Ökonomenpanel zur Bepreisung von CO2-Emissionen

Beim Ökonomenpanel „Bepreisung von CO2-Emissionen – Welches Instrument ist das effektivste? (Juli 2019)“ bin ich skeptischer als die Mehrheit meiner Kollegen. Die Fragen und meine Antworten lauten:

Die Bundesregierung hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt: Die Treibhausgasemissionen sollen bis zum Jahr 2020 um 40 %, bis zum Jahr 2030 sogar um 55 % sinken. Deutschland wird aber nicht nur seine Klimaschutzziele für das Jahr 2020 verfehlen, es besteht auch ein beträchtlicher Handlungsbedarf zur Erreichung der Zielsetzungen für 2030.

Während die Treibhausgasemissionen in den vom Europäischen Emissionshandelssystem (ETS) erfassten Wirtschaftssektoren (u. a. Energiewirtschaft, Industrie) seit 2013 merklich gesunken sind, stagnieren die Emissionen in den Sektoren außerhalb des ETS (v.a. Gebäude und Verkehr) in den letzten Jahren. Das verbindliche EU-Minderungsziel für die deutschen Nicht-ETS-Sektoren droht gerissen zu werden.

Das sogenannte Klimakabinett soll ressortübergreifend Maßnahmenpakete für die einzelnen Sektoren erarbeiten. Dabei soll auch die Bepreisung von CO2-Emissionen eine Rolle spielen. Die Koalition möchte dafür ein Modell im Sommer vorstellen und beauftragt den Sachverständigenrat (SVR) mit einem entsprechenden Gutachten. Dabei sind verschiedene Ausgestaltungen der CO2-Bepreisung denkbar.

Befürworten Sie zur Erreichung der deutschen Klimaziele eine Ausweitung des Ordnungsrechts, eine nationale CO2-Steuer, einen deutschen Emissionshandel für nicht ETS-Sektoren oder eine Ausweitung der EU ETS (Mehrfachnennungen möglich)?

Ausweitung des EU ETS auf Nicht-ETS-Sektoren (v.a. Gebäude und Verkehr).

Welchen der Ansätze befürworten Sie aus Sicht der ökonomischen Effizienz (Mehrfachnennungen möglich)?

Ausweitung des EU ETS auf Nicht-ETS-Sektoren.

Abhängig von der Ausgestaltung.

Welchen der Ansätze befürworten Sie aus Sicht der ökologischen Wirksamkeit (Mehrfachnennungen möglich)?

Ausweitung des EU ETS auf Nicht-ETS-Sektoren.

Abhängig von der Ausgestaltung.

Welchen der Ansätze befürworten Sie aus Sicht der politischen Umsetzbarkeit (Mehrfachnennungen möglich)?

Ausweitung des EU ETS auf Nicht-ETS-Sektoren.

Abhängig von der Ausgestaltung.

Welchen der Ansätze befürworten Sie aus Sicht der Verteilungswirkungen (Mehrfachnennungen möglich)?

Ausweitung des EU ETS auf Nicht-ETS-Sektoren.

Abhängig von der Ausgestaltung.

In der Politik wird gegenwärtig diskutiert, ob ein CO2-Preis eine weitere Belastung der Endverbraucher darstellen würde oder die Bürger dafür an anderer Stelle entlastet werden sollten.

Welche Form der Verwendung der Einnahmen aus einer CO2-Bepreisung befürworten Sie (Mehrfachnennungen möglich)?

Senkung oder Abschaffung der Energie- und Stromsteuer.

Senkung oder Abschaffung der EEG-Umlage.

Welche Form der Verwendung hätte ihrer Meinung nach die höchste Akzeptanz in der Bevölkerung?

Senkung oder Abschaffung der EEG-Umlage.

Wie hoch sollten Ihrer Meinung nach die CO2-Preise im Jahr 2030 in den verschiedenen Sektoren sein?

Strom [Euro/tCO2] 25.

Gebäude [Euro/tCO2] 25.

Verkehr [Euro/tCO2] 25.

Sind Preisbänder (Mindestpreis, Höchstpreis) im Fall eines Emissionshandels in den Sektoren Gebäude und Verkehr sinnvoll?

Nein, weil es einen einheitlichen Preis geben sollte.

Sind Preisbänder (Mindestpreis, Höchstpreis) im Fall eines Emissionshandels in den Sektoren des EU ETS sinnvoll?

Nein, weil es einen einheitlichen Preis geben sollte.

Halten Sie zusätzliche Instrumente / Maßnahmen neben einer CO2-Bepreisung aus Klimaschutzgesichtspunkten für sinnvoll?

Nein, weil die Politiker nicht besser wissen, was funktioniert.

Ihr öffentlicher Kommentar zur Bepreisung von CO2-Emissionen (optional):

Es fehlt eine sachliche Abwägung der Nach- und eben auch Vorteile einer Erderwärmung. Unabhängig davon kann ein globales Problem nicht im Alleingang gelöst werden. In Australien wird jetzt mehr emittiert mit Verweis auf das schlechte Beispiel Deutschlands.

Nationale CO2-Steuer ist weder wirtschaftlich noch weise

„‚Wirtschaftsweise‘ wollen Heizen und Verkehr teurer machen“. Das ist weder wirtschaftlich noch weise und der Umwelt hilft es auch nicht. Insbesondere das Autofahren ist schon extrem teuer, das ‚Aufforsten ist gut und günstig‘ dagegen. Ein nationaler Alleingang ist ein Irrweg, also sollte man ihn auch nicht empfehlen, nur weil eine EU-weite Lösung politisch schwieriger ist. Sonst wird doch immer Europa beschworen, wobei man hier sogar eigentlich eine globale Lösung bräuchte.

Alle Sektoren in den EU-Zertifikatehandel einzubeziehen, wäre vernünftig, wenn man eine Mengenbegrenzung des CO2-Ausstoßes auf europäischer Ebene anstrebt. Das könnte seinerseits hinterfragt werden, weil alle formulierten Klimaschutzziele juristisch unverbindlich und sachlich fragwürdig sind. Doch für gegebene Ziele handelt es sich um das beste Mittel.

Insbesondere die ‚Energiewende ist teuer, unzuverlässig und dreckig‘, was wohl auch dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung inzwischen aufgefallen ist. Doch für die von ihm empfohlene neue nationale Steuer gilt im Prinzip dasselbe. Denn dann kaufen eben andere die fossilen Energieträger etwas billiger, während sie für die hiesigen Verbraucher viel teurer werden. Will man so vielleicht die Inflation ankurbeln, was die EZB angeblich nicht schafft? Aber selbst dabei ist ein deutscher Sonderweg nur schädlich.

Monetärer Anreiz für schnelles Gutachten

Momentan bin ich mit einem Projekt zu wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren beschäftigt. Da erreichte mich zufällig die Anfrage von einer ziemlich guten Fachzeitschrift, ob ich nicht als Gutachter für einen bei ihr eingereichten Beitrag tätig werden wolle mit einem interessanten, mir bislang so noch nicht bekannten Anreiz für ein zügiges Gutachten: Wenn ich es innerhalb von vier Wochen erstelle, bekomme ich 50 Euro dafür.

Grundsätzlich halte ich das Bezahlen für solche Gutachten durch wissenschaftliche Zeitschriften für keine gute Idee. Eine angemessene Bezahlung für das gründliche Lesen und Begutachten eines anspruchsvollen Fachartikels wäre sehr hoch. 50 Euro drücken da eher eine geringe Wertschätzung aus und führen zu einem ziemlich niedrigen Stundenlohn (zumal ich einen hohen Grenzsteuersatz habe und zusätzlich einen lästigen ‚Zwang zur elektronischen Einnahmenüberschussrechnung‘). Ohne Bezahlung mache ich das aus Pflichtgefühl, manchmal ist es auch inhaltlich interessant und eine gute Zeitschrift überträgt marginal ihr Prestige auch auf von ihr ausgewählte Gutachter. Wenn man es für Geld machen soll, kommen andere Überlegungen ins Spiel und ich würde viel eher ablehnen.

Das Bezahlen nicht für das Gutachten selbst, sondern dessen schnelle Anfertigung ist ein interessanter Spezialfall. Ich habe gar nicht mehr Arbeit, sondern muss diese nur zeitlich vorziehen. Doch ich ertappe mich schon bei dem Gedanken, diesen Beitrag besonders lange liegenzulassen. Immerhin wurde mir keine andere Frist gesetzt und der moralische Druck ist durch die angebotene Bezahlung bzw. den Verzicht darauf viel geringer. Wahrscheinlich versuche ich es trotzdem vorher, aber ich habe auch noch anderes zu tun, z. B. diesen Blog, der ebenfalls nicht wirklich gut bezahlt wird (siehe ‚Weniger Blogbeiträge meldefähig‘ mit Diskussion).

Diskussionspapier zur Digitalisierung wissenschaftlicher Zeitschriften

Es gibt ein neues Diskussionspapier meines Instituts für Organisationsökonomik. Es trägt den Titel „Success Factors of Academic Journals in the Digital Age“ (Erfolgsfaktoren wissenschaftlicher Zeitschriften im digitalen Zeitalter) und wurde von meinem Doktoranden Milan Frederik Klus und mir verfasst. Dies ist die deutsche Zusammenfassung:

Die Digitalisierung hat neue Möglichkeiten für die Verbreitung von Informationen eröffnet. Deshalb haben viele wissenschaftliche Zeitschriften seit Anfang der 90er Jahre mit der Einführung von Online-Angeboten begonnen. Frühere Studien deuten darauf hin, dass die Online-Verfügbarkeit und der freie Zugang zu Artikeln positiv mit der Anzahl an Zitationen verbunden sind. Über die relativen Auswirkungen der Einführung von Online-Angeboten auf Zeitschriftenebene und die langfristigen Wettbewerbsvorteile in Zeiten des digitalen Wandels ist jedoch wenig bekannt. Basierend auf Paneldaten SSCI-gelisteter Management-Journals von 1989 bis 2016 untersuchen wir, welche Zeitschriften im digitalen Bereich Pionierarbeit geleistet haben, inwieweit First-Mover-Vorteile identifiziert werden können und welche Zeitschriftenmerkmale mit zitationsbasierten Leistungsindikatoren verbunden sind. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Zeitschriften mit niedrigerem Rang relativ früh digitale Angebote eingeführt haben und besonders von der Digitalisierung profitieren. Darüber hinaus finden wir einen signifikanten Zusammenhang zwischen der internationalen Zusammensetzung von Autorenteams und Leistungsindikatoren. Unsere Analyse des Zusammenhangs zwischen Online-Verfügbarkeit sowie Open Access und Performance steht im Widerspruch zu früheren Studien, da wir feststellen, dass signifikante Korrelationen abnehmen, wenn wir die Effekte auf Zeitschriftenebene angemessen kontrollieren.