Ökonomenpanel zur Amtszeit von Trump

Die „Ergebnisse Ökonomenpanel November 2017: Ein Jahr nach der Wahl – Einschätzungen zur bisherigen und zukünftigen Amtszeit von Donald Trump“ sind ähnlich kritisch wie meine, wobei auch der Vergleich mit dem ‚Ökonomenpanel zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl‘ vor einem Jahr interessant ist:

Vor einem Jahr gewann Donald Trump die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten von Amerika. Seitdem rätseln Beobachter über die Intention des neuen Präsidenten, der häufig einen neuen, beispiellosen Politikstil an den Tag legt und unberechenbar zu sein scheint. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 hat Donald Trump eine Vielzahl umstrittener Maßnahmen verabschiedet, die weitreichende Folgen für die Vereinigten Staaten selbst, aber auch die gesamte Weltgemeinschaft haben könnten.

Diese Umfrage nimmt daher den Zeitpunkt ein Jahr nach der Präsidentschaftswahl zum Anlass, […] zur bisherigen und zukünftigen Amtszeit von Donald Trump sowie den damit verbundenen Auswirkungen zu fragen. […]

Allgemeine Auswirkungen der Trump-Regierung

Welchen Einfluss hat die Trump-Regierung Ihrer Ansicht nach auf die folgenden Aspekte?

US-Wirtschaft, deutsche Wirtschaft und Weltwirtschaft jeweils negativ.

Auswirkungen der Trump-Regierung auf die Vereinigten Staaten von Amerika

Wie bewerten Sie den Einfluss der Trump-Regierung auf die folgenden wirtschaftlichen und sozialen Aspekte in den Vereinigten Staaten von Amerika? Inwiefern entspricht das Ihren Erwartungen?

Soziale Gerechtigkeit -10 (von -100 = negativ bis +100 = positiv)
Das ist: Wie erwartet.

Verbesserung des Gesundheitssystems -5
Besser als erwartet.

Beschäftigung 0 (keine Änderung)
Besser als erwartet.

Positives Wirtschaftsklima -5
Besser als erwartet.

Vorteilhafte Handelsabkommen für die USA -100
Wie erwartet.

Umweltschutz -20
Wie erwartet.

Bürokratieabbau 0
Wie erwartet.

Vermeidung von illegaler Einwanderung +10
Schlechter als erwartet.

Welche Bevölkerungsgruppe wird Ihrer Meinung nach in finanzieller Hinsicht von den angekündigten bzw. bereits durchgeführten Politikmaßnahmen der Trump-Regierung profitieren? Welche wird verlieren?

Die untere Einkommensgruppe wird… verlieren.
Die Mittelschicht wird… verlieren.
Die Oberschicht wird… gewinnen.

Internationale Auswirkungen der Trump-Regierung

Wie bewerten Sie den Einfluss der Trump-Regierung auf die folgenden international bedeutenden Aspekte? Inwiefern entspricht das Ihren Erwartungen?

Ausgeglichene Handelsbilanzen 0 (keine Änderung)
Wie erwartet.

Internationale Kooperation in multilateralen Organisationen -60
Wie erwartet.

Frieden und Sicherheit -50
Besser als erwartet.

Kommentare zur Trump-Regierung ein Jahr nach der Wahl

Ihr öffentlicher Kommentar zur Trump-Regierung ein Jahr nach der Wahl (optional):

Donald Trump ist der schlechteste US-Präsident seit langem. Zum Glück ist er so schlecht, dass er kaum etwas erreicht.

Ehrendoktorwürde für Andreas Dombret und Ökonomische Bildung

Heute fand die „Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Andreas Raymond Dombret“ statt. Herr Dombret ist Mitglied des Vorstands der Bundesbank und dort für die Bereiche Banken- und Finanzaufsicht, Risiko-Controlling sowie Ökonomische Bildung zuständig. Außerdem ist er Honorarprofessor an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel. Die Ehrendoktorwürde wurde ihm heute von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei einem feierlichen Festakt in der Aula des Schlosses verliehen.

Herr Dombret hielt einen Vortrag zu dem Thema „Haben wir einen (Lehr-)Plan? Ökonomische Bildung in Deutschland stärken“, was mich auch ganz persönlich interessiert, war ich doch bis 2010 am Institut für Ökonomische Bildung tätig und habe noch immer zahlreiche Lehramtsstudenten. Seine Kernthesen lauten, dass Ökonomische Bildung wichtig ist und ein eigenes Schulfach benötigt. Gelehrt werden sollten sowohl für die Schüler individuell relevante Inhalte, die zu „Financial Literacy“ führen, als auch übergreifende Theorien, die mündige Bürger zu richtigen Entscheidungen in der Demokratie befähigen. Gegen den Ideologievorwurf setzt er auf Pluralismus, also das Lehren unterschiedlicher Theorien und auch der Geschichte des Fachs. Außerdem schlägt er vor, „Jugend forscht“ auch für ökonomische Forschungsprojekte zu öffnen.

Den letztgenannten Vorschlag kannte ich noch nicht und halte ihn für sehr gut. Grundsätzlich kann ich auch den anderen Thesen zustimmen, würde jedoch die Schwerpunkte etwas anders setzen. Wirtschaft als eigenes Schulfach wäre wünschenswert, viel wichtiger ist aber die wirtschaftswissenschaftliche Lehrerbildung. Wenn fachfremde Lehrer Wirtschaft unterrichten, ist nicht viel gewonnen, während fachlich qualifizierte Lehrer das auch im Rahmen eines übergreifenden Faches mit z. B. dem Namenn Sozialwissenschaften machen können. Die realistische Verankerung eines Schulfaches Wirtschaft wäre doch ohnehin umlaufend mit anderen Fächern wie Politik und Soziologie. Die Auseinandersetzung mit einander widersprechenden Wirtschaftstheorien könnte für die grundständigen Schulen zu kompliziert sein. Vermutlich wäre es besser, heute unstrittiges bzw. von der großen Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler geteiltes Grundwissen zu vermitteln und dafür den Pluralismus stärker an den Hochschulen zu pflegen.

Lucke gegen Dexit, Henkel und Starbatty dafür

Bernd ‚Lucke lehnt[e] im Gegensatz zu ALFA die D-Mark ab‘, wie er auch schon zuvor in der AfD bei seiner Kritik am Euro herumeierte. Seine Begeisterung für einen Verbleib Deutschlands im Euro hat er jetzt noch einmal bekräftigt: „Warum Deutschland nicht aus dem Euro austreten darf oder Warum die Auflösung der Eurozone mit dem Austritt Griechenlands beginnen muss“. Zumindest wird seinen vor allem pseudojuristischen Argumenten (Deutschland dürfe gar nicht austreten und verliere deshalb seine Forderungen gegenüber der EZB und große Teile seines Auslandsvermögens, während es Entschädigungsansprüche gegen Deutschland gäbe und alles Bargeld der ganzen Eurozone umgetauscht werden müsse) diesmal von Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty widersprochen: „Ausstieg Deutschlands aus dem Euro notwendig und politisch geboten“. Bernd Lucke antwortet darauf noch einmal auf Facebook.

In der Sache bin ich ganz eindeutig eher bei den Herren Henkel und Starbatty. Schon vor knapp vier Jahren beschrieb ich hier im Blog, wie die ‚Schnelle Wiedereinführung der DM‘ möglich wäre. Persönlich halte ich inzwischen die einvernehmliche Einführung von Parallelwährungen für die beste Lösung. Auch ein Austritt Griechenlands wäre ein sinnvoller Anfang zur Abschaffung der Eurozone. Doch vermutlich wäre ein Austritt Deutschlands entgegen den Ausführungen von Herrn Lucke tatsächlich leichter und für die meisten anderen Mitglieder der Eurozone sogar besser. Auf jeden Fall könnte Deutschland deren Zustimmung erzwingen, indem es einfach nicht mehr als faktischer Sponsor des Euro und der Eurorettungspolitik auftritt.

Das wirkliche Problem ist, dass auch die nächste Bundesregierung aus rein ideologischen Gründen den Euro um jeden Preis wird retten wollen, statt deutsche und europäische Interessen zu verfolgen. Dabei schadet und spaltet der Euro Europa. Die Target-Salden sind schließlich nicht aus juristischen Gründen in Gefahr, sondern weil etliche Schuldner ausfallen könnten, was bei einem Grexit jedoch viel wahrscheinlicher ist als bei einem Dexit.

Countersignalling

Signalling bedeutet, dass bei zwei Qualitätstypen der bessere ein Signal sendet, um sich von dem schlechteren nach außen erkennbar zu differenzieren (was auch bei mehr als zwei Qualitätstypen und gegebenenfalls mit abgestuften Signalen funktioniert). Das Signal ist mit Kosten verbunden, welche für den besseren Typ niedriger sind. Das wurde zuerst von Michael Spence beschrieben in „Job Market Signaling“, wofür er später den Nobelpreis erhielt. Dadurch lässt sich z. B. das Streben nach höheren Bildungsabschlüssen erklären, selbst wenn das dafür nötige Studium wenig zur späteren Produktivität beitragen sollte. Als Signal zeigen die Abschlüsse beispielsweise ohnehin vorhandene höhere Intelligenz an. Mit viel Aufwand könnten auch weniger intelligente Menschen solche Abschlüsse erhalten, was sich für sie aber gerade wegen dieses höheren Aufwandes nicht lohnen würde. Das ist heute ökonomisches Standardwissen, welches sich auch in vielen anderen Kontexten einsetzen lässt.

Weniger bekannt ist eine interessante Weiterentwicklung der Theorie, nämlich die Idee vom Countersignalling, die Nick Feltovich, Richmond Harbaugh und Ted To in „Too cool for school? Signalling and countersignalling“ entwickelten. Nehmen wir an, dass es drei Qualitätstypen gibt (z. B. hinsichtlich Intelligenz). Dann wird sich der mittlere Typ vom unteren Typ mittels Signal differenzieren wollen. Nach der Standardtheorie würde der obere Typ sich mit einem noch stärkeren Signal vom mittleren abzuheben versuchen. Tatsächlich kann seine Form der Differenzierung jedoch darin bestehen, dass er auf das Signal verzichtet, welches der mittlere Typ benutzt, um sich selbst vom unteren abzuheben. Das setzt allerdings voraus, dass aus einem anderen Grund ohnehin klar ist, dass der obere Typ nicht der untere ist. Auch dafür gibt es zahlreiche Anwendungsbeispiele. Bei noch mehr Qualitätstypen kann es sogar dialektisch zu mehreren Wechseln von Signalling und Countersignalling kommen. Außerdem hängt es vom Empfänger der Signale ab, ob er diese oder auch deren Fehlen richtig zu deuten weiß. Jemand Kluges erkennt eher ein Genie, wo andere nur einen Idioten sehen.

Probleme hoher Exportüberschüsse

Da ich darum gebeten wurde, stelle ich hier einmal die Probleme zusammen, die ich bei hohen Exportüberschüssen sehe (für frühere Ausführungen dazu siehe ‚Ökonomenblogparade zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit‘, ‚Keine Angst vor Aufwertung‘, ‚Profitiert Deutschland vom Euro?‘, ‚Deutschland muss mehr investieren‘, ‚Schäuble und Sinn zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss‘, und ‚Stetig steigender Leistungsbilanzüberschuss durch den Euro‘). Beginnen möchte ich mit einer kleinen Begriffsklärung: Exporte können die Ausfuhr von (materiellen) Waren bezeichnen, die zusammen mit den Warenimporten in der Handelsbilanz erfasst werden. Der Exportüberschuss besteht dann in einer positiven Differenz zwischen diesen Exporten und Importen von Waren. Zusätzlich können sich Exporte und Importe auch auf (immaterielle) Dienstleistungen beziehen, die die Dienstleistungsbilanz abbildet. Diese beiden Bilanzen bilden zusammen mit der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie der Transferbilanz die Leistungsbilanz. Nimmt man zur Leistungsbilanz noch die Kapitalbilanz (und Vermögensübertragungen bzw. die Schenkungsbilanz und Restposten) hinzu, ergibt sich die Zahlungsbilanz.

Die Zahlungsbilanz ist immer ausgeglichen. Exportüberschüssen müssen also immer anderswo Defizite gegenüberstehen. Das gilt sogar im doppelten Sinne. In der Zahlungsbilanz desselben Landes muss es eine oder mehrere gegenläufige Positionen geben, während die Exportbilanz in einem oder mehreren anderen Ländern ein korrespondierendes Defizit aufweisen muss.

In Deutschland ist vor allem die Handelsbilanz positiv, d. h. die Warenexporte (im Umfang von 1.207 Milliarde Euro in 2016) übersteigen die Warenimporte (955 Milliarden Euro) bei weitem (um 255 Milliarden Euro, was ein historischer Rekord für Deutschland und zugleich Weltrekord ist). Die Dienstleistungsbilanz Deutschlands ist hingegen traditionell leicht negativ, dort gibt es also einen relativ geringen Importüberschuss. Die große Gegenposition zum Exportüberschuss bildet ein vergleichbar hoher Kapitalexportüberschuss. Deutschland exportiert also mehr Waren, als es importiert, wofür es als Gegenleistung seinen Kapitalstock im Ausland erhöht. Das müsste für sich genommen kein Problem sein, da Deutschland eine alternde Bevölkerung besitzt und so für zukünftigen Konsum sparen könnte.

Tatsächlich wird das Kapital jedoch größtenteils nicht sinnvoll angelegt. Griechische Staatsanleihen sind z. B. nicht sinnvoll zur Alterssicherung, Targetsalden vielleicht noch weniger. Letztere ergeben sich noch nicht einmal aus einer bewussten Anlageentscheidung, sondern sind einfach eine Gegenbuchung bei der EZB für deutsche Exporte oder sogar ausländische Kapitalanlagen in Deutschland.

Ein großes Problem der hohen deutschen Exportüberschüsse ist also, dass die Gegenleistung in Form von unsicheren und schlecht bis gar nicht verzinsten Finanzpositionen nicht wirklich gut ist. Zweitens fehlen das exportierte Kapital bzw. die für die Fertigung der Exportüberschüsse aufgewandten Produktionsfaktoren für die eigene Investitionstätigkeit. In Deutschland sparen die Haushalte recht viel, doch weder die Unternehmen noch der Staat investieren entsprechend, was die zukünftige Wirtschaftsentwicklung beeinträchtigt. Drittens konsumieren die Deutschen weniger, als sie angesichts ihrer Leistungen könnten, eben weil sie einen großen Teil ihrer Waren ohne entsprechende Gegenleistung ans Ausland abgeben und zugleich durch den für Deutschland zu niedrigen Euro die Importe eigentlich zu teuer sind. Viertens leidet die wirtschaftliche Entwicklung insbesondere in anderen Staaten der Eurozone unter dem dort zu hohen Euro und z. T. auch den hohen deutschen Exportüberschüssen, denen dort Defizite gegenüberstehen.

Alle Staaten und die meisten Menschen würden davon profitieren, wenn Deutschland mehr konsumieren, investieren und importieren würde. Das kann man den einzelnen Privathaushalten und Unternehmen natürlich nicht vorschreiben. Doch momentan verzerrt vor allem der Euro die individuellen Anreize, was zu großen wirtschaftlichen Fehlentwicklungen führt, für die wiederum ein Korrektiv fehlt. Entsprechend sind die übergroßen Exportüberschüsse kein Grund zur Zufriedenheit, sondern Krisensymptom und -verschärfer zugleich.