Bargeld erhalten, auch gegen Bankenruns

Gestern war ich bei der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Hayek-Clubs Münsterland mit „Frank Schäffler: Stirbt das Bargeld?“ Wider Erwarten waren gar nicht alle Teilnehmer für den Erhalt des Bargeldes, sondern manche lobten ausdrücklich das Giralgeld und dessen Vorteile. Dabei wurden diese gar nicht bestritten. Liberalen geht es nicht um die Abschaffung des Giralgeldes, sondern um die individuelle Freiheit, die Art der Zahlung wählen zu dürfen. Der Gebrauch von Bargeld soll weder verboten noch erzwungen werden. In diesem Sinne bin ich klar für die Erhaltung des Bargeldes (siehe ‚Ökonomenpanel zum Bargeld‘, ‚Größere Geschäfte in bar sollen verboten werden‘ und ‚500 Euro-Schein wird abgeschafft‘), solange es noch jemand nutzen will.

Nicht verstanden habe ich allerdings die These von Herrn Schäffler, dass die Bargeldabschaffung u. a. deswegen geplant würde, um Bankenruns zu verhindern. Wenn die Pleite einer einzelnen Bank droht, dann wolen doch alle Kunden vorher noch an ihr Geld, was überhaupt erst zu der Pleite führen kann, wenn die Zentralbank nicht aushilft. Das gilt aber völlig unabhängig vom Bargeld. Die Kunden wollen ihr Geld abziehen, sei es durch Abhebungen oder Überweisungen. Da keine Bank genug liquide Mittel für alle hat, braucht sie entweder Bargeld oder Giralgeld von der Zentralbank (oder vom Staat).

Wenn allen Banken zugleich die Pleite droht, nutzt es natürlich nichts, sein Geld von einer Bank zur anderen zu transferieren. Trotzdem wird jeder es abziehen wollen. Wenn dafür kein Bargeld zur Verfügung steht, werden eben Substitute gesucht wie Aktien, Staatsanleihen oder Edelmetalle. Auch das muss jemand finanzieren, während die übergroße Nachfrage die Kurse aufbläht. Von daher ist dann die Bereitstellung von Bargeld weniger problematisch als dessen Abschaffung. Auch die praktischen Probleme der Bereitstellung großer Bargeldmengen erscheinen lösbar. Notfalls werden Bescheinigungen ausgegeben, die später gegen reguläre Geldscheine getauscht werden können. Die Beibehaltung oder sogar Einführung von besonders großen Scheinen wäre da ebenfalls hilfreich.

15 Gedanken zu „Bargeld erhalten, auch gegen Bankenruns

  1. Das tragische an diesem Thema ist, dass die Freiheit der Bürger durch die Abschaffung des Bargelds de facto gleich mit abgeschafft wird. Jeder kann jederzeit finanziel kaltgestellt werden. Die Weichen zur schrittweisen Enteignung großer Teile der Gesellschaft sind gestellt.

    Wenn ich mir dann so ansehe, wie es um die Demokratie ganz allgemein in Deutschland und der EU so bestellt ist, befällt mich das nackte Grauen.

    Selbst unsere parlamentarischen „Volksvertreter“ sind nur noch Statisten. Eine Handvoll Parteivorsitzender und Ministerpräsidenten klüngelt de facto alles untereinander aus, wie auch dieser durchaus lesenswerte dpa-Artikel zu beschreiben versucht: http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_78135180/tid_pdf_o/parlamentarismus-kuhhandel-der-regierung-schaden-dem-system.html

    Parlamentarische ‚Demokratie‘ haben fertig.

  2. Ich bin zur Zeit in Schweden, und hier wird fast alles mit Karte bezahlt. Auch wenn ich ein Eis kaufe oder morgens die Brötchen, alles wird hier mit Karte bezahlt. Ich bin jetzt über 3 Wochen hier und habe vorsichtshalber mal 100 Euro in SKR umgewechselt was nur eine Vorsichtsmaßnahme war. So dachte ich, das Ende des Bargeldes wird jetzt eingeläutet. Ende dieses Monats werden 4 verschiedene Kronenscheine ungültig werden, aber ……. sie werden ersetzt durch neue Kronenscheine mit modernem layout. Somit waren meine Gedanken falsch, es würde in Schweden das Bargeld abgeschafft, obwohl niemand mehr mit Geld bezahlt. Vielleicht kann mir das einer mal erklären.

    • Erstens kann man doch noch mit Bargeld bezahlen, auch wenn das kaum jemand tut. Zweitens hat Geld einschließlich Bargeld noch andere Funktionen als die des Bezahlens, z. B. die der Wertaufbewahrung.

    • Es gibt mehrere Gründe, warum ich nicht nach Schweden fahre:
      1. Den übersozialisierten Rund-um-Sorglos-Wohlfahrtsstaat;
      2. Zu viele unintegrierbare Ausländer, meistens Moslems;
      3. Alkohol zu teuer;
      4. Anti-Bargeld-Diktat;
      5. Zu kalt, zu dunkel, zu nass.

      • @francomacorisano

        zu 5.) im Sommer wird es gar nicht dunkel!
        6.) zu viele Stechmücken (Sommer)

    • Ein Freund war ein Jahr lang in Schweden und hat mir auch berichtet, dass de facto gar nicht mehr mit Bargeld bezahlt wird und zum Tei auch gar nicht mehr bezahlt werden kann.

      Meines Erachtens ist Schweden der Testmarkt für die EU-weite Bargeldabschaffung.

      Mit der Abschaffung des Bargelds verlieren die Menschen ihre Freiheit. Die meisten werden es nur leider erst realisieren, wenn es dafür zu spät ist.

  3. Das ganze Gespenst von der Abschaffung des Bargeldes ist doch nur der EZB zu „verdanken“, die negative Zinsen in die Diskussion gebracht hat. Ich werde negative Zinsen NICHT akzeptieren, denn es ist Diebstahl! Da es fast keine Zinserträge mehr gibt, haben schlaue Leute längst ihr Bares im Banksafe, oder aber ihr Zuhause so gesichert, dass ein Einbruch unmöglich ist (z. Bsp. mit einer Biffar-Haustür und einbruchssicheren Fenstern) und das Bare im eigenen Tresor. Draghi & Co. hat uns schon genug geschadet – wenn ich könnte, würde ich ihm schaden. Ich will ihn fallen sehen, am Besten zusammen mit Merkel!

  4. Sämtliche Sichteinlagen sind ein Zahlungsversprechen der jeweiligen Geschäftsbank, das in Bargeld lautet. Außer dem Bargeld kenne ich auch kein Zentralbankgeld fürs Publikum.

    Was ich bei der ganzen Diskussion nicht verstehe: Ohne das Bargeld wären doch alle bestehenden Girokontenverträge nach geltendem Recht sprichwörtlich haltlos, oder? Wie würde denn das private Giralgeld des Bankensystems ohne Bargeldanspruch noch funktionieren? Das würden doch unter diesen Bedingungen viel zu viele als ‚ungesetzliches‘ Zahlungsmittel gar nicht mehr haben wollen.
    Und, der Gesetzgeber kann das private Bankenbuchgeld schwerlich zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel machen.

    • Die Sichteinlagen bei den Zentralbanken sind auch Zentralbankgeld. Über die Mindestreserve und andere Regulierungen können die Zentralbanken weiterhin die Geschäftsbanken steuern, auch wenn es kein Bargeld mehr gibt. Die normalen Verbraucher und Unternehmen haben dann mangels Bargeld ohnehin keine Alternative mehr, wenn sie nicht auf Devisen, Goldmünzen oder andere Substitute ausweichen wollen.

      • Das Problem, dass dann ein gesetzliches Zahlungsmittel fehlt, müsste aber irgendwie gelöst werden.

        Wenn Sichteinlagen Forderungen an Banken darstellen, die keiner mehr fällig stellen kann, dann wird das Buchgeld postwendend für jeden zur ‚heißen Kartoffel‘. Wenn sie einen Hypothekenkredit aufnehmen, um ein Haus zu kaufen, wer soll dann das neue Buchgeld fallweise in eines der Substitute tauschen? Sie als Kreditnehmer, der Verkäufer, oder diejenigen, die der Verkäufer mit dem von ihnen in die Welt gesetzten Kreditgeld bezahlen will?
        Jeder, der das Hypothekenkreditgeld als Zahlung akzeptiert, hat das Problem, dass er genügend Leute findet, die ihm das grundsätzlich nicht einforderbare Zahlungsversprechen gegen Substitute tauschen. Dass ihre Bank bezgl. des Hypothekenkredits langfristige Forderungen an Sie hält, hilft in dem Fall nur wenig.

        Weiterhin bin ich der Meinung, dass das Eurosystem zwingend die Existenz des gemeinsamen Bargelds voraussetzt. Wenn z.B. jeweils für Sichtguthaben einer griechischen Bank und einer deutschen Bank nicht mehr die selben Euros herausgegeben werden, dann greifen früher oder später Mechanismen (z.B. die TARGET2 Salden) zur nominalen Kaufkraftbestimmung der jeweiligen nationalen Sichtguthaben.

        Da auch die nationalen Zentralbanken ihre gegenseitigen Forderungen nicht fällig stellen können, ist imho die Eurobanknote letztendlich die Klammer, die Wechselkurse innerhalb des Eurosystems verhindert.

      • Sie setzen zu viel Vertrauen in bedrucktes Papier. Modernes Geld lebt von dem Vertrauen, dass es allgemein akzeptiert und von der Zentralbank (halbwegs) richtig bewirtschaftet wird. Ob es sich dabei um Giralgeld oder Banknoten handelt, ist gleichgültig. Sie halten doch auch jetzt nicht Euro aus Papier für wertvoller als auf dem Bankkonto (wenn Sie nicht in Zypern leben…).

      • ABER von Banknoten, die ich zu Hause habe, kann mir keine (Zentral-) Bank Negativzinsen abziehen! Von Giralgeld schon. DAS ist der Unterschied!!!

        Draghi traue ich genau so wenig, wie Merkel. BEIDE MÜSSEN WEG!!!

      • Das ist ein Unterschied, aber der Einwand war doch, dass es ohne Bargeld gar kein Zentralbankgeld gäbe, was nicht stimmt. Außerdem könnte die Zentralbank Ihr Bargeld durchaus mit Negativzinsen belegen, nämlich real durch Inflation. Doch selbst nominal wäre es möglich, z. B. durch Abwertung bestehender Banknoten. Ich bin für den Erhalt des Bargelds, doch das ist nicht die einzige oder auch nur wichtigste Frage.

      • Herr Dilger, das ist ein Missverständnis.

        Der Einwand bestand in der Feststellung, dass zig Millionen Giroverträge – welche derzeit die Vertragsgrundlage für Milliarden von Forderungen sind – ohne die praktische Möglichkeit die Forderungen fällig zu stellen, im sprichwörtlichen Sinne haltlos wären.

        Um unbares Zentralbankgeld zu halten, benötigt man ein Konto bei der ZB (Konto# = BLZ), fürs Publikum ohne Banklizenz bleibt da nur das Bargeld.

        NB: Eine Eurobanknote ist keine Forderung, sondern Besitz.

      • Ihren Punkt habe ich schon verstanden, teile ihn aber nicht. Praktisch macht es keinen Unterschied und juristisch ließe sich das auch leicht regeln. Kompliziert würde es höchstens, wenn die EZB einseitig das Bargeld abschaffen würde und die nationalen Parlamente nicht mitziehen. Umgekehrt ist durchaus vorstellbar, dass ein Land Barzahlungen verbietet oder zumindest nicht mehr unter den Schutz des Staates stellt, während die EZB weiterhin Banknoten ausgibt. Schließlich erlangt man an Banknoten und Münzen nicht nur den Besitz, sondern auch das Eigentum.

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