1969 fand die CDU Stimmen von der NPD noch völlig demokratisch

Ein ‚Liberaler löst sozialistischen Ministerpräsidenten in Thüringen ab‘ und die Republik steht Kopf. So ist der FDP-Vorsitzende ‚Lindner gegen liberalen Ministerpräsidenten‘ aus seiner eigenen Partei und Bundeskanzlerin ‚Merkel schmeißt Ostbeauftragten wegen Glückwunschtweet an Liberalen raus‘. Die CDU-Bundesvorsitzende ‚Kramp-Karrenbauer gibt auf‘ und der auch der CDU-Landesvorsitzende ‚[…] Mohring geht statt Merkel‘. Das alles nur, weil angeblich erstmals ein großer Tabubruch geschehen sei und eine rechte Partei wie die AfD die geheime Wahl entschieden hätte.

„Als die NPD beinahe die Bundespräsidentenwahl entschieden hätte“ 1969, hat das aber zumindest die CDU überhaupt nicht gestört. Sie hätte gerne mit NPD-Stimmen ihren Kandidaten Gerhard Schröder (nicht der spätere SPD-Kanzler gleichen Namens) gewählt, denn die NPDler seien „schließlich auch demokratisch gewählt“ (und das ‚Bundesverfassungsgericht drückt sich vor NPD-Verbot‘ bis heute). Das gilt für die heutigen AfD-Abgeordneten ebenso, aber man möchte jetzt eben lieber einen Ministerpräsidenten von Die Linken zusammen mit der Ex-SED wählen als einen FDP-Mann. 1969 gaben übrigens FDP-Abgeordnete den knappen Ausschlag, der zur Wahl des SPD-Kandidaten Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten führte.

14 Gedanken zu „1969 fand die CDU Stimmen von der NPD noch völlig demokratisch

  1. Endsechziger Jahre… Ich kann mich noch gut an die Diskussionen in der Schule erinnern, als – heute undenkbar – Diskussionen zur NPD, welch radikale Ansichten sie auch immer vertrat, völlig normal waren. Man mochte die NPD nicht, aber klar, das war eben Parlamentarismus. Verrenkungen und totalitäre Vorgehensweisen wie heute gab es damals nicht. Die aus meiner Sicht richtige Sicht der Dinge war, daß ein (wirklicher) Rechtsstaat mit so etwas demokratisch fertig werden müsse.

    Hieran sieht man die Veränderungen, die mittlerweile eingetreten sind. In den „spießigen“ 60er Jahren war die Freiheit der Bürger selbstverständlich, sie war ein Wert an sich, auf den man achtete. Der demokratische und wohl auch moralische Kompaß war intakt. Heute warte ich morgens schon mit angehaltenem Atem auf den Unfug, Irrsinn und Hohn, der mit großer Wahrscheinlichkeit schon in den ersten Frühnachrichten aus den Vereinigten Propagandasendern ausgespien wird..

  2. DDR 2.0 eben.

    Was nicht ins Konzept der sozialistischsten Bundeskanzlerin aller Zeiten passt, wird passend gemacht. Und das Dummvolk schaut zu oder bejubelt es sogar noch.

    Ich frage mich ernsthaft, wie dieses Land (Deutschland) noch vor dem unmittelbar bevorstehenden Absturz (in fünf Jahren kollabiert z.B. auch bereits so das Rentensystem – https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsches-rentensystem-rentenkommission-droht-das-scheitern-16633538.html) bewahrt werden soll. Sozialistischer Zwangsbeglückung folgt nämlich stets Armut für alle und nicht „Reichtum für alle!“, mit dem Gregor Gysi 2009 im Bundestagswahlkampf warb. Jedenfalls lehrt das die Erfahrung mit praktisch allen bisherigen umverteilungssozialistischen Experimenten.

  3. “ ……………..Das gilt für die heutigen AfD-Abgeordneten ebenso, aber man möchte jetzt eben lieber einen Ministerpräsidenten von Die Linken ( Ramelow ) zusammen mit der Ex-SED wählen als einen FDP-Mann. “

    Ja, das regt mich furchtbar auf, und nicht als Berliner ( West ) . Meine Freunde und Verwandten in Potsdam und Köpenick denken gleich.

    Eine Partei und ihre Wähler als “ Gesindel “ zu verunglimpfen , SED / PDS / Die Linke Nachfolgerin zu hofieren, ist nicht nur inakzeptabel ist Affront vs. demokratische Prinzipien.

  4. Das ist eine nette Anekdote. Aber dass die CDU früher konservativer und die Gesellschaft weniger antifaschistisch orientiert war, ist keine neue Erkenntnis…

    • Was ist konservativ an einer Zusammenarbeit mit der NPD? Gerechtfertigt ist höchstens die formale Argumentation, dass es sich um eine geheime Wahl handelte und jede Stimme dasselbe Gewicht hat. Davon will man jetzt in Thüringen aber nichts wissen, obwohl die AfD trotz Herrn Höcke längst noch nicht so schlimm wie die NPD ist.

      • Konservativ heißt hier Robustheit gegenüber Anfeindungen der Linken. Eine Wahl ist doch keine Zusammenarbeit: GS wäre gewählt worden und hätte danach nichts mehr mit der NPD machen müssen. Schauen Sie sich Markus Söder in Bayern an, der auf dem konservativen Ticket ins Amt kam und nun grüne Politik macht.

      • Die NPD der 1960er Jahre sollte man aber nicht mit der NPD von heute vergleichen. Die NPD bestand zwar zum großen Teil aus ehemaligen Mitglieder der Deutschen Reichspartei, zog aber auch Mitglieder der Deutschen Partei sowie Teile des nationalliberalen Flügels der FDP an. Mit dem Scheitern der NPD bei der Bundestagswahl 1969 war der Versuch eine rechte Partei neben der CDU/CSU zu etablieren endgültig gescheitert.
        Wenn sich heute die CDU und gerade die SPD als der antifaschistische Schutzwall aufstellen, sollte man folgendes nicht vergessen. Die CDU hat Parteien des konservativen Lagers lange Zeit auch durch das Nichtaufstellen von Direktkandidaten unterstützt siehe z. B. Deutsche Zentrumspartei in NRW und Deutsche Partei in Niedersachsen. Darüber hinaus wählte die CDU sogar Heinrich Hellwege von der Deutschen Partei zum Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen, obwohl die Deutsche Partei nur drittstärkste Kraft bei den Landtagswahlen wurde. Und auch die seit 156 Jahren gegen Faschismus kämpfende SPD (gab es den Faschismus überhaupt schon bei Gründung der SPD) ging in den 1950er Jahren Koaltionen mit dem Bund der Heimatentrechteten und Vertriebenen ein. Aus heutiger Sicht auch eine rechtspopulistische bis rechtsradikale Partei. Die Beispiele zeigen sehr anschaulich, dass man sich einfach nur nach den Zeitgeist richtet. Viele Interlektuelle und Medien spielen heutzutage die Melodie eines linken Aufbruches/Umbruches. Also passen sich fälschlicherweise auch CDU/CSU sowie FDP diesem Trend an. Erst wenn Konservative und Liberale beginnen den linken Zeitgeist in Frage zu stellen, werden sie wieder an der Wahlurne profitieren. Darüber hinaus würde solch eine politische Neuausrichtung auch der Debatten- und Diskussionskultur in unserem Land helfen.

      • Faschismus entstand im 19. Jahrhundert in Italien und bezeichnete dort die National- und Arbeiterbewegung. Die damalige SPD war ziemlich sicher nicht dagegen. 1919 nannte Benito Mussolini seine Bewegung so, erst später wurden auch andere extrem nationalistische Bewegungen und Parteien so bezeichnet.

        Der Plan von Frau Merkel ist doch, die CDU als stärkste Kraft im linken Lager zu etablieren, dem gar keine bürgerlichen Parteien mehr gegenüberstehen sollen, sondern nur „Faschisten“ als Feindbild.

  5. Inwiefern ist denn ein Ministerpräsident einer 5%-Partei demokratischer als von einer 31%-Partei, welcher parteiübergreifend(!) sehr beliebt in seinem Land ist und dessen Umfragewerte nach der Kemmerich-Wahl steigen während CDU und FDP verlieren? Ganz offensichtlich war dieses Ergebnis ja nicht das von den Wählern beabsichtigte und somit wohl kaum die demokratischere Lösung.

    Weiterhin ist es doch wenig überraschend, dass die CDU ’69 wenig Probleme mit Nazis hatte wo doch die CDU von allen größeren Parteien die größte Anzahl von ehemaligen NSDAPlern in ihren Reihen hatte.

    Und warum ist ein Zusammenarbeit mit der Linken als böse „Ex-SED“, obwohl deren Politik Thüringen ja nun wirklich nicht in ein kommunistisches Mekka verwandelt hat, mit einem Kandidaten der wohl genauso gut auch in der SPD sein könnte, anscheinend so viel schlimmer als die Zusammenarbeit mit Faschisten (es geht schließlich explizit um den Höcke-Flügel)? Wenn man das eine so lautstark kritisiert, sollte man mit der anderen Extremform doch genauso seine Probleme haben?

    Zu guter Letzt: die FDP von damals hat doch mal so gar nichts mehr mit der heutigen FDP zu tun.

    • Sie sprechen sich damit gegen den Parlamentarismus aus, was sonst ein Hauptvorwurf gegen die AfD ist. Im Übrigen gab es keine Zusammenarbeit mit der AfD, sondern haben vermutlich (die Wahl war geheim) die meisten oder alle Abgeordneten von ihr ohne Gegenleistung einen liberalen Ministerpräsidenten gewählt. Die Linke will hingegen einen eigenen Ministerpräsidenten mit Stimmen der CDU installieren, was doch viel weitergehend ist. ‚Ramelow schlägt Lieberknecht als CDU-Übergangsministerpräsidenten mit Linken-Minister vor‘, was sogar eine Koalitionsregierung von CDU und Linke (sowie Grünen und SPD) bedeuten würde.

    • Der Kommunist Ramelow („Die DDR war kein Unrechtsstaat“) ist bei seiner Wahl abhängig davon, daß die moralische Erpressung der Thüringer CDU und FDP funktioniert und die Zentralen dieser Parteien in seinem Sinne in die Landespolitik eingreifen. Flankierend sorgen die Straßenschläger von der Antifa für zusätzlichen Druck auf den Amtsinhaber und alle „Rechtsabweichler“. Würde diese Wahl irgendwo in Osteuropa stattfinden, hätte die OSZE schon lange berechtigte Zweifel an ihren demokratischen Rahmenbedingungen angemeldet.

  6. 1967 hat der NDR eine Diskussionsrunde zwischen dem ZEIT-Herausgebers Bucerius, dem Frankfurter Generalstaatsanwalt Bauer, dem linken Soziologen Dahrendorf und dem NPD-Vorsitzenden von Thadden übertragen:

    Da hat man die NPD inhaltlich gestellt, statt sie zu stigmatisieren, statt wie es heute mit Abweichlern in Merkel-Deutschland gemacht wird…!

    • Ach, und zu von Thadden ist natürlich anzumerken, dass er ein Spitzel des britischen Geheimdienstes war. Daher stellt sich die Frage, was eigentlich die Rolle der NPD in der BRD in den 60er Jahren war. Verschwörungstheoretiker können sich gerne ausleben…

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