Warum kippen gerade Libertäre oft nach rechts?

Es fällt auf, dass gerade Menschen mit libertären Einstellungen relativ häufig zu erzkonservativen, rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Positionen wechseln oder sogar beide Ideologien gleichzeitig zu vertreten versuchen. In den USA gibt es recht viele Beispiele dafür. In Deutschland gibt es hingegen gar nicht so viele Libertäre, doch die Zeitschrift eigentümlich frei und ihr Herausgeber André F. Lichtschlag stehen auch hierzulande exemplarisch für diese Entwicklung.

Mit libertär ist hier nicht liberal gemeint, sondern eine radikalere und vor allem staatsfeindliche Auffassung von individueller Freiheit (siehe ‚Liberal versus libertär‘). Es gibt die Einteilung, dass das Eintreten insbesondere für wirtschaftliche Freiheit selbst schon rechts sei, doch ich würde das in der Mitte des politischen Spektrums verorten, während rechte wie linke Positionen die individuelle Freiheit weniger wertschätzen oder sogar weitestgehend abschaffen bzw. dem Staat oder der Gesellschaft unterordnen wollen. Gleichzeitig maximale Freiheit zu fordern und diese abschaffen zu wollen, scheint widersprüchlich, wie auch die Entwicklung von einer sehr freiheitsliebenden zu einer freiheitsbeschränkenden bis -ablehnenden Position zumindest erklärungsbedürftig ist.

Die persönliche Entwicklungsgeschichte der betreffenden Personen kenne ich nicht. Viel wichtiger finde ich ohnehin den Zusammenhang der Ideen. Dabei sehe ich vor allem fünf Einfallstore für rechtes Denken in das libertäre Weltbild: Erstens droht die ‚Selbstabschaffung libertärer Freiheit‘, was eben nicht nur für eine libertäre Gesellschaft eine ernstzunehmende Gefahr wäre, sondern auch in einem einzelnen libertären Kopf passieren kann. Zu große Freiheit bedroht die Freiheit anderer. Zweitens könnte allein der Wunsch nach der eigenen Freiheit das Motiv für libertäre Auffassungen gewesen sein, bis sich die Erkenntnis einstellt, dass die eigene Freiheit sich durchaus mit der Unfreiheit anderer verträgt oder durch deren Unfreiheit sogar noch größer wird. Drittens ist die Ablehnung der Gleichheit bei Libertären stark verbreitet, was sich dann auch auf die Freiheitsrechte selbst erstrecken kann, so dass diese nicht mehr allen Menschen gleichermaßen zugestanden werden. Viertens kann die Ablehnung des Staates zur Suche nach einer starken Gegenmacht führen, die sich dann als starker Mann an der Spitze des Staates herausstellen mag, der gerade die liberale Gewaltenteilung und Differenzierung aufhebt (wie es Donald Trump wohl vorschwebt, der ausgerechnet als US-Präsident gegen Washington wettert). Fünftens kann das konsequente Eintreten für Meinungsfreiheit einen mit gefährlichen Meinungen in Kontakt bringen, die bei doch nicht so gefestigten libertären Überzeugungen dann übernommen werden, auch wenn sie sich gegen die Freiheit einschließlich Meinungsfreiheit richten. Das würde auch erklären, warum Libertäre eher nach rechts kippen, als dass Rechte libertär würden.

Rassismus ist böse

‚Jeder hat Grenzen‘. Endlich erklärt auch Präsident Donald „Trump: ‚Rassismus ist böse'“. Das ist richtig. Zuvor hatte er „Gewalt auf vielen Seiten“ verurteilt, was zwar ebenfalls richtig ist, aber nicht dem Anlass entsprechend, nämlich einem Mord- bis Terroranschlag mit einem Auto, doch nicht wie in letzter Zeit üblich durch einen Islamisten, sondern durch einen Rechtsextremisten, der in eine Gegendemonstrationen zu einer rechtsradikalen Demonstration fuhr, die sich ihrerseits gegen die Entfernung einer Statue des Konföderierten-Generals Robert F. Lee in Charlottesville richtete. Über solche Denkmäler und deren Entfernung kann man kontrovers diskutieren, doch Rassismus und Terrorismus lehnt jeder vernünftige Mensch ab.

Wieder zurück aus den USA

Wie vor zwei Jahren (siehe ‚Zurück von der Ostsee und aus den USA‘) waren wir wieder in den USA und haben u. a. erneut meinen Bruder und seine Familie besucht sowie diesmal Silberhochzeit gefeiert (siehe ‚Glückwunsch zur Silberhochzeit!‘). Danach waren wir noch in Boston sowie Cambridge (MA) mit MIT und Harvard, in Plymouth und auf Cape Cod.

Von dort dauerte die Rückreise von Tür zu Tür 24,5 Stunden. Davon benötigte der Transatlantikflug über Nacht nur gut sechs Stunden. Der Check out bei unserem Hotel war jedoch schon um 10 Uhr und der Rückflug erst am Abend, so dass wir dazwischen noch eingekauft und einen Spielplatz besucht haben. Noch mehr Zeit kostete der Aufenthalt in Paris. Nach der Buchung wurde der Flug verlegt, was den Aufenthalt wie schon bei der Hinreise um mehrere Stunden verlängerte, so dass wir vielleicht mit dem Auto jeweils schneller gewesen wären. Daraus ziehe ich den Schluss, möglichst nur noch einen Direktflug in die und von den USA zu buchen, selbst wenn das etwas teurer ist.

Das hilft auch dagegen, dass man in der EU vor einem Anschlussflug noch einmal durch eine Sicherheitskontrolle muss, als wenn die Kontrollen in den USA inzwischen nicht viel strenger wären. Tatsächlich hat man dort ganz anderes untersucht als in Paris, wo unsere Tochter zu ihrem großen Missfallen abgetastet wurde. In Boston war hingegen seltsam, dass Sophia und ich als angeblich voruntersucht in eine schnellere und großzügigere Schlange gedurft hätten als meine Frau mit Fabian. Wir sind dann gemeinsam durch die normale Kontrolle gegangen, wobei ich zumindest meine Schuhe anbehalten durfte.

Viel schneller als beim letzten Mal verlief die Einreise in die USA (vergleiche ‚Schwierige Einreise in die USA‘). Wir stellten uns diesmal einfach in die kürzere und viel schnellere Schlange mit schon einmal erfolgter ESTA-Einreise, obwohl Sophia bei der letzten Einreise noch gar nicht geboren war. Das klappte problemlos und eben viel schneller. Trotzdem dauerte auch die Hinreise über Paris nach Chicago fast 20 Stunden. Zum Glück konnten die Kinder jeweils mehrfach schlafen.

China sollte Nordkoreas Regime aufgeben

Nordkorea entwickelt seine Atomwaffen und auch Trägerraketen zu deren immer ausgedehnteren Einsatz weiter und verschärft zugleich seine Rhetorik. Zuletzt drohte es damit, das Außengebiet der USA Guam anzugreifen. US-Präsident Donald Trump drohte seinerseits mit „Feuer und Macht“, sein Verteidigungsminister James „Mattis droht Nordkorea indirekt mit ‚Vernichtung des Volkes'“. Das ist der falsche Weg, da die Nordkoreaner am meisten unter ihrem mörderischen Regime leiden. Dieses sollte entfernt werden, wozu es vermutlich sogar genügen würde, Nordkoreas Präsident Kim Jong Un loszuwerden. Idealerweise ließe er sich seine lebensgefährliche Position für beispielsweise eine Milliarde US-Dollar abkaufen. Realistischer sind wohl ein Attentat oder eine sehr begrenzte militärische Operation.

Es gibt zwei Hauptgründe, warum das bislang nicht geschehen ist. Erstens könnte das nordkoreanische Regime nicht nur Millionen eigene Bürger, sondern auch Millionen Südkoreaner mit in den Tod nehmen. Längeres Zuwarten führt jedoch zu einer zunehmenden Zahl an gefährdeten Menschen auch an weiter entfernten Orten (wie Guam, Japan oder langfristig sogar an der Westküste der USA). Zweitens braucht man unbedingt das Einverständnis oder besser noch die aktive Beteiligung von China. Sonst droht schlimmstenfalls der Dritte Weltkrieg. Auf jeden Fall ist Nordkorea ohne Billigung Chinas nicht zu haben. Umgekehrt könnte das Regime dort allein dadurch zusammenbrechen, dass China seine Unterstützung entzieht (so wie die DDR nach dem Ende der russischen Unterstützung sofort zusammenbrach).

China würde jedenfalls selbst stark davon profitieren, nicht mehr eine unberechenbare Atommacht mit Hungersnöten direkt vor der Tür zu haben, sondern einen friedlichen und prosperierenden Nachbarn. Ein Vorbild kann hier die deutsche Wiedervereinigung sein: Nach einer koreanischen Wiedervereinigung bliebe das Gebiet des heutigen Nordkoreas von ausländischen Truppen frei, die Zahl der koreanischen Truppen dort würde begrenzt, ganz Korea würde atomwaffenfrei und einen Nichtangriffspakt mit China unterzeichnen.

Glückwunsch zur Silberhochzeit!

Gestern feierten mein Bruder und seine Frau Silberhochzeit. Meinen herzlichen Glückwunsch! Es ist leider nicht mehr selbstverständlich, dass Ehen so lange halten.

Vor gut 25 Jahren hatten sie in Deutschland standesamtlich geheiratet und wenig später kirchlich in den USA. Ich war damals bei beiden Feiern dabei, was ich mit meiner ersten USA-Reise verband. Die gestrige schöne Feier fand am gleichen Ort statt wie vor knapp 25 Jahren. Ich war wieder dabei, diesmal mit eigener Familie.