EZB prognostiziert zu hohe Inflation und kauft etwas weniger Anleihen

Die „EZB erhöht Inflationsprognose“ auf 2,2 Prozent für dieses Jahr, was über ihrem neuen Zielwert von 2,0 Prozent liegt, den sie nun als Preisniveaustabilität ausgibt. Im August lag die Inflation übrigens bereits bei 3,0 Prozent für die ganze Eurozone, in Deutschland bei 3,9 Prozent und in Estland bei 5,0 Prozent. Trotzdem tut die EZB fast nichts dagegen, da sie für nächstes Jahr eine niedrigere Inflationsrate von 1,5 bis 1,7 Prozent prognostiziert, was dann wieder unter ihrem Inflationsziel läge. Entsprechend lässt sie den Leitzins bei 0,0 Prozent und den Einlagezins bei minus 0,5 Prozent.

Nur die Anleihenkäufe aus dem Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) sollen „moderat“ sinken, wobei sie aktuell gar nicht moderate 80 Milliarden Euro pro Monat betragen und weiterhin insgesamt 1,85 Billionen Euro bis März 2022 zur eigentlich verbotenen monetären Staatsfinanzierung verwendet werden sollen. Daneben kauft die EZB noch über ihr Asset Purchase Programme (APP) monatlich Anleihen im Umfang von 20 Milliarden Euro. Ein Ende der lockeren Geldpolitik und Schuldenvergemeinschaftung über die EZB ist nicht in Sicht.

4 Gedanken zu „EZB prognostiziert zu hohe Inflation und kauft etwas weniger Anleihen

  1. Hochverrat!
    Das Vermächtnis des Dicken aus Oggersheim, dem politischen Ziehvater der besten aller Kanzlerinnen jemals… 😛😛😛

  2. Ein Konstruktionsfehler der EZB ist die fehlende Abschirmung des Direktoriums und des Rates vor politischen Einflüssen. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim hat Untersuchungsergebnisse dahingehend veröffentlicht, dass zwischen den „Tauben“ in der EZB – also den Anhängern lockerer Geldpolitik- und dem hohen Verschuldungsgrad von deren Entsendeländer eine hohe Korrelation besteht und deren Zahl gegenüber den „Falken“ – also den Anhängern einer strafferen Geldpolitik – in der Mehrheit ist (FAZ vom 4.9.21)..
    Das deutsche Direktionsmitglied, Isabel Schnabel, leugnet derartige Einflüsse auf EZB-Rats- Entscheidungen – wie auch auffällig ist, dass ausgerechnet sie, dem Schülerkreis von Martin Hellwig, ehem. Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, in das Amt berufen wurde. Hellwig und Schnabel hatten in Kontroverse zu Hans-Werner Sinn in 8-2019 – ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft- die Problematik der Target-Salden schöngeschrieben.
    Hellwig hat auch der These von Paul Kirchhof- ehem. Richter am BVerfG – widersprochen, die EZB-Politik sei verteilungspolitisch bestimmt und führe zu enteignungsgleichen Angriffen beim Sparer (FAZ 3.9.21). Hans-Werner Sinn hat in einem „Standpunkt“ in der FAZ vom 7.9.21 nach meiner Auffassung verdeutlicht, wie undurchdacht die Thesen Hellwig sind. Die „Tauben“ in der EZB und den Regierungen in Südeuropa schärfen schon die Messer, um nach der Bundestagswahl die Maastricht-Kriterien für die Verschuldung abzuschaffen.
    Facit: Die Politik nimmt durch personelle Dispositionen Einfluss auf Institutionen, von denen neutrale Entscheidungen erwartet werden (siehe auch BVerfG). Zu den Entartungen in der Europa-Politik von Armin Laschet kein Wort.

    • So richtig überzeugend ist die ZEW-Studie nicht, die die EZB-Ratsmitglieder nach nur jeweils ein oder zwei Zitatschnipseln einsortiert. Frau Schnabel gilt danach sogar als „neutral“, obwohl sie eigentlich zu den Tauben gehört (was Inflationsbekämpfung angeht, nicht jedoch aggressive Mandatsausweitung).

  3. Pingback: Hohe und steigende Inflation ist EZB egal | Alexander Dilger

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