Schutzmaßnahmen sollten sich auf Innenräume und Erwachsene konzentrieren

Es gibt nicht nur ‚Ökonomische und virologische Erkenntnisse‘, die an Fakten und Argumenten interessierte Politiker und Bürger berücksichtigen sollten, sondern auch solche von weiteren Wissenschaftlern. So stellt ein ‚Offener Brief‘ von führenden Aerosolforschern unter Verweis auf ein „Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung zum Verständnis der Rolle von Aerosolpartikeln beim SARS-CoV-2 Infektionsgeschehen“ fest:

Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt. Stattdessen werden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen.
Dabei ist deren zentraler Baustein mittlerweile Konsens in der Wissenschaft: Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu ‚Clusterinfektionen‘, wie das in Innenräumen zu beobachten ist. […]
Viele Bürgerinnen und Bürger haben deshalb falsche Vorstellungen über das mit dem Virus verbundene Ansteckungspotential. „Draußen ist es gefährlich“, so deren Eindruck nicht zuletzt aus der Berichterstattung über die von der Politik getroffenen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung. Es werden Treffen in Parks verboten, Rhein- und Mainufer gesperrt, Innenstädte und Ausflugsziele für den Publikumsverkehr abgeriegelt. Auch die aktuell diskutierten Ausgangssperren müssen in diese Aufzählung irreführender Kommunikation aufgenommen werden. […]
Wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Menschen sensibilisieren, dass DRINNEN die Gefahr lauert. In den Wohnungen, in den Büros, in den Klassenräumen, in Wohnanlagen und in Betreuungseinrichtungen müssen Maßnahmen ergriffen werden. Die andauernden Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder das Radfahren haben sich längst als kontraproduktiv erwiesen. Wenn unseren Bürgerinnen und Bürgern alle Formen zwischenmenschlicher Kontakte als gefährlich vermittelt werden, verstärken wir paradoxerweise die überall erkennbare Pandemiemüdigkeit. Nichts stumpft uns Menschen bekanntlich mehr ab als ein permanenter Alarmzustand.
Wir müssen uns deshalb um die Orte kümmern, wo die mit Abstand allermeisten Infektionen passieren – und nicht unsere begrenzten Ressourcen auf die wenigen Promille der Ansteckungen im Freien verschwenden. Dabei lassen sich durch die kluge Koordinierung von Maßnahmen die Übertragungen effektiv reduzieren. […]
Infektionen finden in Innenräumen statt, deshalb sollten sich möglichst wenige Menschen außerhalb ihres Haushaltes dort treffen. Zusätzlich muss man beachten, dass in Innenräumen auch dann eine Ansteckung stattfindet, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat! […]
Das Tragen von effektiven Masken ist in Innenräumen nötig. In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, ist nicht das, was wir als Experten unter Infektionsvermeidung verstehen. Dabei ist zu beachten, dass der Dichtsitz der Maske für ihre Effektivität mindestens genauso wichtig ist, wie die Abscheideeffizienz des Materials. […]
Wer sich zum Kaffee in der Fußgängerzone trifft, muss niemanden in sein Wohnzimmer einladen. Dort ist die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln zu erwarten, zu Hause dagegen nicht.

Das erscheint vernünftiger als die Pläne zu einer Verschärfung des Lockdowns, die gerade nicht an den Verbreitungswegen des Virus ansetzen. Dasselbe gilt für einen anderen offenen Brief von Medizinern und der Initiative Familien mit dem Titel „Schulen und KiTas unter Hygieneschutz im Regelbetrieb öffnen“:

Die Gesamtsituation des alltäglichen Lebens für Kinder und Jugendliche in der Pandemie – insbesondere bezüglich Bildungschancen und sozialen Lebens – ist weiterhin besorgniserregend. Die aktuelle Entwicklung der erneuten Schließung von KiTas, beispielsweise in Berlin, und von Schulen, etwa in Nordrhein-Westfalen, sehen wir mehr als kritisch und zweifeln die Notwendigkeit und Wirksamkeit der Maßnahme an. Wir wenden uns ausdrücklich gegen jede Art von automatischen Einschränkungen des Regelbetriebs in Schulen und KiTas in Abhängigkeit von Melde-Inzidenzen im Infektionsschutzgesetz. […]
Wenn es Ausbrüche in Schulen oder KiTas gibt, sind sie in aller Regel klein. Das Personal in Schulen und KiTas hat gegenüber anderen Berufsgruppen kein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Hingegen ist die Wahrscheinlichkeit bei Lehrer[n] sehr viel höher als bei Kindern, dass sie Ausgangspunkt von Ansteckungen in Schulen sind.
Kinder sind von einem schweren Verlauf von COVID-19 als Krankheit kaum betroffen (…). Daran ändert auch das Auftreten neuer Virusvarianten nichts. Es gibt praktikable Hygienemaßnahmen, die Ansteckungsrisiken in Schulen und KiTas noch weiter verringern. Die Aussetzung der Präsenzpflicht bei hohen Ansteckungsraten erlaubt es Eltern mit Ängsten oder in besonderen Risikosituationen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Dafür gilt es, ihnen die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Alle anderen Kinder und Jugendlichen müssen nach wochenlangem Verzicht auf Lernen, Begegnungen mit Gleichaltrigen, Sport und anderen gemeinsamen Aktivitäten endlich in den Normalbetrieb an KiTas und Schulen zurückkehren dürfen.
Die WHO, UNICEF, das ECDC und zahlreiche weitere internationale und nationale Institutionen fordern seit Monaten, Schulen und KiTas nur im äußersten Notfall zu schließen. Dem muss auch Deutschland endlich gerecht werden.

8 Gedanken zu „Schutzmaßnahmen sollten sich auf Innenräume und Erwachsene konzentrieren

  1. Ich teile die Einschätzung über Innenräume. Alle Ansteckungen, die ich aus zuverlässiger erster und zweiter Hand kenne, einschließlich meiner eigenen, haben sich in geschlossenen Räumen zugetragen.

  2. Verschiedene Zwangsmaßnahmen seit ca. einem Jahr, Erfolg nicht in Sicht.

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass Corona von One-World-Ideologen gewünscht ist, um uns umzuerziehen und den „neuen Menschen“ zu schaffen. Sind die 68er am Ziel angekommen…??? 🤮🥵

  3. Ausgangssperren sind der Witz schlechthin. Wären sie allerhöchstens in Ballungsgebieten und punktuell eventuell sinnig, wären sie für alle anderen Menschen (~90%) ohne Sinn.
    Während nun die Politiker davon reden, zu Hause zu bleiben, spricht die Wissenschaft davon, an die frische Luft zu gehen. Bin dann mal weg zum impfen.

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