden war. Ansonsten stimme ich wieder größtenteils mit der Mehrheit meiner Kollgen überein.

Die Frage nach der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien wird eine der zentralen Fragen in den Verhandlungen zum Brexit. Grundsätzlich stehen den Verhandlungspartnern verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Anbindungen zur Verfügung:

· Mitgliedschaft im europäischen Wirtschaftsraum („Norwegen-Modell): Freier Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr sowie keine Zölle. Dafür Akzeptanz einer Reihe von Regeln wie Binnenmarktvorschriften oder die Personenfreizügigkeit. Zudem Zahlung von Beihilfen an andere EU-Länder.

· Bilateraler Vertrag („Schweiz-Modell“): Zugang zum EU-Binnenmarkt bei gleichzeitiger Akzeptanz von verschiedenen Regeln wie die Personenfreizügigkeit.

· Bilateraler Vertrag („Ukraine-Plus-Modell“): Weitreichende Freihandelsvereinbarung bei eingeschränkter Freizügigkeit. Zudem keine Bindung an Rechtsprechung des EuGH, eigene Freihandelsabkommen mit Drittstaaten sowie Zusammenarbeit in der Außen- und Verteidigungspolitik. Gleichzeitig aber auch Zahlung eines finanziellen Beitrags an die EU.

· Alternative Vertragsmodelle:  Andere Vertragskonstellationen, die von Seiten der EU noch mit keinem anderen Land eingegangen wurden.

Großbritannien hat nun angekündigt, einen harten Brexit anzustreben, wonach weder das „Norwegen-Modell“ noch das „Schweiz-Modell“ in Frage kommen.

Welches Modell wird die EU Ihrer Meinung nach anstreben, um in Zukunft mit Großbritannien zusammenzuarbeiten?

Alternative Vertragsmodelle, und zwar (optional): Abstrafen für den Brexit.

Und welches Modell sollte die EU Ihrer Meinung nach anstreben, um in Zukunft mit Großbritannien zusammenzuarbeiten?

Bilateraler Vertrag („Ukraine-Plus-Modell“).

Wie schätzen Sie die Verhandlungsposition Großbritanniens gegenüber der EU bei den kommenden Verhandlungen zur weiteren Zusammenarbeit ein?

Eher schlechter.

Halten Sie den angekündigten Zeitplan der britischen Regierung für realistisch, in den kommenden zwei Jahren ein umfassendes Freihandelsabkommen mit der EU zu vereinbaren?

Nein.

Konsequenzen des Brexits für die zukünftige Handelspolitik der EU und Großbritanniens

Durch den Brexit wird die deutsche Volkswirtschaft weiter an Bedeutung innerhalb der EU gewinnen. Allerdings stand Großbritannien wie Deutschland innerhalb der EU für eine eher freihandelsorientierte Politik und eine offene Volkswirtschaft ein. Im EU-Ministerrat wären mit einem Austritt Großbritanniens die benötigten Stimmenanteile für eine Sperrminorität (35%) der Befürworter einer offenen Handelspolitik jedoch gefährdet. Eher protektionistische Politiken befürwortende Länder in Südeuropa und Frankreich besitzen durch den Austritt Großbritanniens aus der EU künftig 42% der Stimmanteile und könnten sich so gegen die vornehmlich freihandelsorientierten EU-Länder aus Mittel- und Nordeuropa (wie die Niederlande oder Finnland), die dann 25% Stimmanteile besitzen würden, durchsetzen.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Handelspolitik der EU in Zukunft entwickeln?

Eher protektionistischer.

Der neue amerikanische Präsident Donald Trump befürwortet den geplanten Brexit und stellt Großbritannien zügige Verhandlungen bezüglich eines Freihandelsabkommens mit den Vereinigten Staaten von Amerika in Aussicht. Bereits eine Woche nach seiner Vereidigung traf Donald Trump als erste Staats- und Regierungschefin Theresa May. Bei dem Treffen wurde von beiden Seiten eine enge Zusammenarbeit für die Zukunft erklärt.

Für wie wahrscheinlich halten Sie das Zustandekommen eines Freihandelsabkommens zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika?

Wahrscheinlich.

Ihr öffentlicher Kommentar zum geplanten harten Brexit (optional):

Ein harter Brexit ist für kein Land gut, doch im Grunde treibt die EU dazu, weil sie Freihandel an ganz andere Voraussetzungen wie Personenfreizügigkeit knüpft. Der Brexit sollte besser zum Überdenken der gegenwärtigen EU und ihrer wenig demokratischen Entwicklung genutzt werden.

Diskussionspapier zu Vertrauenswürdigkeit und Aussehen

Es gibt ein neues Diskussionspapier von meinen Mitarbeitern Frau Dr. Julia Müller, Herrn Michael Müller (weder verwandt noch verheiratet) und mir mit dem Titel „Is Trustworthiness Written on the Face?“ („Ist Vertrauenswürdigkeit ins Gesicht geschrieben?“) Es geht darum, ob man Personen ihre Vertrauenswürdigkeit ansehen kann, wobei das sogenannte Vertrauensspiel von anderen Studenten gespielt wurde als denen, die später die Vertrauenswürdigkeit anhand von Fotos einschätzten. Im Ergebnis gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem Spielverhalten und der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit nach dem Aussehen, was vielleicht sogar eine gute Nachricht ist. Interessanterweise gibt es jedoch durchaus eine relevante Dimension des Aussehens, nämlich die Einschätzung der Attraktivität. Attraktivere Personen verhalten sich statistisch signifikant weniger vertrauenswürdig (im Sinne des Spiels, was man auch als rationaler oder egoistischer beschreiben kann) als andere, vielleicht weil sie im realen Leben eher damit durchkommen.

19. Workshop Hochschulmanagement auch in Hamburg

Die letzten zwei Tage war ich beim „Workshop Hochschulmanagement Hamburg 2017“, der diesmal (zum letzten Jahr siehe ’18. Workshop Hochschulmanagement in Hamburg‘) an der Helmut-Schmidt-Universität – Universität der Bundeswehr Hamburg unter militärischer Bewachung (bzw. mit strenger Pforte) stattfand. Ich trug dort meine ‚Einreichung für den 19. Workshop Hochschulmanagement‘ zu den „Vor- und Nachteile[n] verschiedener Arten von Drittmitteln“ vor, wozu demnächst auch wieder ein Diskussionspapier oder auch Zeitschriftenbeitrag erscheinen wird. Es gab zehn weitere spannende Vorträge und viele interessante Gespräche am Rande. Ich freue mich schon auf den 20. Workshop Hochschulmanagement zum 20-jährigen Jubiläum der Wissenschaftlichen Kommission Hochschulmanagement in Duisburg.

Vortrag zur Finanz- und Eurokrise in Graz

Bereits vor drei Jahren wurde ich ‚Neumitglied im VfS-Ausschuss Wirtschaftswissenschaften und Ethik‘. Die letzten drei Tage war ich bei der diesjährigen Ausschusssitzung in Graz. Gestern hielt ich einen Vortrag zu „Wirtschaftsethische[n] Überlegungen zur Finanz- und Eurokrise“, die kontrovers diskutiert wurden. So wurde u. a. hinterfragt, ob Politiker oder überhaupt jemand für diese Krise verantwortlich wäre, während ich mir nur bei den Wirtschaftswissenschaftlern unsicher war. Es gab auch den Vorschlag, Deutschland müsse einfach mehr Transfers nach Griechenland leisten, damit alles gut würde. Es ist also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, nicht nur allgemein bei den Wählern, sondern auch innerhalb der Wissenschaft.