Sri Lankas Präsident tritt nach Sturm seines Palastes zurück

„Nach Massenprotesten und Palaststurm – Präsident tritt am Mittwoch zurück“, und zwar Gotabaya Rajapaksa, der Präsident von Sri Lanka, der das zuvor lange abgelehnt hatte. Sein Bruder Mahinda Rajapaksa, der vorher selbst einmal Präsident gewesen war und einen langjährigen Bürgerkrieg blutig beendet hatte, war bereits vor zwei Monaten als Premierminister zurückgetreten. Auch der aktuelle Premierminister Ranil Wickremesinghe bot seinen Rücktritt an, was aber einen Mob nicht davon abhielt, trotzdem sein Haus zu stürmen und in Brand zu setzen.

Politische Gewalt lehne ich grundsätzlich ab, doch der politische Rückzug der Brüder Rajapaksa ist zu begrüßen, da sie eine wesentliche Mitverantwortung für die aktuell schlechte Lage von Sri Lanka tragen, und auch keine Konzepte zur Besserung haben. Das Land steht vor einem Staatsbankrott, die Wirtschaft ist in der Krise und der Lebensstandard der meisten Menschen ist deutlich gefallen. Das droht auch in Deutschland, wenngleich auf einem wesentlich höheren Niveau.

32 Gedanken zu „Sri Lankas Präsident tritt nach Sturm seines Palastes zurück

  1. Gelbwesten in Frankreich, rebellische Bauern in den Niederlanden: Überall wehren sich die Bürger. Nur der deutsche Michel schläft. Gehirngewaschen von ARD & ZDF glaubt er sogar noch an das Märchen vom „Vater Staat“…

      • Die „rebellischen Bauern“ in den Niederlanden sind nicht die Bürger schlechthin. Sie betreiben extensive Tierhaltung und karren lastzugsweise Tierkot auf die Felder deutscher profitorientierter Landwirte, was hier zu erhöhten Nitratwerten im Grundwasser und im Sommer zu unerträglichen Geruchsbelastungen führt. Ohne „Vater Staat“ geht es leider nicht.

      • Der Staat soll einen ordentlichen Rechtsrahmen schaffen und aufrechterhalten, aber nicht die Landwirtschaft oder die Energieversorgung mit schlechter Politik gefährden.

      • Die Staatshörigkeit ist tiefer verwurzelt und erklärt auch, warum so viele Deutsche die Tagesschau für die Offenbarung der Wahrheit halten.

      • Warum müssen in der EU(dSSR) die Vorschriften immer die strengsten weltweit sein? Warum müssen wir „Musterschüler“ sein…???

  2. Dass der Lebensstandard in Deutschland mal wieder runterkommt ist ein wichtiger Bestandteil unseres Zusammenlebens. Alte Werte werden wieder erneuert, Aufmerksamkeit, Zusammenhalt, Gemeinsamkeiten und Durchhalten auf bessere Zeiten. Es ist besser beim Weg nach oben, dass es auch mal wieder runtergeht anstatt der Weg sich endet.

    • Es ist nicht gut, den Lebensstandard mutwillig abzusenken und Millionen Menschen im Dunkeln frieren zu lassen. Wir kommen vielleicht mit etwas weniger Realeinkommen zurecht, viele andere nicht oder nur schlecht. Wir sollten zusammenhalten gegen die verantwortlichen schlechten Politiker, nicht mit ihnen.

      • Wenn Menschen frieren müssen, wird es auch Todesfälle geben. Das ist keine schöne Aussicht.

      • Wenn das „reiche“ Deutschland ärmeren Staaten nicht mehr helfen kann, wer hilft denen dann…???

      • Die anderen Staaten können sich durchaus selbst helfen. Dagegen hilft niemand den Deutschen, nicht einmal die eigenen Politiker.

      • Dann könnten wir doch die „Entwicklungshilfe“ komplett abschaffen…?!?

      • In der Diskussion ging es doch eigentlich um Europa. Dort sollten wir tatsächlich keinem Land Entwicklungshilfe zahlen, China natürlich auch nicht mehr. Bei wirklich armen Entwicklungsländern kann sie hingegen sinnvoll sein, doch es hängt sehr von der Ausgestaltung ab.

      • Aber so, wie es in Deutschland den unsinnigen Länderfinanzausgleich gibt, wird auch auf EU-Ebene Geld umverteilt. Man nennt es nur nicht „Entwicklungshilfe“, sondern „Strukturförderung“…

  3. Ja, „wir“ leben durchschnittlich tatsächlich auf höherem Niveau. Als aktuelles und instinktsicheres Beispiel mag hier die bescheidene Lindner-Festwoche auf Sylt dienen, mit der er sicher eine ganze Kohorte von Hartzern, denen er nicht minder instinktsicher ans dünne Leder will um Härten für die Energiekonzerne abzufedern, statistisch neutralisiert. Ceylonesische Reaktionen mittelfristig voraus? Hoffentlich nicht. (Ich lasse mal offen, wessen Hoffnung.)

    • Herr Lindner darf und soll privat tun, was er möchte. Dass er sich solche Veranstaltungen von seiner bescheidenen Bezahlung als Volksvertreter und Staatsdiener leisten kann, gibt allerdings schon zu denken.

      • Ich sehe einen wesentlichen Unterschied zu BoJo‘s Chequers-Party, die er wirklich besser dort als woanders abhalten sollte: der Security-Aufwand für den Steuerzahler dürfte nicht sehr steigen, da Chequers ohnehin 24/7 abgesichert ist. Verlegt Johnson den Partyort, so wird es viel teurer – aber nicht für ihn, sondern wiederum für den Steuerzahler. Dass der Steuerzahler die security trägt, ist natürlich völlig korrekt und richtig. Bei Lindner sieht das Ganze etwas anders aus. Und die Dauer der Veranstaltung ist schamlos. Kann er machen, sieht aber nicht gut aus. Wir zahlen (mal wieder).

      • Bei den Partys von Boris Johnson waren nicht die Kosten der Skandal, sondern das Ignorieren der selbst erlassenen Verbote, wofür normale Bürger hart bestraft wurden. Für die Hochzeit von Herrn Lindner zahlen die Steuerzahler direkt fast nichts. Er müsste auch sonst bewacht werden und zusätzlicher Aufwand entsteht höchstens durch gewaltbereite Gegner, die deshalb eigentlich sich selbst kritisieren müssten (wie auch bei G7-Gipfeln).

      • Ok, aber ich meinte die noch nicht stattgefunden habende Hochzeitsparty auf Chequers.

    • Der Wechsel der Steuerklasse ist halt in gewissen Kreisen ein herausragendes Event, das standesgerecht zelebriert werden muß. Das Geld, das dabei draufgeht, senkt den Streitwert bei der Abrechnung der Rückabwicklung mit den Anwälten.

    • »… Beispiel mag hier die bescheidene Lindner-Festwoche auf Sylt dienen, mit der er sicher eine ganze Kohorte von Hartzern …« – Ach, hat Lindner die ganzen 9-€-Ticket-Syltbesucher zu seiner Party eingeladen? Das nenne ich volksnah! 🙂

      • Sie haben eine echte Leseschwäche. Oder verdrehen / verkürzen Sie in bösartiger Absicht.

  4. Der Zusammenbruch Sri Lankas begann, als die Regierung Rajapaksa anfing, die Landwirtschaft auf 100 % Ökoanbau umzustellen. Ohne Kunstdünger, ohne Glyphosat. Das erfreute die westlichen NGOs. Doch als Folge brach der Tee-Export, der für 10 % der Deviseneinnahmen sorgte, zusammen. Der Tee gedeiht halt unter Unkraut nicht besonders gut. Auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse gingen ohne vernünftige Düngung den Bach runter und nun, da die Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten explodieren, knallt es.

    Ob die Wiederholung dieses Experimentes, das die brüsseler Öko-Taliban gerade in den Niederlanden durchführen, dort wohl besser ausgeht?

    • Sämtliche wichtigen Schwellenländer, China, Indien, Indonesien, Malaysia, Südafrika, Brasilien, …, unterstützen die „New World Order“ aus Davos mit dem „Great Reset“ NICHT und sind damit sehr erfolgreich…!

  5. Herr Prof. Dilger,
    Gewalt lehnen Sie „grundsätzlich“ ab. Daraus resultiert die Frage, unter welchen Umständen oder Ausnahmen Sie Gewalt als akzeptabeles Mittel halten?

    • Der Staat sollte das Gewaltmonopol haben, also Gewalt anderer nötigenfalls mit eigener Gewalt verhindern und das Recht durchsetzen. Rechtlose Gewaltherrscher dürften hingegen mit Gewalt gestürzt werden, falls das denn mit hinreichender Aussicht auf Erfolg möglich ist. In Sri Lanka wurden demokratisch gewählte, jedoch für die schwere Krise verantwortliche Politiker durch Massendemonstrationen einschließlich Gewalt gegen Sachen und Gebäude zum Rücktritt gedrängt. Das ist nicht ideal, aber vielleicht besser als die Alternativen, sei es ihr Verbleib an der Macht oder ein blutiger Bürgerkrieg.

      • @Wolfgang Kempkes
        die Kasuistik des “ Gerechten Krieges “ hier (https://relilex.de/gerechter-krieg/ kürzer als bei wikipedia) kann auch für den „Gerechten Volksaufstand“ angepasst werden. Da die beiden Brüder völlig legal ins Amt gekommen scheinen, ist der Aufstand nicht gerechtfertigt.

      • Es geht nicht nur darum, wie jemand ins Amt kommt, sondern auch darum, was er dort tut. Die Bilanz war zuletzt sehr schlecht und eine demokratische Abwahl zumindest kurzfristig nicht möglich. In der Situation könnte ein durch Demonstrationen erzwungener Rücktritt tatsächlich das kleinste Übel gewesen sein. Damit ist allerdings nicht garantiert, dass der Nachfolger wirklich besser sein wird.

  6. Klaus Wolfgang Berger: Ich bin kein Libertärer, der den Staat ganz abschaffen will, sondern ein Liberaler, der fordert, daß der Staat neben anderen Rechten auch das Eigentum (und die körperliche Unversehrtheit) schützt, auch vor Verschmutzung (und Körperverletzung) durch Kot. Weit weniger Staat und weit demokratischerer Staat sind zu unterscheiden von kein Staat! Und Protest gegen staatliche Maßnahmen muß friedlich sein und auch sonst gesetzestreu.

  7. Ich könnte mir gut vorstellen, daß Medien die Photos (und sonstige Berichterstattung) von der Lindner-Hochzeit so viel wert sind, daß die Kosten für die Hochzeit tragbar sind… Aber ich weiß natürlich nichts.

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