EZB lässt Inflation in der Eurozone auf 7,5 Prozent steigen

Die deutsche ‚Inflation steigt auf 7,3 Prozent durch Putins Krieg und Versagen der EZB‘. Nun ist der EZB die Inflation in einzelnen Ländern herzlich egal, was bereits ein schwerer Konstruktionsfehler der Eurozone ist. Doch die „Inflation in der Eurozone steigt auf 7,5 Prozent“ und ist damit noch höher. In manchen Staaten ist sie bereits zweistellig und in Litauen mit 15,6 Prozent am höchsten, wobei sie im April noch höher steigen dürfte. Aldi hat bereits für Montag die nächste Runde an Preiserhöhungen angekündigt. Dabei liegt nach der europäischen Rechenweise die deutsche Inflation bereits bei 7,6 Prozent und damit leicht über dem Schnitt der Eurozone.

Dagegen soll allerdings nichts unternommen werden, sondern die ‚EZB steigert Anleihenkäufe noch bei Rekordinflation‘, um im Sommer einmal über weniger Anleihenkäufe nachdenken zu wollen und irgendwann später vielleicht die nominalen Null- und Negativzinsen, die real mit der steigenden Inflation immer tiefer in den negativen Bereich gedrückt werden, etwas anzuheben. „Noch mehr Banken bestrafen Sparer“ solange mit Negativzinsen und Verwahrentgelten sogar schon für kleine Summen auf den Spar- und selbst Girokonten. Das nützt nicht der Wirtschaft, sondern schadet ihr, nicht zuletzt durch ein weiteres Anheizen der Inflation, während die Sparer und Konsumenten, also fast alle Bürger, der Politik und EZB ohnehin völlig gleichgültig sind, was ein Skandal in demokratischen Ländern ist, während es Autokratien zu Recht vorgeworfen wird.

18 Gedanken zu „EZB lässt Inflation in der Eurozone auf 7,5 Prozent steigen

  1. Ist es eigentlich naiv anzunehmen, dass man sich als Privatmensch in dieser Situation möglichst Kredite, Darlehen, Immobilienfinanzierungen verschaffen sollte, wenn der derzeitig relativ niedrige Sollzins über einen längeren Zeitraum vertraglich festgeschrieben wird? Oder übersehe ich da etwas – die Frage ist durchaus ernst gemeint.

    • Ja- ist naiv, denn durch niedrige Zinsen sind die Vergabe-Kriterien der Banken für Kredite nicht ausgehebelt. Die Banken möchten nicht Partner in ungedeckten Spekulationsgeschäften werden. Wer allerdings über gute Bonität verfügt, vom Lebensalter her noch „passt“, hat die Situation längst genutzt. Das ist der weitere Vorwurf an die EZB: Dass nämlich ihre Politik zu einer unsozialen Vermögensumverteilung führt (wer hat, dem wird gegeben), der der Staat mit Sozialpolitik nacheilend zu begegnen versucht. Z.B. ziehen inflationäre Baupreise höhere Mieten nach sich, die u.a. mit Mietzuschüssen kompensiert werden sollen.

    • Ja, das dürfte geradezu lächerlich naiv sein und deshalb denken fast alle so „clever“. Ich nehme an, Sie sind Ingenieur, das wäre typisch. Sie müssten ja schon etwas mit dem Geld erwirtschaften. Klar: wenn man so naiv (wiederum wie fast alle) ist, „Inflation“ (in Wirklichkeit ist es Teuerung, aber ich habe es aufgegeben, den Unterschied zu erklären) bis in alle Ewigkeit fortzuschreiben, sollte das kein Problem sein. Tatsächlich aber setzt jetzt als Nächstes wahrscheinlich eine brutale, jahrelange Deflation ein, gerade auch am vergöttertem Immobilien-Markt. (Ohne Gewähr. Keine Empfehlung. Irrtum möglich.)

      • Nein bin kein Ingenieur. Wenn Sie also eine Berufsstand verunglimpfen, trifft mich das nicht. Aber erklären Sie mir doch bitte, wie Sie „Inflation“ und „Teuerung“ voneinander abgrenzen (Ich bin auch kein Wirtschaftswissenschaftler). Danke vorab

      • Dann sind Sie wahrscheinlich Lehrer. Inflation ist eine Ausweitung der Geldmenge. Was nur ein Problem darstellt, wenn auf die andere Seite der Bilanz fragwürdige Positionen eingestellt werden und diese im Marktwert dauerhaft sinken. Dann folgt unweigerlich Deflation, das eigentliche Problem. Teuerung ist eine Steigerung des allgemeinen (oder wenn man will, bezogen auf spezielle Märkte, eben eines speziellen) Preisniveau. Das eine hat mit dem Anderen nichts zu tun, es gibt bestenfalls scheinbare Zusammenhänge, vergleichsweise parallel zu-/abnehmender Storchenpopulationen und humaner Geburtenraten. So, jetzt haben Sie‘s gehört. Ändern wird es nichts.

      • Im heutigen allgemeinen und auch wirtschaftswissenschaftlichen Sprachgebrauch ist Inflation definiert als Anstieg des Preisniveaus, ist also identisch mit Teuerung. Diese kann mit einer Ausweitung der Geldmenge zusammenhängen, kann aber auch andere Ursachen haben.

      • Lehrer bin ich auch nicht. Raten Sie gerne weiter – bin gespannt welche Berufsgruppen Sie noch dissen. Zur Sache: Haben wir nicht am ehesten jetzt eine Stagflation zu befürchten?

  2. Die EZB hat zu ihrer aktuellen Geldpolitik keine Alternativen. Ohne ihre Interventionen hätte die letzte Schnupfenwelle für katastrophale Folgen in der Realwirtschaft geführt.
    Nun verbietet der Krieg in der Ukraine den Stillstand der Gelddruckmaschinen. Aber auch nach einem eventuellen Frieden dort wird es nicht möglich sein, die Zinsen wieder einzuführen. Es droht der Sommer mit seinen hohen Temperaturen und dann die Kälte des Winters. Nur ein beherztes Zugreifen auf dem Anleihemarkt kann da noch das Schwitzen oder das Frieren verhindern.

    Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

    • Rheinländer: Ihrem ersten Satz stimme ich zu.

      Ich bin zu 75 % rheinländischer Herkunft, lebe aber seit der Geburt weit mehr in Westfalen denn im Rheinland, was 2 Mentalitäten verbindet, die als unvereinbar gelten…

    • @Rheinländer: Die Zusammenhänge müssten von Ihnen erläutert werden: Die EZB ist nur ein konkurrierender Käufer auf dem Sekundär-Markt für Anleihen. Diese Konkurrenz sorgt für hohe Anleihe-Preise ( und damit niedrige Renditen sowie Dämpfung des Langfristzinses). Sind Sie der Ansicht, dass geringere Nachfrage der EZB die außerplanmäßige Verschuldung der Staaten in der Pandemie beeinflusst hätte ? M.E. ist es besser, die unlautere Konkurrenz der EZB auf dem Anleihemarkt zu Gunsten der Geldwert-Stabilität zu beenden. Geldwert-Stabilität bewerte ich wesentlich höher als den Umstand, dass Staaten sich jenseits eines Marktzinses günstig verschulden können.

  3. Wirtschaft, Finanzwirtschaft auf Kopf gestellt. Maßlosigkeit im gesamten Regierungs – Apparat, sichtbar mit aktuellen Stellenexplosionen als gäbe es kein Morgen mehr.

    Sparsames wirtschaften ein Unwort , der WM Robert Habeck entblödet sich nicht zu schwadronieren “ ..Geld ist nicht alles. “ Gleichwohl es um hart erarbeitete Steuergelder geht – u.a. von Bürger/innen die auf letzter Rille fahren bei explodierenden Preisen für Lebenshaltung.

    Zusatz mit Inflation bei 7,3 % , Verschuldung erreicht neue Höchststände mit 2,31 Billionen €.

    Bürokratismus hat Deutschlands Verwaltung fest im Griff. Mehltau – begonnen unter Ex-Kanzlerin Merkel – hat sich über ganz Deutschland gelegt.

  4. Ein Großteil der aktuellen Inflation wird den gestiegenen Energiepreisen zugeschrieben. Dieser Teil ist politisch gewollt und man hat die Werkzeuge dafür schon lange auf den Tisch gelegt (CO2-Abgaben). Man will ja schließlich das Klima retten und wäre hier auch schon einen guten Schritt weiter, wenn man sich nicht alle paar Jahre von den Untertanen, die ihren bescheidenen Wohlstand dafür opfern sollen, im Amt bestätigen lassen müßte.
    Da paßt es sehr gut, daß gerade mal ein Herr Putin einen Krieg angefangen hat und man ihm die Inflation in die Schuhe schieben kann. Übel nur, wenn die Inflation auch nach Kriegsende nicht verschwinden will …

  5. Ein wichtiger Punkt für die Inflation ist die Gaspreisentwicklung. Hier sind mir mehrere Dinge unklar. Kann mich jemand aufklären?

    1. Der Einkaufspreis ist seit einem Jahr um über 300% gestiegen, was sicherlich nicht nur durch den aktuellen Krieg in der Ukraine zu erklären ist. Was sind die Gründe, vielleicht immer noch der sehr kalte Winter 2020/21?

    2. Der hohe Einkaufspreis wird deutlich an den Endverbraucher weitergegeben, vor allem an Neukunden. Mir sind die hohen Preise für den Endverbraucher aus den letzten Jahren nicht bekannt, obwohl der Einkaufspreis teilweise noch höher war. Was ist aktuell der Unterschied?

    3. Sind die Unterschiede zwischen Bestands- und Neukunden dauerhaft haltbar?

    Der Chart für den Einkaufspreis findet sich hier: https://www.finanzen.net/rohstoffe/erdgas-preis-natural-gas

    • Der Versuch einer Zusammenfassung der Menge von Erklärungen: Nachfrageschwankungen treffen auf ungepuffertes Angebot. Bei den Nachfragern: unerwarteter Mehrbedarf der Wirtschaft durch Nachholeffekte aus der Pandemie, Energiemehrbedarf durch das Wetter. Mehrbedarf wegen reduzierter Windstrom-Produktion (Großbritannien und D.) Auf der Angebotsseite: Die vermeintlich preisgünstigen Kleinanbieter mit hoher Kunden-Fluktuation haben kurzfristig disponiert und eine ausreichende Befüllung der Gasspeicher gebremst. Unzureichende Vorkehrungen gegen den erwartbaren Ausfall „erneuerbarer“ Energien (Kohle AUS in GB). Neukunden sind schwankenden Marktpreisen voll ausgesetzt. Sie werden zu „Bestandskunden“ mit ihrer zeitlich definierten Vertragsbindung i. d. R. zu Jahresbeginn.
      .Von der Regierung in Vorbereitung sind Vorschriften zur Mindest-Bevorratung in Gasspeichern.
      Es setzt sich in der Öffentlichkeit immer mehr die Erkenntnis durch, dass der Prozess der Dekarbonisierung zeitlich gestreckt werden muss.

  6. Wie stark ist die Inflation durch die Euro-Schwäche (im Zuge des Ukrainekrieges) geprägt und wäre eine deutliche Erhöhung der Energieeffizienz in der deutschen Industrie (z.B. im Vergleich mit der Schweiz) nicht ein richtiger und wichtiger Schritt zur Verminderung von Energieimporten?

    • Wir haben es, wie in meinem Post um 11:18 beschrieben, mit einer kurz- und mittelfristigen Marktstörung zu tun. In Deutschland ist die chemische Industrie ein großer Energie-Verbraucher, gleichzeitig aber wegen ihrer Vorprodukte für die Weiterverarbeitung preisbeeinflussend für die gesamte Wirtschaft. Der dort eingeleitete Prozess für Energieeinsparung- aber vor allem für Dekarbonisierung – wird möglicherweise zur Verminderung von Energieimporten, mit Sicherheit aber zu einem neuen Preisschub führen- so laut Martin Brudermüller von BASF.

  7. Pingback: EZB heizt die Inflation weiter an | Alexander Dilger

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