Inflation von 5,2 Prozent und Reallohnsenkungen

‚Hohe und steigende Inflation ist EZB egal‘. Im Oktober erreichte die Inflation 4,5 Prozent in Deutschland, nun ist sie wie erwartet weiter gestiegen: „Inflation in Deutschland steigt im November auf 5,2 Prozent“, die höchste Rate seit 29 Jahren. Laut EZB ist das der Höhepunkt und soll die Inflation schon im Dezember wieder fallen und erst recht im nächsten Jahr. Doch das ist nicht sicher, da es nicht nur vorübergehende Inflationstreiber gibt, sondern auch strukturelle wie die schlechte Energie- und Verkehrspolitik sowie vor allem die absichtlich lockere Geldpolitik der EZB.

Selbst wenn die Inflation zurückgeht, wird es nicht zur Deflation kommen, wird also die bereits erfolgte Geldentwertung nicht zurückgenommen. ‚Auch vorübergehender Preisauftrieb schadet‘, vor allem den Sparern, Arbeitnehmern, Rentnern und anderen Transferempfängern. So gab es heute einen Tarifabschluss im öffentlichen Dienst. „Beschäftigte der Bundesländer bekommen 2,8 Prozent mehr Lohn“, was dann so ähnlich auch für Beamte wie mich übernommen werden dürfte, denn die vom Noch-SPD-Vorsitzenden und damaligen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans versuchte ‚Ungleichbehandlung von Beamten ist verfassungswidrig‘. Daneben soll es einmalig „eine steuerfreie Zahlung nach den Coronaregelungen in Höhe von 1300 Euro“ (mit der ich für mich eher nicht rechne).

Lassen wir diese Sonderzahlung außer Betracht, da sie einmalig ist und aus einem anderen Grunde erfolgt, dann handelt es sich eindeutig nicht um eine Lohn-Preis-Spirale, sondern um eine sehr deutliche Reallohnsenkung. Denn der Tarifabschluss gilt für zwei Jahre und die Lohnerhöhung erfolgt erst in einem Jahr am 1. Dezember 2022. Doch schon jetzt steigen die Preise um 5,2 Prozent, sinken also die Reallöhne entsprechend, was in einem Jahr kaum zur Hälfte ausgeglichen wird. Doch bis dahin gibt es wieder neue Geldentwertung, nach dem expliziten Willen der EZB in Höhe von 2 Prozent und wahrscheinlich noch deutlich darüber. Die ‚EZB-Mitarbeiter wollen wegen Inflation mehr Lohn‘ und wissen warum.

15 Gedanken zu „Inflation von 5,2 Prozent und Reallohnsenkungen

  1. Inflation trifft eh immer Bürger/innen die es in der Regel „eng “ haben.

    Perfide für uns Normalbürger : …..Elektro- und Gaspreise steigen stark wie nie, beide Unternehmensbereiche haben uns bereits Briefe mit Fakten / Zahlen ab 01.01.2022 geschickt.

    An der Tanke macht es bei 1,799 € / ltr. auch keinen Spaß mehr. Kollegen aus der Fertigung tut es richtig weh am Monatsende.

    Es gibt nur einen Ausweg vs. EZB die stur am Null – Zinsen Kurs festhalten , Gründe sind ja bekannt. ……Steuern runter in Deutschland . Staat muss haushalten.

    • Murren Sie nicht! Zahlen Sie! Die Einheit Europas sollte Ihnen jeden Preis wert sein. Oder wollen Sie die den Staatsbankrott unserer Freunde riskieren?

      • Ja, vergessen wir mit Links-Gelb ab jetzt die Tugenden der schwäbischen Hausfrau und des hanseatischen Kaufmanns, die Deutschland Wohlstand beschert haben. Machen wir mit bei der großen Fiesta im Club Med und lassen die Kosten für die Kinder von Prof. Dilger und deren Generation anschreiben…😜

    • Die FDP verhindert einen direktes Anheben der ausgewiesenen Sätze der wichtigsten Steuern, aber durch kalte Progression und geänderte Bemessungsgrundlagen werden die Steuern trotzdem steigen, die Abgaben sowieso. Auch die Schuldenbremse wird nur formal irgendwann wieder eingehalten werden, aber auch dann auf vielfältige Weise umgangen. Faktisch bezahlen bzw. real erarbeiten und sich vom Munde absparen müssen das natürlich die normalen Arbeitnehmer und Sparer.

  2. Für die Personen, die seit einigen Jahren auf das Betongold setzen, dürfte es auch unangenehme Überraschungen geben: Wenn nämlich bei jedem Eigentümerwechsel, bei jeder baulichen Erweiterung die Energie-Effizienz-Klasse mindestens auf „C“ angehoben werden muss. Und das bei bereits bestehenden Engpässen im rollenpflichtigen Bau-Handwerk.400.000 Wohnungen p.a. neu schon aus diesem Grunde eine Illusion. Studenten, steigt um auf Heizungs- und Sanitär-Technik und versteigert Eure Dienstleistungen meistbietend.

  3. Also die Novemberinflation auf die Jahre 2022 und 2023 zu beziehen ist wenig redlich, Herr Dilger. Oder prognostizieren Sie die Inflation für diese beiden Jahre tatsächlich auf 5,2 Prozent? Publizieren Sie diese Prognose dann bitte auch.

    Die üblichen Verdächtigen, die die gestiegene Inflation der noch nicht mal existierenden Regierung anlasten….lächerlich. Warum fällt die Inflation in den USA eigentlich höher aus als im Euro-Raum? Muss and links-grün versifften FED unter dem von Trump bestimmten Vorsitzenden liegen.

    Die Probleme im Handwerk werden eher größer werden. Als Angestellter verdient man dort immer noch deutlich zu wenig. Wer kennt denn noch einen Deutschen, der eine Ausbildung im Bauhandwerk macht? Selbst als Vorarbeiter bleibt häufig nicht viel über.

    • @Münsterländer Meinem Beitrag ist doch zu entnehmen, dass das rollenpflichtige Bau-Handwerk, gemeint die Handwerksbetriebe für Haustechnik, Innenausbau, eine neu gewonnene Marktmacht bisher nicht nutzen, dies aber alsbald zu erwarten ist. Da löst sich auch das Problem mit der Bezahlung, wirkt andererseits preistreibend. Das Handwerk wird keine Probleme haben- aber wir mit dem Handwerk. Fassen Sie derzeit Ihre Heizung und Sanitär-Anlagen nur mit Samthandschuhen an !

      • „Die Probleme im Handwerk Mitarbeiter zu finden“, hätte mich klarer ausdrücken sollen. Gehe seit Jahren sehr pfleglich mit genau diesen Gewerken um. Auch Fliesenleger, welche noch in Mörtel legen können sind sehr rahr gesäht. Hier im Münsterland mit ettlichen Handwerkern in der weiteren Familie (Onkel und Cousins) geht es noch. Je weiter Sie gen Süden gehen, desso problematischer wird es (berufliche Erfahrung).

      • Gute Handwerker sind knapp, was sich nicht nur im Preis ausdrückt, sondern auch in Form von Rationierung, weshalb die ausgewiesene Inflation das Problem noch unterschätzt.

    • Ich behaupte doch gar nicht, dass die Inflationsrate so hoch bleiben wird wie aktuell (obgleich das auch nicht ausgeschlossen ist und die EZB nichts dagegen tun würde). Doch ohne Deflation bleiben einmal erfolgte Preiserhöhungen dauerhaft erhalten (und senken auch die Reallöhne der Bauarbeiter). Die Ampel kann nichts für die aktuelle Inflation, die EZB und indirekt auch Frau Merkel (und Herr Scholz) hingegen schon. Die USA haben einen viel größeren Corona-Stimulus eingesetzt, als die Konjunktur schon wieder angesprungen war, was dann vor allem die Preise stimuliert.

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