Inflation in den USA erreicht 7 Prozent

Die ‚Inflation in Deutschland steigt weiter auf 5,3 Prozent‘. Auch die „Inflation im Euro-Raum steigt auf Rekordhoch von 5,0 Prozent“. In den USA ist das Problem noch größer, denn die „Inflation in Amerika steigt auf 7 Prozent“ wie zuletzt 1982. Gründe sind dort wie hier höhere Energiepreise und Lieferengpässe, aber auch ein größerer staatlicher Stimulus. Der wichtigere Unterschied besteht jedoch darin, dass die Fed im Gegensatz zur EZB das Problem erkannt hat und gegensteuern will. Sie wird ihre Anleihenkäufe beenden und die Leitzinsen erhöhen, wovon die EZB auf absehbare Zeit nichts wissen will. Deshalb dürfte die Inflation in den USA demnächst wieder zurückgehen, während hier ein fallender Euro den Inflationsdruck noch erhöht.

Russland und USA reden über Ukraine

Ein ‚Russischer Truppenaufmarsch vor der Ukraine‘ begann schon letztes Frühjahr. Ob es zu einer Invasion kommen wird, ist immer noch unklar. Heute sprachen immerhin die Vize-Außenminister der USA, Wendy Sherman, und Russlands, Sergej Rjabkow, fast acht Stunden darüber. Am Mittwoch trifft sich deswegen der NATO-Russland-Rat und am Donnerstag die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Zumindest versicherte Herr Rjabkow, es gebe „keine Intentionen, die Ukraine anzugreifen“. Leider ist nicht klar, ob das wirklich stimmt.

Die Forderungen Russlands, jede weitere NATO-Osterweiterung müsse ausgeschlossen werden und die USA müssten ihre Truppen und Waffen aus der Region, auch aus NATO-Mitgliedsstaaten, abziehen, sind unannehmbar. Dabei steht eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine aktuell ohnehin nicht zur Debatte und, wenn überhaupt, könnte die Ukraine erklären, darauf auch zukünftig verzichten zu wollen. Die „USA bieten Russland Abrüstungsgespräche an“, die Herrn Putin aber nicht reichen werden. Ob er die Ukraine angreifen wird, halte ich für offen. Eine militärische Antwort der NATO wurde bereits ausgeschlossen, was für einen gewalttätigen Diktator ein Freibrief wäre. Aber für den Angriff müsste Russland einen hohen Preis zahlen, der sich sogar tatsächlich in Geld angeben ließe, da es vor allem um deutlich verschärfte Wirtschaftssanktionen ginge.

Deshalb wäre es tatsächlich klüger, diesen Weg nicht zu gehen. Präsident Putin selbst und ganz Russland würden dadurch auch alle noch verbliebenen Sympathien in der Ukraine verlieren und andere Staaten in die NATO treiben. Selbst Finnland und Schweden denken jetzt ernsthaft darüber nach. Kooperation mit dem Westen ist möglich und besser als eine weitere Landnahme zu hohen Kosten bei wenig Nutzen. Von der NATO geht auch keine ernsthafte militärische Bedrohung für Russland aus, welches ganz andere Probleme hat, die sich gemeinsam besser lösen lassen.

Inflation in Deutschland steigt weiter auf 5,3 Prozent

Im November gab es ‚Inflation von 5,2 Prozent und Reallohnsenkungen‘ in Deutschland. „Laut EZB ist das der Höhepunkt und soll die Inflation schon im Dezember wieder fallen“. Das hat sich jedoch, wie zahlreiche Vorhersagen der EZB, nicht bewahrheitet, sondern in Deutschland beträgt die „Inflationsrate im Dezember 2021 voraussichtlich +5,3 %“, ist also nochmals gestiegen. Im Vergleich zu November stiegen die Preise um 0,5 Prozent, im Jahresdurchschnitt (2021 gegenüber 2020) um 3,1 Prozent, dem höchsten Wert seit 1993. Damals waren jedoch die Zinsen höher und der Realzins damit positiv. Denn die Bundesbank tat etwas gegen die Inflation.

Doch ‚Hohe und steigende Inflation ist EZB egal‘, die ‚EZB hält an Null- und Negativzinsen sowie Anleihenkäufen trotz hoher Inflation fest‘. Damit heizt sie die Inflation noch an. Der Realzins rutscht immer stärker in den negativen Bereich, je höher die Inflation ist. Das verstärkt wiederum die Inflation und kann sogar zu echten Arbitragemöglichkeiten führen. Zumindest lohnen das Vorziehen von Käufen und das Horten von Dingen, was die Inflation weiter antreibt. Die hiesige Inflation wird außerdem weiter steigen, wenn der Euro an Außenwert verliert, weil andere Notenbank, insbesondere die Fed in den USA, endlich etwas gegen Inflation in ihren Ländern tun und die Zinsen anheben. Es lohnt sich, hier Geld zu Niedrigstzinsen zu leihen, um es anderswo zu höheren Zinsen und mit der Aussicht auf steigende Wechselkurse anzulegen.

Apple als erstes Unternehmen der Welt über drei Billionen Dollar wert

„Als erstes Unternehmen der Welt: Apple überspringt erstmals 3-Billionen-Dollar-Marke“ beim Börsenwert (und zwar gestern, heute lag der Kurs wieder etwas tiefer). Erst im August 2018 hatte Apple als erstes Privatunternehmen die Grenze von einer Billionen US-Dollar überschritten, im August 2020 dann die zwei Billionen Dollar (größtenteils staatliche Ölkonzerne hatten diese Werte jeweils schon vorher erreicht). Ein Faktor war bereits 2020 die Pandemie, noch wichtiger ist die laxe Geldpolitik der Notenbanken, doch am wichtigsten ist der Kultstatus der Apple-Produkte, die trotz oder sogar gerade wegen ihrer hohen Preise reißenden Absatz finden. Denn sie sind wirklich hervorragend, sowohl technisch als auch vom Design her. Der Unternehmenswert dürfte deshalb weiter steigen, weshalb ich Apple-Aktien zum Kauf empfehlen würde (Diversifikation bleibt wichtig, ist aber auch mit Spitzenunternehmen möglich). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Microsoft und Alphabet, der Mutterkonzern von Google. Alle DAX-Unternehmen zusammen sind weniger wert, es gibt weniger Bargeld in US-Dollar (auch der Wert aller ausgegebenen Euro-Scheine und Münzen ist geringer) und das deutsche Bruttoinlandsprodukt eines Jahres ist nicht viel höher.

Biden nominiert Powell für zweite Amtszeit

Joe „Biden nominiert Jerome Powell für zweite Amtszeit“ als Präsident der US-Notenbank. Das war nicht völlig selbstverständlich, weil Herr Powell Republikaner ist und von Donald Trump zum Vorsitzenden gemacht wurde (siehe ‚[…] Jerome Powell soll Präsident der Fed werden‘). Janet Yellen, die jetzt Finanzministerin ist, musste deswegen seinerzeit gehen. Allerdings war Herr Powell bereits durch Barack Obama in den Vorstand der Fed berufen worden und zeichnete sich durch eine eher lockere Geldpolitik aus (siehe z. B. ‚Fed senkt Leitzins auf real fast null‘ und ‚Fed weicht Inflations- und Beschäftigungsziel auf‘). Trotzdem hätten linke Demokraten lieber eine der ihren an der Spitze der Fed gesehen, Lael Brainard, die nun seine Stellvertreterin wird. Es wird erwartet, dass die Fed zukünftig etwas gegen die steigende Inflation tun wird ganz im Gegensatz zur EZB, weshalb der Euro heute weiter gefallen ist relativ zum Dollar. Die „Bundesbank erwartet sechs Prozent Inflation“ noch diesen Monat in Deutschland, wodurch die meisten Menschen hierzulande real ärmer werden.

Erdogan schmeißt deutschen und andere Botschafter raus

Der türkische Präsident Recep Tayyip „Erdogan erklärt deutschen Botschafter zur unerwünschten Person“. Es sollen auch die Botschafter von Dänemark, Finnland, Frankreich, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und selbst den USA die Türkei verlassen, weil sie es gewagt haben, mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, an dessen Urteile die Türkei eigentlich gebunden ist (doch die EU macht lieber Polen Vorwürfe), die Freilassung von Osman Kavala zu fordern, den auch schon ein türkisches Gericht freisprach und der trotzdem seit 2017 ohne Urteil wegen erfundener Vorwürfe in Haft sitzt. Der wahre Grund ist seine Opposition gegen den autokratischen Präsidenten, der keine Kritik verträgt und sich deshalb selbst mit NATO-Partnern anlegt. Die ‚Türkische Lira und Wirtschaft brechen wegen Erdogan ein‘, nicht zum ersten Mal, weil er z. B. mal wieder niedrigere Zinsen als Mittel zur Inflationsbekämpfung anordnet. Eher übernehmen die EZB oder die Bundesbank unter neuer Führung dieses Rezept, als dass die Farce der EU-Beitrittsverhandlungen mit der leider nicht mehr demokratischen und rechtsstaatlichen Türkei gestoppt wird.

Wirtschaftsnobelpreis 2021 für die Analyse von Quasi-Experimenten

„The Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel 2021“ erhalten David Card „for his empirical contributions to labour economics“ und Joshua D. Angrist sowie Guido W. Imbens „for their methodological contributions to the analysis of causal relationships“. Es geht jeweils um sogenannte natürliche Experimente oder eigentlich Quasi-Experimente, da sie die Wissenschaftler nicht selbst kontrollieren können. Doch bei ihnen können durch äußere Ereignisse, z. B. politische Entscheidungen, Gruppen unterschieden werden, auf die ein bestimmter Effekt wirkt oder nicht wirkt, wodurch Rückschlüsse auf Kausalbeziehungen möglich sind.

So konnte David Card zusammen mit Alan Krueger, der inzwischen verstorben ist, empirisch zeigen, dass 1992 eine Erhöhung des Mindestlohns in New Jersey zumindest in Schnellrestaurants keine negativen Beschäftigungswirkungen hatte, indem sie die Entwicklung der Beschäftigung mit dem benachbarten Pennsylvania verglichen, wo der Mindestlohn unverändert blieb. Bis dahin hatten die meisten Ökonomen einen Beschäftigungsrückgang durch eine Mindestlohnerhöhung erwartet und es schloss sich viel weitere Forschung an, die heute zu einem differenzierteren Bild führt. Mindestlöhne und ihre Erhöhung können durchaus negative Beschäftigungswirkungen haben, müssen es aber nicht, insbesondere wenn sie moderat ausfallen und große Marktmacht der Arbeitgeber die Löhne drückt wie z. B. bei einem Monopson.

David Card nutze auch die Entscheidung von Fidel Castro, 1980 für einige Monate jedem Kubaner die Ausreise zu erlauben, um die Lohn- und Beschäftigungseffekte von Immigration in den USA zu untersuchen. Das interessante Ergebnis war, dass in Miami, wohin die meisten Kubaner gingen, die Löhne und die Beschäftigung von Geringqualifizierten, die in den USA geboren waren, nicht sanken. Dagegen konnten frühere Einwanderer Nachteile haben, vermutlich weil sie stärker mit den neuen Immigranten konkurrierten. David Card und Alan Krueger untersuchten weiterhin, wie sich die Bildungsrendite von US-Bürgen in demselben Bundesstaat unterscheidet, die in unterschiedlichen Bundesstaaten zur Schule gingen. Sie fanden dabei einen systematischen und positiven Zusammenhang mit den Bildungsausgaben im Herkunftsstaat, was für Investitionen in Bildung spricht.

Joshua Angrist und Guido Imbens machten vor allem methodische Fortschritte, mit denen sie z. B. den Wert eines zusätzlichen Schuljahres abschätzen konnten (neun Prozent höheres Einkommen) oder den Einkommensnachteil von Vietnamveteranen (15 Prozent). Dabei wurde jeweils berücksichtigt, dass der Schulabbruch und die Kriegsteilnahme keine rein zufälligen Ereignisse waren.

Australien will lieber Sicherheit als französische U-Boote

Letzte Woche verkündeten Australien, UK und die USA ein neues Militärbündnis (AUKUS), um den indopazifischen Raum und vor allem Australien vor China zu schützen. Australien wird politisch und wirtschaftlich von China bedrängt und viele Australier fürchten sogar einen militärischen Angriff. Dieser ist zwar sehr unwahrscheinlich, doch Australien allein könnte sich kaum verteidigen. Großbritannien will seine weltpolitische Bedeutung nach dem Brexit unterstreichen. Die USA wollen China einhegen und nach ihrem Abzug aus Afghanistan zeigen, dass sie weiterhin ein verlässlicher Partner sind.

Ein anderer Partner fühlt sich aber gerade dadurch hintergangen und hinterfragt sogar (mal wieder) die Zukunft der NATO, nämlich Frankreich. Die EU solidarisiert sich mit ihrem Mitglied, obwohl es diesem erkennbar gar nicht um Sicherheitspolitik geht, sondern um kommerzielle Interessen. Denn das neue Bündnis führt dazu, dass Australien atomgetriebene U-Boote bei den beiden Partnern bestellt und eine Bestellung von konventionellen U-Booten aufkündigt, die bereits vor fünf Jahren bei einem französischen Konzern in zweistelliger Milliardenhöhe erfolgt war. Frankreich erhebt deswegen schwere Vorwürfe, doch „Australien widerspricht Frankreich im U-Boot-Streit“. Es habe schon länger Probleme gegeben, die auch kommuniziert worden seien.

Unabhängig davon ist AUKUS für Australien offensichtlich strategisch besser. Weder Frankreich noch die EU würden Australien militärisch verteidigen können und wollen. Der richtige Schluss daraus ist aber nicht, die NATO aufzukündigen und auf einen EU-Alleingang zu setzen, sondern umgekehrt sollte die NATO gestärkt und das Verhältnis zu den USA verbessert werden. Letzteres sieht inzwischen auch Frankreich ein und die Präsidenten „Macron und Biden vereinbaren ‚vertiefte Konsultationen'“. Der zurückgerufene französische Botschafter in den USA kehrt dorthin zurück, der für Australien allerdings noch nicht.

20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September

Die ‚Terroranschläge vom 11. September 2001‘ liegen nun genau zwanzig Jahre zurück. Die Angriffe mit vier Passagierflugzeugen und rund 3.000 direkten Toten in den USA, die nicht vergessen sind, waren eine Zäsur und führten zum Afghanistan-Krieg. Die Taliban, die Al-Kaida Unterschlupf gewährten, wurden innerhalb weniger Wochen besiegt. Osama bin Laden, der Anführer von Al-Kaida und Hauptverantwortliche für die Terroranschläge, wurde knapp zehn Jahre später in Pakistan aufgespürt und getötet.

Doch der ‚Afghanistan-Einsatz endet[e] erst letzten Monat und lässt viele in großer Gefahr zurück‘. Rückblickend hätte Afghanistan gar nicht und auf keinen Fall so lange besetzt werden dürfen, wobei der späte Rückzug dann auch noch zu chaotisch erfolgte. Jetzt sind die Taliban wieder an der Macht und behandeln ihr Volk, insbesondere die weibliche Hälfte, erneut sehr schlecht. Aber öffentlichen Unterschlupf für Al-Kaida und ähnliche Organisationen werden sie wohl nicht mehr gewähren, während sie mit dem noch gewalttätigeren Islamischen Staat (IS) ohnehin verfeindet sind.

Auch der nachfolgende Irakkrieg war ein Fehler und der Kriegsgrund nur konstruiert. Die USA haben in beiden Fällen sehr viel Geld, etliche Soldaten und auch internationales Ansehen verloren ohne nachhaltige Erfolge. Der Krieg gegen den Terror ist auf diese Weise nicht zu gewinnen, wobei sich weitere Anschläge dieser Größenordnung zum Glück verhindern ließen. Islamistischer Terror bleibt ein Problem, lässt sich aber wohl besser mit polizeilichen und geheimdienstlichen Mitteln bekämpfen als mit militärischen.

Außerdem gibt es größere Probleme, in die wohl besser mehr politisches Kapital und auch Aufmerksamkeit investiert würden, wie etwa der Aufstieg Chinas. Auch hier sollte nicht auf Krieg gesetzt werden, sondern einen Ausgleich der Interessen. Russland ist uns noch näher, sowohl geographisch als auch kulturell, weshalb das Verhältnis zu ihm ebenfalls verbessert werden sollte. Das ist nicht einfach, doch wenn der Westen einig ist (innerhalb der USA, mit Europa und den weiteren Verbündeten) wie vor zwanzig Jahren, kann er fast alles erreichen.

Afghanistan-Einsatz endet diesen Monat und lässt viele in großer Gefahr zurück

Wenigstens einmal ehrlich meint Frau „Merkel nach G7-Treffen zu Afghanistan: ‚Ohne die USA können wir die Evakuierung nicht weiterführen'“. Selbst den Briten und Franzosen fehlt die militärische Stärke dazu, der Bundeswehr ohnehin. Doch US-Präsident Joe Biden hat nicht auf die europäischen Bitten um eine Verlängerung gehört, sondern hält an seiner Zusage fest, bis Ende August gänzlich aus Afghanistan abzuziehen. Darauf bestehen auch die Taliban, die nur noch Ausländer ausreisen lassen wollen, keine Afghanen mehr. Die Bundesregierung würde nun zwar mehr afghanischen Ortskräften die Einreise nach Deutschland erlauben, doch den meisten wird die Ausreise aus Afghanistan nicht mehr gelingen im Gegensatz zu den verbliebenen Deutschen.

Der chaotische Rückzug ist ein Desaster. Die ‚Taliban übern[a]hmen Kabul und Afghanistan‘ viel schneller, als insbesondere der US-Präsident, aber auch die komplette Bundesregierung annahmen. Davor hätte man alle, die man wollte, leicht ausfliegen können, was jetzt für viele nicht mehr gelingen wird. Zugleich wird eine große Flüchtlingswelle von Afghanen befürchtet, die am ehesten noch von der Gewalt der Taliban gestoppt wird. Vielleicht wäre es besser gewesen, zumindest einige sichere Orte in Afghanistan zu behalten. Jetzt sollten die Nachbarländer bei der Aufnahme von Flüchtlingen unterstützt werden.