Anschlag in Dortmund geschah aus Habgier

Der ‚Terroranschlag in Dortmund auf BVB-Bus‘ vor zehn Tagen war das Werk eines Kriminellen. Es gab heute seine „Festnahme nach BVB-Anschlag: Bomber wollte Aktien-Absturz“. Er hatte mit geliehenem Geld Put-Optionen gekauft und hätte damit an einem drastischen Kurssturz der BVB-Aktie verdient. Tatsächlich sank der Aktienkurs kaum bzw. stärker durch die Spielniederlage am nächsten Abend als durch den Anschlag selbst. Dies wäre vermutlich anders gewesen, wenn es mehr Verletzte oder gar Tote gegeben hätte, was der Täter wohl sogar beabsichtigte. Einer der ansonsten professionell angebrachten Sprengsätze war jedoch zu hoch. Bei etlichen toten Spielern wäre der Kurs nicht nur wegen des noch größeren Terrors stärker gefallen, sondern auch wegen des tatsächlichen Spielerverlusts.

Die vermeintlich islamistischen Bekennerschreiben am Tatort hatte der Täter gefälscht, um eine falsche Spur zu legen, die links- und rechtsextremistischen Bekenntnisse stammten von Trittbrettfahrern, was der IS offensichtlich nicht nötig hat. Ansonsten ging der Täter recht sorglos vor. Er mietete sich in das Mannschaftshotel von Borussia Dortmund ein und zündete die Sprengsätze mit Sichtkontakt aus dem Fenster. Außerdem tätigte er die bereits für sich genommen auffälligen Optionsgeschäfte unter seinem Namen ebenfalls von dem Hotel aus. Er übersah offensichtlich, dass solche Anschläge weniger die Börsen als die Medien, die Politik und auch die Polizei beeindrucken. Der Fahndungsdruck danach ist enorm und es wird jede Spur verfolgt. Der entscheidende Hinweis kam von seiner Bank. Das gibt Hoffnung, dass zumindest so ein dummes Verbrechen keine Nachahmer findet, da es sich nicht lohnt. Dagegen ist leider mit weiteren (pseudo)religiös und politisch motivierten Terroranschlägen zu rechnen, weil deren Kalkül nicht weniger bösartig, aber doch ganz anders ist.

Schäuble und Sinn zum deutschen Leistungsbilanzüberschuss

Nicht nur ‚CDU/CSU brechen schon wieder Versprechen zu Griechenland‘, indem sie auf die Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei weiteren Griechenlandkrediten verzichten wollen, sondern Bundesfinanzminister Wolfgang „Schäuble plädiert für Euro-Hilfen ohne den IWF“ weit darüber hinaus. Er möchte den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu einem Europäischen Währungsfonds umbauen und so dauerhaft den IWF mit seiner Expertise einschließlich Kritik loswerden. Am deutschen Geld soll Europa genesen, wozu auch die von Herrn Schäuble befürwortete Bankenunion gehört.

Dabei ist durch den Euro das genaue Gegenteil der Fall, krankt also mindestens die Hälfte der Eurozone. Die „Bundesregierung wehrt sich gegen Kritik an Handelsüberschuss“, insbesondere auch wieder Herr Schäuble in Auseinandersetzung mit der IWF-Chefin Christine Lagarde (siehe „Lagarde und Schäuble streiten über deutschen Exportüberschuss“). Doch es ist scheinheilig, den deutsche Leistungsbilanzüberschuss von inzwischen 263 Milliarden Euro bzw. 8,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf „den Eurokurs und die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB)“ zu schieben, „die außerhalb der Reichweite der Bundesregierung lägen“. Herr Schäuble und Frau Merkel haben durchaus den Euro, die Eurorettungspolitik und auch die Zinspolitik der EZB zu verantworten. Sie könnten jederzeit Änderungen herbeiführen, wenn sie wollten. Aber sie wollen diese Exportüberschüsse mit geringeren Reallöhnen in Deutschland und höherer Arbeitslosigkeit in vielen anderen Ländern. Eine ernsthafte Opposition dagegen wäre wirklich nötig.

„Eine [gute] Antwort auf die Vorwürfe von Präsident Trump“ hinsichtlich der hohen deutschen Exportüberschüsse gibt übrigens Hans-Werner Sinn. Er rechnet erst vor, dass der Euro für Deutschland gut ein Drittel zu niedrig bewertet ist, nämlich der Euro insgesamt zum Dollar rund 17 Prozent und Deutschland innerhalb des Euros nochmals 19 Prozent. „Die Unterbewertung impliziert eine hohe Nachfrage nach deutschen Waren im Ausland und zugleich eine Zurückhaltung der Deutschen beim Import.“ Für die Unterbewertung im Euro macht Herr Sinn inflationäre Kreditblasen in den südlichen Euro-Staaten verantwortlich. Für die Unterbewertung des Euros insgesamt sieht er eine Ursache „in der ultralockeren Geldpolitik der EZB, speziell ihrem QE-Programm“.

Zu bedenken ist aber, dass das  QE und auch andere expansive Maßnahmen der EZB von der Mehrheit des EZB-Rates gegen den erbitterten Widerstand der Deutschen Bundesbank beschlossen wurden. Deutschland selbst kann man dafür nicht verantwortlich machen.

Das sehe ich anders, weil zwar die Bundesbank und vor allem ihr Präsident Jens Weidmann Widerstand leisteten, nicht aber die Bundesregierung, die durchaus großen Einfluss hätte. Die zweite Ursache für die Unterbewertung des Euros gegenüber dem Dollar sieht Herr Sinn in den USA, die aller Welt und insbesondere auch Deutschland Finanzprodukte verkauften, wodurch der Dollar stieg. Deutschland hatte übrigens wenig davon, sondern verschenkt quasi seine Exporte wie auch nach Griechenland:

Als „stupid German money“ belächelte die Wall Street das Geld, das aus Deutschland kam, um die amerikanische Sozialpolitik zu finanzieren. Der Schwindel flog in der Finanzkrise auf. Bereits im Jahr 2010 musste der deutsche Staat seinen Banken mit 280 Mrd. Euro bei der Gründung zweier Bad Banks zur Seite springen, die diese problematischen Finanzprodukte aus Amerika dann aufnahmen. Ein erheblicher Teil der vielen Porsches, Mercedes und BMWs,  die nach Amerika geliefert wurden, ist so gesehen gar nicht bezahlt worden. Das sollte der neue amerikanische Präsident bedenken, bevor er einen Handelskrieg vom Zaun bricht oder auch nur über Twitter ungerechtfertigte Anschuldigungen gegen andere Länder verbreitet.

Negativzinsen für Kleinsparer bei steigender Inflation

Seit November 2014 verlangen einige Banken Strafzinsen von ihren Kunden für größere Geldanlagen (siehe ‚Wie sind negative Nominalzinsen möglich?‘), weil sie selbst Negativzinsen an die EZB zahlen müssen. (Warum zahlen Sie dann eigentlich nicht auch ihren Kreditnehmern etwas aus?) Dass dies nie Kleinsparer und -kunden treffen könne, war gelogen: „Die erste Bank verlangt Strafzinsen von jedermann“. Ich würde aus Prinzip sofort die Bank wechseln (was ich für meine Kinder übrigens noch nicht geschafft habe, siehe ‚Consorsbank verbietet vernünftige Geldanlage‘), zumindest solange es durch Wettbewerb zwischen den Banken noch welche ohne Negativzinsen für Geldanlagen gibt. Sonst hilft nur noch Bargeld, weshalb dieses von politisch interessierter Seite stark eingeschränkt oder sogar ganz abgeschafft werden soll (siehe ‚Bargeld schützt Freiheit und Eigentum‘).

Dabei werden die Sparer nicht nur von nominal negativen Zinsen bedroht, sondern vor allem von zunehmender Geldentwertung, also real negativen Zinsen in substanzieller Größe. Die „Verbraucherpreise ziehen kräftig an“, in Deutschland um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und in der gesamten Eurozone um 2 Prozent, während das selbstgesteckte Inflationsziel der EZB bzw. ihre Auffassung von Geldwertstabilität knapp darunter liegt. Damit entfällt die offizielle Begründung für die ultralockere Geldpolitik, nämlich dass die Inflation zu niedrig sei oder sogar Deflationsgefahr bestehe. Aber vermutlich fällt Herrn Draghi schnell eine neue Rechtfertigung ein (so schiebt man die Inflation jetzt auf steigende Energiepreise, während zuvor fallende Energiepreise kein Argument gegen Deflationsängste sein sollten), weil der wahre Grund für seine Politik ein anderer ist, nämlich die Unterstützung hochverschuldeter Krisenländer, die ohne Anleihenaufkäufe der EZB und bei marktgerechten Zinsen inklusive angemessener Risikoaufschläge schon längst insolvent wären.

Vortrag zur Finanz- und Eurokrise in Graz

Bereits vor drei Jahren wurde ich ‚Neumitglied im VfS-Ausschuss Wirtschaftswissenschaften und Ethik‘. Die letzten drei Tage war ich bei der diesjährigen Ausschusssitzung in Graz. Gestern hielt ich einen Vortrag zu „Wirtschaftsethische[n] Überlegungen zur Finanz- und Eurokrise“, die kontrovers diskutiert wurden. So wurde u. a. hinterfragt, ob Politiker oder überhaupt jemand für diese Krise verantwortlich wäre, während ich mir nur bei den Wirtschaftswissenschaftlern unsicher war. Es gab auch den Vorschlag, Deutschland müsse einfach mehr Transfers nach Griechenland leisten, damit alles gut würde. Es ist also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, nicht nur allgemein bei den Wählern, sondern auch innerhalb der Wissenschaft.

Consorsbank verbietet vernünftige Geldanlage

Bis 2008 war ich Kunde bei Consors bzw. dann Cortal Consors für mein Aktiendepot. Wegen ungünstiger Konditionen bei Effektenkrediten, also der Beleihung meiner Aktien, wechselte ich zur DAB Bank, um noch möglichst viele Aktien vor Einführung der Abgeltungsteuer kaufen zu können. Letzten Herbst übertrug die DAB Bank, nachdem sie ebenfalls von der französischen Großbank BNP Paribas übernommen worden war, alle Aktiendepots zur erneut etwas umbenannten Consorsbank.

Für mich selbst ist es ärgerlich genug, unfreiwillig wieder dort gelandet zu sein, auch wenn ich keine Effektenkredite mehr habe und mit der DAB Bank ebenfalls nicht immer zufrieden war (siehe ‚Immer Ärger mit den Banken‘). Viel schlimmer ist das jedoch für die Aktiendepots meiner Kinder, wie ich gestern feststellen musste. Ich wollte für sie Aktien aus dem Dow Jones und dem MDAX kaufen, was beides nicht ging, weil es oberhalb der maximalen Risikoklasse für Minderjährige läge. Das ist lächerlich, weil es sich um Standardwerte handelt und durch eine breite Streuung gerade auch über Ländergrenzen hinweg das Risiko sinkt statt steigt. Außerdem haben beide Kinder schon entsprechende Werte im Depot. Schließlich kann ich ansonsten willkürlich über das Geld meiner Kinder verfügen und könnte es z. B. in Bierflaschen anlegen.

Auf meine Beschwerde wurde mir geantwortet, dass es Geschäftspolitik der Consorsbank sei, solche Geschäfte nicht zuzulassen. Ich könne jedoch entsprechende Aktien von meinem eigenen Depot auf das meiner Kinder übertragen. Wie das genau geht, wurde nicht mitgeteilt, zumal es den Charakter als reine Schikane unterstreicht, da der Umweg über mein Depot das Vermögen meiner Kinder nicht sicherer macht, sondern höchsten schmälert, falls dafür zusätzliche Gebühren anfallen sollten. Für die Empfehlung einer besseren Bank für Direktanleger bin ich deshalb dankbar.