Russland untergräbt gerade erst geschlossenes Abkommen zu Getreidelieferungen

„Russland greift Hafen von Odessa an“, nur einen Tag nach einem Abkommen, welches Getreidelieferungen aus der Ukraine vor allem über Odessa erlauben sollte, um hungernden Menschen weltweit zu helfen, die indirekte Opfer des russischen Angriffskrieges sind. Dies zeigt, dass erstens Präsident Putin nicht davor zurückschreckt, vielen Millionen unschuldigen Menschen schwer zu schaden, und zweitens Abkommen mit Russland nur einen geringen Wert haben, weil sie sofort wieder gebrochen werden können.

Russland bestreitet gegenüber der Türkei, die zusammen mit der UNO an der Aushandlung des Abkommens beteiligt war, Raketen auf Odessa abgefeuert zu haben. Das zeigt drittens, dass die russische Regierung auch nicht vor plumpen und leicht widerlegbaren Lügen zurückschreckt. Das alles spricht gegen ein baldiges Ende des Krieges und auch gegen den Sinn eines Friedensschlusses ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, weil sie sonst bald wieder Opfer werden dürfte.

9 Gedanken zu „Russland untergräbt gerade erst geschlossenes Abkommen zu Getreidelieferungen

  1. Was genau ist denn nun kaputtgegangen ? In den ersten Meldungen hieß es, es sei „nur eine Pump-Station“ getroffen worden. Nachdem sich Selenskyj der Sache angenommen hatte, klang es, als sei die Logistik der Getreide-Exporte zerstört worden. Kann es nicht sein, dass sich der Getreide-Deal von Istanbul einen Tag danach zu den russischen Armee-Einheiten noch nicht herumgesprochen hatte und der Angriff ein Teil des Feuerwerks war, welches parallel dazu im Donbass und um Charkiw gezündet wurde ?

    • Russland hat den Angriff inzwischen zugegeben und behauptet, nur militärische Ziele getroffen zu haben. Tatsächlich geht es wohl darum, das Getreide-Abkommen zu untergraben und die eigene Unberechenbarkeit herauszustellen.

  2. Der Raketenangriff auf Odessa ist sehr beunruhigend – insbesondere, wenn Putin diesen nicht angeordnet hat und sich Teile seiner Truppe verselbständigen.
    Bei einem Vortrag des Ex-NATO-Generals Ramms im Internationalen Club in Bonn hat dieser betont, dass jeder Krieg das Risiko einer Eskalation berge. So werden in GB 10.000 Ukrainier an modernen Waffen ausgebildet, in den USA ukrainische Piloten an F-15 und F16-Jagdbombern geschult.

    Eine westlich orientierte Gesamt-Ukraine ist eben für Russland objektiv unerträglich, knapp 500 km von Moskau entfernt. Im Norden rückt das NATO-Mitglied Finnland bis an die Vororte von Sankt Petersburg heran, wo im WKII die Wehrmachtsartillerie stand.
    George Friedman: Wer die Zukunft Europas erfahren will, höre auf den Artilleriedonner in der Ukraine.

    • @ Günther Konorza „Eine westlich orientierte Gesamt-Ukraine ist eben für Russland objektiv unerträglich,“ Rückfrage. meinten Sie nicht eher subjektiv?

      • Selbstverständlich meint General Ramms wie George Friedman, (Stratfor): objektiv.
        Die Amerikaner würden Russen weder in Mexiko noch in Alaska dulden.
        Kennen Sie schon die Kubakrise?

      • Die Russen waren und sind doch in Kuba, welches sich von den USA abgewandt hat. Bei der Kubakrise ging es um die Stationierung von sowjetischen Nuklearwaffen. Auch jetzt wäre ein Abkommen möglich, welches eine Stationierung von Nuklearwaffen in der Ukraine ausschließt. Doch aktuell greift Russland die Ukraine an und droht mit dem Einsatz von Nuklearwaffen. Ohne Sicherheitsgarantien wird die Ukraine nicht mehr in Frieden existieren können.

    • Präsident Putin hat Finnland und Schweden mit seinem Überfall der Ukraine doch erst in die NATO getrieben. Wenn die Ukraine langfristig bestehen will, wird sie auch den Schutz der NATO bzw. USA brauchen. Für Russland muss das kein Problem sein, für Putins Herrschaft ist eine prosperierende und demokratische Ukraine hingegen sehr wohl ein Problem, weshalb er sie zu zerstören versucht.

  3. Selbstverständlich ist Putins Angriffskrieg ein Verbrechen und mit Tallyerand: ein Fehler.
    Es ging mir aber um die Darstellung nur der militärisch-geostrategischen Situation, die keinen Krieg rechtfertigt, aber die russischen Interessen behandelt.
    Das reine Verteidigungsbündnis NATO hat ja auch die Angriffskriege in Afghanistan und Kososvo zu vertreten, so dass Vorwürfe gegen Russland einen Beigeschmack haben.
    Aus geostrategischer Sicht ist es egal, ob die Ukraine autokratisch oder liberal-demokratisch regiert wird. Für Russland ist allein entscheidend, ob die Ukraine der westlichen / USA-Einflusssphäre zuzurechnen ist.
    Natürlich hätte Putin auch einen Verzicht auf die NATO-Zugehörigkeit auf dem Verhandlungswege erreichen können – meint auch Friedman. Die Kriegshandlungen hat Finnland und Schweden gegen Putins Absichten zusätzlich in die NATO getrieben.
    Nun wird es sich wohl nur durch eine Teilung der Ukraine Frieden erreichen lassen, wobei die neue Grenze der Einflusssphäre USA/Russland den alten innerdeutschen Eisernen Vorhang ersetzen wird; nur 800 km weiter östlich.
    Unser häufig gehörtes Argument, wir seien doch ein so friedliches Ländchen – hier würde ein russischer General die Karte von 1941 hinlegen und fragen, wer garantiert, dass diese Karte nicht 2041 wieder gilt? Gerade unsere scheinbare militärische Schwäche und Kriegsfeindlichkeit lässt für die nächste Generation das Gegenteil fürchten!

    • In Afghanistan hat die NATO keinen Angriffskrieg geführt im Gegensatz zur Sowjetunion. Eine demokratische Ukraine wendet sich zwangsläufig dem Westen zu, wenn sie durchs Putin-Regime bedroht wird. Auch die meisten russischsprachigen Ukrainer sind gegen diese Überfall auf ihr Land. Der äußere Feind schweißt zusammen. Dagegen ist Russland vor allem durch seine Atomwaffen vor einem Angriff geschützt. Die Deutschen neigen leider zu Extrempositionen, so sind die Grünen von Pazifisten zu den größten Kriegsbefürwortern in Deutschland mutiert.

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