Laschet überflügelt Söder auf dem Weg zum Kanzleramt

Armin ‚Laschet will und wird Kanzlerkandidat werden‘, schrieb ich bereits Sonntag vor einer Woche, da Markus Söder zwar an diesem Tag erstmals seinen Willen zur Kanzlerkandidatur explizit erklärt, aber an die Bedingung einer Unterstützung der CDU geknüpft hatte. Montag vor einer Woche unterstützte der CDU-Vorstand eindeutig seinen Vorsitzenden, doch Herrn Söder reichte dieses Votum im „Hinterzimmer“ nicht, worauf eine Woche Selbstzerfleischung der Union folgte. Letzte Nacht stimmte der CDU-Vorstand erneut und verbindlicher für Herrn Laschet (siehe „CDU-Spitze stellt sich hinter Laschet“), zwar nicht mehr so kritiklos, aber mit 31 zu 9 Stimmen (Dreiviertelmehrheit) bei 6 Enthaltungen (Zweidrittelmehrheit) doch deutlich. In der Folge erklärte Herr „Söder: ‚Laschet wird Kanzlerkandidat der Union'“, womit er es tatsächlich wird, ohne dass noch die Unionsfraktion, die Kreisvorsitzenden oder gar alle Mitglieder darüber abstimmen müssten oder dürften, da der Kanzlerwahlverein kein geregeltes Verfahren zur Wahl des Kanzlerkandidaten hat.

Im Ergebnis hat Herr Laschet diese Schlacht gewonnen und sich entgegen dem Eindruck vieler Wähler und Massenmedien als führungs- und vor allem nervenstärker erwiesen als der CSU-Vorsitzende. Nun folgt der Bundestagswahlkampf, der noch keineswegs gewonnen ist, zumal die Union erst wieder geeint werden muss, was der CDU-Vorsitzende allerdings auch besser kann als sein CSU-Gegenspieler. Deshalb hat Herr Laschet seit heute die besten Chancen, Frau Merkel nachzufolgen. Falls ihm das nicht gelingt, wird er sich nicht als CDU-Vorsitzender halten können. Aber das hätte schon jetzt gegolten, wenn er nicht Kanzlerkandidat der Union geworden wäre. Hätte hingegen Herr Söder es wirklich werden wollen, hätte er seinen Anspruch vorher klar anmelden müssen, damit der neue CDU-Vorsitzende ihm diese ohne Gesichtsverlust hätte überlassen können.

29 Gedanken zu „Laschet überflügelt Söder auf dem Weg zum Kanzleramt

  1. Söder war der Kandidat Merkels, sonst hätte Altmaier es nie gewagt, sich gegen Laschet zu stellen. Das allein ist Grund genug, Laschet eine Chance zu geben.

  2. Bisher von MP Martin Laschet publizierte , praktizierte gePolitik 1 : 1 mit Intentionen Kanzlerin Merkel identisch austauschbar.

    Es wird nicht für Deutschland und seine Bürger/innen gestaltet sondern verwaltet, und das auch nicht gut.

    Böse Menschen unterstellen in Person von Martin Laschet einen Klon, meine Wenigkeit sieht in ihm typischen Beamten der alten überkommenden Generation.

    Ferner bin ich überzeugt dass er keine neues Wählerpotenzial überzeugen, noch weniger begeistern kann – junge Neuwähler eh nicht mit seiner betulich, behäbigen Art – und das bedeutet nichts Gutes für die CDU bei der nächsten Bundestagswahl.

    Sollte er es gleichwohl zum Kanzler schaffen wird der Mehltau über Deutschland nicht weichen. Auch er will als Politiker Deutschland in die EU überführen, mit den Billionen € Schulden die Frau Merkel für die kommenden Generationen angehäuft hat. Ein Trauerspiel, so oder so.

    • Beide Kandidaten hatten sich politisch konkret wenig positioniert (Inhaltsdefizite). Söder betreffend liegt das ein seiner berüchtigten Flexibilität, bei Laschet daran, dass er als Parteivorsitzender einer amtierenden Kanzlerin gegenüber Loyalität einhalten wollte und auch der Einsicht folgte, dass Opposition zur Kanzlerin einstweilen nicht mehr als persönliche Profilierung bewirkt. Diese Zurückhaltung auf beiden Seiten hat dazu geführt, dass die Öffentlichkeit sich am äußerlichen Erscheinungsbild orientiert hat, welches Laschet auf Grund seiner Charakter-Struktur zum Nachteil gereicht hat. Im übrigen neigen Öffentlichkeit und Medien aus Bequemlichkeit bzw. dem Hang zur Sensation weniger zur Inhaltskritik. Gestern hat sich in den Medien das Bild von Laschet als dem merkelhörigen „Beamten“ hin zu einem zielstrebigen Macher schon schnell gedreht. Alles deutet darauf hin, dass Laschet sein Kabinett anders als Merkel nicht nach Subordinations-Gesichtspunkten zusammensetzen wird.

      • Viele scheinen Lautstärke und markige Sprüch mit echter Stärke zu verwechseln. Erst wurde Frau Merkel unterschätzt, nun Herr Laschet, wobei ich hoffe, dass er nicht ganz so schlecht und lang regieren wird.

    • In den Pandemie-Maßnahmen hat Herr Laschet durchaus eigene Akzente gesetzt, während Herr Söder zumindest rhetorisch zum reinen Merkel-Jünger mutierte und allein schon deswegen nicht kanzlertauglich war. Außerdem hat er die letzte Woche der Union massiv geschadet, ohne etwas dafür erreicht zu haben. Frau Baerbock können Sie doch auch nicht ernsthaft besser finden als Herrn Laschet. Der CDU-Kandidat löst keine Begeisterungsstürme aus, ist aber besser als die Alternativen.

  3. Laschet und Söder sind beliebig austauschbar. Einzig Merz könnte einen gewissen Unterschied für Land und Leute ausmachen.

      • Richtig, Herr Laschet hat sich durchgesetzt. Allerdings wäre er ohne Schäuble nicht als Sieger aus dieser Nummer hervorgegangen.

      • Politik ist Mannschaftssport. Herr Laschet weiß das, während Herr Söder rhetorisch so tut, als könne er alles allein machen, was natürlich nicht stimmt und seine Mitstreiter verärgert.

      • Er hat sich durchgesetzt, weil er noch stärker als seine Konkurrenten für das „Weiter So“ der Merkelära steht. Kunststück.

      • Herr Söder war am Ende viel stärker auf Merkel-Kurs, zumindest verbal, während Frau Merkel doch inzwischen den Grünen folgt, also ihr Kurs dem von Frau Baerbock sehr ähnelt. Am ehesten ändert sich etwas mit Herrn Laschet. Ich erwarte da auch nicht besonders viel, aber doch kleine Verbesserungen statt gleich das nächste Billionengrab und Freiheitsentzug bis zum Lebensende.

      • Eurokanadier
        sagte am 21/04/2021 um 15:37 :“ . . .weil er noch stärker als seine Konkurrenten für das „Weiter So“ der Merkelära steht. . . “ –
        Das wissen wir eben nicht, da beide Kandidaten sich mit politischer Positionierung zurückgehalten haben. Wer Laschets Auftritt vor der Presse verfolgt hat, wird zunächst mal davon ausgehen, dass er als Teamplayer sein Kabinett nicht nach Willfährigkeits-Gesichtspunkten sondern sachorientiert zusammensetzen will. Sie sollten Ihre Vermutungen belegen, weil es bisher nach Frust-Ablassen klingt und keinen Erkenntnisgewinn bringt..

      • Aber doch nur in der Coronapolitik, wo taktische Erwägungen das Handeln der Diadochen prägt. In der schicksalsentscheidenden EU- und Migrationpolitik war Laschet immer der Sachwalter von Merkels Politik gewesen.

      • Ich gehe davon aus, dass Laschet Merz als Superminister präsentieren wird. Schäuble und Merz haben Laschet den Arsch gerettet, er wird sich erkenntlich zeigen. Ohnehin ist seine einzige Chance auf einen Sieg, wenn es ihm gelingt, einen Lagerwahlkampf zu inszenieren. Ohne Merz ist das ausgeschlossen. Neben Merz wird er wohl AKK und Spahn mitziehen. Spahn, weil er am Ende wegen eigenen Misserfolgen loyal geblieben ist. AKK, weil sie die einzige prominente Frau ist, die loyal zu ihm gestanden ist.

      • Auf jeden Fall wird Herr Laschet mehr eigenständige Persönlickeiten in seinem Kabinett zulassen als Frau Merkel oder Herr Söder. Seine größte Unterstützung kam auch von dem Teil der CDU-Führung, der nicht (mehr) völlig merkelhörig ist.

      • Die Machtverhältnisse waren interessant anzusehen und nicht immer klar nachzuvollziehen. Dass sich Merz und Schäuble aber klar für Laschet ausgesprochen haben, spricht dafür, dass sie bei Söder einen autoritären Medienkurs befürchtet hätten, der sie selbst restlos überflüssig gemacht hätte. Günther dürfte sich selbst jung genug wähnen, um nach Laschet eine wichtige Rolle zu übernehmen. Große Teile der Merkelgarde dürfte abgesägt sein. Den Fehler wird Laschet nicht begehen, dass er keinen neuen Geist in die Politik bringt.

        Insofern ist es nur schwer verständlich, dass größere Teile der konservativen Basis Söder bevorzugten. Söder wäre der endgültige Bestatter der Union. Laschet ist sicherlich kein Lichtblick. Aber er ist kein Hetzer und eher für Meinungsfreiheit zu haben. Insofern das geringere Übel und mit der kleinen Restchance versehen, dass sich in einer erneurten Union zumindest etwas Dynamik zum Positiven hin entwickelt.

        Möge er die Wahl gewinnen, was keineswegs sicher ist, sonst drohen mit Annalena viele dunkle Jahrzehnte.

      • Mir ist wirklich nicht klar, was inbesondere Konservative an Herrn Söder finden. Haben sie das ganze letzte Jahr nicht mitbekommen? Aber auch schon vorher war doch seine Art weder anständig noch verlässlich. Nun ist er ohnehin nicht der Kandidat geworden.

        Frau Baerbock ist doch für Liberale und Konservative in jedem Fall schlechter als Herr Laschet (als grüne Kanzlerin; um die Personen als solche geht es hier gar nicht). Falls sie gewinnt, gehen die Lichter allerdings schnell aus, was dann hoffentlich eine politische Gegenbewegung erzeugt.

      • Söder ist ein autoritärer, charakterlich ungeeigneter, boshafter Mensch. Er wäre diesem Land nicht gut bekommen und dank seiner prinzipienlosen Wandlungsfähigkeit vermutlich lange auf seinem Posten gewesen.

        Laschets Positionen sind nicht immer meine, er muss auch an Kontur und Kanten gewinnen. Insb. in der Migrationspolitik sollte man von ihm nicht zu viel erwarten. Aber er ist kein Hetzer und lässt Widerspruch zu. Alleine das ist eine Charaktereigenschaft, die aktuell so unendlich wertvoll ist, dass er automatisch zur „besten“ Alternative wird. Wirtschaftspolitisch ist er vermutlich aktuell ebenfalls zu bevorzugen. Sie scheint ihm zumindest am Herzen zu liegen. Dass sich vermehrt Unternehmer für ihn ausgesprochen haben, scheint dies zu bestätigen. Wenn Merz eine führende Rolle und dadurch Einfluss bekäme, ohne aber als Frontmann stümperhaft in mediale Fallen zu tappen, dann könnte es für eine Schulnote 4 reichen. Mehr sollte man aktuell nicht erhoffen oder gar erwarten.

        Die Wahl wird bei den Nichtwählern gewonnen/verloren. Der grüne Block ist eine Minderheit, aber er ist gut organisiert, gesellschaftlich prägend und wahlaffin. Der Mitte-Rechts-Block hätte aber spielend eine Mehrheit, wenn er die unzufriedenen, desinteressierten Menschen an die Wahlurne bringt. Die AfD hatte das begriffen, ist aber zur Selbstzerfleischung übergegangen. Merz hat zumindest verbal bekundet, dass er dort die Stimmen zum Sieg verortet. Die Wahlen im Südwesten mit einer dramatisch gesunkenen Wahlbeteiligung insb. in den dem Grünen-Milieu weit entfernten Bezirken bestätigen das. Jetzt müssen aber unbedingt auch tatsächlich zielgerichtete Handlungen kommen.

    • Eurokanadier
      sagte am 21/04/2021 um 17:49 :“ . . .In der schicksalsentscheidenden EU- und Migrationpolitik war Laschet immer der Sachwalter von Merkels Politik gewesen. .“ Der Werdegang von Laschet (nach Wikipedia) weist eher auf ein differenzierendes, diskussionsoffenes Verhalten hin. Kritik kam deshalb immer schon aus ganz verschiedenen Richtungen. Sobald er selbst Richtungsentscheidungen fällen kann und diese mit den Ministern aus der Union abstimmt, wird das Bild klarer.

    • Laschet ist mir noch nicht als geistig eigenständiger Poltiker aufgefallen, sondern als besonders ergebener Nacherzähler der grünen Politik Merkels. Söder betreibt Politik genauso wetterwendisch wie sein geschasster Chef Drehhofer, nur prolliger. Sogar Merkel hatte als Kanzlerkandidatin mehr inhaltliche Kante als diese beiden Politikerdarsteller, was sie danach im Amt aber auch nicht gehindert hat, das Antragsbuch der SPD und der Grünen endlos durch den Kopierer zu schieben. Ich sehe da wirklich keine nennenswerten Unterschiede, erwarte von beiden nichts und stelle mich auf das Schlimmste ein.

      Es gilt nach wie vor Satz 1 der deutschen Innenpolitik: Der Deutsche lernt nur noch durch den blanken Schmerz – wenn überhaupt.

  4. Seit das Laschet zum Kanzlerkandidaten erkoren wurde, haben die Grünen ein plus von 7% gemacht. Sie sind jetzt bei 28% und damit die stärkste Partei in unserer Republik. OK, noch zu wenig für eine absolute Mehrheit, es sind ja noch ein paar Monate bis zur nächsten Bundestagswahl, SPD nähert sich der FDP, was ist los in unserer Republik?

    • Frau Merkel führt immer noch die Beliebtheits-Skala der Politiker an- soll sie Ihrer Meinung nach also noch mal 4 Jahre anhängen ? Die Messung von Frust-Reaktionen ist sinnbefreit.

    • Die Umfragen von Forsa sind besonders eigenwillig. Die jüngste Umfrage von heute (von Allensbach, wenngleich mit älteren Daten, doch INSA ebenso mit Daten von gestern wie Forsa) sieht wie die bisherigern Umfragen (siehe „Sonntagsfrage Bundestagswahl“) die Union weiter deutlich auf dem ersten Platz. Die Grünen wurden doch schon früher so hochgejubelt, ohne das dann in entsprechende Wahlerfolge umsetzen zu können. Die SPD ist hingegen eine sterbende Partei, da sie sich selbst nur noch als schlechte Kopie von Grünen und Linke versteht statt als selbstbewusste Arbeit(nehm)erpartei.

  5. Als Gegenkandidat/innen gegen Annalena hätte man tatsächlich nur einen intergalaktisch transintersexuell pervertitten Alien/innen aufstellen können. Dem wäre vermutlich Söder sehr nahe gekommen, aber die CDU/CSU/innen haben die einzige Chance vertan.

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