IQ-Vergleich von Politikern

US-Präsident „Trump lädt Tillerson zum IQ-Vergleich“, weil ihn sein Außenminister einen Idioten („moron“) genannt haben soll. Der Präsident selbst hält das für „Fake News“ und der Außenminister lässt dementieren, eine solche Ausdrucksweise zu benutzen. Er ist auch viel zu intelligent dazu. Dagegen ist Donald Trumps Meinung, er selbst sei eindeutig intelligenter, ein Beispiel seiner geringeren Intelligenz und vor allem seines übergroßen Narzissmus. Aus ihren Äußerungen und ihrem Verhalten wird deutlich, dass Rex Tillerson deutlich intelligenter ist, aber wohl nicht mehr lange Außenminister bleiben wird.

Die Idee ist natürlich interessant, die Intelligenz von Politikern zu messen und zu veröffentlichen. Die Aussagekraft ist allerdings gering, da nicht nur Intelligenztests gewisse Beschränkungen haben (und manipuliert werden könnten), sondern vor allem Intelligenz (im Sinne abstrakter Denkfähigkeiten) nicht die wichtigste oder gar einzig relevante Eigenschaft von Politikern ist. An der Spitze eines Staates wäre sie wichtiger als im Wahlkampf, doch auch da gibt es noch weitere relevante Eigenschaften, über die leider Herrn Trump auch nicht in ausreichendem Maße verfügt. Selbst bei Wissenschaftler ist Intelligenz nicht alles.

Wirtschaftsnobelpreis für Richard H. Thaler

Der Wirtschaftsnobelpreis (genauer der Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaften in Gedenken an Alfred Nobel) geht 2017 an Richard H. Thaler für seine Beiträge zur Verhaltensökonomik (siehe Pressemitteilung). Die Verhaltensökonomik ist ein neues, von dem Geehrten mitbegründetes Gebiet der Wirtschaftswissenschaften, welches psychologische Aspekte in wirtschaftswissenschaftliche Modelle zu integrieren versucht. So hat der diesjährige Preisträger, der an der University of Chicago lehrt und forscht, zu begrenzter Rationalität, sozialen Präferenzen (insbesondere hinsichtlich Fairness) und dem Mangel an Selbstkontrolle bzw. Willensstärke gearbeitet. Er hat dazu den Begriff Nudging geprägt, durch welches der Staat den Menschen ihre Entscheidungsfreiheit lassen, sie aber trotzdem zu gewünschtem Verhalten anreizen kann, indem z. B. einfach die Rückfalloptionen ohne jede aktive Entscheidung geändert werden (etwa Organspende statt keine oder das Ansparen für eine Pension, wenn man nicht dagegen votiert). Das ist allerdings normativ umstritten.

Die Verhaltensökonomik insgesamt kann menschliches Verhalten häufig etwas besser erklären, aber von einer umfassenden Erklärung ist sie wie die Psychologie und sonstigen Wirtschaftswissenschaften weit entfernt. Viele ihrer Erklärungen sind auch eher ad hoc. Persönlich würde ich stärker differenzieren wollen, was psycho- und soziologisch erklärbare oder zumindest beschreibbare Besonderheiten des menschlichen Verhaltens sind und was sich strukturell durch die Knappheitsverhältnisse und vorhandenen Institutionen ergibt. Manchmal gibt die eine oder die andere Seite den Ausschlag, meistens wirken beide zusammen, wobei Individualverhalten sehr heterogen sein kann und empirisch häufig nur Regelmäßigkeiten aufgespürt werden, die das Verhalten der (absoluten oder häufig auch nur relativen) Mehrheit aufweist.

Weltweites Universitätenranking

Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster ist wieder in den Top 200 der „Times Higher Education World University Rankings 2018“ vertreten, die nach bestimmten Kriterien die angeblich besten 1.000 Universitäten weltweit bestimmen. Konkret erreicht die „University of Münster“ den 173. Platz. Damit ist sie die 20. von 20 deutschen Universitäten in den Top 200. In den Top 1.000 sind 44 deutsche Universitäten vertreten. Die beste deutsche Universität ist demnach die LMU München auf Platz 34, gefolgt von der TU München auf Platz 41, der Universität Heidelberg auf Platz 45 und der Humboldt-Universität zu Berlin, an der ich promoviert wurde, auf Platz 62. Die FU Berlin, wo ich studierte, ist die 7. deutsche und die 88. weltweit. Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, an der ich mich habilitierte, ist in der nicht mehr näher aufgeschlüsselten Gruppe 401-500 weltweit bzw. die 40. in Deutschland. Weltweit auf Platz 1 liegt übrigens die University of Oxford gefolgt von der University of Cambridge. Erst dann kommen US-Universitäten, die das Ranking insgesamt dominieren.

Die konkreten Rangplätze sind nicht so wichtig wie der Gesamteindruck. Danach gibt es in Deutschland wenige absolute Spitzenuniversitäten, dafür jedoch relativ viele ziemlich gute. Das könnte insgesamt besser sein als die Bündelung der Spitzenforschung an wenigen Orten, während insbesondere die Max-Planck-Institute allen deutschen Universitäten hervorragende Forscher entziehen. Ebenso attrahieren vor allem die amerikanischen Top-Universitäten besonders gute Wissenschaftler aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland. China steigt in den Rankings auf und könnte demnächst Deutschland überholen, welches momentan hinter den USA und Großbritannien liegt. Dabei ist die Aussagekraft von Rankings ganzer Universitäten ohnehin geringer als für einzelne Fachbereiche, die eher vergleichbar sind.

Warum kippen gerade Libertäre oft nach rechts?

Es fällt auf, dass gerade Menschen mit libertären Einstellungen relativ häufig zu erzkonservativen, rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Positionen wechseln oder sogar beide Ideologien gleichzeitig zu vertreten versuchen. In den USA gibt es recht viele Beispiele dafür. In Deutschland gibt es hingegen gar nicht so viele Libertäre, doch die Zeitschrift eigentümlich frei und ihr Herausgeber André F. Lichtschlag stehen auch hierzulande exemplarisch für diese Entwicklung.

Mit libertär ist hier nicht liberal gemeint, sondern eine radikalere und vor allem staatsfeindliche Auffassung von individueller Freiheit (siehe ‚Liberal versus libertär‘). Es gibt die Einteilung, dass das Eintreten insbesondere für wirtschaftliche Freiheit selbst schon rechts sei, doch ich würde das in der Mitte des politischen Spektrums verorten, während rechte wie linke Positionen die individuelle Freiheit weniger wertschätzen oder sogar weitestgehend abschaffen bzw. dem Staat oder der Gesellschaft unterordnen wollen. Gleichzeitig maximale Freiheit zu fordern und diese abschaffen zu wollen, scheint widersprüchlich, wie auch die Entwicklung von einer sehr freiheitsliebenden zu einer freiheitsbeschränkenden bis -ablehnenden Position zumindest erklärungsbedürftig ist.

Die persönliche Entwicklungsgeschichte der betreffenden Personen kenne ich nicht. Viel wichtiger finde ich ohnehin den Zusammenhang der Ideen. Dabei sehe ich vor allem fünf Einfallstore für rechtes Denken in das libertäre Weltbild: Erstens droht die ‚Selbstabschaffung libertärer Freiheit‘, was eben nicht nur für eine libertäre Gesellschaft eine ernstzunehmende Gefahr wäre, sondern auch in einem einzelnen libertären Kopf passieren kann. Zu große Freiheit bedroht die Freiheit anderer. Zweitens könnte allein der Wunsch nach der eigenen Freiheit das Motiv für libertäre Auffassungen gewesen sein, bis sich die Erkenntnis einstellt, dass die eigene Freiheit sich durchaus mit der Unfreiheit anderer verträgt oder durch deren Unfreiheit sogar noch größer wird. Drittens ist die Ablehnung der Gleichheit bei Libertären stark verbreitet, was sich dann auch auf die Freiheitsrechte selbst erstrecken kann, so dass diese nicht mehr allen Menschen gleichermaßen zugestanden werden. Viertens kann die Ablehnung des Staates zur Suche nach einer starken Gegenmacht führen, die sich dann als starker Mann an der Spitze des Staates herausstellen mag, der gerade die liberale Gewaltenteilung und Differenzierung aufhebt (wie es Donald Trump wohl vorschwebt, der ausgerechnet als US-Präsident gegen Washington wettert). Fünftens kann das konsequente Eintreten für Meinungsfreiheit einen mit gefährlichen Meinungen in Kontakt bringen, die bei doch nicht so gefestigten libertären Überzeugungen dann übernommen werden, auch wenn sie sich gegen die Freiheit einschließlich Meinungsfreiheit richten. Das würde auch erklären, warum Libertäre eher nach rechts kippen, als dass Rechte libertär würden.

Rassismus ist böse

‚Jeder hat Grenzen‘. Endlich erklärt auch Präsident Donald „Trump: ‚Rassismus ist böse'“. Das ist richtig. Zuvor hatte er „Gewalt auf vielen Seiten“ verurteilt, was zwar ebenfalls richtig ist, aber nicht dem Anlass entsprechend, nämlich einem Mord- bis Terroranschlag mit einem Auto, doch nicht wie in letzter Zeit üblich durch einen Islamisten, sondern durch einen Rechtsextremisten, der in eine Gegendemonstrationen zu einer rechtsradikalen Demonstration fuhr, die sich ihrerseits gegen die Entfernung einer Statue des Konföderierten-Generals Robert F. Lee in Charlottesville richtete. Über solche Denkmäler und deren Entfernung kann man kontrovers diskutieren, doch Rassismus und Terrorismus lehnt jeder vernünftige Mensch ab.