Demokraten gewinnen das Repräsentantenhaus, aber nicht im Senat

Bei den gestrigen Wahlen in den USA haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewonnen, im Senat konnten jedoch die Republikaner ihre knappe Mehrheit ausbauen (siehe „America’s 2018 mid-term elections results“). Beides war so vorhergesagt worden, da die Partei des jeweiligen Präsidenten typischerweise bei den Zwischenwahlen eine doppelte Mehrheit nicht verteidigen kann, doch im Senat viel mehr Demokraten als Republikaner ihre Sitze verteidigen mussten. Bei den Stimmen insgesamt liegen die Demokraten 7 bis 8 Prozentpunkte vorn, aber das amerikanische Wahlsystem begünstigt Wähler auf dem Land bzw. in weniger dicht besiedelten Staaten und damit die Republikaner, insbesondere bei der Wahl von Senatoren, von denen jeder Staat unabhängig von der Zahl der Einwohner und Wähler zwei hat. Auch bei der nächsten Präsidentenwahl in zwei Jahren hat Donald Trump durchaus Chancen auf eine Wiederwahl, während bei den Demokraten bereits der Wettbewerb um die Gegenkandidatur begonnen hat. Wenn die Demokraten wirklich gewinnen wollen, sollten sie einen moderaten Kandidaten nominieren, der auch in umkämpften Staaten Chancen hat und nicht nur an den ohnehin demokratischen Küsten.

Die demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus bedeutet, dass Präsident Trump nicht mehr so leicht durchregieren kann, obwohl er bereits im letzten Kongress mit republikanischer Mehrheit in beiden Häusern nicht alles durchsetzen konnte. Idealerweise gibt es deshalb sinnvolle Kompromisse, doch wahrscheinlicher ist Stillstand mit viel Geschrei in einem politisch gespaltenen Land. Eine Amtsenthebung wird es nicht geben, obgleich die Demokraten nun einige unangenehme Untersuchungsausschüsse einsetzen können. Donald „Trump drängt Justizminister Sessions aus dem Amt“, um zumindest an dieser Stelle seine Risiken zu verkleinern.

5 Gedanken zu „Demokraten gewinnen das Repräsentantenhaus, aber nicht im Senat

  1. Im Repräsentantenhaus war der Popular Vote 51,0 vs. 47,2. Lediglich hier wurde bundesweit gewählt. Ich sehe hier keinen Erdrutschsieg der Demokraten, lediglich eine leichte Linksverschiebung, die allerdings schwächer ausfiel als in vergangenen Jahren.

    • Ich muss mich korrigieren. Es waren 51,0 vs. 47,2 Mio. Damit ist die Linksverschiebung größer, aber weiterhin kein Erdrutschsieg.

      • Ja, es war kein Erdrutschsieg, sondern es bewegt sich auf dem Niveau früherer Zwischenwahlen. Von daher hat Donald Trump durchaus Chancen auf eine zweite Amtszeit.

  2. …aber das amerikanische Wahlsystem begünstigt Wähler auf dem Land…
    Wunderbar! Dort wohnen noch Familien und traditionsbewusste Menschen!
    In den Großstädten leben dagegen, ähnlich wie in Deutschland, die Alleinerziehenden, die Patchwork-Familien, die Schwulen- und Lesben und die Unterschicht. Nur die CDU wollte ja unbedingt „moderne Großstadtpartei“ werden…

    …doch wahrscheinlicher ist Stillstand…
    Weniger Stillstand als in Deutschland! In den USA haben die Parteien nicht die Bedeutung, wie in Deutschland. Es gab noch nie einen US-Präsidenten, der Vorsitzender seiner Partei war!!! Kompromisse über Parteigrenzen hinweg sind einfacher möglich und „Abweichler“ in den eigenen Reihen Normalität, denn Amerikaner sind Pragmatiker!

    Donald Trump wird auch die nächsten US-Präsidentschaftswahlen gewinnen, da bin ich mir ganz sicher, auch wenn das dem linken Lager weltweit gewaltig gegen den Strich geht. Mit „America frist“ stellt er sich erfolgreich gegen die Nachteile der Globalisierung, während in Europa Macron, Merkel & Co. die Interessen ihrer Staaten auf dem Altar von Heuschecken wie George Soros und Goldman Sucks opfern.

    Wir brauchen in Deutschland und Europa aber eine Politik, die den Mittelstand begünstigt und den Global Playern Daumenschrauben verpasst!!!

    • Es wäre demokratischer, wenn jede Stimme gleich zählen würde. In der EU bemängeln wir eklatante Verletzungen dieses Grundsatzes (oder auch in Hessen, wo viele Stimmen gar nicht gezählt oder einfach geschätzt wurden), da sollten wir sie nicht in den USA loben. Dort gab es übrigens früher mehr parteiübergreifende Zusammenarbeit. Das Land ist zumindest politisch zunehmend gespalten und Donald Trump trägt aktiv dazu bei.

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