Varwick gegen Lehrfreiheit, Rechtschreibung und Ukraine

Im aktuellen Infobrief vom Verein Deutsche Sprache geht es u. a. um „Gendersprache“. Kollege Jürgen Plöhn an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg will „Kein Gendern – Uni will Professor Lehre verweigern“. Da das rechtlich nicht geht, wurden ihm die „Rahmenbedingungen“ erschwert. „Diese Rahmenbedingungen sahen u. a. vor, keine Ressourcen mehr zur Verfügung zu stellen, um Raumbuchungen etc. müsse Plöhn sich selbst kümmern, außerdem können Studenten seine Vorlesungen nicht mehr für die Pflichtmodule anrechnen lassen.“ Der Institutsdirektor schrieb dazu: „Ich weiß nicht, sehr geehrter Herr Plöhn, ob Sie unter diesen Voraussetzungen noch Freude an der Lehre haben werden.“ Dieser erwägt nun eine Klage.

In Deutschland werden also nicht nur Studenten bestraft, wenn sie sich an die offiziellen Rechtschreibregeln halten, sondern inzwischen auch Dozenten, wenn sie auf die Einhaltung dieser Regeln bestehen. Ich bin für die Einhaltung der offiziellen Regeln, sanktioniere es aber nicht, wenn jemand konsistent anderen Regeln folgt, z. B. der alten Rechtschreibung oder auch dem Gendern. Allerdings schafft es (fast) niemand, konsequent zu gendern, sondern Sterne oder große Binnen-I werden recht willkürlich über Texte verteilt. Das könnte man selbst wieder für Diskriminierung halten, doch wahrscheinlich ist es nur ein schludriger Umgang mit der deutschen Sprache.

Der Institutsdirektor, der die Lehrfreiheit einschränkt und seinen Kollegen bespitzeln ließ, ist übrigens Johannes Varwick, der ansonsten dadurch auffällt, dass er öffentlich dafür eintritt, dass der russische Präsident Putin in der Ukraine gewinnt. Er meinte noch im Juni: „‚Die Ukraine ist sowieso verloren!'“ Aktuell meint er: „Wir müssen die Ukraine zum Einlenken zwingen!“ Immerhin ist er konsequent in seiner Ablehnung von Recht und Freiheit. Deshalb sollte die Universität eigentlich gegen ihn vorgehen (nicht wegen seiner kruden Meinung, sondern wegen seinen entsprechenden Taten).

32 Gedanken zu „Varwick gegen Lehrfreiheit, Rechtschreibung und Ukraine

  1. Es ist leider so, daß Universitäten heutzutage nicht mehr besondere Orte der Meinungsfreiheit sind. Sie sind im Gegenteil zu ausgesprochenen Zentren der Ideologieproduktion geworden (zusammen mit der Presse).

    Der eigentliche Ort für Meinungsfreiheit ist längst das Internet. Wobei auch hier wiederum alles versucht wird, dieses letzte Refugium unter die Kontrolle zu bekommen.

    • Universitäten sind immer noch sehr pluralistisch, nur in manchen Fächern, die sich für besonders divers halten, weniger. Außerdem versuchen die meisten Universitätsleitungen politisch korrekt zu sein, weil der Druck in diese Richtung stärker ist als der für Wissenschaftsfreiheit, die eher von den einzelnen Professoren verteidigt wird.

      • Es gibt wahrscheinlich keine Institution, die heutzutage geistig einseitiger aufgestellt ist als die Universität.
        Die Sozial- und Geisteswissenschaften sind ganz gewiß nicht mehr pluralistisch, sondern monolithisch links. In den USA gab es vor einigen Jahren eine aufschlußreiche Umfrage nach der Parteizugehörigkeit von Professoren. Dabei kam heraus, daß das Verhältnis von registrierten Demokraten zu registrierten Republikanern beträgt:
        – Theater 30:1
        . Musik 33:1
        – Soziologie 44:1
        – Englisch 48:1

        In einigen Fächern wie Anthropologie waren sogar 100% aller Professoren mit Parteibuch Demokraten. In keinem Fach hatten registrierte Republikaner eine Mehrheit, nicht einmal in den Wirtschaftswissenschaften oder Jura.

        Unis sind keine Orte des offenen Meinungsaustauschs mehr, sondern engstirnige linke Ideologiefabriken geworden. Das Internet ist ohne Zweifel sehr viel offener und freier.

      • Das Abstimmen in Vorwahlen für eine Partei ist nicht mit einer Parteimitgliedschaft in Deutschland vergleichbar. Die meisten großen und berühmten US-Universitäten sind in demokratisch dominierten Bundesstaaten. Wer dort auf das Endergebnis Einfluss nehmen will, muss bei den Vorwahlen auf Seite der Demokraten mitstimmen. Unabhängig davon decken die Demokraten das Spektrum aller etablierten Parteien in Deutschland ab, während die Republikaner am ehesten noch mit der AfD vergleichbar sind. Diese ist 2013 als Professoren-Partei gestartet, dürfte aber inzwischen bei den deutschen Hochschullehrern deutlich weniger Rückhalt haben als bei der Wählerschaft allgemein.

        Professoren an öffentlichen Hochschulen in Deutschland sind Lebenszeitbeamte, die unkündbar sind und in Forschung und Lehre (sowie der außeruniversitären Öffentlichkeit) frei ohne jede Weisung agieren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mag als Institution noch unabhängiger sein, die einzelnen Journalisten sind es nicht. Das Internet ist schließlich keine Institution, sondern einfach ein Medium, über das ungefiltert beliebige Inhalte transportiert werden können. Einschränkungen und Manipulationen gibt es dort bei Plattformen wie Facebook und Twitter.

      • „Das Abstimmen in Vorwahlen für eine Partei ist nicht mit einer Parteimitgliedschaft in Deutschland vergleichbar.“

        Das ist richtig. Was in einer parlamentarischen Demokratie zählt, ist nicht die Parteimitgliedschaft, sondern die Stimme am Wahltag. Denn die bestimmt die Zusammensetzung des Parlaments und damit die Politik. Deswegen ist eine Wahlentscheidung für die politische Positionierung sogar noch aussagekräftiger als eine Parteimitgliedschaft.

        „Die meisten großen und berühmten US-Universitäten sind in demokratisch dominierten Bundesstaaten.“

        Was unerheblich ist, denn diese Universitäten rekrutieren natürlich als landesweite Institutionen ihr Lehrpersonal auch landesweit. Oder rekrutiert die Universität Dortmund etwa bevorzugt in NRW?

        „Unabhängig davon decken die Demokraten das Spektrum aller etablierten Parteien in Deutschland ab, während die Republikaner am ehesten noch mit der AfD vergleichbar sind.“

        Unabhängig davon decken die Republikaner das Spektrum aller etablierten Parteien in Deutschland ab, während die Demokraten am ehesten noch mit den Grünen vergleichbar sind.

        Was bleibt sind die harten Fakten, die für eine totale Schiefllage der Universität nach links sprechen (siehe oben).

      • Eine Parteimitgliedschaft ist eine viel engere Bindung als eine Wahlentscheidung. Der Ort vieler Universitäten lässt echte politische Gestaltung nur bei den Vorwahlen der Demokraten zu, was Pragmatiker wissen, selbst wenn sie inhaltlich den Republikanern näher stehen. Dass die Republikaner das Spektrum aller etablierten Parteien in Deutschland abdecken und die Demokraten nur den Grünen entsprechen würden, ist eine sachlich falsche Umkehrung meiner richtigen Aussage. Richtig ist, dass Hochschullehrer in den USA (und wohl auch Deutschland) im Schnitt linker sind als normale Wähler, doch das gilt bereits für Akademiker allgemein. Es gibt linke Vordenker an den Universitäten, aber auch liberale (im deutschen Sinne) und konservative.

      • Das ist interessant, Herr Prof. Dilger, wie sie die totale linke Vorherrschaft über die Universitäten zu relativieren versuchen. Offensichtlich ist für Sie die 30-48fache Übergewicht an linken gegenüber rechten Professoren noch kein Anlaß zur Beunruhigung. Für die meisten normalen Menschen außerhalb der akademischen Blase ist es das aber.

        In welcher anderen öffentlich finanzierten Institution tolerieren wir solche krassen Mißverhältnisse? Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bemängeln wir ja auch die Überzahl an linksgrünen Journalisten, die den Programminhalten immer stärker ihren ideologischen Stempel aufdrücken. Jetzt sagen Sie bitte nicht, daß Professoren ihre politischen Ansichten vor dem Seminarraum wie einen Hut ablegen können. Das können sie natürlich nicht.

      • Offensichtlich kennen Sie Universitäten nicht von innen und auch keine Demokraten in den USA. Es gibt Linke, Woke und Extremisten bei den Demokraten, doch die meisten sind weniger links als die CDU in Deutschland. In Deutschland ist die Mehrheit der Hochschullehrer nicht besonders links oder grün, was allerdings in bestimmten Fächern (und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk) anders ist. Ich habe nie Parteipolitik in meine Lehrveranstaltungen getragen. Auch da gibt es Ausnahmen, doch die meisten Hochschullehrer sind viel besser als Ihre Meinung von uns.

      • Oliver: Sie dürfen nicht nur auf das achten, was einige laute woke Professoren oder Gleichstellungsbeauftragte von sich geben. Richtig ist, dass Personen wie Donald Trump allgemein schlecht angesehen sind, das gilt aber für die gesamte deutsche Gesellschaft.

      • @ Prof. Dilger

        Ich habe Ihnen persönlich doch gar nicht vorgeworfen, daß sie Parteipolitik in Ihre Seminare tragen würden. Ich kenne Ihre Seminare gar nicht. Aber ich kenne die Verhältnisse an einigen nordamerikanischen und deutschen Universitäten aus eigener Anschauung und bin froh, daß ich heutzutage nicht mehr studieren muß.

        @ Helmut S.

        Die US-Universitäten sind geradezu Treibhäuser linksextremer Ideen. Sämtliche Ideen, die unsere Gesellschaft spalten, kommen von dort:
        – Genderwahnsinn (fragen Sie Jordan Peterson)
        – Postkolonialismus
        – Quoten für Frauen, Migranten und weitere „Minderheiten“

        und insgesamt der ideologische Kampf gegen „weiße, alte Männer“, also heterosexuelle europäische Männer.

      • Haben Sie Gender Studies studiert? Alternativ sind Sie so rechts, dass sie die vielen liberalen, konservativen und mehrheitlich unpolitischen Professoren für links halten. Natürlich kommen viele woke Ideen aus Universitäten, da das auf einen Großteil aller Ideen zutrifft.

      • Ich vergaß, Cancel Culture zu erwähnen, also die Zensur Andersdenkender. Eine weitere Idee aus der US academia, die die hiesige Linke begierig aufgenommen hat. Gesellschaftspolitisch kommt von den Universitäten eigentlich nur noch antiaufklärerisches, demokratiefeindliches und destruktives Gedankengut. Das ist brandgefährlich.

        Was wir bräuchten, ist ein Gesetz zur Sicherstellung der Meinungsvielfalt auf dem Campus, um die Universitäten wieder ihrem wissenschaftlichen Lehr- und Forschungsauftrag zuzuführen und sie der Kontrolle durch die tenured radicals zu entreißen. Wie beim ÖRR sind ihre Selbstkontrollkräfte gescheitert.

      • Bitte hören Sie auf, hier weiter Unsinn über Universitäten zu verbreiten, von denen Sie offensichtlich keine Ahnung haben. Es gibt an einigen Unversitäten leider Fehlentwicklungen, aber die werden eher von der Politik in sie hineingetragen. Hochschulleitungen machen mit, weil sie sich der Politik näher fühlen als der Wissenschaft und den Wissenschaftlern. Meinungs- wie Wissenschaftsfreiheit sind grundgesetzlich geschützt. Entscheidend ist die praktische Umsetzung dieser Rechte, ein neues Gesetz wird dafür nicht benötigt und schon gar nicht die von Ihnen geforderte Abschaffung der universitären Selbstverwaltung.

  2. Interessant ist es, wie sehr Herr Prof. Varwick dem Establishment der BRD verbunden ist: Er hat viel studiert und gelehrt in den USA und in der BRD, auch an der Hamburger Bundeswehrhochschule, nimmt viele hohe Ränge im sicherheitspolitischen Establishment ein, war Präsident der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. Das Ganze wird noch persönlich abgerundet durch die Establishment-Verbindungen seiner Fau, Mitglied des höchsten Laiengremiums der katholischen Kirche in der BRD und (eher linke) Theologieprofessorin an der Goetheuniversität im Wirtschaftszentrum Franfurt… Mich erinnert das von der Gesinnung und den Establishmentverbindungen an Frau Dr. Merkel und Frau Dr. von der Leyen und ihre Ehemänner…

    • Das letzte verbliebene ZK auf deutschen ist ja ebenfalls für seine stalinistischen Methoden berüchtigt. Das strahlt offenbar auch auf die Familienmitglieder dieser Linksradikalen aus.

    • Eine politische Verortung führt hier in die Irre. Es ist der für Professoren nicht untypische Macht-Missbrauch, der die 68-iger Bewegung an den Universitäten belebt hat und dessen Auswüchse ich selbst erdulden musste. Ralf Fücks bescheinigte Varwick lt. Wickipedia “ Experte“ zu sein, „der sich immer tiefer verrennt, weil er nicht zugeben kann, dass er falsch abgebogen ist“. “ Jürgen Plöhn hat nun das Pech, bei diesem Thema keine aktiven Mehrheiten hinter sich bringen zu können, so dass eine Klage geboten ist (wobei ich diesen Vorgang mit Hilfe der Medien skandalisieren würde).

    • Das paßt. Wenn man beobachtet, mit welchen stalinistischen Methoden seine Frau und ihre Mitstreiter*:Innen gerade der katholischen Kirche den Schwulenkult aufzuzwingen versuchen, kann man sich vorstellen, daß bei Herrn Varwick dieselbe ideologische Verbissenheit am Werk ist.

    • Es handelt sich um eine ungute Mischung von Opportunismus und Ideologie. Deshalb ist die Frage interessant, warum Herr Varwick hinsichtlich der Ukraine jetzt gegen den Strom schwimmt. Entweder will er sich damit profilieren oder er bedient gegenläufige Strömungen, die bei Die Linke und der SPD sehr stark sind.

  3. Es ist natürlich auch selten dämlich, so etwas per E-Mail anzukündigen. So etwas kann man machen, wenn man sich seiner Macht sehr sicher ist, aber das scheint hier nicht der Fall zu sein.

    • Sie täuschen sich. Diese Leute sind sich ihrer Macht sehr sicher. Und es spricht auch einiges dafür, daß sie ihre Macht so schnell nicht wieder abgeben werden.

      • Wenn ich das richtig deute, finde gerade ein Machtkampf zwischen grünen und roten Eliten statt. Wer ihn gewinnt, ist noch offen, während die bürgerlichen Eliten eigentlich schon verloren haben oder übergelaufen sind.

      • Wer sind denn Beispiele für rote Eliten und wo unterscheiden diese sich von grünen Eliten? Zu klären wäre auch, ob wirklich überall ein Unterschied zwischen grün und konservativ gesehen wird, ein Stichwort wäre „Bewahrung der Schöpfung“.

      • Die Grünen bewahren doch nicht die Schöpfung, sondern ruinieren neben der Wirtschaft und dem Wohlstand auch die Umwelt einschließlich Klima, da sie zu immens hohen Kosten die Energieversorgung gefährden und gleichzeitig den CO2-Ausstoss erhöhen. Die SPD ist hingegen mit der russischen Gaslobby verflochten, weshalb die Ampel-Regierung insgesamt herumhampelt und keinen einheitlichen Kurs verfolgt.

      • Das hat jetzt nichts mit dem Gendern zu tun. Ich glaube, ich verstehe Ihren Punkt mit den Eliten nicht so richtig.

      • Ist Ihnen wirklich noch nicht aufgefallen, dass es in der Ampel-Koalition nicht nur eine Konfliktlinie zwischen der FDP und den beiden linkeren Parteien gibt, sondern auch zwischen Grünen und SPD? Die früher einmal pazifistischen Grünen wollen z. B. viel lieber Waffen liefern, während sie Atomstrom und Gas noch mehr ablehnen als Kohle und Öl. Beide Parteien sind für Männerdiskriminierung, aber die Grünen haben Frauen ohne Uterus noch lieber, während die SPD für verbotene Vorratsdatenspeicherung ist.

      • Na klar, aber es kommt dann auf die lokalen Konstellationen an, ob grün oder rot mehr zu sagen haben. Aktuell ist z.B. ein Roter Kanzler und kein Grüner.

      • Herr Scholz setzt aber nicht führungsstark SPD-Politik durch, sondern hält sich zurück, um dann schon immer für das Ergebnis des Koalitionsstreits gewesen zu sein (alles andere hat er vergessen).

  4. Ich wünsche Herrn Prof. Plöhn einen richtig guten Anwalt, der erhebliche Schadenersatzansprüche vor Gericht durchsetzt…😜

    • Das wäre schön, ist aber unwahrscheinlich. Es wäre schon viel gewonnen, wenn er seine grundgesetzlich garantierten Rechte wieder wahrnehmen dürfte. Im Grunde geht es uns allen so hinsichtlich der deutschen Corona-Maßnahmen ohne sachliche Grundlage.

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