Hohe und steigende Inflation ist EZB egal

Aktuell ist die „Inflation auf höchstem Stand seit 1993“ in Deutschland mit 4,5 Prozent und sie wird voraussichtlich noch auf über 5 Prozent steigen. Auch im gesamten Euro-Raum liegt die Inflationsrate mit 3,4 Prozent über dem neuen Verständnis der EZB von Preisstabilität, die sie nun bei genau 2,0 Prozent sieht (siehe ‚EZB erhöht Inflationsziel auf symmetrisch zwei Prozent‘). Doch sie behauptet immer noch, anders als die anderen großen Zentralbanken und die meisten Ökonomen, dass das nur auf vorübergehenden Sonderfaktoren beruhen würde und die Inflation nächstes Jahr wieder unter zwei Prozent sinkt. Also gießt sie noch Öl ins Feuer bzw. bringt weiter viel Geld unter die Leute trotz der stark steigenden Preise.

Die „EZB belässt Leitzins auf null Prozent“, wie sie heute beschlossen hat, und den Einlagezins bei minus 0,5 Prozent (nominal, real sind die Zinsen noch um die hohe Inflationsrate niedriger), während die Anleihenkäufe im großen Stil fortgesetzt werden, ebenfalls ohne Änderung zur letzten Sitzung (siehe ‚EZB prognostiziert zu hohe Inflation und kauft etwas weniger Anleihen‘). Das wird die Inflation weiter anheizen und vielleicht sogar zu einer Lohn-Preis-Spirale führen. Mit dem Mandat der EZB hat das nichts mehr zu tun, aber sie betrachtet sich mit Rückendeckung des EuGH als von diesem unabhängig (siehe ‚Bundesverfassungsgericht urteilt gegen Willkür von EuGH und EZB‘).

20 Gedanken zu „Hohe und steigende Inflation ist EZB egal

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  2. Warum sollte die EZB auch gegen die Inflation ankämpfen, schließlich hat sie ein Jahrzehnt lang darauf hingearbeitet, dass die Schulden der Südländer weginflationiert werden auf Kosten der Gläubiger im Norden, vor allem Deutschlands. Es kommt, wie es die Eurokritiker von Anfang an erwartet hatten: Der Euro wird schleichend von einer stabilen Währung zu einer Weichwährung. Zwar ist sein Außenkurs noch stabil, aber bei einer sich verfestigenden Inflation wird es wohl kaum dabei bleiben. Das wird die Realeinkommen der Bürger zusätzlich drücken und wenn die Gewerkschaften dann mit ihren Lohnforderungen nachziehen – was umso wahrscheinlicher ist, da aufgrund der demographischen Situation keine Massenarbeitslosigkeit droht -, könnte es tatsächlich zu einer Lohn-Preis-Spirale kommen. Ich will kein Crashprophet sein, aber die Risiken der Geldpolitik für Wirtschaft und Vermögen sind enorm gestiegen.

  3. Wichtig ist doch, daß die Mittelmeerländer ihre Schulden bezahlen können. Solange auf irgendeinem deutschen Sparbuch noch ein paar Pfennige rumliegen, wird die EZB schon dafür sorgen, daß das gelingt.

    • Ihre Schulden werden sie selbt mit Hilfe der EZB niemals bezahlen können. Der ganze Aufwand wird nur getrieben, damit sie ihre Zinsen bezahlen können.

      • Die EZB kauft inzwischen den größten Teil der Staatsanleihen. Das ist monetäre Staatsfinanzierung, die ihr explizit verboten ist, aber wen stört das noch?

      • Ist der EZB monetäre Staatsfinanzierung wirklich verboten? Der Bundesbank war es verboten, das ist klar. Aber die EZB ist kein Staatsorgan, es kann ihr bzw sie kann keinem EU-Staat unmittelbar „zugeordnet“ werden. Die EZB finanziert also nie „ihren“ Staat, wenn sie einen, mehrere oder alle Staaten der EU mittels Kauf ihrer Anleihen rauspaukt. Über den Sekundärmarkt schon gar nicht, da werden diese Käufe ja wahrscheinlich sogar als „Investment“ beschönigt. Was sie vielleicht sogar sind.

      • Die EU-Verträge verbieten die monetäre Staatsfinanzierung. Dabei geht es um die Mitgliedsstaaten, da die EU selbst gar kein Staat ist. Die EU selbst darf überhaupt keine Kredite aufnehmen, was inzwischen auch missachtet wird.

  4. Wäre die AfD bloß bei ihrem Ursprungsthema geblieben anstatt sich in Flüchtlingsbashing zu üben. Schauen wir mal, ob die FDP es schafft, den ordnungspolitischen Kompaß und die wirtschaftspolitische Vernunft in der Koalition hochzuhalten. Sonst bedürfte es einer erneuten Parteigründung, wobei drauf zu achten ist, dass diese nicht wieder unterwandert wird. Der Bedarf an einer solchen politischen Kraft ist vorhanden

    • Es war richtig, die Flüchtlingspolitik von Frau Merkel zu kritisieren. Nur die Art und Weise der Kritik war völlig überzogen und hat der Sache geschadet. Die AfD konnte davon auch nur kurzfristig profitieren.

      Die FDP konnte bei den Sondierungen viel verhindern, weil es ohne ihre Zustimmung gar nicht machbar wäre, aber sie hat nur wenig konstruktiv erreicht. Der Trend dürfte sich fortsetzen und viele Wähler enttäuschen (sowohl bei der FDP als auch bei SPD und Grünen). Von daher wird es Bedarf an einer Neugründung geben, die trotzdem nicht so einfach ist.

    • Der Herr Lindenblatt übersieht, dass die Mietbelastung in Höhe von 20 % des Nettoeinkommens auf Haushalte mit hohem Einkommen zutrifft; das sind die Leute mit Spar- bzw. Investitionsneigung. Haushalte an der Armutsgrenze (mit hoher Konsumneigung) geben im Schnitt 46 % ihres Einkommens für Miete aus und verlieren (wegen nacheilender Tarifpolitik) und der staatlich getriebenen Energiepreise permanent an Kaufkraft; Binnennachfrage wird reduziert. Die EZB inflationiert über die Anleihekäufe die Vermögenspreise, die wiederum auf die Mieten durchschlagen. Dazu kommen die Notenbanken, die in Eigenregie mittels des ANFA-Programms (dem vertraulichen, nicht-öffentlichen Anfa-Abkommen – Agreement on net-fi­nancial assets-) Wertpapiere gegen frisch gedrucktes Geld erwerben. Um die Zinsen zur Inflationsbekämpfung zu erhöhen, müssten EZB und die ANFA-belasteten Notenbanken (Italien, Frankreich) ihre Papiere auf den Markt werfen, was an der Kreditwürdigkeit der Südländer rüttelt. Das alles spricht dagegen, dass die EZB ihre Spielräume weiter überdehnt und die EURO-Zone in eine Stagflation steuert..

    • Die EZB argumentiert auch so, aber wahrscheinlich ist es nicht richtig. In jedem Fall wird die momentane Inflation noch unterschätzt, weil es echte Lieferschwierigkeiten gibt. Wenn man etwas zu dem angegebenen Preis gar nicht bekommen kann, liegt der wahre Preis höher (das galt auch bei den vielen Corona-Verboten). Das gilt auch für qualifizierte Beschäftigte.

  5. Wir können uns ja mal fragen, wie die Staatsfinanzen aussähen, wenn diese wieder einen echten Zins zahlen müssten – Nach Steuern und Inflation z.Zt etwa 6 %.

    • Deutschland müsste jetzt sicher keinen Realzins von 6 Prozent zahlen. Dabei ist es durchaus auch ein großes Problem der EZB, dass sie die Risikoprämien nivelliert, als wenn griechische und italienische Staatsanleihen fast so sicher wären wie deutsche.

      • Man sollte die Steuer von mindestens 26 % nicht vergessen.

      • Bei nominalen Nullzinsen fallen keine Steuern an. Wirklich problematisch sind sie, wenn der Nominalzins positiv und zu versteuern ist, während der Realzins negativ ist, also tatsächlich Verluste entstehen und der Staat nochmals (neben der notenbankinduzierten Inflation) daran verdient.

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