Laschet will und wird Kanzlerkandidat werden

Markus Söder erklärte nach langem Herumgeeiere heute erstmals explizit seine Bereitschaft, als Kanzlerkandidat der Union antreten zu wollen. Er tat das jedoch (extra) auf eine Weise, die zur Folge haben wird, dass er nicht der diesjährige Kandidat der Union werden wird. Denn er machte zur Bedingung, dass die CDU ihn will und unterstützt oder gar bittet. Das kann sie aber nicht, da auch der CDU-Vorsitzende Armin Laschet Kanzlerkandidat der Union werden will. Selbst wenn Herr Laschet schlechtere Umfragewerte hat und in einer Abstimmung der Fraktion vielleicht und bei einer Urwahl durch die Unionsmitglieder ziemlich sicher verlieren würde, kann er nicht einfach auf die Kandidatur verzichten. Denn dann wäre er als CDU-Vorsitzender und auch als NRW-Ministerpräsident zu sehr beschädigt. Das wissen die anderen CDU-Spitzenleute, weshalb sie sich vielleicht schon morgen für ihren Parteivorsitzenden aussprechen werden. Das weiß natürlich auch der CSU-Vorsitzende.

„Laschet wird’s, der Bayer glänzt: Söders Pseudo-Bewerbung ist ein Geniestreich“. Denn er kann nur gewinnen, wenn auch nicht die diesjährige Kanzlerkandidatur, die er aber vielleicht ohnehin nie ernsthaft anstrebte. Wenn Herr Laschet dann im Herbst nicht Kanzler werden sollte, erschiene Herr Söder rückwirkend als die bessere Wahl mit guten Chancen 2025. Wird hingegen Herr Laschet Kanzler, verdankt er das auch Herrn Söder und der CSU, die ihren großen Einfluss in Berlin behalten oder sogar noch ausbauen können und auch in Bayern eher wieder zulegen könnten. Allerdings müsste dafür Herr Söder die nächsten Monate darauf verzichten, ständig gegen Herrn Laschet politisch zu schießen, sondern ihm umgekehrt die Unterstützung der CSU geben, die er selbst sich von der CDU wünscht und in vier Jahren vielleicht tatsächlich benötigt.

38 Gedanken zu „Laschet will und wird Kanzlerkandidat werden

  1. Söder wollte – so Vertraute – immer schon gerufen werden- eitel und risikoavers. Es ist auch nicht so, dass bei allen Schwächen Laschets die Zeit unbedingt für Söder arbeitet. Eigenschaften wie Durchtriebenheit und Prinzipienlosigkeit und auch die relative Erfolglosigkeit bei der Bekämpfung der Pandemie in Bayern sprechen sich schon herum. Sobald die Fronten geklärt sind, müsste sich Laschet zu Problemen deutlicher profilieren, die uns neben der Pandemie auf den Nägeln brennen und die der Bundesrechnungshof der GROKO mit mäßigem Erfolg vorgehalten hat: Die Probleme der Energiewende und der Schuldenvergemeinschaftung in der EU. Er könnte auch ein neues „Team“ benennen, das für eine neue Politik steht. Es winkt ein großes Potenzial bisheriger AfD- und Nichtwähler. Mit „flächendeckender“ KI und ähnlichem Geschwafel ist da kein Blumentopf zu gewinnen.

      • @Alexander Dilger:
        „Warum dieser so viel beliebter sein soll, erschließt sich mir überhaupt nicht.“

        Wirklich nicht?
        Sehen Sie sich doch nur die Körperhaltung an. Markus Söder ist groß, geht und steht aufrecht, fester Blick, klare Artikulation. Laschi wirkt dagegen wie ein zusammengefallener nasser Sack. Wem von beiden trauen die Menschen wohl mehr Führungsquaität zu?

        Nun fragen Sie mich aber bitte nicht, warum Frau Merkel angeblich so beliebt ist. Vielleicht hat sie einen Mitleidsbonus?

      • Herr Söder artikuliert klarer – ständig wechselnden Unsinn. Herr Laschet ist mehr ein typischer Politiker, der nicht so offen lügt, sondern sich mehr windet. Das finde ich auch nicht ideal, aber besser.

      • Hatten frühere Kanzler grundsätzlich eine andere Körperhaltung? Wollen die Deutschen eine Marke Cowboy als Kanzler? Ich habe nichts gegen Cowboys, bei T. Kemmerich gibt es da auch gewisse Parallelen, aber das ist für mich kein entscheidendes Kriterium. Es kommt auf die Inhalte an.

      • Es ging nur um einen Vergleich zwischen Markus Söder und Armin Laschet.
        „Frühere Kanzler“ stehen (mit Ausnahme von Frau Merkel) nicht zur Disposition.

      • Wer 16 Jahre Merkel ertragen hat, akzeptiert auch einen Cowboy.

      • Richtig, der Söder ist ein “ gestandenes Mannsbild“ da hat der lasche, kleine Dicke keine Chance. Ich finde den Söder auch sympathisch, der ist hinterfotzig, hat auch etwas Humor und einen Hang zum Zynismus.

  2. Deutlicher konnte es Markus Söder kaum noch machen, dass er gar nicht Kanzler werden möchte, sondern seine Position in Bayern ausbauen will und muss. Der bayerische Ministerpräsident wird auch in vier Jahren nicht nach dem Kanzleramt in Berlin greifen.

    • Sein aktueller Griff danach beschädigt aber die Union insgesamt. Er hält sich schon heute nicht mehr an seine Zusagen von gestern. Wer soll mit solch einem Mann konstruktiv zusammenarbeiten können?

      • Keiner von beiden steht zu seinem Wort. Söder hatte zugesagt, das Votum der CDU-Spitze zu akzeptieren. Laschet hatte zugesagt, dass der aussichtsreichere der Kandidat wird. Im Grunde sind beide nicht mehr wählbar, weil sich keiner von beiden an seine Zusage hält.

      • Wieso? Herr Laschet ist doch der aussichtsreichere Kandidat, zumal er explizit das Stützen auf Umfragen ablehnte und in der CDU trotz allem mehr Rückhalt hat. Herr Söder hat hingegen keinen Tag gebraucht, um nichts mehr auf das CDU-Votum zu geben, obwohl er es als Kandidat benötigt. Sollte er jetzt doch noch Kandidat werden, wird er die Wahl verlieren. Herr Laschet verliert noch ein paar Prozentpunkte für die Union, hat aber tatsächlich die besseren Chancen auf die Kanzlerschaft.

      • Wunderbar – dann tritt „Mutti“ eben einfach noch einmal an.
        Nichts wünscht sich der Deutsche Michel mehr.

      • Allgemein gilt Söder als der Aussichtsreichere. Allerdings hat er sich dieses Mal verzockt….erst wusste er wohl selbst über einen langen Zeitraum nicht, ob er wollte. Dann wollte er auf einmal, wollte aber gefragt werden. Dann war er irrtümlich davon ausgegangen, dass es im CDU-Präsidium gewichtige Stimmen für ihn geben würde (was für eine Fehleinschätzung – als würde man in dieser Phase den eigenen Vorsitzenden beschädigen) und hat im Vertrauen darauf eine Zusage gegeben, die er bereits nach einem Tag wieder einkassiert hat. Ja, es stimmt schon, dass Söder maßlos überbewertet wird. Ihm sind jetzt stümperhafte Fehler unterlaufen, die ihn fürs Amt disqualifizieren. Eigentlich müsste sich das bald in seinen Umfragewerten zeigen. Noch gilt er in der breiten Masse der eher unpolitischen Menschen als „Macher“. Dass er nur ein eitler Selbstdarsteller ist, hat sich hier aber erneut gezeigt.

  3. Weder Laschie noch Sökel besetzen eine eindeutige Gegenposition zu den grün verkleideten Sozialisten. Noch geht es vielen in Deutschland zu gut. Man kann nur hoffen, dass unter einer grünen Kanzleuse die wohlstandsdegenerierten und gehirngewaschenen Deutschen die „Segnungen“ des Öko-Sozialismus so richtig zu spüren bekommen. Es muss leider zuerst schlechter werden, bevor es besser werden kann… 😦

  4. Reine Pokerrunde. Gewinner im Casino die Bank. Zuschauer – wir Bürger/innen – gehen leer aus.

    Mehltau über Deutschland, Kompetenz “ ….zum Wohle des Deutschen Volkes “ spielt keine Rolle mehr.

    TV Stars wie mit Herrn Jauch als Kanzler ? Warum nicht, ist eh egal.

    • Die Frage ist doch, ob die bevorstehende Bundestagswahl für die Mehrzahl der Wähler eine Parteien- oder eine Personenwahl wird. Ein inhaltliches Profil kann ich bei den Unionsparteien nicht erkennen und Söder kokettiert nur mit der Kandidatur.
      1:0 für die Grünen.

      • Günther Jauch ist zu langweilig. Wenn schon, dann bitte Dieter Bohlen!

  5. Söder muß sich erst einmal in Bayern beweisen. Den Posten als MP hat er ja nur durch einen Hausputsch errungen und prompt bei der nachfolgenden Wahl das zweitschlechteste Ergebnis der CSU eingefahren. Laschet hat dagegen als MP schon hinreichend bewiesen, daß er es nicht kann.

    Die beiden möglichen grünen Kanzlerkandidaten sind von solcher Durchschnittlichkeit, daß man sogar in Prenzlberg an jeder zweiten Ecke besseres Kanzlermaterial finden könnte. Wir müssen also leider davon ausgehen, daß es nach 16 Jahren FDJ-Herrschaft mit der politischen Unterbelichtung an der Spitze der Regierung weitergehen wird.

    • Ich denke, dass dem Ablenkungsmanöver „Söder stünde eventuell bereit, wenn die CDU ihn darum bittet“ (was sie aber nicht tun wird) die Überlegung zu Grunde liegt, dass die CDU ihre bewährte Waffe „Beste Kanzlerin aller Zeiten“ wieder ins Rennen schicken will. Wir werden es ja bald wissen …

      • Ob Laschet oder Söder ist eigentlich egal. Nur Merz würde einen – gewissen – Unterschied für das Land ausmachen. Die größten Wahlchancen aus der Union hätte allerdings wohl immer noch Merkel. Gruselig, aber leider wahr.

  6. Es läuft auf Herrn Laschet hinaus. Die Umfragen können sich schnell wieder ändern, sofern die Pandemie dauerhaft unter Kontrolle gebracht wird.

  7. Wer Söder will, kriegt nur Söder. Das merkelsche Duckmäusertum zum Schaden der Republik geht unter anderen Namen weiter. Laschets Stärke ist, dass er andere starke Leute neben sich dulden und arbeiten lassen kann. Er kann in der CDU den Strömungen wieder ein Gesicht geben. Die NRW-Regierung ist nicht so sehr links-liberal, wie viele bei Laschet vermuten würden. Und das liegt nicht an der der FDP. Wenn es Laschet gelingt, Merz einzubinden, dann kann er viele Nichtwähler wieder gewinnen. Söder kann keine andere starke Persönlichkeit einbinden. Da gibt es dann nur Scheurers.

  8. Das ist ganz großes Kino! Während sich die Statisten in der Öffentlichkeit um eine potentielle Hauptrolle streiten, wird im Hinterzimmer der Merkellockdown bis Mitte Juni auf den Weg gebracht.

    Wenn der Michel wieder wach wird, ist er längt interniert und kennt seine früheren Grundrechte nur noch vom Hörensagen. Aber immerhin hat er beim Kandidatenduell in der ersten Reihe gesessen. Panem et circenses, Harz IV und Fußball.

    • Mitte Juni?
      Ich denke eher an Ende September.

      Vielleicht mir einer kurzen „Lockerung“ kurz vor der Bundestagswahl?
      Aus Dankbarkeit für ein paar Tage Freiheit wird die geliebte Führerin aller Deutschtürken dann für weitere vier Jahre als Staatsratsvorsitzende im Amt bestätigt.

      • Ob Mitte Juni oder erst im September, kann beides sein. Sicher ist jedoch, daß wir alle interniert bleiben, solange die Bevölkerungsgruppe, die die meisten Intensivpatienten stellt, sich nachts zu heidnischen Speiseritualen versammeln,

      • @Jolina

        „heidnische Speiserituale“?
        Was meinen Sie denn damit?
        Der Ramadan ist doch bis zur Bundestagswahl längst vorüber …
        (er hat dieses Jahr gestern Abend begonnen und endet am 11. Mai)

      • Dann können Sie davon ausgehen, daß die Zahl der Intensivpatienten noch bin in den Juni hinein steigt. Das wird Grund genug sein, uns bis weit in den Sommer hinein zu internieren.

      • Damit dürfen Sie in Deutschland rechnen.
        Und Frankreich hält es aus Solidarität ebenso.

    • Wir haben doch schon einen Lockdown seit November und andere Grundrechtsbeschränkungen seit über einem Jahr. Das Impfen bekommen unsere Politiker nicht ordentlich und vor allem schnell geregelt, dafür fallen ihnen immer neue Maßnahmen gegen ihre eigenen Bürger ein.

  9. Eben bei Hart aber Fair:
    Frau Dunz – als Nachfolgerin von Herrn Seibert als Regierungssprecher gehandelt – verplappert sich. Von Plasberg gefragt, wer wohl – Laschet oder Söder – die nächste Kanzlerrede zu Neujahr halten wird – antwortet sie: „Frau Merkel“. Qed!

    • Das dürfte ohne Verschwörungstheorien Realität sein, weil die Regierungsbildung nicht in einer Woche abgeschlossen sein wird.

  10. Spannender Nachmittag offenbar heute in der Fraktion. Vielleicht gibt es noch Verlängerung, Elfmeterschießen, Videobeweis, Annullierung. Und dann kommt Brinkhaus.
    Wenn Laschet es nicht wird, müsste/sollte er umgehend vom Bundesvorsitz zurücktreten.

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