Finnland will wegen Putins Krieg der NATO beitreten

„Finnland spricht sich für NATO-Beitritt aus“. Das haben der finnische Präsident Sauli Niinistö und die finnische Ministerpräsidentin Sanna Marin heute gemeinsam öffentlich und offiziell erklärt. In den nächsten Tagen wird das finnische Parlament darüber abstimmen und aller Voraussicht nach zustimmen. Einem Mitgliedschaftsantrag müssen danach alle 30 heutigen NATO-Mitglieder zustimmen, was ebenfalls zügig erwartet wird. In der finnischen Bevölkerung hat es durch Putins Krieg gegen die Ukraine einen starken Meinungsumschwung gegeben. Davor war eine deutlich Mehrheit für die Beibehaltung der Neutralität, inzwischen ist eine noch größere Mehrheit für die NATO-Mitgliedschaft, um die Sicherheit des Landes zu erhöhen, welches 1939 von der Sowjetunion unter Stalin überfallen wurde, den Angriff jedoch abwehren konnte unter großen Opfern einschließlich Gebietsabtretungen.

Der „Kreml nennt finnischen Nato-Beitritt eine Bedrohung für Russland“, was jedoch nicht der Fall ist. Umgekehrt bedroht Russland all seine neutralen Nachbarländer ganz akut, von denen keines wie die Ukraine einfach überfallen werden möchte, wogegen das Verteidigungsbündnis NATO am besten schützt. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass auch Schweden in den nächsten Tagen seine bisherige Neutralität aufgeben wird und die Aufnahme in die NATO beantragt. Präsident Putin erreicht also genau das Gegenteil von dem, was er verkündete. Er hat nämlich die NATO nicht zurückgedrängt, sondern stärkt sie und treibt ihr Mitglieder zu. Dabei wird die NATO Russland nicht angreifen, würde jedoch einen russischen Angriff gegen welches Mitglied auch immer abwehren.

36 Gedanken zu „Finnland will wegen Putins Krieg der NATO beitreten

  1. Solche Gelegenheiten lassen sich die Kalten Natokrieger natürlich nicht entgegen. Das Meinungsklima ist günstig -> Sofortbeitritt.

      • Ohne Schutz durch die NATO wurde erst die Krim annektiert und die Ukraine jetzt noch einmal, viel blutiger überfallen. Hätte sich Russland an das Völkerrecht und das Budapester Memorandum gehalten, wäre eine dauerhafte Neutralität der Ukraine eine Option geblieben. Nach diesem Krieg werden jedoch unverbindliche Zusagen von Russland nicht mehr reichen.

  2. Kann man die Ukraine und Finnland wirklich in dieser Hinsicht gleichsetzen?

    Die Ukraine wollte bereits vor dem barbarischen Angriff Russlands -und jetzt erst recht- in die NATO. Finnland will es erst jetzt und zuvor nicht.

    Könnte das nicht im ungünstigsten Fall als finnischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod enden (mit dem Ende Resteuropas als Kollateralschaden)?

    • Die Ukraine wollte (noch) nicht konkret der NATO beitreten und hatte jetzt auch einen Verzicht darauf angeboten, was die russische Seite aber nicht interessiert hat, weil es in Wirklichkeit gar nicht darum geht. Finnland will auch erst seit dem Überfall beitreten, um nicht selbst überfallen zu werden. Sollte Russland trotzdem angreifen, wäre das ein erweiterter Suizid.

      • Je mehr Fronten es gibt desto besser für den Frieden. Jetzt kämen noch mal 1300 km direkte Nachbarschaftsgrenze hinzu. Damit wird ein herkömmlicher Angriffskrieg nicht mehr erfolgreich werden können. Die Russen sollten sich jetzt kleinlaut zurückziehen und versuchen ihre ihr aufgelegten Sanktionen im Laufe der nächsten Jahre wieder loszuwerden. Russland hat das Potential eine blühende Demokratie zu werden. Da muss das Volk aufstehen können mit Hilfe der elektronischen Informationsmöglichkeiten. Das Geld der Oligarchen gehört dem Volk, die orthodoxische Kirche müsste eine Kehrtwende machen.

      • Fronten sind nicht gut für den Frieden, sichere Grenzen hingegen schon. Der Westen sollte klarer kommunizieren, dass seine Sanktionen nicht für immer sind, sondern bei einem Ende des Krieges und Rückzug aus der Ukraine wieder aufgehoben werden.

      • Formal könnte die Türkei ein Veto einlegen, faktisch aber den Beitritt höchstens verzögern, nicht verhindern. Vielleicht will Herr Erdogan ein paar Zugeständnisse an anderer Stelle.

      • Erdogans Zustimmung ist nur eine Frage des Preises.

      • Nein, die Sperre von blöden Kommentaren im Internet. Besser fände ich es allerdings, Jan Böhmermann nicht mehr mit Zwangsgebühren bezahlen zu müssen.

  3. Once bitten, twice shy. Nach Finnlands Erfahrungen mit dem Winterkrieg unter Stalin und erheblichen Gebietsverlusten in Karelien ist die Flucht unter den NATO-Schirm inklusive US-Atomschirm mehr als verständlich. Es muss sehr schnell gehen, da sie Verwicklung Finnlands in einen bewaffneten Konflikt eine NATO-Aufnahme ausschließen würde.

    Natürlich erscheint dies der russischen Generalität bedrohlich. Die NATO-grenze am Baltikum mit deutschen Leopardpanzern ist nur 150 km von St. Petersburg entfernt. Die neue finnische NATO-Grenze ist praktisch in den Vororten. Hierauf wird die Bevölkerung – gerade in Westrussland – hingewiesen, nämlich dass die NATO jetzt da stehen wird, wo die Wehrmacht bei der Belagerung Leningrads 1941 stand.

    Wir Deutschen meinen – auch hier, wir wären ein kleines friedliches Ländle, das sich vor Allem mit Genderstudies und der Erderwärmung auseinandersetzt. Die russische Generalität hingegen weist auf die Landkarte von 1941 hin. Es ist schwer, ihnen klarzumachen, dass der Wahn Welteroberung bei uns inzwischen durch Genderwahn u A. ersetzt worden ist.
    Das nuclear bullying Putins ist unmöglich; kein halbwegs rationaler Mensch würde mit dem Einsatz auch nur taktischer Atomwaffen drohen. Alle Studien der NATO zeigten, dass deren Einsatz binnen zweiundsiebzig Stunden zu einem totalen Austausch strategischer Waffen führen wird.

    • Finnlands NATO-Beitritt ist gerechtfertigt und vernünftig. Präsident Putin hat ihn sich selbst zuzuschreiben. Russland wird dadurch nicht bedroht, kann aber auch andere weniger bedrohen.

      Ein atomarer Angriff gegen ein NATO-Mitglied würde schnell zu einem großen Atomkrieg führen. Was bei Einsatz einer taktischen Atomwaffe in der Ukraine passieren würde, ist hingegen weniger klar und wird nicht in allen NATO-Studien gezeigt. Diese Unsicherheit allein sollte jedoch reichen, um Präsident Putin davor abzuschrecken.

      • Schreckliche Vorstellung, eine mini-nuke auf den Präsidentenpalast mit einem zweitklassigen Besucher aus dem Westen beim Staatsempfang. Die Kampfmoral wäre am Ende, trotz Selensky als Märtyer. Der Westen paralysiert, weil die Bevölkerung sich selbst nun am Nächsten wäre. So verderbt ist der Barbar Putin dann hoffentlich doch noch nicht, auch wenn es wahrscheinlich für ihn der ultimative innenpolitische und militärische Befreiungsschlag, die Welt danach aber eine andere, noch schlimmere, wäre. Die NATO würde nicht unmittelbar und mit gleicher Münze zurückschlagen, aber der kalte Krieg würde bei Weitem übertroffen.

      • Selbst so einen Anschlag würde Russland besser mit einer starken konventionellen Waffe durchführen statt mit einer Atomwaffe, die zu zusätzlichen Eskalationsrisiken führt. Die russische Führung hat aber gar kein Interesse daran, alle Gewalt auf die jeweilige Staatsführung und damit auch auf sich selbst zu lenken. Der ukrainische Präsident als Märtyrer kann ebenfalls nicht in ihrem Interesse sein. Das wäre gerade kein Befreiungsschlag, sondern würde die russische Lage weiter verschlechtern.

      • Immerhin hat der finnische Präsident eben ein Telefongespräch mit Putin geführt. Eine Eskalation in Bezug des Beitritts ist nicht direkt zu erwarten

      • Ich rechne zumindest nicht mit einer militärischen Eskalation, während z. B. schon russische Stromlieferungen nach Finnland eingestellt wurden.

      • Putin steht mit dem Rücken zur Wand angesichts der Entschlossenheit des Westens und der sichtbaren Schwäche seiner Armee. Es ist nachvollziehbar, dass er nun kleinere Brötchen backt.

      • Präsident Putin sollte versuchen, seine Verluste, militärisch wie politisch und wirtschaftlich, zu begrenzen und nun möglichst glimpflich aus dem missglückten Abenteuer wieder herauszukommen. Tatsächlich versucht er aber wohl, den Krieg in die Länge zu ziehen in der Hoffnung, dass sich das Kriegsglück noch wendet oder zumindest seine Verhandlungsposition wieder besser wird. Vor seinem Angriff war sie deutlich besser als jetzt.

      • Es gibt Gerüchte, Putin sei krank und werde am Montag operiert. Ist das die Gelegenheit, sich gesichtswahrend aus der Situation zurückzuziehen?
        Aus rumänischen Quellen erfahre ich, es gebe immer mehr russische Deserteure.
        Auch Moldau hat übrigens beim ESC Rumänien deutliche Avancen gemacht. Moldaus Lied verlangt die Wiedervereinigung von Moldau und Rumänein.

      • Es ist nicht klar, wer Nachfolger von Präsident Putin werden und wie sich dieser verhalten würde.

        Das Lied verlangt nicht die Vereinigung der beiden Länder, sondern beinhaltet eine Zugfahrt von Chișinău nach Bukarest und lässt es dabei ambivalent, ob die Fahrt nur durch ein Land oder zwei Länder geht.

    • Das ist ein generelles Problem bei der rein parteipolitischen Besetzung von Ministerien. Bei einer völlig ungeeigneten und unmotivierten Verteidigungsministerin während eines Krieges in Europa fällt das nur besonders auf.

  4. Der Eintritt Finnlands entwertet die Sowalkilücke als Mittel zur Nachschubunterbindung der Baltischen Staaten. Auch der Eintritt Schwedens macht mit Gotland die Ostsee zu einem Mare Nostrum der NATO. Sankt Petersburg wird komplett von der Ostsee abgeschnitten, Kaliningrad steht – bis auf seine atomare Bewaffnung – auf verlorenem Posten.

    Besonders der Bedeutungsverlust der Sowalkilücke ist für Putin sehr schmerzhaft.

    Im länger dauernden Krieg sind zwei psychologische Faktoren bedeutungsvoll: die Siegeszuversicht und der Behalten der Initiative (Napoleon).

    Im Süden kann Putin immer noch den nicht NATOStaat Moldavien über Transnistrien besetzen und dann von Süden her den Nachschub für die Ukraine an der ukrainisch- polnischen Grenze einschränken oder unterbinden. Diese Initiative hätte er noch. Diese Möglichkeit könnte man elegant unterbinden, indem man Moldavien mit dem NATOstaat Rumänien verbindet. Dies wäre durch Beschlüsse der jeweiligen Parlamente rasch wirksam möglich und nicht von der Zustimmung Anderer abhängig. So wäre die Grenze Moldawien / Transnistrien eine NATO- Außengrenze. Damit wären auch Putins Pläne Richtung Odessa überflüssig bzw. gescheitert. Die Initiative läge auch wieder beim Westen.

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