Lauterbach erklärt Putin und Corona den Krieg

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach twitterte gestern: „Wir sind im Krieg mit Putin“. Dabei ist Deutschland bislang nicht im Krieg mit Russland und dessen Präsidenten, doch solche öffentlichen Äußerungen eines verantwortungslosen Regierungsmitglieds könnten dazu führen. Immerhin die Bundesverteidigungsministerin Christine „Lambrecht kontert Lauterbach: ‚Werden keine Kriegspartei'“. Dabei bleibt es hoffentlich, doch die Gegenrede einer Ministerin zu dieser gefährlichen Falschaussage eines Ministers genügt nicht. Eigentlich müsste Herr Lauterbach (nicht nur) dafür sofort aus der Regierung entlassen werden. Zumindest müsste Bundeskanzler Olaf Scholz ihm öffentlich widersprechen und von ihm eine Entschuldigung sowie Richtigstellung verlangen. Aber Herr Scholz hat das wahrscheinlich wie vieles andere vergessen und ist ohnehin nicht für Klarstellungen bekannt. Damit bleibt es dabei, dass ein Regierungsmitglied einfach behaupten kann, dass Deutschland im Krieg sei, was sogar als Kriegserklärung interpretiert werden könnte, womit auch der Schutz durch die NATO hinfällig würde.

Der Bundesgesundheitsminister ist auch in seinem eigentlichen Zuständigkeitsbereich ein Geisterfahrer und führt einen Privatkrieg gegen die Corona-Pandemie, was kein anderer demokratischer Rechtsstaat mehr tut. Doch es wurde die ‚Unsinnige Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes wegen FDP beschlossen‘ und selbst die ‚CDU fällt um und stimmt im Bundesrat Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes zu‘, so dass ab heute FFP2-Masken in Fernzügen und Pflegeheimen getragen werden müssen, gegebenenfalls über viele Stunden oder sogar Monate gegen jeden medizinischen Rat. Der Bundesjustizminister hat das alles mitgemacht, verkündet aber wie letztes Jahr: „‚Corona gehört dann zum allgemeinen Lebensrisiko‘ – Buschmann erwägt Ende der Maßnahmen“ im nächsten Frühjahr. Dabei hatte er deren Ende schon für dieses Frühjahr versprochen und dann sein Versprechen gebrochen (siehe ‚Bundesregierung will Corona-Zwangsmaßnahmen auch im Frühjahr bzw. dauerhaft‘).

21 Gedanken zu „Lauterbach erklärt Putin und Corona den Krieg

  1. Ist es das wert, dass Sie sich Gedanken zu Herrn Lauterbach machen? Heute zum Tag der deutschen Einheit schreibt nicht eine große Tageszeitung in Ihren online Beiträgen zu diesem historischen Anlass ! Wie ist denn das zu erklären?

    • Herr Lauterbach ist Mitglied der Bundesregierung und behauptet einfach so, Deutschland sei im Krieg. Das ist völlig inakzeptabel und sehr gefährlich. Zum Glück nehmen ihn auch die Russen nicht ernst, so dass sich seine faktische Wirkung darauf beschränkt, Kinder, Bahnreisende und Pflegebedürftige in Deutschland zu quälen.

      Meine Blogbeiträge sind zeitversetzt. Ich schreibe in der Regel erst zum Ende eines Tages über diesen, also heute erst später am Tag der deutschen Einheit. Da es allerdings ein künstlicher Feiertag ist und 32 Jahre kein runder Gedenktag, werde vielleicht auch ich ein anderes Thema für wichtiger halten. Beunruhigend finde ich die Umfrageergebnisse, wonach insbesondere in den neuen Bundesländern große Zweifel an der deutschen Einheit bestehen. Das liegt aber wohl vor allem an der aktuellen Politik, die mehr spaltet als zusammenführt.

      • Das liegt schon auch an den Ostdeutschen selber, denen 40 Jahre Diktatur in den Knochen steckt.

      • Vor der DDR hat es eine noch schlimmere Diktatur gegeben. Die Diktaturerfahrung ist ein zweischneidiges Schwert. Frühere DDR-Bürger vertrauen einer schlechten Regierung weniger, grenzen sich aber auch weniger von Extremisten ab.

      • Das heute nicht das Gefühl von Feiertag um uns herum spürbar ist, liegt sicher nicht an den „Ostdeutschen selber“. War es nicht auch ihr Protest Sieg, der Sieg der Unzufriedenen im Osten? Feiern wir Westdeutschen denn irgendetwas? Welche Gründe gäbe es zu feiern? Dass es nun wieder statt zwei heute ein Deutschland gibt? Eine gelungene Aktion? Versucht Putin nun das zu korrigieren, was vor 32 Jahren durch Michail Gorbatschow aufgegeben wurde?
        Aus meiner Sicht gibt es viele Gründe, am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober, genauer hinzusehen. Die vorgetragene ostdeutsche Politprosa ist eher banal, eher peinlich blass und nichtsagend.

        Das ist ein wichtiges Thema, aber doch nicht Herr Lauterbach.

      • Die friedliche Wiedervereinigung war insgesamt gut, auch wenn nur die DDR-Bürger wirklich an Wohlstand, Demokratie und Freiheit gewonnen haben, die im Westen der Republik seither leider eher abgebaut wurden und werden. Dazu gehört auch ein Gesundheitsminister, der sich weder für Gesundheit noch Grundrechte interessiert, dafür aber eine deutsche Kriegsbeteiligung herbeireden will.

      • Inwiefern soll es der Sieg der Ostdeutschen gewesen sein? Die Einheit wurde möglich, weil im Kreml ausnahmsweise jemand saß, der keine Panzer geschickt hat, als es Unabhängigkeitsbewegungen gab. Und weil Helmut Kohl zugesagt hat, dass die D-Mark abgeschafft werden würde. Als der DDR noch wirtschaftlich gut ging, hat kaum jemand aufbegehrt bzw. wer Gelegenheit hatte, der ist vor Errichtung der Mauer geflohen.

      • Wenn Menschen in der DDR aufbegehrt haben, wurde das gewaltsam unterdrückt, am blutigsten am 17. Juni 1953. Den wichtigsten Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung leistete deshalb tatsächlich Michail Gorbatschow, was ihm nicht hinreichend gedankt wurde. Ich fand es schändlich, wie sich kein Bundespolitiker darum bemühte, an seiner Beerdigung teilzunehmen.

    • @Helmut S.: Wir sollten uns darauf einigen, dass die Wiedervereinigung von verschiedenen Faktoren und handelnden Politikern begünstigt wurde. Nicht zu unterschätzen ist, dass die UDSSR und auch die DDR in den Achtzigern auf den wirtschaftlichen Zusammenbruch zusteuerten, der mit militärischer Präsenz nicht mehr zu kaschieren gewesen wäre. Ich habe mich über viele Jahre mit dem Thema beschäftigt, auch eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel „Die Kaderpolitik in der Volkswirtschaft der DDR“ verfasst.

      • Eine Diktatur kann auch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch überstehen (für eine Demokratie ist das deutlich schwieriger). Ohne Michail Gorbatschow oder einen vergleichbaren Staatsmann hätte es die deutsche Wiedervereinigung nicht gegeben. Stellen Sie sich vor, jemand wie Waldimir Putin hätte damals im Kreml gesessen.

      • “ . . .Ohne Michail Gorbatschow oder einen vergleichbaren Staatsmann . . .“ – ist in meine Beschreibung eingeschlossen. Ohne wirtschaftliche Zwänge hätte Gorbatschow aber parteiintern keinerlei Unterstützung für seine Reform-Ideen gehabt. Nach Stalins Tod bis zu Putin war nämlich das kollektive Führungs- Element in den KP (Politbüro, bzw dessen Sekretariat) gestärkt worden. In der DDR hatte die Wirtschaftslage zu einer Absetzung Ulbrichts geführt – initiiert durch die Parteiführung, geduldet durch die der KP der SU. Putin unterliegt diesbezüglich keinen Bindungen.

      • Wladimir Putin ist der schlimmste russische Herrscher seit Stalin, doch die wirtschaftliche Lage ist (noch) deutlich besser als zu Zeiten der Sowjetunion.

  2. Klabauterbach fällt immer wieder mit schrägen Äußerungen und seltsamen Verhalten aus? Nimmt der Drogen? Als Arzt kommt er ja ganz legal an alle Pillen dran…

    • Vielleicht hat Herr Lauterbach Long-COVID. Die plausiblere Erklärung ist, dass er kein normal-opportunistischer Poltiker ist, sondern ständig ungefiltert twittert, was ihm gerade so durch den Kopf geht.

  3. Lambrecht sagt aber auch in dem verlinkten Artikel:

    (Die Luftverteidigung sei in dem russischen Angriffskrieg) „mittlerweile ganz zentral in den Fokus gerückt. Und Deutschland wird da an der Seite der Ukraine stehen.“

    An der Seite. Also nicht „bloß“ dahinter. Also an der Front. Also Kriegspartei.

    Von was für abstrusen Figuren werden wir da eigentlich zur nuklearen Schlachtbank geführt.

    • Das ist fehlinterpretiert. Frau Lembrecht sagt doch explizit, dass Deutschland keine Kriegspartei wird. Deutschland steht bei der Unterstützung der Luftverteidigung an der Seite der Ukraine, also gerade nicht beim militärischen Kampf, sondern z. B. mit der Lieferung von Verteidigungswaffen, was Deutschland nicht zur Kriegspartei macht. Präsident Putin könnte deshalb von sich aus Deutschland den Krieg erklären, aber dann wäre er auch ein Aggressor gegen die NATO und würde sicher verlieren. Deutschland sollte nichts Falsches tun oder sagen, woran sich Herr Lauterbach als Regierungsmitglied leider nicht hält, aber auch keine Angst davor haben, das Richtige zu tun.

  4. Die Deutschen sollen froh sein den Lauterbach zu haben, der hat wenigstens Unterhaltungswert.Die meisten deutschen Politiker sind doch ultralangweilig. Wenn ich den im Fernsehen sehe, muss ich immer automatisch lachen.

    In Ö ist die Politik immer viel lustiger. Der Bundeskanzler Nehammer hat aufgetrumpft: „Wenn wir jetzt so weitermachen, gibt es für euch nur zwei Entscheidungen nachher: Alkohol oder Psychopharmaka.“ Da hat er recht.
    Am Sonntag sind Bundespräsidentschaftswahlen in Ö. Von den 7 Kandidaten sind auch einige etwas eigenartig und halblustig.

    • Das alte Preußentum prägt Deutschland immer noch; ernst sein, hart arbeiten. Die Bajuwaren sind etwas anders, waren aber dafür lange Zeit über auch weniger erfolgreich in wirtschaftlicher Hinsicht.

  5. Man sollte besser hin hören, was Lauterbach gesagt hatte. „Wir sind im Krieg mit Putin, nicht mit Russland. Ich verfolge seinen Weg seit einigen Jahren, und wenn man nicht zum obersten Zehntel der 99. Perzentile zählt, garantiere ich, dass ich im Feld der geläufigen Intelligenzdefinition nicht die Spur einer Chance gegen ihn hätte. Das nimmt nichts von seiner Nerdiness und Exzentrik, aber ist so. Da es wahrscheinlich im übertragenen Sinn gemeint ist: Ja, es gibt talentiertere political animals und weisere Menschen. Aber Mangel an intellektuellen Ressourcen oder rhetorischen Mitteln gehören nicht zu den Lauterbachschen Defiziten.

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