Mord wegen Maskenpflicht

Am Samstag gab es ein abscheuliches und zugleich völlig verrücktes Verbrechen in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz. „Mutmaßlicher Täter wollte ‚Zeichen setzen‘: Tankstellen-Kassierer erschossen“, weil dieser ihn aufgefordert hatte, eine Maske wegen Corona zu tragen, da er ihm sonst kein Bier verkaufen dürfe. Der Mann fuhr nach Hause, holte einen Revolver und erschoss dann, also keineswegs im Affekt, den Studenten, der als Aushilfe in der Tankstelle arbeitete. Das war ein kaltblütiger Mord, der völlig sinnlos ist. Der Student hat nicht die Regeln gemacht, sondern nur seinen Job. Hier wurde ein völlig Unschuldiger ohne Grund ermordet.

Es ist ebenfalls schlimm, dass selbst solch ein Verbrechen noch Zuspruch findet: „Rechte jubeln über Mord von Idar-Oberstein“, wobei es eigentlich menschenverachtende Rechtsextremisten sind. Nicht jeder, der die vorgeschriebenen Corona-Maßnahmen oder einen Teil davon ablehnt, ist ein Extremist, aber jeder, der solch ein Verbrechen gutheißt oder auch nur entschuldigt. Dabei geht es auch in keiner Weise um Freiheit, sondern um deren Beschränkung. Andere sollen nichts mehr sagen und tun dürfen, was den Gewalttätern nicht gefällt. Dabei wollen andere Gewalttäter vielleicht genau das Gegenteil und werden demnächst Menschen erschießen, die keine Maske tragen oder diese falsch aufsetzen.

Natürlich darf man sich gegen die Maskenpflicht aussprechen, aber auch für sie, zumal sie geltendes Recht ist. Der Student musste den Mann auf die Maskenpflicht hinweisen, da es sowohl sein Arbeitgeber als auch der Staat verlangten. Vielleicht war er persönlich gar kein Befürworter der Maskenpflicht, aber das spielte keine Rolle, für den Täter übrigens auch nicht, was die Tat noch absurder macht.

Richtig und wichtig ist eine Debatte über die Regeln unseres Zusammenlebens. Wir können auch auf demokratischem Wege etwas Einfluss nehmen auf diejenigen, die uns regieren und Gesetze sowie Verordnungen vorschreiben. Man kann außerdem Gerichte bemühen, aber darf nicht einfach Menschen gewaltsam angreifen oder sogar töten, nur weil einem die Regeln nicht passen.

Ökonomenpanel zu Konsequenzen möglicher Koalitionen

Beim ersten Anlauf des 36. Ökonomenpanels von ifo und FAZ zur „Bundestagswahl und ihren wirtschaftlichen Konsequenzen für Deutschland“ sollte man „die geschätzte Auswirkung der Politiken der möglichen Koalitionen auf makroökonomische und klimarelevante Variablen in der kurzen und mittleren Frist“ beziffern, beispielsweise prozentuale Veränderungen des BIPs oder der Emissionen von Treibhausgasen. Das habe ich nicht gemacht und schrieb unter „Anregungen und Kommentare zum Ökonomenpanel“:

Zumindest ich kann solche Detailprognosen nicht seriös abgeben, zumal die betreffenden Größen weder ausschließlich noch hauptsächlich von der Bundesregierung abhängen.

Es ging wohl auch anderen so, weshalb es einen zweiten Anlauf gab mit veränderten Fragen, bei denen nur noch die mögliche Koalition identifiziert werden sollte, die am stärksten in die eine oder andere Richtung auf die jeweilige Variable einwirkt. Unter „Bundestagswahlen: Deutsche Ökonom*innen bewerten mögliche Koalitionen“ finden sich die Antworten aller Teilnehmer, bei denen sich eine Polarisierung zwischen Union und FDP einerseits und SPD, Grünen und Linken andererseits feststellen lässt. In meinen untenstehenden eigenen Antworten hielt ich eine Koalition nur von Union und FDP für zu unwahrscheinlich, weshalb ich sie gar nicht angegeben habe (sonst würde ich auch darin mit der Mehrheit meiner Kollegen übereinstimmen).

Nachfolgend sind die gegenwärtig wahrscheinlichsten Koalitionen nach der Bundestagswahl aufgeführt. Wir interessieren uns für die geschätzte Auswirkung der Politiken der möglichen Koalitionen auf makroökonomische und klimarelevante Variablen in der nächsten Legislaturperiode.

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie das höchste Wirtschaftswachstum (BIP real) in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Union FDP

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie das niedrigste Wirtschaftswachstum (BIP real) in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Grüne Linke

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die höchste Arbeitslosenquote in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Grüne Linke

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Union FDP

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die höchste Staatsschuldenquote in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Grüne Linke

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die niedrigste Staatsschuldenquote in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Union FDP

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die höchste Netto-Einkommensungleichheit in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

Union Grüne FDP

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die niedrigste Netto-Einkommensungleichheit in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Grüne Linke

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die höchsten CO2-Emissionen in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Union

Unter welcher der folgenden möglichen Koalitionen erwarten Sie die niedrigsten CO2-Emissionen in Deutschland zum Ende der nächsten Legislaturperiode?

SPD Grüne FDP

Erststimme in Dortmund II

In einer Woche ist die Bundestagswahl. Meine Wahlempfehlung für die CDU habe ich schon gegeben (siehe ‚Wahl-O-Mat Bundestagswahl 2021‘), wobei sie mich nicht wirklich überzeugt, doch Herr Laschet als das kleinere Übel erscheint im Vergleich zu den anderen Kanzlerkandidaten (oder gar Frau Merkel). Eine Wahl der FDP fände ich ebenfalls sinnvoll, während die Wahl jeder anderen Partei entweder Rot-Rot-Grün wahrscheinlicher macht oder zumindest den Einfluss der Grünen und/oder SPD in der nächsten Bundesregierung vergrößert.

Inzwischen habe ich mir auch die Direktkandidaten in meinem Wahlkreis Dortmund II angeschaut (Auflistung hier). Sabine Poschmann von der SPD wird ziemlich sicher wieder den Wahlkreis gewinnen. Das gibt mir mehr Freiheit bei der eigenen Wahl. ‚Meine Wahl(empfehlung)‘ 2017 hatte sich allerdings nachträglich als schwerer Fehler herausgestellt, weil Matthias Helferich sich selbst als „das freundliche Gesicht des ns“ [Nationalsozialismus] und „demokratischer Freisler“ bezeichnete (siehe „Meuthen scheitert im Streit über AfD-Landesvize Helferich“). Er kandidiert trotzdem wieder, doch ich werde ihn und die AfD sicher nicht mehr wählen. Michael Depenbrock von der CDU ist mir zu EU-begeistert, weshalb ich diesmal Frieder Löhrer von der FDP wählen werde, der schon wirklich etwas geleistet hat und mit dem Motto wirbt: „Für mehr Freude am Erfinden als am Verbieten.“

Berlin kauft teuer Wohnungen zurück, statt neue zu bauen

Der „Berliner Senat schließt Deal mit Deutsche Wohnen und Vonovia“. Für 2,46 Milliarden Euro kaufen die öffentlichen Wohnungsgesellschaften Degewo, Howoge und Berlinovo rund 14.750 Wohnungen und 450 Gewerbeeinheiten von den beiden privaten Immobilienkonzernen, die vor der Fusion stehen (denn „Vonovia streicht Annahmeschwelle – Übernahme von Deutsche Wohnen steht nichts mehr im Weg“, siehe zum vorherigen Übernahmeversuch ‚Vonovia bekommt nicht genug Aktien von Deutsche Wohnen‘). Der Kauf wird über Kredite finanziert und weitere Sanierungskosten nach sich ziehen. Es entsteht trotz der hohen Kosten keine einzige neue Wohnung in Berlin (siehe auch ‚Berlin will Wohnungen teuer zurückkaufen oder sogar enteignen‘). Noch 2004 hatten SPD, federführend Finanzsenator Thilo Sarrazin, und PDS (zuvor SED, nun Die Linke) 65.000 Wohnungen für 400 Millionen Euro an internationale Fondsgesellschaften verkauft, die später an Deutsche Wohnen weiterverkauft wurden (siehe „Kommunale wollen klotzen“). Insgesamt hat der SPD-geführte Senat also sowohl viele Wohnungen als auch viel Geld verloren.

Gleichzeitig mit der Bundestagswahl und der Berliner Landtagswahl findet auch ein „Volksentscheid über einen Beschluss zur Erarbeitung eines Gesetzentwurfs durch den Senat zur Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Wohnungsunternehmen“ statt (siehe auch ‚Habeck fordert sinnlose Enteignungen‘). Die geplanten Enteignungen würden noch viel teurer und ebenfalls keine neue Wohnung schaffen, sondern Investoren für eigentlich benötigte Neubauten vertreiben. Trotzdem könnte es dafür in Berlin eine Mehrheit geben, wie auch der sehr schlechte rot-rot-grüne Senat gute Chancen auf Wiederwahl hat und die plagiierende Frau Giffey Regierende Bürgermeisterin werden dürfte (siehe ‚Giffey tritt wegen Schummelei als Familienministerin zurück, will aber Berlin regieren‘).

Haseloff erst im zweiten Wahlgang gewählt

Die ‚CDU gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt‘ und zimmert dann eine Deutschland-Koalition mit der sehr kleinen SPD und noch kleineren FDP, während die Grünen als kleinste Partei keine Lust mehr hatten. Dabei hätten auch CDU und SPD alleine die absolute Mehrheit gehabt, aber nur mit einer Stimme. Doch selbst die sieben zusätzlichen Stimmen der FDP reichten anfangs nicht.

Reiner „Haseloff rechnete damit, dass er im ersten Wahlgang durchfällt“, was heute tatsächlich passiert ist. Er bekam nur 48 von 97 Stimmen. Es fehlte also genau eine Stimme zur absoluten Mehrheit und es fehlten ganze acht von seiner Koalition. Im zweiten Wahlgang wurde er mit 53 Stimmen zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt. Es gab eine Enthaltung und 43 Gegenstimmen, also mindestens zwei aus den Reihen seiner Koalition und vermutlich sogar seiner eigenen Partei, während fünf Abgeordnete nun zusätzlich für ihn stimmten, ihm also vor allem im ersten Wahlgang einen Denkzettel verpassen wollten.

Schon 2011 bei seiner ersten Wahl zum Ministerpräsidenten hatte es Abweichler aus CDU und/oder SPD gegeben. 2016 musste er ebenfalls in den zweiten Wahlgang, weil nicht alle Abgeordneten der damaligen Kenia-Koalition für ihn stimmten. Im dritten Wahlgang hätte übrigens jeweils die relative Mehrheit genügt. Trotzdem hat er es mit der Deutschland-Koalition richtig gemacht angesichts der nicht hinreichend disziplinierten Fraktion(en).

Gegenstimmen aus den eigenen Reihen sind erlaubt, aber nicht wirklich anständig, zumal Herr Haseloff kein Wahlversprechen brach und sich auch niemand zum Abweichen bekennen mag. Es mangelt ohnehin an einem besseren Gegenkandidaten und die Wähler wollten mehrheitlich ihn statt Chaos durch abweichende Abgeordnete. Ich wünsche Herrn Haseloff, seiner Regierung und ganz Sachsen-Anhalt viel Erfolg. Vielleicht kann diese Deutschland-Koalition auch ein Vorbild für ganz Deutschland sein.

Baerbock hält jedes Verbot für einen Innovationstreiber

Annalena Baerbock sagte Sonntag beim Triell der Kanzlerkandidaten, zu dem sie von ARD und ZDF eingeladen worden war, obwohl sie zumindest diesmal keine realistische Chance auf die Kanzlerschaft hat: „Jedes Verbot ist auch ein Innovationstreiber.“ Wenigstens ist sie ehrlich und spricht damit offen aus, dass die Grünen weiterhin die Verbotspartei sind, die unsere Freiheit möglichst stark beschränken will. Auch Robert ‚Habeck hält Verbote für kostenlos und effiziente Preise für unsozial‘.

Peinlich ist, wie nun versucht wird, den offenkundigen Unsinn von Frau Baerbock zu relativieren. Frau „Baerbock polarisiert mit Verbotsthese“, obwohl jeder sie als falsch erkennen könnte. Doch z. B. „Dietmar Harhoff, Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München, findet den Satz gar nicht so absurd, wie er für viele klingen mag. ‚Prinzipiell hat Baerbock recht.'“ Nein, hat sie nicht, da sie gesagt hat, dass JEDES Verbot ein Innovationstreiber sei, was einfach nicht stimmt.

Auf manche Verbote trifft das zu, aber längst nicht auf alle. So würde ein Verbot der Grünen mehr Innovationen zulassen, ein Verbot von Innovationen hingegen weniger. Im Triell ging es im Zusammenhang ihrer Äußerung um Verbrennungsmotoren, deren Verbot Innovationen in andere Antriebstechnologien anregen mag, aber Innovationen in Verbrennungsmotoren, die z. B. noch verbrauchsärmer oder ganz CO2-neutral werden könnten, verhindert, zumindest in Deutschland, während sie dann vielleicht in anderen Ländern ohne ein solches Verbot zunehmen. Verbote beschränken die Freiheit von Unternehmen, Konsumenten und auch Erfindern, die deshalb auf andere Bereiche ausweichen, wo es dann mehr Innovationen geben kann oder auch Ideen zum Umgehen der Verbote.

Die Grünen sehen die Vorteile von Verboten (und Geboten), während Liberale umgekehrt die Freiheit wertschätzen (Herr Harhoff räumt selbst ein: „Zentral für Innovationen sind nicht Verbote, sondern Freiräume für Menschen, die sie entwickeln“) und für jedes (staatliche) Verbot eine hinreichende Rechtfertigung verlangen. Dabei sollte nicht jedes Verbot verboten werden, was ohnehin paradox wäre (und nach der Logik von Frau Baerbock innovationstreibend), sondern jeder nicht hinreichend gerechtfertigte Eingriff in die individuelle Freiheit. Vor allem eine direkte Schädigung von anderen gegen deren Willen kann ein Verbot rechtfertigen oder sogar erforderlich machen. Dass es dadurch mehr Innovationen geben könnte, ist hingegen keine hinreichende Rechtfertigung für ein Verbot und trifft außerdem entgegen Frau Baerbock nicht für jedes Verbot zu.

Kommunalwahlen 2021 in Niedersachsen

Heute fanden die Kommunalwahlen in Niedersachsen statt, ein letzter Test vor der Bundestagswahl, wobei natürlich auch und gerade lokale und regionale Themen und Personen eine wichtige Rolle spielen. Ein großes Beben hat nicht stattgefunden und die CDU bleibt stärkste Partei, was insbesondere Herrn Laschet freuen dürfte. Im vorläufigen Landestrend (siehe hier, Stand 22.53 Uhr) erhält sie 32,4 Prozent der Stimmen (2016 waren es bei den Kreiswahlen 34,3 Prozent gewesen, siehe dort). Im SPD kommt jetzt im Trend 30,0 Prozent (2016 waren es 31,2 Prozent bei den Kreiswahlen). Die Grünen erreichen 15,2 Prozent (gegenüber 10,9 Prozent vor fünf Jahren), die FDP erzielt 6,6 Prozent (nach 4,8 Prozent), die AfD 4,7 Prozent (statt 7,9 Prozent beim letzten Mal), Die Linke 2,8 Prozent (zuvor 3,3 Prozent) und die Sonstigen erhalten 8,3 Prozent (nach 7,6 Prozent). Um die meisten Oberbürgermeisterämter wird es in zwei Wochen, zeitgleich zur Bundestagswahl, Stichwahlen geben.

CDU wegen Laschet wählen

Manche träumen immer noch davon, den Kanzlerkandidaten der Union in letzter Minute auszutauschen. „Söder statt Laschet? Dann ist die CDU unwählbar“. Da muss ich Vera Lengsfeld zustimmen. Auch wenn ich damit wohl in der Minderheit bin, ich werde die Union nicht trotz, sondern wegen Armin Laschet wählen (siehe ‚Wahl-O-Mat Bundestagswahl 2021‘). Mit Herrn Söder als Kandidat würde ich sie hingegen keinesfalls wählen.

„Laschet ist der einzige Kanzlerkandidat, der nicht die Politik von Angela Merkel fortsetzen, sondern endlich die aufgehäuften Probleme anpacken will. Von den Linken wird er offensichtlich als das entscheidende Hindernis auf ihrem Weg ins Kanzleramt gesehen.“ Auch da stimme ich Frau Lengsfeld zu und wundere mich, dass selbst viele Kommentatoren hier das übersehen. Herr Laschet ist offensichtlich kein guter Redner, der seinen Kurs überzeugend verkaufen kann. Das könnte ihn das Kanzleramt kosten, aber im Kanzleramt wäre es wichtig, dass dieser Kurs gefahren wird und nicht mehr der von Frau Merkel, auch nicht der von Herrn Scholz, Frau Baerbock oder Herrn Söder.

Die ‚Farbenspiele bei der Koalitionsbildung‘ lassen vieles zu. Die Union muss nicht einmal stärkste Fraktion werden, um den Kanzler zu stellen, und kann umgekehrt auch als stärkste Fraktion in der Opposition landen. Auf jeden Fall drohen ihr herbe Stimmverluste, die jedoch eher Frau Merkel als Herrn Laschet zuzuschreiben sind. Er ist nicht der absolut, aber der relativ beste Kandidat und hat eine Chance verdient.

Linke will regieren und dafür formal NATO akzeptieren

In ‚Farbenspiele bei der Koalitionsbildung‘ hielt ich Rot-Rot-Grün für unrealistisch. Doch die „Linke präsentiert Pläne für Rot-Rot-Grün“, die die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen, wenn die Wähler ihr eine absolute Mehrheit bescheren. Weder von der SPD noch den Grünen wurde eine Zusammenarbeit mit den Linken explizit ausgeschlossen. Es wurden nur Bedingungen formuliert, die Die Linke nun zumindest formal zu erfüllen gedenkt. Am strittigsten war die Forderung der umbenannten SED, dass Deutschland aus der NATO austreten solle. Darauf will sie formal nun verzichten, wenngleich ohne Beistandsgarantie für andere NATO-Mitglieder, was dieses Verteidigungsbündnis entwertet. Allerdings ist der Bündnisfall äußerst selten (er wurde erst einmal ausgerufen und führte zum jetzt erst nach fast zwanzig Jahren beendeten Afghanistan-Einsatz) und könnte darüber dann eine solche Koalition zerbrechen. Dass Die Linke außerdem keine Auslandseinsätze der Bundeswehr mehr will, ist wohl sogar gut für Deutschland und den Rest der Welt, auch wenn es den inzwischen besonders aggressiven Grünen nicht gefällt, die selbst einmal als Pazifisten angefangen hatten, bevor sie Deutschland erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder in Kriege verwickelten.

Schlimmer sind aus meiner Sicht die wirtschafts- und sozialpolitischen Träume der alten DDR-Regierungspartei. So sollen die Mieten stark gedeckelt werden, was die Wohnungsnot verschärft und langfristig auch an die Substanz geht. Dasselbe gilt für Vermögensabgabe und -steuer. Der Mindestlohn soll deutlich erhöht werden, was dann ordentlich Arbeitsplätze kosten wird. Grüne und SPD haben nichts Grundsätzliches gegen solche Pläne, sondern eher das parteipolitische Problem, in diesen Fragen nie so weit gehen zu können wie Die Linke und damit als Bremser zu erscheinen. Zumindest íhre Kanzlerkandidaten würden wohl lieber mit der FDP eine Ampel-Koalition bilden, in der sie dann als sozialer gelten und die FDP als Spaßbremse feststeht. Zugleich ist die FDP verlässlicher und wird jeden vereinbarten Mist mittragen, während viele Abgeordnete der Linken wohl weniger kompromissfähig sind und immer noch mehr Mist verlangen werden. Doch den entscheidenden Hinweis gibt auch hier Die Linke, dass bei SPD und Grünen viele anders denken als die der Öffentlichkeit präsentierten Spitzenkandidaten. Zur Erinnerung, die ‚SPD-Basis will Esken und Walter-Borjans als Vorsitzende‘ und nicht Olaf Scholz. Auch bei den Grünen gibt es viel mehr Freunde der Linken als der FDP. Damit ist Rot-Rot-Grün eine ernsthafte Option bzw. Gefahr, vor der am ehesten die Wahl von Union oder FDP schützt.

Wahl-O-Mat Bundestagswahl 2021

Beim „Wahl-O-Mat Bundestagswahl 2021“ ist die Übereinstimmung meiner Antworten mit denen der antretenden Parteien folgendermaßen:

AfD 78,9 %
LKR 73,7 %
diePinken/BÜNDNIS21 71,1 %
CDU/CSU 69,7 %
Bayernpartei 68,4 %
Freie Wähler 68,4 %
Bündnis C 64,5 %
FDP 64,5 %
Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel 61,8 %
III. Weg 60,5 %
NPD 60,5 %
Team Todenhöfer 60,5 %
Unabhängige für bürgernahe Demokratie 60,5 %
Die Grauen 57,9 %
dieBasis 57,9 %
BüSo 56,6 %
Europäische Partei LIEBE 55,3 %
Gesundheitsforschung 55,3 %48,7 %
Die Humanisten
Menschliche Welt 48,7 %
PdF (Partei des Fortschritts) 46,1 %
Tierschutzallianz 40,8 %
Piraten 39,5 %
SPD 36,8 %
LfK (Partei für Kinder, Jugendliche und Familien) 35,5 %
SSW (Südschleswigscher Wählerverband) 34,2 %
DKP 34,2 %
SGP (Sozialistische Gleichheitspartei) 30,3 %
Volt 28,9 %
MLPD 27,6 %
V-Partei³ (Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer) 26,3 %
Die PARTEI 23,7 %
DiB (Demokratie in Bewegung) 22,4 %
ÖDP 22,4 %
Tierschutzpartei 22,4 %
Die Linke 21,1 %
du. (Die Urbane. Eine HipHop Partei) 19,7 %
Grüne 18,4 %

Interessanterweise landen die Grünen bei mir auf dem letzten Platz, weshalb ich hoffe, dass sie möglichst gar nicht an der nächsten Regierung beteiligt sind. Die ‚Farbenspiele bei der Koalitionsbildung‘ sollten also möglichst zu einer Deutschland-Koalition führen, die zwar auch nicht toll ist, aber besser als die Alternativen, was ebenso für eine Kanzlerschaft von Armin Laschet gilt. Die Wahl der auch sonst zweifelhaften AfD trägt nichts dazu bei. LKR und diePinken/BÜNDNIS21 haben ohnehin keine realistische Chance.

Deshalb empfehle ich trotz schwerer Bedenken die Wahl der CDU. Ihre Antworten sind liberaler als die der FDP und Herr Laschet ist nicht Frau Merkel. Er hat eine faire Chance verdient und sollte möglichst vor Herrn Scholz mit seinen viel ernsthafteren Skandalen landen. Die Union hat kein Traumergebnis verdient, aber das ist auch nicht zu erwarten, eher ein Albtraum mit einer noch stärkeren Linksverschiebung. In Bayern würde ich übrigens wegen Markus Söder nicht die CSU, sondern dann doch lieber die FDP oder Freien Wähler wählen.