Ökonomenpanel zur US-Präsidentschaftswahl

Im jüngsten Ökonomenpanel vom September ging es um die Präsidentschaftswahl in den USA. Interessant finde ich, dass 15 Prozent der Wirtschaftsprofessoren (siehe „Hillary Clinton oder Donald Trump – wer wird der bessere US-Präsident?“) unseren Kollegen Laurence Kotlikoff wählen würden. Er wäre höchstwahrscheinlich ein besserer Präsident als Hillary Clinton oder gar Donald Trump, hat aber bei der Wahl keine Chance, so dass die Stimmen am Ende fehlen könnten, um das größere Übel zu verhindern.

Wenn Sie als US-Amerikaner bei der Präsidentschaftswahl im November eine Stimme hätten, wen würden Sie zum Präsidenten wählen?

Hillary Clinton statt Donald Trump, Jill Stein, Laurence Kotlikoff, Gary Johnson, Stimme ungültig oder ich würde nicht zur Wahl gehen.

Bei welchem Kandidaten erwarten Sie positivere Effekte im Hinblick auf die folgenden Aspekte?

Jeweils Hillary Clinton statt Donald Trump oder kein Unterschied bei Stimulierung der Konjunktur in den USA, nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den USA, verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der USA, Stabilisierung des Staatshaushalts der USA, verstärkter Handel und Investitionen USA – Europa, verstärkter Handel und Investitionen USA – Rest der Welt, politische Beziehungen USA – Europa, politische Beziehungen USA – Russland, politische Beziehungen USA – China und politische Beziehungen USA – Rest der Welt.

Bei welchem Kandidaten erwarten Sie bessere Impulse im Hinblick auf die folgenden Politikfelder?

Nur bei Klimapolitik Donald Trump, sonst Hillary Clinton bei Bildungspolitik, Migrationspolitik und Gesundheitspolitik.

Bei der Unternehmenssteuer gibt es in den USA gegenwärtig 8 Steuerklassen mit Grenzsteuersätzen von 15% bis 35%.

Im Rahmen der Präsidentschaftswahl wurden zur Unternehmenssteuer folgende Vorschläge gemacht:

Vorschlag 1: Beibehaltung des gegenwärtigen Systems.

Vorschlag 2: Grundlegende Deckelung des Unternehmenssteuersatzes auf 15%.

Welchen Vorschlag würden Sie bevorzugen?

Vorschlag 2.

Bei der Erbschaftsteuer wird ein pauschaler Freibetrag von 5 Mio. US-Dollar gewährt. Der durchschnittliche effektive Erbschaftsteuersatz beträgt derzeit 16,6%. In Abhängigkeit vom Verwandtschaftsgrad liegt der Spitzensteuersatz bei 40%.

Im Rahmen der Präsidentschaftswahl wurden zur Erbschaftsteuer folgende Vorschläge gemacht:

Vorschlag 1: Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 45% und Absenkung des Freibetrages auf 3,5 Mio. US-Dollar.

Vorschlag 2: Komplette Abschaffung der Erbschaftsteuer.

Welchen Vorschlag würden Sie bevorzugen?

Status quo.

Arbeitsmarktpolitik

Der Mindestlohn liegt in den USA gegenwärtig auf Bundesebene bei 7,45 US-Dollar pro Stunde. Die Bundesstaaten haben unabhängig davon die Möglichkeit, einen Mindestlohn darüber festzulegen.

Im Rahmen des Präsidentschaftswahlkampfs wurde unter anderem der Vorschlag gemacht, den Mindestlohn auf Bundesebene auf 12 US-Dollar pro Stunde zu erhöhen, wobei die Bundesstaaten die Möglichkeit behalten sollen, diesen Wert individuell nach oben anzupassen.

Welche Variante würden Sie bevorzugen?

Generelle Abschaffung des bundesstaatlichen Mindestlohns statt Status quo mit 7,45 US-Dollar oder Erhöhung auf 12 US-Dollar.

Bildungspolitik

Im Bereich der Bildungspolitik wurden von den Kandidaten unter anderem folgende Vorschläge gemacht:

Vorschlag 1:

  • Einkommensabhängige Befreiung von den Studiengebühren für Colleges (für die Mittel- und Unterschicht)
  • Verbesserte Finanzierbarkeit von Universitätsgebühren durch staatliche Unterstützung

Vorschlag 2:

  • Beibehaltung des Status quo

Welchen Vorschlag würden Sie bevorzugen?

Vorschlag 1.

Migrationspolitik

Im Bereich der Migrationspolitik hat sich die Zahl illegaler Immigranten in den letzten Jahren bei etwa 11 Mio. eingependelt. Die Mehrheit der illegalen Migranten ist durch eine Verordnung von Präsident Obama vor Abschiebung geschützt.

Von den Kandidaten wurden für den Bereich der Migrationspolitik unter anderem folgende Vorschläge gemacht:

Vorschlag 1:

  • Rigide Abschiebungspolitik im Hinblick auf illegale Einwanderer
  • Prüfung eines Bleiberechts für Migranten, die bereits seit Jahrzehnten in den USA arbeiten

Vorschlag 2:

  • Amnestie für illegale Einwanderer
  • Möglichkeit des Familiennachzugs sowie erleichtere Einreisebedingungen für Einwanderer

Von welchem Vorschlag erwarten Sie positivere Auswirkungen für die Wirtschaft der USA?

Status quo.

Klimapolitik

Im Bereich der Klimapolitik wurde unter der Obama-Regierung das Pariser Klimaabkommen verabschiedet sowie die Förderung Erneuerbarer Energien vorangetrieben. Zugleich hat es aber auch einen Frackingboom gegeben.

Von den Kandidaten wurden für den Bereich der Klimapolitik unter anderem folgende Vorschläge gemacht:

Vorschlag 1:

  • Aufkündigung aller Programme zur Bekämpfung des Klimawandels
  • Vermehrtes Investment in Pipelines und fossile Rohstoffe

Vorschlag 2:

  • Gezielte Förderung der Erneuerbaren Energien
  • Streichung der Steuervergünstigung für die Ölförderung aus Schiefersand

Welche Vorschlagsliste halten Sie im Hinblick auf die Konjunktur der amerikanischen Wirtschaft für sinnvoller?

Vorschlag 1.

Welche Vorschlagsliste halten Sie im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft für sinnvoller?

Status quo.

Gesundheitspolitik

Im Bereich der Gesundheitspolitik wurde unter der Obama-Regierung im Jahr 2010 der „Patient Protection and Affordable Care Act“ (Obamacare) verabschiedet, welcher Amerikaner verpflichtet eine Krankenversicherung abzuschließen.

Von den Kandidaten wurden für den Bereich der Gesundheitspolitik unter anderem folgende Vorschläge gemacht:

Vorschlag 1:

  • Ausweitung von Obamacare
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen

Vorschlag 2:

  • Abschaffung von Obamacare bei gleichzeitiger Rückkehr zur privatwirtschaftlichen Organisation einer Krankenversicherung
  • Einsparungen bei staatlichen Zuschüssen ins Gesundheitssystem

Welchen Vorschlag würden Sie unter ökonomischen Aspekten bevorzugen?

Status quo.

Ihr öffentlicher Kommentar zur Präsidentschaftswahl in den USA (optional):

Donald Trump ist gar kein seriöser Kandidat, so dass es leider keine echte Wahlmöglichkeit gibt.

12 Gedanken zu „Ökonomenpanel zur US-Präsidentschaftswahl

  1. Ich bin als Konservativer ausdrücklich KEIN Fan von Trump und mag auch seine Rhetorik nicht! ABER JEDER wäre ein besserer US-Präsident als Merkel-Fan Hillary Clinton, sogar der Dackel meines Nachbarn!

    • Auf den Dackel Ihres Nachbarn könnte das tatsächlich zutreffen, auf Herrn Trump trifft es nicht zu. Im günstigsten Fall erreicht er gar nichts, wenn es schlecht läuft, startet er ohne rechten Grund ein paar Kriege, schlimmstenfalls den Dritten Weltkrieg. Frau Clinton ist im Vergleich dazu vor allem langweilig, was ein Vorteil ist.

      • Donald Trump ist nur ein egozentrischer Ich-Mensch. Hillary Clinton aber kommt mit einer ideologischen Botschaft daher. DAS macht sie gefährlich!

      • Welche ideologische Botschaft hat Frau Clinton denn? Ich sehe sie eher wie Frau Merkel, der es nur um die Macht um der Macht willen oder sogar allein eine möglichst lange Regierungszeit geht. Wenn Frau Clinton schon zwölf Jahre regieren würde, wäre ich übrigens unbedingt für ihre Abwahl. Ich glaube aber, dass sie nur vier recht farblose Regierungsjahre vor sich hat. Deshalb wäre ein besserer Gegenkandidat gut gewesen, ist sie aber besser als ihr völlig wirrer Herausforderer.

      • Ich habe amerikanische Verwandtschaft, war oft dort und mein Onkel ist ein Anhänger der Republikaner. Die amerikanische Verfassung ist sehr föderalistisch formuliert, föderalistischer als zum Beispiel unser Deutsches Grundgesetz. Faktisch sind die 50 Staaten der USA selbstständige Republiken mit einer gemeinsamen Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. GENAU DAS wollen Leute wie Obama und Clinton ändern und mehr zentralistische Macht auf Bundesebene bündeln. Dabei arbeiten sie mit allerlei Tricks. Obama hat das so weit ausgedehnt, wie noch nie ein US-Präsident in der Geschichte der USA. Er regiert ist vielen Fällen mit präsidentiellen Erlassen am Parlament vorbei. Clinton will genau da weiter machen und noch weiter gehen. Die Amerikaner kämpfen den gleichen Kampf gegen die Zentralgewalt aus Washington, wie wir Europäer gegen Brüssel, wobei die amerikanischen Bundesstaaten heute noch viel unabhängiger von Washington sind, als wir EU-Staaten von Brüssel. Noch besitzen die Amerikaner viele basisdemokratischen Instrumente, um vor Ort zu bestimmen (Subsidiaritätssystem). Hillary Clinton arbeitet dafür, genau das zu zerstören.

      • Es gibt genau ein bundesstaatliches Projekt, welches Präsident Obama wirklich vorangetrieben hat, nämlich seine Gesundheitsreform. Zu Erlassen kommt es, wenn der Kongress nicht richtig arbeitet, dessen Gesetze Priorität haben bzw. hätten. Die EU-Staaten sind trotz allem noch souverän, die US-Bundesstaaten nicht.

      • Obama-Care ist nur eine von mehreren Baustellen, wo Zentralisten wie Obama, Clinton & Co. versuchen, die betont radikal-föderalistische Verfassung der USA auszuhebeln. Es gab in der Neuzeit vor Obama noch nie einen US-Präsidenten, der so sehr am Parlament vorbei regiert hat. Die Gefahr besteht, dass Hillary Clinton daran Gefallen bekommt. Genau wie Angela Merkel!

        Ich weiß nicht, wie gut sie die Innenpolitik der USA kennen. Aber die 50 Staaten sind wirklich innenpolitisch völlig unabhängig und stimmen im Gegensatz zu vielen EU-Staaten demokratisch über wichtige Fragen ab. Auch Kommunen haben in den USA viel mehr Macht als beispielsweise in Deutschland, weil sie basisdemokratisch organisiert sind und sich auch vom jeweiligen Bundesstaat nicht hineinreden lassen. In Deutschland und der EU ist das Subsidiaritätssystem unterentwickelt. DAS ist das Problem!

      • George W. Bush hat viel willkürlicher entschieden als Barack Obama. Für die Zerstrittenheit des Kongresses können sie beide nur bedingt etwas (während der Bundestag gerade nicht zerstritten ist, sondern nur Merkel-Fans dort sitzen).

        Gerade weil die US-Bundesstaaten recht unabhängig sind, gibt es auch bei der direkten Demokratie gravierende Unterschiede. In Deutschland ist die Einheitlichkeit der Lebensverhältnisse ein sehr fragwürdiges und antiföderales Ziel. Auch wo nach dem Grundgesetz allein die Länder Kompetenzen haben, verkaufen sie diese entweder gegen ein Linsengericht an den Bund oder entscheiden sie die wichtigen Fragen nur gemeinsam und einheitlich statt eigenständig dezentral. Die Kommunen gelten schließlich nur als Verwaltungseinheiten der Länder.

      • George W. Bush hat einiges nicht richtig gemacht, ABER den föderalistischen Charakter der USA NIEMALS verletzt, wie Obama das tut.

        Einen Bullshit, wie einen „Länderfinanzausgleich“ gibt es in den USA zum Glück NOCH nicht! Warum müssen deutsche Bundesländer, die besser gewirtschaftet haben, für die Defizite der Versager aufkommen??? Wettbewerb bedeutet Freiheit!

        In den USA sind Kommunen eben KEINE reinen Verwaltungseinheiten der Länder, sondern relativ unabhängig. Auch hier gilt Wettbewerb und NICHT stumpfe Alimentierung wie in Deutschland.

        Ich bin den preußischen Sozialismus Deutschlands mit seinem Märchen vom „Vater Staat“ so leid! Stutzen wir den staatlichen Autoritäten endlich die Flügel, dann lernt die Freiheit wieder fliegen……!!!!

        Wenn es um das Staatsverständnis im Sinne des Anspruchs an den Staat geht, bin ich mehr Amerikaner als Deutscher!

  2. Sehr geehrter Prof. Dilger,
    ihr Kommentar am Schluss der Befragung überrascht mich etwas, da er sehr knapp und einseitig ausfällt. Ich empfinde es als Skandal, das man dem amerikanischen Wähler nichts besseres anbietet, als diese beiden(!!) Kandidaten. Entspricht es der Grundidee der Demokratie, das in den USA nur Kandidaten eine Chance haben, die eine Kampagne überhaupt finanziell stemmen können, oder Geldgeber finden? Die Konsequenz daraus ist, das befähigte Leute, die es auch dort gibt, es eben nicht schaffen. Ein Vergleich mit unseren Verhältnissen, oder anderen gewichtigen Staaten macht die Sache nicht besser.

    • Die Kandidatenauswahl erfolgte endogen. Dass Donald Trump die Mehrheit bei den Republikanern bekommen hat, spricht auf jeden Fall gegen den Zustand dieser Partei, vielleicht sogar gegen das amerikanische Wahlsystem. Allerdings funktioniert unsere Demokratie eher noch schlechter, wenn praktisch nur Frau Merkel gewählt werden kann (rein theoretisch kann auch in den USA z. B. Laurence Kotlikoff gewählt werden, doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist verschwindend gering).

  3. Pingback: Ökonomenpanel zum Ausgang der US-Präsidentschaftswahl | Alexander Dilger

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