Fabians sechster Geburtstag

Gestern hatte und feierte Fabian seinen sechsten Geburtstag. Es war fast wie im letzten Jahr (siehe ‚Fabians fünfter Geburtstag‘). Allerdings waren es diesmal „nur“ sieben Kinder. Das Thema waren Piraten und die meisten Kinder waren verkleidet (auch ich hatte ein Piratentuch auf dem Kopf). Es gab Kuchen und später Pizza, dazwischen eine Schatzsuche und mehrere gemeinsame Spiele wie Topfschlagen, eine „Schneeballschlacht“ (mit flauschigen Bällchen) und Säbelkampf (mit aufblasbaren Säbeln), bei denen jedoch niemand zum Mitmachen gezwungen wurde. Der Spaß dauerte wieder dreieinhalb Stunden. Schon vorher hatte Fabian ein neues Fahrrad bekommen, einen Lego-Spieltisch und Sachen von Lego, einen Globus, Bücher sowie etliche Kleinigkeiten.

Libyen-Gipfel im Kanzleramt mit folgenloser Einigung

Der von Bundeskanzlerin Merkel initiierte Berliner „Libyen-Gipfel einigt sich auf Waffenembargo“, keine äußere Unterstützung der Kampfparteien mehr und die Einhaltung einer schon vorher vereinbarten Waffenruhe. Es trafen sich hoch- und höchstrangige Vertreter von zwölf Nationen und vier internationalen Organisationen. Insbesondere die Beteiligung von dem türkischen Präsidenten Erdogan und Russlands Präsident Putin war wichtig, da sie den libyschen Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch bzw. dessen Gegner General Chalifa Haftar militärisch unterstützen, die beide ebenfalls nach Berlin kamen, aber nicht miteinander sprachen. Dass ihre Unterstützer einfach mit dem Unterstützen aufhören, kann niemand ernsthaft erwarten. Entsprechend wurde die Waffenruhe auch gleich wieder gebrochen (siehe „Haftar forces violate Libya cease-fire with mortar“). Die Bundesregierung kann also noch medienwirksame Gipfeltreffen organisieren, aber ernsthaften Einfluss hat sie nicht. Das ist wohl auch besser so, weil er nur durch ein eigenes massives militärisches Eingreifen erreichbar wäre.

Hersteller erhöhen die Preise nach Senkung der Steuer für Tampons

„Nach Senkung der ‚Tamponsteuer‘: Hersteller erhöhen Preise für Menstruationsprodukte“. Wer auch nur Grundkenntnisse in Ökonomie besitzt, kann das nicht überraschend finden. Die Steuerinzidenz, also wer wirklich eine Steuer tragen muss bzw. von einer Steuersenkung profitiert, ist keineswegs so einfach wie die politisch-juristische Festlegung, wer eine Steuer an den Fiskus abzuführen hat. Gerade bei preisunelastischen Gütern, zu denen Tampons gehören, sind die Kundinnen leicht die Leidtragenden. Verwunderlich war eher, dass die großen Handelsketten die Umsatzsteuersenkung zum Jahreswechsel von 19 auf 7 Prozent nicht zu ihrem Vorteil ausgenutzt haben. Das machen nun eben die großen Hersteller, so dass letztlich die vielen Unterschriften für diese Steuersenkung zur Mehrung der Konzerngewinne gesammelt wurden.

Sinnvoller wäre es, die Umsatz- bzw. eigentlich Mehrwertsteuer für alle Güter und Dienstleistungen einheitlich und unter 19 Prozent anzusetzen, die die erste Merkel-Regierung zum Regelsatz machte. Nachdem die Union im Wahlkampf den Verzicht auf jegliche Umsatzsteuererhöhung versprochen und die SPD zwei Prozentpunkte mehr gefordert hatte, einigte man sich nach der Wahl auf drei, die inzwischen (fast) vollständig bei den Endverbrauchern angekommen sein dürften.

Grüne wollen EU-Emissionshandel nicht ausweiten

Es gibt „Probleme für Green Deal: EU-Parlament stimmt gegen Ausweitung des Emissionshandels“. Ausgerechnet die Grünen wollen den Emissionshandel nicht auf die wichtigen Sektoren Gebäude und Verkehr ausdehnen, wobei sie auch noch von der Mehrheit unterstützt werden. Angeblich möchte man keine Doppelbelastung, was jedoch heuchlerisch ist, denn ‚Grüne setzen noch höhere zusätzliche Steuer durch‘ in Deutschland. Tatsächlich geht es darum, mit Verboten und Detailregelungen die Verbraucher und Hersteller zu gängeln. So sollen Verbrennungsmotoren für Pkw ganz verboten werden, was jeden Anreiz zu weiteren technologischen Verbesserungen in diesem Bereich nimmt. Richtig wäre es hingegen, den Emissionshandel auf alle Sektoren auszudehnen, um so die politisch vorgegebenen CO2-Ziele auf die effizienteste Weise zu erreichen.

Sinken die Zinsen schon lange und immer weiter?

‚Führen zu viele Ersparnisse zu Negativzinsen?‘ Die These von der aktuellen Ersparnisschwemme lässt sich durchaus noch toppen. „Der Zins kommt nicht zurück“, lautet die jüngste These, die mit historischen Daten empirisch untermauert werden soll (in dem Arbeitspapier „Eight centuries of global real interest rates, R-G, and the ‘suprasecular’ decline, 1311–2018“ von Paul Schmelzing). „Denn die Zinsen sinken schon seit dem Mittelalter“:

Im Schnitt geht der um die Inflation bereinigte Realzins demnach jedes Jahr um etwa 0,6 bis 1,6 Basispunkte zurück. Der englische König Edward III. musste noch 35 Prozent Zinsen bezahlen, als er sich Anfang des 14. Jahrhundert beim Regenten der Provinz Flandern Geld zur Finanzierung seiner kriegerischen Aktivitäten lieh. Unter Edwards im 17. Jahrhundert regierendem Nachfolger Karl II. waren die Zinsen schon auf 16 Prozent gesunken. Im 19. Jahrhundert hielt sich der Vatikan mit einem Kredit bei den Rothschilds über Wasser. Zinssatz: 6 Prozent.

Das lässt sich dann auch noch munter in die Zukunft fortschreiben:

Was bedeutet all das für die Zukunft? Aus Sicht der Sparer nichts Gutes. Joachim Fels von der Investmentgesellschaft PIMCO hat ausgerechnet, was passiert, wenn der von Schmelzing identifizierte Trend sich fortsetzt. Ergebnis: Im Jahr 3017 läge der Realzins bei minus 16 Prozent.

Eine ‚Welt ohne Zins‘ wäre auf Dauer sehr viel anders als unsere. Doch schon die Erklärung für den jahrhundertelangen Zinsverfall überzeugt nicht:

Über die Gründe für das Zinsminus stellt Schmelzing nur Vermutungen an. Womöglich hat der Rückgang etwas damit zu tun, dass die Welt insgesamt durch die Errichtung staatlicher Institutionen im Laufe der Jahrhunderte sicherer geworden ist. Das bedeutet aus Sicht eines Kreditgebers: Die Gefahr ist geringer, dass das verliehene Geld nicht mehr zurückbezahlt wird. Damit geht auch die Prämie zurück, die für einen möglichen Zahlungsausfall verlangt werden kann.

Das ist für sich genommen nicht unplausibel, aber etwas völlig anderes als ein dauerhafter Rückgang des risikolosen realen Zinses. Wenn die Risiken sinken, sinkt der Risikozuschlag. Das ist völlig normal, betrifft aber gerade nicht den risikolosen Zins. Dabei können Risiken übrigens nicht nur die Rückzahlungswahrscheinlichkeit betreffen, sondern auch das Überleben des Gläubigers. Wenn er eher demnächst (mit größerer Wahrscheinlichkeit) stirbt, sollte er eine größere Gegenwartspräferenz aufweisen, was ebenfalls zu höheren Zinsen beiträgt. Ein längeres Leben macht trotzdem negative Realzinsen nicht sinnvoll.

Es wird noch ein ganz anderes Risiko übersehen oder auf diese Weise sogar bewusst ausgeblendet: Die Zinsen müssen nicht dauerhaft so niedrig bleiben. Die These, dass die Zinsen nie wieder steigen und damit die Anleihenkurse nie wieder fallen würden, erinnert doch stark an den Glauben während der Immobilienblase in den USA vor der Finanzkrise, dass die Immobilienpreise nie mehr zurückgehen könnten. Ein solcher Glaube kann eine Weile sich selbst erfüllen, aber eben nicht dauerhaft. Von ewigen Negativzinsen könnte man als Schuldner gut leben, aber bei einer substanziellen Zinserhöhung ist es schnell vorbei damit.