EZB will erst nächsten Monat Zinsen geringfügig anheben und ihren Anleihenbestand nicht weiter erhöhen

Die „EZB will Leitzins im Juli um 0,25 Prozentpunkte anheben“ von aktuell 0,00 Prozent. Das kündigte sie heute an, statt eine längst überfällige Zinserhöhung gleich und vor allem ab sofort zu beschließen. Die ‚Inflation in Deutschland steigt auf 7,9 Prozent‘ und in der ganzen Eurozone sogar auf 8,1 Prozent, was ein absoluter Rekord für sie ist und den Realzins noch stärker in den Negativbereich verschiebt. Trotzdem hält die EZB immer noch an nominalen Null- und sogar Negativzinsen fest. Der Einlagezins ist weiterhin negativ, Banken müssen also der EZB Strafzinsen von 0,5 Prozent für z. T. sogar vorgeschriebene Einlagen oberhalb bestimmter Freigrenzen zahlen, was viele an ihre Kunden weitergeben.

Verbindlich beschlossen hat der EZB-Rat heute nur, dass die kürzlich sogar noch erhöhten Anleihenkäufe (siehe ‚EZB steigert Anleihenkäufe noch bei Rekordinflation‘) netto enden werden mit Ablauf dieses Monats. Zum Ersatz auslaufender Anleihen werden allerdings weiterhin fleißig Anleihen gekauft werden, und zwar zunehmend von geringerer Bonität zur Unterstützung finanzschwacher Länder, was eindeutig verbotene Staatsfinanzierung durch die EZB ist. Dagegen verweigert sie die Erfüllung ihrer zentralen Aufgabe, Inflationsbekämpfung, und macht lieber das Gegenteil.

15 Gedanken zu „EZB will erst nächsten Monat Zinsen geringfügig anheben und ihren Anleihenbestand nicht weiter erhöhen

  1. Ich habe das etwas anders verstanden: Die EZB wird ihren aktuellen Leitzeins von -0,5 % auf -0,25% anheben, was einfach nur eine Farce ist.
    Immerhin kommt sie ihrer Hauptaufgabe, der Finanzierung des Haushalts ausgewählter Euroländer, weiterhin nach.

    • Der Leitzins liegt seit Jahren bei nominal 0,0 Prozent und soll im Juli auf 0,25 Prozent steigen, was bei einer Inflation von 8 Prozent und entsprechend negativen Realzinsen ein Witz ist. Der Einlagezins liegt aktuell bei nominal minus 0,5 Prozent. Mal sehen, ob er nächsten Monat negativ bleibt (-0,25 Prozent) oder auf 0,0 Prozent steigt.

      P. S.: Monetäre Staatsfinanzierung ist der EZB explizit verboten, scheint jedoch tatsächlich ihr Hauptinteresse geworden zu sein.

      • Man sollte aber anmerken, dass im September nochmal um 0.25 Prozentpunkte erhöht wird. Frau Lagarde hat ja eingestanden, dass alle Prognostiker den gleichen Fehler gemacht haben. Im Gegensatz zu Ihnen. Dabei ist auch anzumerken, dass die EZB mittlerweile 101 Ratsitzungen hinter sich hat, in denen es keine Zinsanhebung gab. Für uns Aktionäre sind niedrige Zinsen besser.

      • Der September ist noch lange hin und dann wird die Inflation in Deutschland nochmals steigen durch das Wiederheraufsetzen der Energiesteuer. Real werden die Zinsen also noch mehr in den negativen Bereich gedrückt, was die Inflation weiter anheizt statt dämpft. Die Ökonomen der EZB und von linker Seite haben lange alle Inflationsgefahren geleugnet und selbst die bereits letztes Jahr anziehende Inflation als schnell vorübergehende bezeichnet, während liberale und konservative Ökonomen schon lange warnen (teilweise zu lange bzw. zu pauschal). Negativzinsen mögen die nominalen Aktienkurse steigern, real sind sie inzwischen eine Belastung.

      • Das P.S. war von Anfang an das Ziel. Nur wir Deutschen haben das nicht wahrhaben wollen. Das ist seit 800 Jahren ein Problem. Schon Walther v.d. Vogelweide und Niccolo Macchiavelli haben darüber gesprochen, im „Sächsischen Münzstreit“, sind letztlich die abschließenden Argumente ausgetauscht worden (nur gab es damals noch mit Silbergeld) . Da gibt es verschiedenen „Geldkulturen“ bei denen sich „Germanen“ und „Lateiner“ (incl. Griechen) unterscheiden.

      • Verschiedene Geldkulturen und -politiken sowie Einstellungen zur Inflation sind doch in Ordnung, nur braucht dazu jedes Land seine eigene Währung, während der gemeinsame Euro für alle schlecht ist.

  2. Nichts gegen verschiedene Geldkulturen, aber dann soll auch jede Geldkultur für sich haften. Aber nachweislich seit 800 Jahren läuft das deutsche Geld in den Süden, Nicolo Macchiavelli und Paul Krugmann klagen in der gleichen Tonlage: „Die Deutschen konsumieren zu wenig und sparen zu viel und beuten damit die armen Südländer aus.“ Wenn das nicht hilft, kommt man mit der deutschen Schuld am Untergang des römischen Reiches . (Leider keine rechte Übertreibung, sondern italienische Argumente lange, lange vor Hitler)

  3. In der Tat dokumentiert die EZB durch die Anleihenkäufe, dass sie weiterhin zugunsten der südeuropäischen Länder Liquidität in die Märkte pumpt, dadurch die Märkte beeinflusst und fehlleitet, dass sie sich längst von ihrem Mandat Sicherung der Preisstabilität verabschiedet hat. Obwohl das Bundesverfassungsgericht Bundestag und Bundesregierung aufgefordert hat, diese Anleihenkäufe zu prüfen und begründet zu bewerten, winkt die Politik in Berlin alles schweigend durch bzw. ab. Das ist für mich der eigentliche Skandal: Bundestag und Bundesregierung opfern eine stabilitätsorientierte Geldpolitik einer Europapolitik, um den Süden nichts zu brüskieren. Dieser Euro und diese EZB Politik schaden dem Eurosystem und der gesamten EU Idee. Ich kann die Briten, Schweizer u.a. gut verstehen, wenn sie sagen „Gut, dass wir damit nichts zu tun haben.“

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