Ökonomenpanel zum Brexit

In einer Woche stimmt Großbritannien über den Brexit ab, also den Austritt aus der EU. Die „Brexit-Befürworter liegen mit sieben Prozentpunkten vorn“. Eine „Britische Pro-EU-Abgeordnete stirbt nach Angriff“, wobei noch nicht klar ist, ob es dem Mörder wirklich um den Brexit ging.

Im Folgenden lege ich meine Antworten beim Ökonomenpanel zum Brexit dar (siehe auch „Die Folgen eines Brexit und die Zukunft der EU – Ergebnisse Ökonomenpanel Mai 2016“, „Deutsche Ökonomen gegen Brexit“ und meinen Beitrag ‚Verhandlungen und Referendum wegen Brexit‘). Insgesamt bin ich gegen den Brexit, halte ihn aber inzwischen für recht wahrscheinlich. Man sollte dann das Beste daraus machen.

Würden Sie ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU befürworten?

Nein.

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8 (0 bis 10 = Sehr sicher)

Welche langfristige ökonomische Auswirkung hätte Ihrer Meinung nach ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU für die britische Wirtschaft?

Bringt starke ökonomische Nachteile.

Sicher: 9

Welche langfristige ökonomische Auswirkung hätte Ihrer Meinung nach ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU für die deutsche Wirtschaft?

Bringt geringe ökonomische Nachteile.

Sicher: 8

Ihr öffentlicher Kommentar zu einem möglichen Brexit (optional):

Rein wirtschaftlich ist der Brexit für alle Länder von Nachteil. Die politische Bewertung hängt von der weiteren Entwicklung der EU ab.

Würden Sie ein Ausscheiden Deutschlands aus der EU befürworten?

Nein.

Sicher: 6

Selbst wenn die deutsche Wirtschaft nicht von einer EU-Mitgliedschaft profitiert, würde ich eine EU-Mitgliedschaft trotzdem befürworten, damit Europa enger zusammenwächst. 

Stimme eher nicht zu.

Welche zukünftige Entwicklung wünschen Sie sich für die EU?

9 (0 = Die politische Integration in Europa sollte weiter vertieft werden. Die EU sollte mehr Kompetenzen übernehmen. 10 = Die politische Integration in Europa ist bereits zu weit gegangen. Die Nationalstaaten sollten wieder mehr Kompetenzen übernehmen.)

Wären die „Vereinigten Staaten von Europa“ längerfristig ein passendes Modell?

Keine Antwort gegeben (auch nicht „Weiß nicht“).

Befürworten Sie die Schaffung eines EU-Finanzministeriums mit einem eigenen Budget, politischen Durchgriffsrechten und gemeinsamer Verschuldungsmöglichkeit?

Nein.

Ihr öffentlicher Kommentar zur Zukunft der EU (optional):

Die Voraussetzungen für demokratische und rechtsstaatliche Vereinigte Staaten von Europa sind auf absehbare Zeit nicht erfüllt. Europa sollte organisch zusammenwachsen, nicht ein Superstaat von Politikern gegen den Willen der Völker konstruiert und erzwungen werden. Das Eurodesaster zeigt, wozu das führt.

8 Gedanken zu „Ökonomenpanel zum Brexit

  1. Die Fragen sind m.E. unglücklich gestellt.

    Grds. ist die EU sehr großunternehmer- und branchenfreundlich, viel stärker als es die Nationalstaaten wären. In Brüssel ist der Lobbyismus institutionalisiert worden und nirgendwo auf nationaler Ebene haben die organisierte Wirtschaft und die Großunternehmen einen so unmittelbaren Einfluss auf politische Entscheidungen wie in der EU.

    Die undemokratischen und antibürgerlichen Strukturen benachteiligen nicht die in Verbänden organisierte Wirtschaft oder Großunternehmen, sondern entmündigen und entrechten die Bürger und die kleineren Unternehmen, die keinem Verband angehören. Volkswirtschaftlich stellt sich höchstens die Frage, ob die Bürger in Anbetracht der Benachteiligung längst ihr wirtschaftliches Engagement aufgekündigt haben. Die Anzahl der Liquidationen übersteigt seit Jahren die Anzahl der Existenzgründungen.

    http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Gruenderzeiten/gruenderzeiten-thema1-existenzgruendungen-in-deutschland,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf

    Mit dem Brexit könnten die übrigen EU-Staaten in Relation zu GB interessanter werden. Dies könnte z.B. auch für den Finanzplatz gelten. Aber gerade in Hinblick auf den Finanzplatz ist die spannende Frage, ob der direkte Einfluss auf politische Entscheidungen und die Größe des Währungsraums für die Finanzkonzerne höher zu bewerten ist als eine stabile Währung.

  2. Ich denke, Sie sehen das zu negativ. Kurzfristig wird der Schock und Einbruch groß sein. Langfristig wird man sich aber besinnen und entsprechende Regelungen außerhalb der EU schaffen, die den Freihandel gedeihen lassen. Die EU ist doch keine Voraussetzung für wirtschaftliche Zusammenarbeit, das ist sie nur, wenn man sie aus reine Bosheit dazu macht. Dann hätten die Eurokraten freilich ihr wahres Gesicht gezeigt.

    Das jüngste Attentat könnte den Brexit-Befürwortern allerdings den Sieg gekostet haben. Das wird mit Sicherheit eine Solidarisierung mit der verstorbenen Politikerin und ihren Überzeugungen zur Folge haben.

  3. Was den Brexit angeht, schlagen zwei Seelen in meiner Brust:
    1. Ich bin FÜR Widerstand gegen die Brüsseler EUdSSR, daher wäre ein Brexit gut.
    2. ABER ohne die Briten wird eine Reform , bzw. Rückbau der EU noch unwahrscheinlicher!
    Am Besten wäre wohl ein knappes Nein zum Brexit, denn dann wäre der Reformdruck am größten.

    • Herr Cameron hätte bei den Verhandlungen mehr herausholen müssen. Vielleicht gelingt es seinem Nachfolger beim nächsten Mal. Denn ich gehe so oder so von einem knappen Ergebnis aus, dem durchaus ein weiteres Referendum in ein paar Jahren folgen könnte.

      • Im Grunde bin ich für die EU, für ein „Europa der Vaterländer„, das nach dem Subsidiaritätsprinzip ganz klar definiert, was auf EU-Ebene und was auf nationaler Ebene zu regeln ist. Wir brauchen eine echte EU-Reform mit Transparenz, direkter Demokratie, schlanker Administration und vor allem Bürgernähe. Das heißt aber auch ein Rückbau der EU und ein Verzicht auf die Aufnahme neuer Mitglieder für mindestens 10 Jahre.

  4. Wenn UK austritt ist das ein Zeichen für die reversibilität der EU Verträge und damit ein ermutigendes Signal, dass euro und EU nicht unumkehrbar sind. Hoffentlich werden dem Beispiel viele Länder folgen und ihre Mitgliedschaft zu EU bzw Eurozone in den abzusehenden politischen Tumulten der nächsten jahre zur Abstimmung stellen.

      • Lassen wir den Druck im Kessel steigen! Es bewegst sich erst etwas, wenn die EU-Fürsten und ihre Günstlinge Angst um ihre Pöstchen bekommen…..!

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