Trump vermasselt den Republikanern erneut die Wahlen

„Democrats net one Senate seat while GOP makes small House gains“ bei den Zwischenwahlen in den USA. Es sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt (und es wird zu einer Stichwahl um einen Senatssitz in Georgia kommen), doch es ist zu erwarten, dass die Republikaner das Repräsentantenhaus knapp gewinnen werden, während im Senat die Demokraten ihre hauchdünne Mehrheit (durch die Stimme der Vizepräsidentin) wahrscheinlich verteidigen oder vielleicht sogar noch leicht ausbauen können. Das ist für Joe Biden und seine Demokraten ein Erfolg. Unter Bill Clinton und Barack Obama haben die Demokraten bei deren ersten Zwischenwahlen viel mehr verloren, obwohl es unter ihnen keine so hohe, von der Regierung befeuerte Inflation gab und beide beliebter waren als Joe Biden jetzt.

Die Erklärung für das relativ gute Abschneiden der Demokraten ist, dass Donald Trump den Republikaner erheblich schadet, obwohl er selbst diesmal gar nicht zur Wahl stand. 2018 verloren die Republikaner unter ihm die Mehrheit im Repräsentantenhaus, 2020 auch im Senat und vor allem er selbst das Weiße Haus, weshalb er seine Anhänger das Kapitol stürmen ließ. Bei den aktuellen Vorwahlen hat Donald Trump extreme Kandidaten begünstigt, die dann bei den allgemeinen Wahlen schlechtere Chancen hatten. Das gilt auch für die Wahlen in den Bundesstaaten, wo seine Fans teilweise ankündigten, bei zukünftigen Wahlen den Wählerwillen nur anerkennen zu wollen, wenn Donald Trump gewinnt.

Die Republikaner sollten ihn endlich im Interesse nicht nur des ganzen Landes und der Demokratie, sondern auch ihrer eigenen Partei und Wahlchancen fallen lassen. Ron DeSantis, der gerade deutlich als Gouverneur Floridas wiedergewählt wurde, steht für ähnliche Inhalte, ist aber nicht so unseriös und demokratiefeindlich wie der 2020 abgewählte Ex-Präsident, der ihm deshalb völlig unseriös und demokratiefeindlich droht (siehe „Trump warnt DeSantis vor Kandidatur“). Floridas Gouverneur hätte bessere Chancen gegen Joe Biden, was die Demokraten dazu bewegen könnte, ihrerseits einen stärkeren Kandidaten aufzustellen. So soll demokratischer Wettbewerb funktionieren und die gestrige Wahl war ein Schritt in diese Richtung.

19 Gedanken zu „Trump vermasselt den Republikanern erneut die Wahlen

  1. Im TE Wecker von heute ein hörenswertes Porträt über Ron DeSantis: Nicht nur sehr beliebt mit klarer Kante gegen linken, woken und Corona Irrsinn, sondern auch sehr gebildet mit zwei Hochschulabschlüssen in Geschichte und Jura. Dazu früher Karriere im Militär und Erfolge im Sport.
    Wünschen wir dem noch recht jungen Mann (44) viel Erfolg!

  2. Andreas Walter: Fast 100 Prozent aller Us-Juristen haben 2 Abschlüsse, da man dort erst nach einem akademischem Abschluß in anderen Fächern zum Jura-Studium zugelassen wird. UND: Auch De Santis bleibt stark in den sozialistischen Us-Unsinn verwickelt…

  3. Daß Trump schuld ist, ist das Narrativ der deutschen Medien, die aber schon lange nicht mehr objektiv über Amerika berichten. Empirische Beweise für ihre These bleiben sie schuldig.

    Gleichwohl hat Trump 2020 seine Chance gehabt. Er hat sie durch sein schlechtes Handling von Corona vermasselt. Dabei ist der senile Biden, dessen Siechtum an den späten Breschnew erinnert, kein ernstzunehmender Gegner. Er wird einzig durch die Dauerunterstützung der blauen Massenmedien noch im Spiel gehalten. DeSantis sollte es aus republikanischer Sicht versuchen.

    • Das ist doch kein rein deutsches Narativ und die Wahlergebnisse sind die empirische Evidenz dafür (hart Beweise gibt es in solchen Fragen nicht, aber doch deutliche Hinweise), sowohl im Vergleich über die Zeit (die Zugewinne der Republikaner bei Zwischenwahlen mit beliebteren Präsidenten der Demokraten waren vor Donald Trump deutlich größer) als auch zwischen Wahlkreisen (die Trumpisten haben meist schlechter abgeschnitten als seriösere Republikaner). Es gibt auch eine einfache theoretische Erklärung dafür: Der Medianwähler entscheidet solche Wahlen, bei den Vorwahlen leider oft zu Gunsten der Trump-Getreuen, bei den allgemeinen Wahlen dann dagegen.

      • „die Zugewinne der Republikaner bei Zwischenwahlen mit beliebteren Präsidenten der Demokraten waren vor Donald Trump deutlich größer“

        Ja, aber wo sind die empirischen Belege dafür, daß das relativ schwache Abschneiden der Republikaner etwas mit Trump zu tun hätte? Er stand nirgendwo zur Wahl.

        „die Trumpisten haben meist schlechter abgeschnitten als seriösere Republikaner“

        Es ist keineswegs klar, welcher Kandidat in welches Lager gehört. Sehr häufig sind das Fremdzuschreibungen. Und selbst, wenn sich derartige Zuschreibungen mit hinreichender Klarheit vornehmen liessen, liegen meines Wissens keine Statistiken vor, die diese Aussage belegen würden.

        Die Medien führen hier eigentlich nur anecdotal evidence ins Feld, um ihrem eigenen conformation bias zu genügen. Haters gonna hate, journalists gonna hate, so ist das leider mittlerweile. Die Medien sind das eigentliche Problem, nicht Trump (oder wer sonst auch immer).

      • Die Trumpisten wurden doch explizit von Donald Trump unterstützt und haben seine Lüge wiederholt, die Präsidentschaft sei ihm gestohlen worden, weshalb sie bei den nächsten Präsidentschaftswahlen das Wählervotum übergehen wollten, wenn es ihnen nicht passt. Solche Antidemokraten haben etliche sichere Sitze gewonnen, aber umkämpfte Sitze häufig verloren, siehe z. B. „Many Republican election deniers lost their statewide races“ und „Candidates who backed overturning Trump loss are rebuffed“. Das eigentliche Problem sind nicht Journalisten, die Fakten benennen, sondern Faktenleugner, seien es Anhänger der politischen Korrektheit oder Donald Trump und seine Anhänger.

      • Artikel wie der in AP, wo der Autor ständig von „Verschwörungstheorien“ etc., sind nicht seriös. Das ist das bekannte spalterische wording des Establishments. Auch dieser Artikel bietet keine wissenschaftlichen Standards genügende Untersuchung, sondern wirft nur Schlaglichter auf einige Kandidaten von hunderten, die nur Wahl standen. Man erkennt Journaktivisten häufiger daran, daß sie auf ihren Twitter-Kanälen ihren Ressentiments freien Lauf lassen. Dort lassen sie ihre Maske fallen, übrigens auch solche des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland, der auch schon lange nicht mehr neutral berichtet.

      • Sie verlangen hier die Einhaltung von Standards, die der Sache nicht angemessen sind und auch von Ihnen selbst nicht eingehalten werden. Was ist denn Ihre Erklärung dafür, dass die Republikaner so schlecht abgeschnitten haben, insbesondere die von Donald Trump gepushten und seine Wahllügen verbreitenden Kandidaten? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland berichtet tatsächlich nicht neutral, doch Ihre Anfangsbehauptung, dass es sich nur um ein Narrativ deutscher Medien handeln würde, ist nachweislich falsch. Auch viele Republikaner und bislang Trump nahestehende Medien in den USA sind ins Grübeln gekommen, nur Sie noch nicht.

      • Die großen Medien in Amerika sind erst recht gegen Trump und die deutschen Medien pinnen nur ab. Das ist ja das Problem. Ich habe zwar keine Studien, die das Gegenteil belegen. Aber darum geht es mir auch gar nicht. Ich wollte nur meine Beobachtung teilen, daß journalistische Wahlanalysen nicht sehr viel anders sind als die von Parteipolitikern. Es wird alles in die gewünschte Strichrichtung interpretiert, vor allem über die selektive Auswahl der Beispiele. Es geht Journalisten wie Politikern immer darum, sofort die Deutungshoheit zu erlangen. Wenn dann irgendwann später die eigentlichen, empirischen Wahlanalysen erstellt sind, die ein wesentlich differenzierteres Bild vermitteln, interessiert sich in unserer Aufmerksamkeitsökonomie kaum einer mehr dafür. Auch nicht die Politiker der betroffenen Parteien. Denn jeder will bloß das Wasser auf seine eigenen Mühlen lenken.

      • Warum wollen Sie dann das Wasser auf die Mühlen von Donald Trump lenken, den hier ohnehin niemand wählen kann und auch (fast) niemand wählen würde?

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