China dreht E-Autos den Saft ab

Strom wird nicht nur in Deutschland wegen der katastrophalen Energiepolitik knapp und teuer, sondern z. B. auch in China, wenngleich aus anderen Gründen wie Hitze und Dürre. „Wegen Strommangels: China schaltet erste Ladestationen für E-Autos ab“. Das ist auch in Deutschland möglich bzw. inzwischen sogar wahrscheinlich. Es zeigt, dass E-Mobilität weniger zuverlässig ist als Autos mit Verbrennungsmotoren. Es kommt leichter zu Fahrverboten oder auch Kostenexplosionen.

Wir sollten mehr diversifizieren, nicht weniger, und politische Fehler nicht durch noch mehr und schwerere politische Fehler lösen wollen. Chinas Wohlstand und Wirtschaftswachstum verdanken sich nicht den wieder zunehmenden Staatseingriffen in die Wirtschaft, sondern deren Lockerung nach Maos Tod. Pro Kopf ist das viel freiere Taiwan deutlich reicher.

28 Gedanken zu „China dreht E-Autos den Saft ab

  1. Sie haben so recht mit Ihrer Äußerung zur Ursache für Chinas Aufstieg und Taiwans viel größerem ! Schon vor Jahren aber erlebte ich bei einer öffentlichen Podiumsdiskussion in München, wie meist bekannte deutsche Journalisten und Professoren das Modell China als Vorbild für die BRD sahen und mehr Sozialismus und weniger Demokratie wie in China forderten. Erschreckend auch die Einstufung der BRD als kapitalistisch. Immerhin reagierte das Podium eher positiv, als ich sagte, eine nach meinen Vorstellungen kapitalistische BRD hätte eher einen Staatsanteil am Bruttosozialprodukt von 10 % als – von richtig gerechnet – klar über 50 %. Offenheit für meine Definition von Kapitalismus bedeutete aber noch lange nicht Offenheit für meine Forderung nach mehr Kapitalismus und mehr Demokratie… Und wie wäre erst die Reaktion dort gewesen (und jetzt auch hier) bei einem Hinweis auf mir besonders nahe Konfessionen als eher prägende gesellschaftliche Kraft als eine zwar nicht unbedingt notwendige Bedingung für eine freiheitlich-kapitalistische Demokratie, aber historisch so häufige Ursache und beste Basis dafür…?

  2. Es könnte allerdings genauso gut passieren, dass Benzin rationiert wird oder sich enorm verteuert, zumindest jeweils aus politischen Gründen.

    • Die enorme Verteuerung von Benzin und Diesel durch den deutschen Staat ist doch schon passiert. Zuvor wurde damit für E-Autos geworben, doch jetzt ist der Strom noch teurer und stärker gefährdet.

  3. Europa muss mittelfristig deutlich unabhängiger von Energiequellen werden, als bislang. Dazu braucht es die 3 plus 3 plus 3 plus Regel. Drei AKWs am Netz lassen, 3 AKWs wieder ans Netz nehmen, 3 AKWs neu bauen.

    • Ob das stimmt? FRAGE! Jedenfalls gibt es in der BRD kaum öffentlich bekannte liberale Argumentation. Den sozialen Sinn und Zweck von Übergewinnen sah jedenfalls ich Vielleser noch nicht in einer Zeitung dargelegt… Nur ein Beispiel.

      • Hat Ihnen denn eine Zeitung dargelegt, was ein Übergewinn überhaupt sein soll? Der Gewinn ist eine Residualgröße, die Differenz von Umsatz minus Kosten. Je nach Branche und im Zeitablauf kann er stark schwanken. Soll der Staat dann auch Überverluste ausgleichen? Faktisch tut er das, aber recht willkürlich für einige Unternehmen und andere nicht.

      • Bei Subventionen profitieren immer auch einige davon, die diese Unterstützung eigentlich gar nicht bräuchten. Wenn es Freibier gibt, fallen manche Leute besoffen herum, die sonst eigentlich gar kein Bier trinken…!

  4. Selbstverständlich Übereinstimmung! Es mag eine Möglichkeit geben, Übergewinne zu definieren, und manche Zeitung versucht es. Wichtiger ist es, die Wirkung von Übergewinnen für Verbrauch und für Angebot/ Investition zu sehen.

    • Die Übergewinnsteuer ist nur der Versuch, Scheiße zu polieren.

      Das Kernproblem ist die unsinnige Preisfindung an den Strombörsen: Der teuerste Anbieter bestimmt den Preis. (Auf so einen Schwachsinn muß man erst mal kommen. Kompliment, liebe Grüne!) Sobald bei der Preisfindung auch nur ein einziges Gaskraftwerk auf der Bieterseite im Spiel ist, kriegen alle Stromanbieter den teuren Gaspreis, auch wenn sie selber für 5 Ct produzieren. Das kann man natürlich Übergewinn nennen und diese Anbieter beschimpfen. Aber die Verbrecher sind diejenigen, die sich diese Regeln ausgedacht haben.

      • Die Strombörse ist eine Folge der Liberalisierung der Energiemärkte. Die Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie aus 1996 erfolgte in Deutschland noch1998 (Kanzler Kohl). Herr Dilger hat sehr kompetente Kollegen, die extrem viel zu diesem Thema publiziert haben. Die Strombörse den Grünen anzulasten grenzt an Satiere.

      • Als die Regeln eingeführt wurden, waren sie sinnvoll(er) und die Grünen nicht beteiligt. Jetzt sind jedoch die Grünen in Regierungsverantwortung, ganz konkret Herr Habeck, der offensichtlich die Energiemärkte nicht versteht und die inzwischen dysfunktionalen Regeln nicht anzupassen vermag, sondern nur noch verschlimmert.

      • Die Idee ist richtig, verkennt aber die Besonderheiten des Marktes. Das eigentlich knappe Gut ist gar nicht die Menge an Strom, sondern die Kapazität, ihn sicher zu jeder Zeit in der jeweils benötigten Menge bereitzustellen. Die erneuerbaren Energien tragen dazu fast nichts bei, sondern erfordern eine vollständige Reservekapazität, da auf sie kein Verlass ist. Gas ist grundsätzlich gut geeignet, um bei Windstille ohne Sonnenschein kurzfristig einzuspringen, aber wenn der Großteil aus Russland kommen sollte und selbst nicht mehr zuverlässig kommt, hat man eben die aktuellen Probleme.

      • Man könnte sich auch eine Börse vorstellen, in der Käufer das Angebot mit dem günstigsten Preis auswählt. Da das offenbar nicht der Fall ist, liegt die Vermutung nahe, daß dort entweder Verbrecher oder Idioten am Werk waren. Ob die nun deutsche oder brüsseler Grüne sind, ist eigentlich egal.

      • Nein, wenn das Angebot mit dem günstigsten Preis ausgewählt wird, bekommt man nur dieses Angebot zu dem günstigsten Preis, aber nicht mehr, so dass es zu Stromausfällen kommt. Ein Ausweg kann Preisdifferenzierung sein, da bekannt ist, dass die erneuerbaren Energien ganz niedrige Grenzkosten haben. Ihnen wird ein subventionierter Festpreis gezahlt, selbst wenn dieser über dem Marktpreis liegt. Man könnte an diesem Festpreis festhalten, auch wenn der Marktpreis aktuell bzw. zwischenhzeitlich höher liegt. Die gegenwärtigen Regeln sozialisieren Verluste und privatisieren Übergewinne, die es ohne diese Regeln in dieser Form gar nicht gäbe.

      • Die Regeln waren wirtschaftlich vernünftig, passen aber nicht mehr zur heutigen geteilten Struktur des Strommarktes. Die erneuerbaren Energien sind gerade kein Grenzangebot, welches (kurzfristig) durch einen höheren Preis beeinflusst werden könnte. Sie liefern einfach so viel, wie jeweils Wind und Sonne hergeben. Deshalb kann der Preis sogar negativ werden, wenn es zu viel ist. Er kann aber auch stark steigen, wenn es an Wind und Sonne fehlt. Entscheidend sind die Anbieter, die dann einspringen können. Diese brauchen einen entsprechenden Anreiz über den Preis, sei es für den bei Knappheit gelieferten Strom oder auch das Vorhalten entsprechender Kapazitäten.

      • „Nein, wenn das Angebot mit dem günstigsten Preis ausgewählt wird, bekommt man nur dieses Angebot zu dem günstigsten Preis, aber nicht mehr, so dass es zu Stromausfällen kommt.“

        Das muß nicht sein. Wenn ich drei Kisten Bier kaufen will, aber von der günstigen Sorte nur zwei auf Lager sind, dann kaufe ich zwei von den günstigen und die dritte darf dann meinetwegen etwas teurer sein. Aber ich zahle nicht für die ersten beiden Kisten den Preis der Edelmarke.

      • Der Vergleich ist nicht passend, weil der Bierpreis feststeht, sie zu diesem Preis eine beliebige Menge wählen können und die verschiedenen Biersorten unterschiedliche Güter sind. Strom und Gas sind homogene Güter, die nach transparenten Regeln versteigert werden. Ihre vorgeschlagene Regel würde nicht funktionieren, weil dadurch erstens keine hinreichenden Mengen gehandelt werden und zweitens die Anbieter ihre Preise dann nach oben anpassen würden.

      • Was hindert einen Stromverkäufer, feste Lieferverträge mit einem Kraftwerksbetreiber zu einem fairen Preis abzuschließen? Wer meint, sich Flatterstrom von irgendeinem Ökostromhändler kaufen zu müssen, darf gerne die Börsenpreise zahlen. Aber wer hindert die anderen daran, sich günstig beim Kohlekraftwerk im Nachbardorf zu versorgen?

      • Es gibt solche langfristigen Verträge, doch zumindest für Endverbraucher will der grüne Wirtschaftsminister sie doch gerade staatlich aufheben, wobei unabhängige Gerichte sie z. T. noch aufrechterhalten.

    • Wie schwachsinnig diese Form der Preisfindung ist, erkennt man an einem simplen Beispiel:
      Nehmen wir an, es gäbe zwei Anbieter: Ein abgeschriebenes Kernkraftwerk, das den Strom für 50 € / MWh produzieren kann, und ein Gaskraftwerk, das dafür 400 € verlangt. Das Kernkraftwerk kann 100 MWh liefern, das Gaskraftwerk nur 10. Wenn der Bedarf zu einem bestimmten Zeitpunkt exakt den 100 MWh entspricht, die das Kernkraftwerk liefern kann, wären dessen Betreiber mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie ihr gesamtes Potential auf den Markt schmeißen würden und dafür 5000 € kriegen. Vielmehr werden sie 99 MWh anbieten und die fehlende MWh dem Gaskraftwerk überlassen.
      So fahren sie satte 39600 € ein.

      Das kann man nun Übergewinn nennen, aber jedes andere Handeln wäre Dummheit. Und die zur Verfügung stehende Dummheit haben sich schon die Erfinder dieses Abrechnungssystems gegriffen.

  5. Für die nächsten wenigen Jahre sollen alle verfügbaren Kohle- und Kernkraftwerke erhalten bzw. reaktiviert werden.“ Dieser Satz stammt aus einem offenen Brief einiger dutzend Energie-Experten von Anfang März. Eine Woche nach Kriegsbeginn war klar, was zu tun wäre. Doch die Regierung … handelte nicht, drückte sich vor der Atom-Entscheidung und regelte die Rückkehr zur Kohleverstromung so restriktiv, dass bis dato erst ein Kohlemeiler am Netz ist, während die überflüssige Gasverstromung auch Hochtouren weiterläuft.
    Das ist der eigentliche, kaum verzeihliche Fehler der Bundesregierung. Die Folgen sind extrem: Am Großhandelsmarkt haben sich die Kosten für Gas verzehnfacht. Am Freitag durchbrach der Strompreis am Terminmarkt die Schwelle von 1000 Euro pro Megawattstunde. Eine Preissteigerung von 3000 Prozent gegenüber früheren Normalwerten. Diese Lawine rollt jetzt auch noch auf die Verbraucher zu.
    Habeck gehört einer Partei an, die stets nur einer Sorte Ratgebern Glauben schenkte, nämlich jenen, die seit Jahren – und zum Teil sogar noch nach Kriegsbeginn – Sätze dieser Qualität von sich gab (hauptsächlich von der European Climate Foundation finanzierten NGO-Szene): „Die Erneuerbaren stehen bereit.“ „Kohle- und Atomstrom verstopfen nur die Netze.“ „Wir brauchen kein LNG.“ . Nichts davon stimmte.
    Seine Ratgeber nicht ausgetauscht zu haben, gehört wahrscheinlich zu den größten Fehlern des Grünen-Realo Habeck. Vielleicht ist es auch ein Fehler, dass er sich noch keine andere Partei gesucht hat.“

  6. Pingback: Weniger Strom und Perspektiven für E-Autos | Alexander Dilger

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