Wie ich mein Geld anlege

Immer wieder werde ich hier im Blog und außerhalb gefragt, wie man sein Geld anlegen sollte. Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, weil es von den Anlagezielen und den persönlichen Präferenzen, insbesondere der individuellen Risiko- und Verlustaversion abhängt. Doch ich kann erklären, wie ich mein eigenes Geld anlege und wieso auf diese Weise.

Der überwiegende Teil meines Vermögens ist in Aktien investiert, und zwar breit gestreut über alle möglichen Branchen und viele Länder. Der Grund ist einfach, dass die langjährige Rendite von Aktien besser ist als von den gängigen Alternativen und auf lange Sicht sogar auch das Risiko geringer ist, insbesondere wenn das Portfolio gut diversifiziert ist, während ich über kein Insiderwissen verfüge, um gezielt mit einzelnen Aktien zu spekulieren. Zwischenzeitlich, direkt vor der Einführung der Abgeltungsteuer, hatte ich sogar Aktien auf Kredit gekauft. Das ist tatsächlich riskant, war im konkreten Fall aber lohnend.

Rein nominal betrachtet ist Geld am sichersten, aber real verliert es durch Inflation an Wert. Auch verzinste Anleihen sind deshalb auf lange Sicht riskant, insbesondere wenn sie zu heutigen Niedrigstzinsen erworben werden und die Inflation irgendwann wieder steigen sollte. Hinzu kommen Ausfallrisiken. Meine Spekulation mit Griechenlandanleihen ging z. B. daneben.

Inzwischen haben meine Frau und ich auch noch ein Haus gekauft. Ich halte eine Immobilie wegen ihrer Immobilität nicht unbedingt für eine ideale Geldanlage. Für die Eigennutzung zahlt man auch noch einen Zuschlag, doch als sehr langfristiges Konsumgut eignet sich ein eigenes Haus. Außerdem diversifiziert es mein Vermögen etwas. Schließlich sind durch die niedrigen Zinsen die laufenden Kreditkosten niedriger als unsere vorherige Miete für ein kleineres Haus.

Ohne Haus und Kinder würde ich jetzt etwas Geld ansparen. Wegen der niedrigen Zinsen und Inflation sind die Kosten davon niedrig. Bei fallenden Aktienkursen könnte ich dann Aktien nachkaufen oder andere Ausgaben tätigen, ohne Aktien verkaufen zu müssen. Wenn man Geld konkret braucht, sollte man es möglichst liquide halten. Für meine Kinder kaufe ich dagegen auch erst einmal Aktien zusammen.

12 Gedanken zu „Wie ich mein Geld anlege

  1. Ein sehr gutes Thema, denn wir alle können immer nur dazu lernen!

    Wo kaufen Sie ihre Aktien (Bank, freier Vermittler, Internet, …)?
    Da Sie „über kein Insiderwissen verfügen„, nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Aktien aus?
    Wie halten Sie die Nebenkosten gering (Depot, Transaktionen,…)?
    Warum empfehlen Sie keine ETFs oder Aktienfonds?

    Auch ich halte im Moment „mein Pulver trocken“, wie man sagt und spekuliere auf einen mittleren Crash Ende diesen/Anfang nächsten Jahres, um dann ordentlich nachzukaufen. Wo parken Sie zwischenzeitlich Ihr Bares? Ich habe einen Teil bei der ING-DiBa (noch 0.8%!) und einen weiteren Teil bei meiner genossenschaftlichen Hausbank.

    • Ich bin bei einer relativ günstigen Onlinebank und habe vor allem Standardwerte zusammengekauft, wenn diese gerade günstig erschienen. ETF gab es damals noch nicht so richtig. Aktienfonds sind oft viel zu teuer, insbesondere aktiv gemanagte. Bares habe ich wegen des Hauses nur noch wenig auf dem Girokonto.

  2. Ohne die Perspektive, dass irgendwann wieder die Zinsen steigen ist eine Nullzins- oder gar Negativzinspolitik nicht möglich.

    Eine einfache Überlegung zeigt dies:

    Ich gründe eine TuNix GmbH und nehme für 5 Jahre eine Million Euro zu 0% auf, setze mir ein fürstliches Gehalt fest und tue eben nichts.
    Nach fünf Jahren nehme ich 2 Millionen auf, löse mit einer Million den alten Kredit ab und mit der zweiten betreibe ich die GmbH die nächsten fünf Jahre, usw. Auf Sicherheiten kann die Bank ja verzichten, solange die Zinsen bei 0% sind, wird sie ihr Geld immer wieder bekommen.

    Im großen Stil geschieht genau dass jetzt, indem unrentable Unternehmen mit Null- oder Niedrigzinsen für Kredite, fragwürdig abgesichert, am Leben gehalten werden.

    Dies zeigt, dass irgendwann die Zinswende kommen muss.
    Allerdings führt eine Zinswende zu unvorhersehbaren, auch politischen Verwerfungen. Der Erfolg Trumps ist ein laues Lüftchen gegen den Sturm der dann losbricht, wenn wir Arbeitslosigkeit plus Inflation zusammen sehen, in Europa kommt dazu noch eine massives Minderheitenproblem durch Einwanderung in die Sozialsystem. Und doch muss es so kommen. Ich weiß nicht wie unser System aus diesem Nummer raus kommen will.

    Ich investiere, ganz altbacken, in die Ausbildung der Kinder, damit diese eine Chance auf dem globalen Arbeitsmarkt haben,

  3. Ein diversifiziertes Portfolio ist sicherlich keine schlechte Empfehlung, zumal wenn es von
    wirklichen Profi,s, zusammengestellt wurde, die dann günstigenfalls frühzeitig warnen, bei
    sich abzuzeichnenden Negativentwicklungen.
    Was das spekulieren angeht, so ist das reine Nervensache. Eine alte Kostolany Weisheit:
    Zitat: Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren. wer
    keine Geld hat, muß spekulieren, Zitat zu Ende.
    Hauskauf als Geldanlage. Ein Privathaus ist immer eine Luxusvariante, wobei natürlich die
    Miete entfällt und wenn die Zinsaufwendungen darunter liegen, schon Freude aufkommen
    kann, zumal ja am Ende des Lebens Werte vorhanden sind, die ein lebenslang zur Miete wohnender nicht erreicht. Aber nicht zu unterschätzen sind hier die Investitutionen zu Erhaltung und Modernisierung der Immobilie im Laufe der Zeit.
    Interessant wird es natürlich, vorausgesetzt alle Fact.s stimmen, bei der Anschaffung eines
    Miethauses. Langfristig wirtschaftlich verwaltet schaffen die Mieter dem Besitzer ein Vermögen, das er dann am Ende seinen Kindern hinterläßt.

  4. Was mich etwas wundert, ist, dass Sie nicht einzelne Aktien kaufen, aus Mangel an „Insiderwissen“, aber selbstkritisch sagen, die Entwicklung von hochriskanten Griechenlandanleihen (im eigenen Portfolio) falsch eingeschätzt zu haben. Ist es für einen Wirtschaftswissenschaftler nicht eine schöne Herausforderung, ein Urteil z.B. dazu zu haben, ob die Deutsche Bank wieder halbwegs zu alten Erträgen zurückkehren und der Kurs der Aktie dann auch wieder steigen wird?

    • Ich kaufe doch einzelne Aktien, aber zur Bildung eines diversifizierten Depots. Auf dem Aktienmarkt spekuliert man ansonsten gegen Profis, bei den Griechenlandanleihen habe ich gegen Politiker spekuliert (und verloren, aber es ist trotzdem eher aussichtsreich, was übrigens auch auf den Devisenmarkt zutrifft).

      • Ich würde übrigens auch bei einer Immobilie vorsichtig sein. Da ist doch sehr die Lage entscheidend. Würde ich mir nur noch in Großstädten trauen. (aber dort braucht man erst mal das die entsprechende finanzielle Potenz) Falls sich die familiäre Situation (Scheidung) oder berufliche Situation (Arbeitsplatzwechsel) ändert, hat man sonst ein gigantisches Armutsrisiko. In Großstädten unterliegt man zwar auch Preisschwankungen, aber man kann sich wenigstens halbwegs sicher sein, dass man seine Immobilie wieder verkauft (oder zumindest vermietet, wenn man bei einem Verkauf keinen Verlust eingehen möchte und wieder auf steigende Preise spekuliert) bekommt. In ländlichen Regionen (und damit meine ich nicht nur das krasse Land, sondern auch Klein- und Mittelstädte im nicht unmittelbaren Einzugsbereich der großen Metropolen) würde ich den Teufel tun und mir eine Immobilie kaufen, auch wenn man dort damit sogar tatsächlich deutlich günstiger fährt (wegen sehr geringen Kaufpreisen und im Verhältnis höheren Mieten) als wenn man zur Miete wohnt. Das kann man vielleicht als Lehrerehepaar ohne Risiko eines Arbeitsplatzwechsels, aber sonst nicht.

  5. Ihre Auffassungen teile ich vollständig. Bei Aktiendepots für Kinder wäre ich allerdings vorsichtig, die profitieren nicht wirklich davon. Das macht man lieber auf seinem eigenen Konto und überschreibt ihnen das Vermögen dann später (oder tätigt davon später anfallende Ausgaben für die Kinder), falls es denn gebraucht wird. Vermögen der Kinder führt nur zu Nachteilen. Sei es beim Bafög, wo das Kind dann schnell die Vermögensgrenze überschreitet und kein Bafög mehr bekommt, auch wenn das Einkommen der Eltern eine gewisse Bafögsumme noch ermöglichen wurde. Das kann über die Jahre hinweg durchaus eine staatliche Summe ausmachen, auch wenn es nur um 100 Euro monatlich geht. Oder auch im Falle von Hartz 4 nach Beendigung des Studiums, wenn nicht sofort ein Job gefunden wird. (hängt hier dann auch vom Alter des Kindes ab) Ansparen, um es dann dem Staat zu überlassen, sollte man jedenfalls tunlichst vermeiden. Dem würde ich keinen Cent schenken wollen.

  6. Danke für den Tipp! – Ich persönliche halte auch Rohstoffe wie Gold und Silber für eine gute Option, zumindest für einen Teil des Vermögens.

  7. Das machen wir alle und wenn alle Aktien kaufen,dann steigt der Preis im Verhältnis zur Rendite in ungünstige Verhältnisse.Zur Zeit ist der Preis aber im Keller und gerade jetzt lohnt sich kaufen und eben nicht,wenn die Kurse wieder ganz oben sind.

    So ein Tal der Tränen kommt alle Jahre wieder und eignet sich gut um einzukaufen.

    Frage ist was man will,ich möchte günstig einkaufen und eine hohe Ausschüttung bekommen.
    Andere wollen eine Aktie die im Wert immer höher steigt und wieder andere spekulieren.

    Evonik ist stark unterbewertet und ist ein Unternehmen ohne Schulden mit sehr viel Kapital als Reserve,das wäre mein Kauftipp für einfach nur liegen lassen und Dividende kassieren.
    Sicher ist aber gar nichts,siehe VW oder Deutsche Bank,also streuen und flüssig bleiben.

    Mehr kann ich nicht machen,also mach ich das so.

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