500 Euro-Schein wird abgeschafft

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch meint zum Mittwoch offiziell beschlossenen „Aus für 500-Euroschein: Bares bleibt Wahres“. Seine Argumente gegen die Bargeldabschaffung insgesamt treffen aber auch auf die Abschaffung des 500 Euro-Scheins zu. Beliebig negative Zinsen haben viele Nebenwirkungen, nicht zuletzt Vermeidungsreaktionen. Die Finanzbranche möchte am digitalen Geld verdienen, und zwar auf Kosten der Kunden. Dass etwas missbraucht werden kann, spricht nicht gegen dessen rechtmäßigen Gebrauch. Deshalb sollten der 500 Euro-Schein nicht abgeschafft und größere Bargeschäfte nicht verboten werden (siehe ‚Größere Geschäfte in bar sollen verboten werden‘). Banken, andere Unternehmen oder noch besser die Bundesbank, die angeblich gegen die Abschaffung war, könnten übrigens Substitute dafür anbieten, was sich bei Negativzinsen allerdings weniger lohnt.

16 Gedanken zu „500 Euro-Schein wird abgeschafft

  1. Die Abschaffung der 500-Euro-Scheine reduziert den Bargeldbestand in der Eurozone um mehr als ein Drittel. Als nächstes muss der 200-Euro-Schein dran glauben und dann der Hunderter. Scheibchenweise wird den Menschen so das Bargeld genommen, um sie an eine Welt ohne Bargeld zu gewöhnen. In dieser bargeldlosen Welt werden wir dann endgültig der Willkür des Staates, besser gesagt seiner Machthaber, ausgeliefert sein.

    • Und alle machen das mit und niemand wehrt sich. Kriminelle werden auch Bankgeschäfte über 5000€ weiterhin per Bargeld tätigen. Wer Geld in bar halten möchte, der wird jetzt eben vermehrt auf den Schweizer Franken umsteigen. Der Dumme ist der einfache Bürger, der sich nicht gegen Negativzinsen wehren kann. Man nimmt uns jeden Tag ein Stück mehr Freiheit und die Bürger machen es mit. Schäuble und Draghi nehmen uns das Bargeld, Maas unsere Sexualmoral. Was kommt als Nächstes?

  2. Dass der Bargeldbestand reduziert wird, ist nicht richtig. Die hohen Kosten der Abschaffung liegen ja darin, dass der 500 Euro Schein jetzt kompensiert wird durch Ausgleich mit den anderen Scheinen, die ja gedruckt werden müssen. Übrigens hat Italien seit 2 Jahren keine 500er mehr gedruckt.

    • Falls es tatsächlich so sein sollte, würde die Abschaffung des Bargelds keinen Sinn für das Finanzsystem ergeben. Woher haben Sie diese Information?

    • Das erklärte Ziel ist doch, dass (von Kriminellen) weniger Bargeld genutzt werden soll. Wenn die 500er vollständig durch 200er und 100er ersetzt würden, wäre ihre Abschaffung doch schlicht ineffizient, da nur höhere Kosten sowohl bei der Zentralbank als auch den Geschäftsbanken und allen Nutzern von Bargeld entstehen würden. Tatsächlich geht es wohl genau um die höheren Kosten, um leichter negative Zinsen durchsetzen können, da das Halten sehr großer Geldmengen teurer wird (was weniger Kriminelle als Banken betrifft, auch wenn diese z. T. ebenfalls kriminell sind).

  3. 600 Millionen 500 Euro Scheine sind im Umlauf. Um diese zu kompensieren müssen etwa 3 Milliarden 100 Euro Scheine nachgedruckt werden. Organisationen wie der IS verstecken ihre Öl-Milliarden aber nicht in 500 Euro Scheinen. Sie arbeiten mit internationalen Bankensystemen. Die Logistikkosten der Abschaffung liegen bei weit über 500 Millionen Euro. Damit könnte man den griechischen Rentnern eine weitere 30 prozentige Reduzierung ihrer Rentenbezüge ersparen. Wer aber denkt, dass die EZB die Kosten der Abschaffung des 500 Euro Scheines trägt, der irrt. Die Bundesbank wird diese Kosten anteilig tragen, deren Gewinne reduzieren sich dadurch, und der Steuerzahler bekommt dann die Rechnung.

    • Herr Francomacorisano, ich habe 23 Jahre in Luxemburg gearbeitet und kenne schon ein wenig die Mentalität der Luxemburger. Sie können mir glauben, dieser Herr ist recht einfach gestrickt, und seine Grenzen sind überschaubar. Was er uns nun vor 3 Tagen erzählte bekam nahezu keine Kritik, weil wir uns erhoffen, dass es so ist. Das Gegenteil ist richtig, was er uns jetzt über die griechische Finanzpolitik erzählt als Vorgedanke der Gespräche, welche die Eu Kommission jetzt mit den Griechen führen wird. Er sagte jetzt als Kommissionspräsident, dass man gerade bei der ersten Überprüfung des Programms ist, und die Ziele sind so gut wie erreicht. Welch ein Schwachsinn. Dann sagte er, dass die europäischen Finanzminister am Montag „erste Diskussionen darüber führen, wie man die Schulden für Griechenland langfristig tragfähig machen kann“. Von einem neuen Hilfspaket könne dagegen nicht die Rede sein, sagte er. Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro sei schon lange keine Option mehr, sagte er. Beim 5. Hilfspaket Ende 2017 wird es keine Eskalation der Hindernisse mehr geben, das ist meine Meinung, auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung in Griechenland.

  4. Es ist zu befürchten, dass die Abschaffung des 500 € Scheins nur die 1. Stufe der Abschaffung des Bargeldes ist, die Brüsseler EUdSSR will uns vollständig überwachen und Draghis EZB will Fluchtmöglichkeiten vor Negativ-Zinsen verhindern.

    Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.
    Jean-Claude Juncker im SPIEGEL vom 27.12.1999

    • Herr francomacorisano, Schweden schafft Geldscheine und Münzen ab, und keiner regt sich auf. Nur jeder fünfte Einkauf wird dort noch bar gezahlt. Sorgen um die Datensicherheit gibt es in der Bevölkerung nicht ansatzweise so wie in Deutschland. Aus der Partei, wo ich herkomme, versuchen wir zu propagieren, dass der Erhalt des Bargeldes ins Grundgesetz kommt. Ist es lediglich eine deutsche Mentalität? Die schwedischen Kronen waren nur den Schweden vorbehalten. Vielleicht ist das der Grund, warum es dort so gut funktioniert. Die Finnen werden folgen.

      • Schweden war schon immer ein sozialdemokratisches Labor. Auch die Einwanderung von kulturell rückständigen Moslems war/ist dort so heftig, dass die Schweden selbst kurz davor stehen, nicht mehr die Mehrheit im eigenen Land zu bilden. Schweden darf KEIN Vorbild für Deutschland sein.

        Und ja, eine Garantie für das Bargeld durch das Grundgesetz könnte nicht schaden.

      • Man sollte nicht alles ins Grundgesetz schreiben wollen. Wenn es eine Zweidrittelmehrheit dafür gibt, droht ohnehin keine Gefahr. Schließlich bin ich strikt dagegen, den Euro im Grundgesetz festzuschreiben.

      • So restriktiv wie deutsche Finanzämter und Behörden (siehe „ARD/ZDF/DEutschlandradio Beitragsservice“) gegen Schuldner vorgehen, müssen Hunderttausende Deutscher jederzeit mit Kontopfändungen rechnen. Im Falle der Bargeldabschaffung bedeutet das: Keine Möglichkeit mehr Tanken zu fahren oder Einkaufen zu gehen. Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen würden dadurch vom Staat gezwungen, in die Kriminalität abzudriften, um nicht zu verhungern. Was für ein Irrsinn!

      • Prof. Dilger, ich habe nicht bemerkt, dass ALFA EURO in Grundgesetz festschreiben moechte? Bargeld explizit zu nennen ist schon ganz richtig.

        Ausgezeichnete Informationsarbeit leistet Frau v. Storch ueber Zivile Koalition (z.B. Brief v. 25.4.16). Man fragt sich warum Oekonomieprofessoren nicht massiv gegen Fehltritte aus Bruseel und von EZB GEMEINSAM protestieren. Wir werden enteignet und betrogen, mit Absicht!

      • Wenn das Bargeld nicht näher spezifiziert wird, könnte es doch z. B. allein bei 10 Cent-Münzen bleiben. Wird es näher spezifiziert, ist man schnell beim Euro o. ä. Jedenfalls ist die Erhaltung des Bargelds sinnvoll, diese Forderung zur Grundgesetzänderung jedoch nicht.

  5. Pingback: Ökonomenpanel zum Bargeld | Alexander Dilger

  6. Pingback: Bargeld erhalten, auch gegen Bankenruns | Alexander Dilger

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