EZB erhöht Inflationsziel auf symmetrisch zwei Prozent

Die „EZB einigt sich auf neue Strategie“. Konkret bedeutet das, dass sie das ihr in den EU-Verträgen vorgegebenen Ziel der Preisniveaustabilität zukünftig noch weicher interpretiert bzw. noch stärker missachtet, was jedoch der EuGH sofort durchwinken würde, falls jemand dagegen klagen sollte. Wirklich stabile Preise ohne Inflation und Deflation will die EZB noch aktiver bekämpfen als bisher. Bislang strebte sie eine Inflationsrate unter, aber nahe zwei Prozent an. Zukünftig soll die Inflationsrate genau zwei Prozent betragen. Wichtiger ist noch, dass Abweichungen nach unten ab sofort ebenso stark bekämpft werden sollen wie Abweichungen nach oben. Eine Inflationsrate von einem Prozent ist nun also für die EZB ebenso schlimm wie eine von drei Prozent, während null Prozent noch viel schlimmer sind, nämlich wie vier Prozent.

Ökonomisch gerechtfertigt wäre nur eine Bekämpfung echter Deflation, denn ‚Deflation ist nicht gut‘ (doch ‚Deflation muss nicht schlimm sein‘, wenn z. B. vor allem Importpreise fallen). Dagegen soll jetzt die Inflation noch stärker als bisher angefacht werden, solange sie unter zwei Prozent liegt, was momentan allerdings gar nicht mehr der Fall ist (siehe ‚EZB will noch mehr Anleihen kaufen trotz zu hoher Inflation‘). Immerhin hat der EZB-Rat (noch?) darauf verzichtet, einen langjährigen Inflationsdurchschnitt von zwei Prozent zu fordern, was ein Nachholen angeblich zu geringer Inflation durch danach höhere Inflation erfordern würde, wofür es überhaupt keine ökonomische Rechtfertigung gäbe. Tatsächlich geht es der EZB gar nicht mehr um Preisniveaustabilität. Die ‚EZB will lieber Zinsen statt Inflation bekämpfen‘ und Staaten günstig finanzieren, obwohl ihr das explizit verboten ist. Die ‚EZB will Klimapolitik betreiben‘, wie sie jetzt auch noch einmal bekräftigt hat, und sie will den gesamten Finanzsektor kontrollieren, wofür ihr auch die Rolle als Bankenaufseher trotz zahlreicher Interessenskonflikte passt.

17 Gedanken zu „EZB erhöht Inflationsziel auf symmetrisch zwei Prozent

  1. Das Kernziel der EZB ist die Finanzierung der Haushalte der überschuldeten Eurostaaten. Der deutsche Sparer hat sich gefälligst damit abzufinden, dass er seinen Teil dazu beizutragen hat. Irgendeiner muss das schließlich bezahlen.

  2. Sind wir gegen diese Phalanx von EZB mit EuGH total verloren , ausgeliefert ?

    Nein, wir brauchen dringend – sofort – eine neue, andere Regierung in D. die Interessen Deutschlands vertritt.

    Es liegt bei uns Bürger/innen die Notwendigkeit bereits in 2021 umzusetzen.

    • Wer soll denn diese ganz andere Regierung bilden? Mit einem Kanzler Laschet wird es vielleicht etwas besser, aber ein echter Kurswechsel ist mit ihm nicht zu machen, während Frau Baerbock und Herr Scholz den Merkel-Kurs noch weiter verschärfen würden.

  3. Fast alle Staaten sind hoffnungslos verschuldet. Diese Schulden werden niemals vollständig zurückgezahlt. Jetzt versuchen die Zentralbanken, diese Staatsschulden durch Inflation zu minimieren. Nur darum geht es!

    „Preisstabilität bei 2% Inflation“ ist so, als ergäbe 2 plus 2 ein Ergebnis von 5…?!?

    • Die EZB wird sich in Kürze in EIB (Europäische Inflationsbank) umbenennen.

      Spaß beiseite: Ohne Inflation bei gleichzeitiger Abschaffung der Zinsen stehen die Zombiestaaten des Südens vor dem Ruin. Und in Deutschland gibt es noch Geld. Und überhaupt: Die Nazis ….

    • Es gibt keinen Grund, warum Staatsschulden vollständig zurückgezahlt werden sollten (an den einzelnen Gläubiger natürlich schon, aber mittels neuer Anleihen). Sie dürfen nur nicht aus dem Ruder laufen, was etlichen Staaten bei einer Erhöhung der Zinsen droht.

      • Sie meinen, dass Staatsschulden von den Gläubiger-Staaten nicht vollständig zurückgezahlt werden müssten??? Wer zahlt das dann? Ich denke, dass Sie rechnen können! Anschreiben heißt, Ihre Kinder zahlen das…!

      • Theoretisch gibt es keinen Grund, warum Staaten die Tilgung ihrer Schulden nicht ständig mit der Aufnahme neuer Schulden finanzieren sollten. Auch empirisch kommt es extrem selten vor, dass Staaten ihre Schulden komplett zurückzahlen, statt (mehr) neue Schulden aufzunehmen.

  4. Unsere Hoffnung: Dass Mario Draghi (u.a. mit Hilfe des „Wiederaufbau“-Fonds) Erfolg in der Verbesserung des italienischen Staatswesens als Voraussetzung für aufblühende Wirtschaft haben möge. Er hat Management-Qualitäten und Substanz ist auch noch da. Dann würde das Herumeiern der EZB entbehrlicher werden. Viel Erfolg, Mario !

  5. Solange den deutschen Steuerzahlern (und Wählern) nicht klar wird, dass Steuern in einer Welt zentralbankfinanzierter Schulden gar nicht mehr notwendig sind, und sie die Konsequenzen daraus ziehen, wird sich an diesen Zuständen nichts ändern.

    • Steuern sind weiterhin notwendig. Hinter der EZB steht letztlich die Steuerkraft Deutschlands. Richtig ist, dass nicht alle Staatsausgaben steuerfinanziert sind und die Staatsschulden niemals komplett über Steuern zurückgezahlt werden.

  6. Zur Inflationsberechnung werden aber jetzt auch die Wohnkosten im eigenen Haus berechnet, statt nur die Mietkosten. Das muss man aber positiv für die Zentralbank sehen und das Gesamtpaket dem entsprechend neu bewerten.

    • Das Gesamtpaket ist schlecht und die EZB agiert inzwischen völlig unabhängig von ihrem Mandat bzw. legt es willkürlich gegen den Vertragstext aus, was der EuGH durchwinkt, während die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren nicht gegen die EZB, sondern gegen Deutschland einleitet wegen etwas zahnloser Kritik vom Bundesverfassungsgericht.

  7. Pingback: EZB verschärft Bedingungen für positive Zinsen weiter | Alexander Dilger

  8. Pingback: Auch vorübergehender Preisauftrieb schadet | Alexander Dilger

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