Anlage- und Kaufempfehlung

Da ich darum gebeten wurde, gebe ich eine Anlageempfehlung in Zeiten der Krise oder sogar des ‚Ausnahmezustand‘s. Diese ist natürlich mit keinerlei Garantien verbunden, denn jede Form der Geldanlage ist immer mit Risiken behaftet, die man ihrerseits klein halten sollte. Wer sein Geld deshalb lieber gar nicht anlegen will, tut es trotzdem, nur auf eine besonders schlechte Weise, z. B. auf dem Girokonto. Konsum könnte noch eine interessante Alternative sein, die jedoch momentan auch stark beschränkt wird.

‚Wie ich mein Geld anlege‘, ändert sich auch in Krisenzeiten nicht. Ich lege das meiste Geld in Aktien an, die im Schnitt eine relativ gute Rendite bringe. Wichtig ist eine breite Streuung nicht nur über Unternehmen, sondern auch Branchen und Länder hinweg. Persönlich bevorzuge ich auch noch ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis bei grundsätzlich soliden Unternehmen, aber das kann wohl schon nicht mehr allgemeingültig empfohlen werden. Von konkreten Aktientipps halte ich hingegen wenig und ich kann sie mangels Insiderkenntnissen auch nicht geben.

In Krisenzeiten kann sich die Flucht in den Dollar (bzw. amerikanische Aktien) lohnen, selbst wenn die USA einmal mehr im Zentrum der Krise stehen (aber etliche Länder in Europa auch mit zusätlichen Problemen durch den Euro). Gold ist hingegen keine langfristig sinnvolle Anlageform (oder nur in Form einer kleinen Beimischung vielleicht sogar physisch griffbereit). Immobilien sind immobil und deshalb für Sondersteuern und schädliche Regulierungen besonders anfällig, wie man aktuell an der Erlaubnis zum Aussetzen von Mietzahlungen oder auch diversen Begrenzungen der Miethöhe sieht. Die Anleihenzinsen werden künstlich extrem niedrig oder sogar negativ gehalten. Nennenswerte positive Renditen sind deshalb mit zu hohen Risiken verbunden.

In der Krise kann man noch auf Bewegungen des gesamten Marktes spekulieren. Dabei ist zu bedenken, dass die Börse den realen Entwicklungen meistens vorauseilt bzw. Erwartungen für die Zukunft die Kurse bestimmen, nicht die Realisation längst eingepreister Ereignisse. In diesem Sinne ist die aktuelle Krise schon in den Kursen enthalten. Sie werden nur erneut stark fallen, wenn sich die Lage unerwartet verschlechtern sollte. Dagegen lege ich mich jetzt fest, dass meine allgemeinen Äußerungen zur Entwicklung der Corona-Pandemie natürlich auch hier anzuwenden sind: Der Höhepunkt bei den Neuinfektionen ist überschritten, sie gehen jetzt zurück und deshalb wird auch die Politik irgendwann reagieren müssen, was die Börsen vorwegnehmen. Die „Corona-Entwicklung bringt Anleger in Kauflaune: Dow Jones zündet Kursfeuerwerk“. Aber für einen Einstieg oder Zukäufe ist es noch nicht zu spät und dazu würde ich jetzt raten.

49 Gedanken zu „Anlage- und Kaufempfehlung

  1. Viele Börsenprofis empfehlen mittlerweile ETFs auf Weltindizes wie den MSCI World, was soweit geht, dass es selbst für größere sechsstellige Summen ausreiche, einen einzigen ETF zu kaufen. Nach einigen Kaspereien mit (unerwarteten Verlusten bei) Einzeltiteln tendiere ich auch immer mehr zu dieser Sichtweise. Man kauft sich die durchschnittliche weltweite Marktrendite ein, nicht mehr und nicht weniger, aber das sind eben auf lange Sicht 7%, siehe https://www.dividendenadel.de/msci-world-renditedreieck/. Die Feuertaufe haben diese recht neuen Produkte in den letzten Wochen bestanden in dem Sinne, dass es zu den üblichen Handelszeiten möglich war, sie zum „korrekten“ Preis zu kaufen und zu verkaufen.

    • Ein Weltindex ist gut diversifiziert. Für kleinere Anleger sind deshalb ETFs nicht so schlecht. Mit einer größeren sechsstelligen Summe würde ich jedoch lieber eine Vielzahl von Einzeltiteln aus dem Index kaufen. Wichtig ist die Diversifikation, nicht die genaue Nachbildung eines letztlich doch willkürlichen Index. Einzeltitel von großen Unternehmen haben Vorteile bei den Risiken und der Liquidität (insbesondere bei extremen Ereignissen) sowie der Steuer.

      • Mein letzter Satz war auf die Liquidität bezogen. Und gerade steuerlich sind ETFs interessant, weil man Gewinne nur zu 70 Prozent versteuern muss.

      • Die größten ETFs werden meistens zum fairen Preis des inneren Wertes gehandelt, aber nicht zwingend immer, insbesondere wenn es in einer Krise wirklich darauf ankommt.

        Der Anleger muss tatsächlich nur noch 70 Prozent seines direkten Gewinns aus ETFs versteuern. Dafür kann er Quellen- und Kapitalertragsteuer auf Seiten der Unternehmen nicht mehr anrechnen lassen, was in der Regel steuerlich etwas schlechter sein dürfte als das direkte Halten von Aktien (insbesondere wenn man innerhalb der Freibeträge bleibt oder einen Grenzsteuersatz unterhalb der Abgeltungsteuer hat).

      • Es ist richtig, dass in der aktuellen Krise außerbörslich der Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs größer als üblich ist, das gilt aber auch für Aktien. Denken Sie z.B. an Nestlé, das aufgrund rechtlichen Streitereien börslich nur noch in der Schweiz handelbar ist (oder außerbörslich). Allein dadurch ist der Spread höher.

        Es gibt Untersuchungen, dass die ETF-Kurse die zugrundliegenden Indizes sehr genau abbilden, siehe z.B. https://www.trackingdifferences.com/ETF/ISIN/IE00B3RBWM25. Besser als der Index ist man aber auch nicht, wenn man alle Aktien des Indexes entsprechend der Gewichtung einzeln hält (zumindest sehe ich nicht, wie das gehen sollte). Wenn ich dann Gewinne realisiere, zahle ich beim ETF auf 70% Steuern. Wie sollte man da mit Einzelaktien, deren Gewinne komplett versteuert werden müssen, besser sein? Ich verstehe Ihren Einwand, halte das aber für eine (gewollte?) Steuerlücke, die ETF-Anleger bevorzugt.

      • Sie übersehen die Doppelbesteuerung bei ETFs. Die 30 % Freibetrag beim Anleger sollen das ausgleichen, was aber in den meisten Fällen nicht ganz gelingt.

      • Kursgewinne werden nicht doppelbesteuert. Wenn ein ETF eine Aktie kauft und liegenlässt, fallen darauf keine Steuern an. Problematischer mag es sein, wenn ständig Aktien ge- und verkauft werden oder wenn es hohe Dividenden gibt. Das ist aber anscheinend irrelevant, sonst wäre die Tracking Difference nicht so niedrig.

      • Das ist nicht richtig. Die Besteuerung ist kompliziert, aber im Internet nachlesbar. Einem Total Return Index ist jeder ETF notwendigerweise unterlegen.

      • Nehmen Sie als Beispiel einen ETF, der nur Aktien von Amazon enthält, welche keine Dividende ausschütten. Dem ETF entstehen keine laufenden Kosten. Sie als Inhaber von ETF-Anteilen zahlen eine (geringe) Fondsgebühr und einmal im Jahr eine Vorabpauschale. Dafür sparen Sie 30% mal 25% = 8% Kapitalertragssteuer, was ganz sicher mehr ist als Fondsgebühr plus Vorabpauschale.

      • Steuerlich könnte tatsächlich ein Fonds interessant sein, der auf dividendelose Aktien ohne große Umschichtungen setzt. Auf normale Indexfonds trifft das jedoch nicht zu.

  2. Sehr gute und ehrliche Analyse!

    Grundsätzlich tendiere ich auch zu amerikanischen Werten, da in den USA die Selbstheilungskräfte einfach größer sind. Aber ich habe keine Lust und keine Nerven für das daytrading. Zwar kann es interessant sein, nach unterbewerteten Firmen und Brachen zu suchen, doch braucht man dazu in der Tat Insider-Kenntnisse.

    Ich befürchte, dass wir ab Mitte des Jahres eine heftige Weltwirtschaftskrise erleben und vermute, dass mittelfristig die Kurse noch einmal um mindestens ein Viertel einbrechen werden. Dafür halte ich gerade mein Pulver trocken.

    Ich könnte mir sogar vorstellen, Aktien einer im 10-Jahresvergleich gesunden Fluggesellschaft zu kaufen, denn das Fliegen wird trotz Greta nicht abgeschafft werden. Welche Airline könnte das sein, Lufthansa eher nicht??? Auf Widerspruch und eine kontroverse Diskussion freue ich mich. Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zu den Quellen! Niemand hat die Glaskugel, aber gute Argumente sind sehr willkommen.

    • Echte Insider-Kenntnisse hat man nur, wenn man Interna aus Unternehmen kennt, die noch nicht öffentlich sind. Daytraider und Analysten werten hingegen öffentlich verfügbare Informationen gründlicher aus als andere. Als Laie kann man da ebenfalls nicht mithalten, sondern sollte darauf vertrauen, dass in den Börsenkurs das alles schnell eingepreist ist. (Potentiell könnte ich meine Kenntnisse als Wirtschaftswissenschaftler für eigenständie Analysen nutzen, aber der Zeitaufwand wäre erheblich und nur bei einem viel größeren Vermögen gerechtfertigt.)

      Es wird eine Rezession geben, doch auch die ist bereits eingepreist. Dass es unerwartet schlimm kommt, erwarte ich nicht, kann es aber natürlich auch nicht ausschließen. Bei Fluggesellschaften übersehen Sie den Effekt von geschwächten, aber staatlich unterstützten Wettbewerbern. Natürlich werden die Menschen auch zukünftig noch fliegen (bei schlechter Politik hierzulande eben vermehrt im und vom Ausland). Aber eine echte Marktbereinigung unterbleibt, so dass die staatlich unterstützten Fluglinien auch die eigentlich erfolgreicheren hemmen.

      • Hier widerspreche ich Ihnen. Eine Jahrhundertrezession, wie wir sie erleben werden, ist in den aktuellen Kursen noch nicht eingepreist. Deshalb rechne ich nochmal mit einem Rückgang, wenn die Leute merken, dass sich das Leben nicht ernsthaft normalisieren wird (nein, ein Sommerurlaub ausschließlich in Österreich, wie es das dortige Papier skizziert, ist kein normales Leben).

        Die Kurse steigen aktuell nur, weil es nach wie vor Anlagenot gibt und man die erste sich bietende Chance nutzen will. Rücksetzer sind da vorprogrammiert.

      • Die deutschen Sonderwege sind nicht so wichtig, insbesondere wenn man international investiert. Entscheidend wird sein, wie die USA durch die Krise kommen. Aber auch dort dürfte bald der (höhere) Höhepunkt erreicht sein. Außerdem dürfen Sie nicht vergessen, dass die Aktien in Geld bewertet werden, welches gerade in ungekannter Höhe von Staaten und Notenbanken auf den Markt geworfen wird. In rechne deshalb mit am Jahresende höheren Kursen. Was wir uns für das Geld noch kaufen dürfen (selbst ohne Inflation, aber mit ganz vielen Ge- und Verboten), ist eine andere Frage.

      • Ich rechne auch mit einer massiv inflationären Phase, zuerst aber mit einer deflationären (nicht was Güter des alltäglichen Bedarfs angeht, die sind ja schon jetzt in die Höhe geschossen, sehr wohl aber bei langlebigen Konsumgüter). Den Zeitpunkt des Wechsels richtig zu timen, wird aber sicherlich schwierig sein.

        Ich investiere regelmäßig (die Höchststände hab ich glücklicherweise ausgelassen), auch jetzt. Für ein All-in erscheint es mir jedoch zu früh.

  3. Anlagestrategien sollten nach Alter und Gesamtvermögen des Anlegers ausgerichtet sein. Eine pauschale Empfehlung ist da nicht ratsam. Eine Aufteilung nach Anlageart könnte sein:
    3% Liquidität, 50 % Anleihen und ähnliches, 40 % Aktien, 7 % Alternative Investment Gold ect. Dies gut gemanagt –den jeweiligen Veränderungen anpassend– sollte den Grundstock bewahren und der Gewinn Freude bereiten. Kosten, wenn es professionel zB. in einem Fond gemanagt wird, ca. 1 % vom Anlagebetrag. Auf Sicherheit ist noch zu achten. Für mich daher keine Bank die noch eigene Geschäfte betreibt, sonder evtl. unabhängige erfahrene Vermögensverwalter, die sich die Märkte weltweit genau ansehen und dementsprechend die Auswahl treffen, beauftragen.

    • Das Anlageziel ist wichtiger als das Alter. Wer Vermögen aufbauen möchte, sollte Anleihen geringer gewichten und zumindest auf aktive Fonds verzichten. Selbst eine Gebühr von einem Prozent kostet auf Dauer sehr viel, zumal die häufigen Umschichtungen zu weiteren Kosten führen, denen im Erwartungswert kein entsprechender Ertrag gegenübersteht (auf Dauer schlägt fast kein Fonds den Index, den man über ETFs günstig abbilden kann). Gelegentliche Rückschläge kann man einfach aussitzen. Das sieht anders aus, wenn man für ein bestimmtes Ziel spart, z. B. einen Hauskauf zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dann sollte man umgekehrt (kurzlaufende) Anleihen umso höher gewichten, je näher man dem entsprechenden Datum kommt.

      • …..ja das ist sicherlich richtig…aber ich würde eine professionelle Vermögensverwaltung immer noch vorziehen wollen, gerade in Zeiten des Hochfrequenzhandels…der ausgelegten Bullenfallen der Hedgefonds ect….Sicherheit vor Höchstrendite…meine Devise….

      • Aber gerade die professionelle Vermögensverwaltung steht doch unter dem Druck, ihre Honoare durch stetes Umschichten rechtfertigen zu müssen. Es ist langfristig sowohl sicherer als auch billiger, möglichst passiv zu investieren. Am besten kaufen Sie heute Aktien von soliden Unternehmen und vergessen das dann für die nächsten Jahrzehnte.

  4. Ich habe einen langfristigen Vermögensaufbau zum Ziel und investiere deshalb seit November rund die Hälfte meiner monatlichen Sparleistung in einen ETF-Sparplan. Hierbei handelt es sich um einen günstigen ETF-Dachfonds (WeltInvest 100), wobei sich die Gewichtung an der Marktkapitalisierung und dem Bruttoinlandsprodukt gleichermaßen orientiert. Ich denke, damit kann man nicht viel falsch machen. Müsste ich ein großes Vermögen verwalten, würde ich deutlich schlechter schlafen…

    • Bei kleineren Beträge ist das in Ordnung für eine gute Diversifikation. Ansonsten könnten Sie überlegen, direkt die ETFs in dem Dachfonds zu kaufen und dessen Gebühr von 0,33 Prozent pro Jahr zu sparen. Auch mit großen Vermögen muss man nicht schlecht schlafen. Es gibt dann noch mehr Anlagemöglichkeiten (einschließlich solchen zum Sparen von Steuern), Kursverluste betreffen große wie kleine Anleger prozentual gleich, während die Transaktionskosten relativ gesehen kleiner sind.

  5. Diversifikation ist wichtig, aber man sollte es auch nicht übertreiben. Viele aktive Fonds sind schlecht, weil sie sich zu nahe an einem Index orientieren und man so die Mehrkosten natürlich nicht wieder einfährt.

    Wenn ich den Markt schlagen möchte und das möchte ich mit Einzeltitel, dann kann ich nicht die gleiche Anzahl an Titel kaufen. 10-20 Titel, die aus verschiedenen Branchen und Staaten stammen, reichen für den Kleinanleger mMn. aus. Schwanken tut der Index auch. Ich verzichte komplett auf klassische Industrietitel, insb. deutsche. Damit verliere ich zu Beginn eines Aufschwungs an Performance, kann aber langfristig wesentlich besser schlafen. Vielleicht steige ich am Ende der Rezession mit kleineren Volumina ein, aber sicherlich nicht bei den aktuellen Ständen.

    • Es ist gar nicht so schwer, den Markt(index) zu schlagen, doch das ist mit zusätzlichem Risiko verbunden. 20 Titel können tatsächlich zur Diversifikation reichen, wenn sie wirklich bunt gemischt sind. Warum verzichten Sie gerade auf Industrieunternehmen? Banken scheinen mir z. B. viel gefährlicher und zugleich renditeschwächer zu sein. Wenn die Rezession vorbei ist, sind die Kurse natürlich viel höher.

      • Man muss das Ende der Rezession antizipieren, wir sind aber gerade erst in den allerersten Wochen und die Marktteilnehmer unterschätzen mMn. ihre Tiefe massiv.

        Selbstverständlich verzichte ich auch auf Banken. Ich bin doch nicht wahnsinnig. Es gibt einzelne Unternehmen aus der Industrie, die durchaus attraktiv sind. Der einfache Deutsche denkt aber immer gleich an Daimler und Co. Die Automobilbranche war für mich schon vor Corona ein absolutes No-go. Zuallerst steht ein funktionsfähiges und zukunftsträchtiges Geschäftsmodell. Wenn dann noch der Preis stimmt, dann schlage ich zu.

      • Gute Geschäftsmodelle sind immer gut. Diese unterliegen allerdings auch politischen Risiken. Die deutsche Autoindustrie wird z. B. systematisch von der Politik geschädigt, was eigentlich Wahnsinn ist, weil es immer noch unsere wichtigste Branche ist. Gerade deshalb könnte man jedoch in andere Länder und Branchen investieren, um noch breiter zu diversifizieren: Wenn es in Deutschland gut läuft, verdienen wir hier real mehr; läuft es hier schlecht, performen wenigstens die Aktien anderswo.

  6. @Dilger 09.24 Uhr

    Meine Rendite über die letzten 13 Jahre ist mit Hilfe der Vermögensverwaltung jährlich knapp unter der jeweiligen Benchmark und kann sich daher sehen lassen. Die freien Vermögensverwalter stehen im Wettbewerb und müssen gut überlegen wie sie vorgehen, auch den Kosten betreffend, oder nicht?

    • Auf individuelle Berater trifft das zu. Die großen Fonds arbeiten anders, z. B. mit Prämien für die Banken (wenn sie diesen nicht ganz gehören) und deren Berater, die ihrerseits aus den hohen Gebühren bezahlt werden. Deshalb sind scheinbar kostenlose Beratungen in Wirklichkeit oft besonders teuer, da systematisch nicht im Sinne der Anleger, sondern der Fonds und Intermediäre.

  7. Ich bin ein mittelfristiger punktueller Anleger. Deutsche Aktien habe ich nicht im Depot. Die holländische Aktie Flow Traders habe ich vor einigen Wochen bei 19 gekauft, sie handeln mit ETF´s. Semperit habe ich nachgekauft, der Rest sind amerikanische Aktien wie IRobot und CVS Health. Für mich wichtig war,dass ich durch Nachkauf meine Einstiegskurse vermindert habe in der Hoffnung,meine Gewinne zu steigern. Und bitte jetzt keine Kommentare, dass manche hier die Corona Zeit ausnutzen, um Gewinne zu machen. Wir sind übrigens noch mitten drin in der Coronazeit und niemand weiß, wie sie endet.

    • Es ist doch in Ordnung, dass man auch in schwierigen Zeiten Geld verdienen und sein Geld gut anlegen will. Man sollte nur nicht bei unpassender Gelegenheit darüber reden bzw. schreiben, sondern bei passender (z. B. hier).

      Sie kaufen gezielt Nebenwerte, die Gewinnchancen bieten. Das Risiko ist dadurch allerdings auch höher. Definitiv kann niemand die Zukunft vorhersehen, aber es ist klar zu erkennen, dass die aktuelle Corona-Epidemie in Deutschland jetzt abebbt. Das schließt eine spätere Rückkehr, vielleicht sogar regelmäßig in Wellen, leider nicht aus.

      • Ich kaufe gezielt Aktien, die deutlich unter ihrem inneren Wert liegen. Der echte innere Wert einer Aktie muss man selber recherchieren, es ist keine Zahl, die dem Markt zur Verfügung steht.

      • Da Sie vermutlich keine Insiderinformationen haben, kann der Markt (sprich Börsenprofis im harten Wettbewerb mit Supercomputern) dasselbe recherchieren und analysieren wie Sie und noch viel, viel mehr. Das spricht nicht gegen eigene Analysen, aber man sollte sich da keinen Illusionen hingeben.

      • Oberflächlich betrachtet haben Sie recht, und aktuelle Quartalszahlen sind dann meist schon zu alt. Sie können aber die Bilanzen analysieren,die Kapitalstruktur,deren Stabilität und evtl. auch Verschuldungen. Ganz wichtig ist Transparenz und Eigentümerperspektive. Man kann auch einiges über die Qualität des Geschäftsmodells kennen lernen, Wettbewerb und Profitabilität. Und …. manchmal kann man auch Investor Relations anrufen. Das Risiko ist meist nicht wesentlich höher,als in deutsche Nebenwerte zu investieren. Habe seit 3 Wochen in elektronisch automatisierte Wischmobs investiert. Der Wert liegt heute bei 40 und den inneren Wert habe ich mit 83 berechnet. In Malaysia bauen sie gerade ein Werk, um in den asiatischen Markt einzusteigen. Diese Info werden sie im Internet kaum finden. Was ich sagen wollte ist, dass sie sich keinesfalls an den Finanzportalen im Internet orientieren sollten.

      • Es gibt nicht nur Finanzportale im Internet. Deren Kennzahlen sind in der Tat oft nicht hinreichend oder sogar sachlich falsch.

  8. 1971 wurde der Goldpreis freigegeben (Aufgabe des Goldstandards). Danach stieg er in Wellen von 35 USD pro Feinunze auf heute 1655 USD. Ein Anstieg in 49 Jahren um 4600%.
    In 2000 fiel es auf 300 USD , wer in dieser Nähe nachkaufte kann sich in 20 Jahren über eine steuerfreie Rendite von 450% freuen. Wer erst im März 2006 bei 550 USD einstieg hat immerhin noch 200% Rendite nach Steuern oder ca. 14 % p.a.
    Deflationiert man den Goldpreis mit dem CPI, entspricht das nominale Hoch von 1980 (850 USD) einem heutigen realen Goldpreis von 2.300 USD je Feinunze Gold, zieht man dagegen für die Inflationsbereinigung die Berechnungsweise heran, die 1980 galt, läge der reale Goldpreis laut Shadow Stats sogar bei 7.500 USD.
    Das nominale Silberpreishoch von 1980 (52,5 USD) entspricht, deflationiert mit dem CPI, einem realen Silberpreis von 140 USD laut Shadow Stats wären es 430 US-$.
    Fazit: Gold hat noch viel Potential und Silber ist das bessere Gold. Inflationsbereinigt liegt das Potential von Gold bei einem Preissteigerungspotential von ca. 450% und das von Silber bei 1900%. Gold und Silber (physisch) sind ein Muss für jedes gut diversifizierte Depot. Persönlich würde ich für 30% Edelmetalle in einem langfristig orientiertem Depot plädieren. Gold schützt nicht nur vor Inflation, sondern performt in einem deflationärem Umfeld auch besser als Aktien oder Anleihen. Man kann es also auch als eine Art Feuerversicherung betrachten, denn kein weiss, ob der DAX nicht noch richtig abbrennt oder wann der Euro crasht. Ausserdem kann man Gold und Silber ananoym halten und sich deshalb vor einem Lastenausgleich, über den derzeit wieder spekuliert wird, schützen. Aus meiner Sicht ist Gold seit 1971 sehr wohl eine sinnvolle Anlageform.

    • Na ja, der DAX ist ein Performance-Index, der seit 1971 stärker gestiegen ist. Ihre Deflationierungsübung zeigt doch gerade, dass der Anstieg auch real nicht so groß ist. Gold wird jedes Jahr in großen Mengen gefördert (die Goldminenaktien laufen auch nicht so richtig gut), hat aber viel weniger reale Verwendungsmöglichkeiten. Das könnte auch das größere Potential von Silber erklären. In einer sehr großen Krise könnte Gold Vorteile haben, aber auch schnell illegal werden.

      • Der Dax ist von 1971 bis heute um 2836% gestiegen und die Gewinne sind bei Aktien zu versteuern und bei Gold nach einem Jahr steuerfrei. Der Dax ist von 2000 bis heute um 90% und von 2006 bis 2020 um 144% gestiegen Quelle:https://www.finanzen.net/index/dax/seit1959 Also mir erschließt es sich nicht, dass der DAX das Gold outperformed hat. Oder lese ich die Prozentzahlen falsch? Wenn ich dann noch Depotgebühren und Kosten für das Trading etc.berücksichtige ist die Antwort, wer in den 3 Perioden, die ich verglichen habe, noch deutlicher.

      • Sie übersehen, dass der richtige Vergleich dann in Euro bzw. zuvor DM zu erfolgen hat. Ein Krügerrand notierte 1971 bei 73,62 Euro (siehe hier) und aktuell bei 1.581,07 Euro. Das sind gut 2.000 Prozent mehr, aber eben weniger als beim DAX.

  9. Ergänzung: Die Dax Kurse seit 1959 beziehen sich auf einen Endstand von ca. 12700 Punkten, per heute ist die Performance also um rund 20% Punkte schlechter, als oben angegeben, da der DAX jetzt bei etwa 10300 Punkten notiert.

    • Entscheidend ist hier einmal mehr nicht die wirtschaftliche, sondern die politische Entwicklung. Die Lufthansa wird nicht untergehen, doch nach den staatlichen Verboten könnten die staatlichen Hilfen entweder auch den privaten Aktionären nutzen oder diese verdrängen.

  10. Zu den von Ihnen erwähnten schädlichen Regelungen für Immobilien gehört auch, daß die CDU/FDP Regierung hier in NRW gerade beschloß, im Koalitionsvertrag auf Drängen der FDP vereinbarte Lockerungen des Mietsozialismus´ weitestgehend nicht durchzuführen. Früher nannte man die FDP „Umfaller-Partei“. Schädlich ist solcher Sozialismus übrigens oft gerade für sozial schwache Mieter. Leider kann ich das hier aus Zeitmangel nicht darlegen. Aber ich überlege gerade, wie wir Liberalen aus der FDP-Falle entkommen. Die sagt sich doch jetzt: Eine mehr liberale Partei finden die ja nicht…

    • Die AfD war doch anfangs ein Versuch, nicht nur, aber auch eine Alternative zur FDP zu sein. Es ist tatsächlich gelungen, die FDP 2013 aus dem Bundestag zu halten (was ex post dann vielleicht doch wieder nicht so gut war), nur leider hat es die AfD selbst auch gerade nicht in den Bundestag geschafft und danach (!) ihren liberalen und später außerdem noch ihren konservativen Flügel verloren (während der rechtsextreme „Flügel“ gewonnen hat).

      In welche Richtung gehen Ihre Überlegungen? Eine neue (oder zu vergrößernde kleine) Partei hätte das Doppelrisiko, wahrscheinlich nicht erfolgreich zu sein und/oder ebenfalls gekippt zu werden. Es bleibt noch die Option, die FDP wieder liberaler zu machen. Aber das schafft auch keiner allein. Zumindest Tausende, besser Zehntausende Liberale (die teilweise noch/schon in der FDP sind, häufig aber auch nicht) müssten an einem Strang ziehen, was dadurch erschwert wird, dass wir als Individualisten natürlich auch Tausende verschiedene Meinungen haben.

      • Lieber Herr Prof. Dilger! Alles richtige Überlegungen, meine ich, von Ihnen. Ich überlege, wie man mehr „zu diesem an einem Strang ziehen“ kommen kann. Das ist genau Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Daß da viele nicht mitmachen werden, ist auch klar. Vielleicht ist es gut, mehrere Stränge zu haben: Wettbewerb belebt das Geschäft- warum nicht beim Liberalismus? Schießen dann die Wettbewerber im Liberalismus alle so in eine ähnliche Richtung, ähnelt das Branchen: PKW-Hersteller bauen alle Autos- bauen doch bitte alle Liberalismuswettbewerber Liberalismus! Eine Diskussion über Monopole und deren Begrenztheiten gerade bei Gütern, die man nicht zwingend braucht, brauchen wir beide ja nicht zu führen.
        Mehr demnächst.

      • Wettbewerb ist gut bei Ideen und in der Wirtschaft, doch selbst da gibt es Größenvorteile und lohnt sich Zusammenarbeit. Das gilt noch viel mehr in der Parteipolitik. Schon innerhalb von Parteien gilt das Mehrheitsprinzip (mit interessanten Variationen, wie z. B. AfD und Familien-Partei zeigen), zwischen Parteien kommt noch die Fünf-Prozent-Hürde hinzu. Für zwei liberale Parteien ist da im ziemlich illiberalen Deutschland vielleicht kein Platz (siehe jedoch ‚Platz für eine wirtschaftsliberale Partei?‘). Idealerweise hätte man einen großen Wettbewerb der Ideen, um dann bei der Umsetzung der besten Ideen zusammenzustehen.

  11. Ein wichtiger Grund dafür, dass die Aktienkurse relativ gut dastehen, ist natürlich die Politik der Notenbanken. Die Wirtschaft ist im ersten Quartal und im Westen insbesondere seit Mitte Februar sehr stark eingebrochen und es ist überhaupt nicht klar, wie schnell es wieder aufwärts geht. Da scheint ein Abschlag an den Märkten von aktuell 20-30 Prozent wenig zu sein. Ich behaupte, dass die Kurse viel südlicher stünden, wenn die Notenbanken nicht Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen würden. Vermutlich wären sie sogar zu noch stärkeren Interventionen bereit, falls erforderlich. Das ist ein zentraler Unterschied zu 1929 oder 2008, wo die Notenbanken weniger bzw. später intervenierten.

    • Die Zentralbanken stützen die Kurse, ebenso die Nationalstaaten. Die meisten Großunternehmen dürften überleben, ggf. mit den Staaten als großen Gläubigern und Anteilseignern. Um kleine und mittlere Unternehmen muss man sich viel mehr Sorgen machen. Wird der Wettbewerb schwächer, profitieren wiederum die Großunternehmen zu Lasten der Konsumenten. Je nach Branche könnte es nach den massiven Einschränkungen auch wieder relativ normal weitergehen oder sich sogar ein Nachfragestau ergeben. Vor allem scheint das Virus selbst überhaupt keine nennenswerten wirtschaftlichen Auswirkungen zu haben.

  12. Lieber Herr Prof: Dilger! Sie haben recht, meine ich, mit Hinweisen auf Parteien. Ich denke aber vorerst nicht an Parteien, sondern an Organisationen für Liberalismus außerhalb und innerhalb von Parteien, um durch Sammlung(en) die Macht Liberaler zu stärken. Daß diese dann zusammenarbeiten müßten, möglichst Mehrheiten organisieren, ist etwas, an das Sie sehr sinnvollerweise erinnern. Herr Lichtschlag sagte zu mir vor vielen Jahr, daß Libertäre wie er mit Liberalen wie mir jetzt doch ( bei allen Unterschieden und aller Notwendigkeit, diese zu betonen) zusammenarbeiten könnten. Prof. Alexander Dilger statt eines FDP-Linken an der Parteispitze in NRW könnten und sollten auch Libertäre fördern.

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