Heiner Geißler ist gestorben

Heute ist mit 87 Jahren „Heiner Geißler gestorben: Ein streitbarer Gefolgsmann“. Helmut Kohl machte ihn 1977 zum CDU-Generalsekretär, 1982 bis 1985 auch zum Bundesminister für Familie, Jugend und Gesundheit. Als Generalsekretär teilte er stark gegen SPD und Grüne aus, um später selbst linke Positionen zu vertreten und sogar Attac beizutreten. 1989 plante er mit anderen einen Putsch gegen seinen Förderer Helmut Kohl und verlor. Später war er noch als Schlichter bei Tarifkonflikten und beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 tätig. Er war immer ein Kämpfer (siehe auch „Heiner Geißler ist gestorben – ein Kämpfer vor dem Herrn“), wenngleich zunehmend für zweifelhafte Positionen. Solche eigenständigen Köpfe fehlen inzwischen in der Politik und vor allem der CDU, wo Frau Merkel sie im Gegensatz zu Herrn Kohl gar nicht mehr in verantwortungsvollen Positionen duldet.

Fabians erster Bambinilauf

Unser Sohn Fabian ist gestern beim „33. PSD Bank Citylauf Dortmund“ seinen ersten Bambinilauf bzw. (lockeren) Wettkampf gelaufen. Dieser erfolgte zwar ohne offizielle Zeitmessung, aber er hat (wie alle teilnehmenden Kinder) eine Medaille und ein Eis gewonnen. Vor allem ist er die zwei Runden auf dem Friedensplatz bzw. eine Strecke von rund 400 Metern ohne Gehen oder Stehen durchgelaufen. Nach meiner Messung benötigte er dafür 3:29 (3 Minuten und 29 Sekunden). Er wurde auch nicht vom Schnellsten, vermutlich einem Siebenjährigen, überrundet, der in 1:45 gerade nach Fabians erster Runde ins Ziel kam, was übrigens ein ziemlich konstantes Lauftempo bedeutet. Ich bin stolz auf unseren Dreieinhalbjährigen.

Dagegen fällt kaum ins Gewicht, dass ich diesmal für die 5 km auf geänderter Strecke (eine kurze und zwei längere Runden statt vier gleiche) 22:51 brauchte (brutto 22:56), was für den 33. Platz (von 121) bei den Männern, den 6. Platz (von 17) in meiner Altersklasse und den 36. Platz insgesamt (von 212) reichte (siehe die Ergebnisliste). Letztes Jahr waren wir verreist und vor zwei Jahren schaffte ich die ‚5 km Citylauf Dortmund in 21:37‘. 2014 war ich jedoch beim ’30. Dortmunder Citylauf in 23:27′ noch langsamer als dieses Jahr. 2013 reichten 21:49 für den ‚Erste[n] Platz beim Dortmunder Citylauf“ in der Mannschaftswertung. Diesmal war der Chef meiner Frau wieder etwas schneller als ich (22:44), doch mangels drittem Mitläufer kamen wir gar nicht in die Teamwertung.

Meine Frau wurde in 26:07 übrigens 15. der Frauen und 1. in ihrer Altersklasse. Meinen Glückwunsch! Sie lief außerdem mit Fabian seine zwei Runden. Sophia schaute immer nur zu bzw. wartete am Apotheken-Stand, wo sie natürlich auch ein Eis bekam. Fürs Laufen mit dem Baby-Jogger wäre die Strecke nicht geeignet gewesen.

Entwicklung steigert Migration aus armen Ländern

Zufällig habe ich heute einen wissenschaftlichen Beleg („Does Development Reduce Migration?“) für meine hier schon häufiger zumindest in den Kommentaren vertretene These gefunden, dass die Bekämpfung absoluter Armut gar nicht gegen Massenmigration hilft, wie unsere Politiker mit der Bundeskanzlerin an der Spitze behaupten. Das Hauptergebnis lautet:

The most basic economic theory suggests that rising incomes in developing countries will deter emigration from those countries, an idea that captivates policymakers in international aid and trade diplomacy.

A lengthy research literature and recent data suggest something quite different: that over the course of a “mobility transition”, emigration generally rises with economic development—at least until countries reach upper-middle income level, like Algeria or El Salvador. Only thereafter, as countries become even richer, do emigration rates typically fall.

Die Emigration ist seit Jahrzehnten am größten bei einem Bruttosozialprodukt von ca. 5.000 bis 7.000 US-Dollar (real nach Kaufkraftparitäten in US-Preisen von 2005) pro Kopf (siehe auch „Think Development in Poor Countries Will Reduce Migration? The Numbers Say Otherwise“). Darüber führt steigender Wohlstand zu weniger Auswanderern, darunter jedoch zu mehr, weil sich die Ärmsten der Armen internationale oder gar transkontinentale Migration kaum vorstellen oder gar leisten können.

Daraus folgt natürlich nicht, dass die Menschen insbesondere in Afrika nicht der Armut entkommen sollten (wobei klassische Entwicklungshilfe ihnen jedoch kaum hilft oder sogar schadet). Doch ein Mittel gegen Migration ist das erst einmal nicht, sondern im Gegenteil ein Verstärker derselben. Ähnliches könnte für „humanitäre Kampfeinsätze“ gelten, die Fluchtursachen beseitigen sollen, in der Realität aber häufig zu mehr Flüchtlingen führen.

Einreichungen zur VHB-Pfingsttagung 2018 und Sonderheft

Als Vorsitzender der ‚Programmkommission der VHB-Pfingsttagung 2018‘ in Magdeburg teile ich mit, dass es seit heute bis zum 30. November möglich ist, hier Beiträge zur VHB-Pfingsttagung 2018 in Magdeburg einzureichen (siehe auch den Call for Papers). Ein besonderer Anreiz für englischsprachige Beiträge zum Generalthema „(Ir)Rationality of Decisions in Business Research and Practice“ ist ein Sonderheft der Zeitschrift Business Research (BuR) mit eigenem Call for Papers. Quasi kraft Amtes bin ich Mitherausgeber des Heftes und freue mich auch über Einreichungen dafür. Schließlich können Sie für die Tagung werben und diese bei Facebook liken.

EuGH billig Zwangsverteilung von Flüchtlingen

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat gestern wieder ein krasses Fehlurteil gefällt. „Ungarn nennt Urteil ‚empörend und verantwortungslos'“. Die ungarische Regierung will sich auch nicht an das Urteil halten, was ganz grundsätzliche Fragen aufwirft. Als EU-Mitglied hat sich Ungarn der Rechtsprechung des EuGH unterworfen. Gilt das aber auch für eklatante Fehlurteile, gegen die es keine Berufungsinstanz gibt? Was passiert, wenn sich die ungarische Regierung einfach weigert, dem Urteil zu folgen? Ein Austritt aus der EU wäre wohl die klarste Lösung und eine Neuverhandlung der EU-Verträge die beste.

Das gestrige Urteil (welches bislang nicht auf Deutsch vorliegt) schmetterte eine Klage von Ungarn und der Slowakei gegen Verteilungsquoten von Flüchtlingen ab, die gegen ihren Willen mehrheitlich beschlossen worden waren (siehe ‚EU-Kommission will selektiv Länder mangels Flüchtlingsaufnahme bestrafen‘). Die Grundlage für diesen Beschluss, Artikel 78 Abs. 3 AEUV, ist äußerst dünn:

Befinden sich ein oder mehrere Mitgliedstaaten aufgrund eines plötzlichen Zustroms von Drittstaatsangehörigen in einer Notlage, so kann der Rat auf Vorschlag der Kommission vorläufige Maßnahmen zugunsten der betreffenden Mitgliedstaaten erlassen. Er beschließt nach Anhörung des Europäischen Parlaments.

Ist die Flüchtlingskrise plötzlich aufgetreten? Befanden sich deshalb Griechenland und vor allem Italien wirklich in einer Notlage? Ist die dauerhafte Aufnahme von Flüchtlingen eine vorläufige Maßnahme? Ist die zwangsweise Zuweisung von Ausländern in souveräne Staaten überhaupt eine von dieser Regelung gedeckte Maßnahme?

Ich denke, dass Rat und Kommission hier ihre Kompetenzen überschritten haben, was der EuGH einfach absegnet, weil er eigentlich immer für Kompetenzausdehnung der EU und Beschränkungen der nationalen Souveränität eintritt. Es ist gut, wenn sich Ungarn dagegen wehrt. Dabei geht es Kommission und EuGH ohnehin nur um die öffentliche Unterwerfung. Wer die Aufnahme von Flüchtlingen verbal akzeptiert und dann praktisch unterläuft, wird nicht bestraft. Ebenso könnte Ungarn Flüchtlinge kurzzeitig aufnehmen und dann einfach nach Deutschland weiterreisen lassen.