EZB steigert Anleihenkäufe noch bei Rekordinflation

Zwar liegt die ‚Deutsche Inflation bei 5,1 Prozent noch ohne Kriegseffekte‘ und in der Eurozone sogar bei 5,8 Prozent, aber die „EZB belässt Leitzins bei null Prozent“ und den Einlagezins sogar bei minus 0,5 Prozent. Das gilt nominal, für den stark negativen Realzins ist außerdem die hohe Inflationsrate abzuziehen.

„Die Europäische Zentralbank (EZB) fährt ihre Anleihenkäufe schneller zurück als bisher geplant.“ Das liegt aber nur an ihren inflationssteigernden Planungen. Faktisch findet erst einmal eine Erhöhung statt: „Die monatlichen Anleihenkäufe im Rahmen des APP sollen im April aber noch mal auf 40 Milliarden Euro verdoppelt werden. Im Mai will die EZB 30 Milliarden Euro investieren, im Juni dann noch 20 Milliarden Euro. Einst sollten auch im dritten Quartal 2022 noch 30 Milliarden Euro ausgegeben werden.“ Aktuell ist dann ein Auslaufen geplant, vor dem es keine Zinserhöhungen geben soll.

EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte – noch vor der russischen Invasion in die Ukraine – aufgezeigt, wie schwierig es für Europas Währungshüter ist, die richtige Balance zu finden: Es gebe sowohl das Risiko eines zu frühen Handelns als auch das Risiko, dass die EZB zu spät handle: »Wir müssen das richtige Gleichgewicht zwischen diesen beiden Risiken finden.«

Die EZB hat offensichtlich nicht das richtige Gleichgewicht gefunden, sondern handelt definitiv zu spät und entgegen ihrem Mandat angesichts der hohen und weiter steigenden Inflation, die sie mit ihrer expansiven Geldpolitik noch befeuert.

17 Gedanken zu „EZB steigert Anleihenkäufe noch bei Rekordinflation

    • Bisher hat er jede Inflationsgefahr geleugnet und auch jetzt besteht er darauf, dass nichts gegen die Inflation getan werden dürfe, sondern umgekehrt die EZB noch mehr Anleihen aufkaufen und es keinerlei Begrenzung der Schulden in Deutschland und Europa geben solle.

      • Frau Schnabel war mir bis vor kurzem unbekannt. Dann las ich zufällig, dass sie am selben Gymnasium wie ich Abitur gemacht hat (Stadtgymnasium Dortmund). Seitdem höre ich mal genauer hin, was sie so sagt. In guter Erinnerung ist mir eines ihrer Interviews vom vergangenen November, in dem sie auch keinerlei Inflationsgefahr sah. Man kann sich nur wundern.

    • @danielsodenkamp zu Isabel Schnabel
      Schnabel ist Schülerin von Martin Hellwig gewesen, emer. Prof. für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn, der die Verantwortlichkeit der EZB für Niedrig-Zins geleugnet hat (z.B. in der FAZ vom 3.9.21 – und der von Hans-Werner Sinn für diesen Aufsatz in der FAZ vom 7.9.21 gnadenlos verrissen worden ist) . Die Berufung von Schnabel erfolgte nach dem gleichen Schema wie dem von Harbarth zum BVerfG. Verwunderlich ist, dass man die berühmte Claudia Kemfert aus dem Team Fratzscher nicht zur Umwelt-Ministerin gemacht hat. Diese Personalpolitik unserer politischen Führungskräfte dient m.E. der Selbstverstärkung und ist eine Gefahr für unser Staatswesen. . .

  1. ………Deutschlands Anteil 30 % an der EZB gleichwohl hilf- wirkungslos vs. Stabilität , Schuldenunion + Politik. Wider Verträgen, wider Interessen von Deutschlands Bürger/innen. Nicht jedoch von Politiker/innen SPD, Die Grünen, Linken . Neu : …auch nicht von FDP ! Wider den Wahlaussagen und vorausgegangener Jahre, Jahrzehnte.

    WM Robert Habeck – Die Grüne Partei – “ …Geld ist nicht alles . “ Trifft das auch auf sein persönliches Gehalt zu ?

  2. Frau Schnabel, Herr Stark, Herr Weidmann u.a. – alle wissen, jeder beklagt, gibt zu bedenken – eine Änderung aber erzwingt niemand, weil das öffentlich offensichtlich niemand will. Fakt ist: wissentlich willentlich begeht die EZB Fehlurteil nach Fehlurteil nicht nur in der Inflationsdiagnose. Solange die EZB über den Kauf von Anleihen/Staatsanleihen eine nicht erlaubte offene Staatsfinanzierung betreiben will, muss sie nun ihren eigentlichen Auftrag, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen, was das Kernmandat nach dem Zentralbank-Statut und den europäischen Verträgen ausmacht, außer Acht lassen.

    • Das gilt bei Zinsen von null. Bei nominalen Negativzinsen, wie sie die EZB für Einlagen vorgibt, was immer mehr Banken an ihre Kunden weitergeben, halbieren sich Vermögen noch schneller, während sie sich durch den Kauf geeigneter Aktien immer noch steigern lassen. Dagegen sinken die für die meisten Leute viel wichtigeren Reallöhne. Die EZB trägt macht die meisten Menschen in Deutschland und der Eurozone ärmer.

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