Deutsche Inflation steigt weiter auf 7,4 Prozent

Die „Inflation in Deutschland erreicht im April 7,4 Prozent“. Das ist noch mehr als im März (siehe ‚Inflation steigt auf 7,3 Prozent durch Putins Krieg und Versagen der EZB‘), während die EZB weiter an nominalen Null- und Negativzinsen festhält. Das ist ein Skandal und erinnert an die verdrehte Auffassung des türkischen Präsidenten, dass niedrige Zinsen die Inflation senken statt anheizen würden. Im direkten Monatsvergleich sind die Energiepreise leicht gesunken und dafür die Preise für Nahrungsmittel besonders stark gestiegen. Die Erzeugerpreise sind noch schneller gestiegen, was auf eine noch weiter steigende oder zumindest noch lange hohe Inflation hindeutet.

21 Gedanken zu „Deutsche Inflation steigt weiter auf 7,4 Prozent

  1. Zum Glück gibt des „Schuldige“ dafür: Corona und Putin. Früher mussten die Juden als Südenböcke herhalten…😜

  2. Wir dürfen bei der Bewertung der Inflation nicht so kleinlich auf unseren Wohlstand und unsere Alterssicherung schauen.
    In Deutschland hat die Inflation bereits zweimal die Schulden eines verlorenen Weltkrieges beglichen. Deshalb dürfen wir uns auch mit ein wenig Zuversicht darüber freuen, daß sie diesmal die Staatsschulden des halben Mittelmeerraumes beseitigen wird.
    Ich bin mir sicher, daß Frau Lagarde dieses großartige Ziel nicht aus den Augen verlieren wird.

  3. Danke, dass Sie dieses wichtige Thema jeden Monat aufgreifen. Im Bewusstsein der Bevölkerung scheint es leider noch nicht richtig angekommen zu sein. Daher kann man es nicht oft genug ansprechen.

    Ein Beitrag der Bundesregierung (auch ihrer Vorgängerregierungen):
    Der Staat leiht sich von seinen Bürgern ungefragt Geld, indem er zu viel bezahlte Steuern (z.B. aus überdimensionierten Vorauszahlungen) jahrelang zurückbehält. Bislang (bis einschließlich 2018) erhielt man dafür ab dem 16. Monat nach Ablauf des Kalenderjahres 6% Zinsen p.a..
    Durch die geplante Senkung der rückwirkend seit 1.1.2019 ausgesetzten Zinsen auf 1,8% p.a. (https://www.haufe.de/steuern/gesetzgebung-politik/neuregelung-der-vollverzinsung-nach-233a-ao_168_561994.html) steigt die Lücke zwischen Finanzamtszinsen und derzeitiger Inflation mithin auf 5,6% p.a. – und da ist noch garnicht berücksichtigt, dass die ersten durchschnittlich 21 Monate überhaupt nicht verzinst werden, was bei 7,4% Inflationsrate bereits mit etwa 13% Anfangs-Enteignung zu Buche schlägt. Weitere 5,6% Entwertung kommen für jedes weitere Jahr des Wartens auf die Erstattung hinzu. Bei Verzögerungen durch eine Betriebsprüfung oder ähnliches können daraus schon auch leicht einmal fünf, sechs Jahre werden, so dass der Schaden sich bei der aktuellen Inflationsrate schnell auf 30 bis 40% oder mehr belaufen kann. Bei (zu erwartender) weiter steigender Inflation entsprechend noch mehr.
    Gegen diese Form der eiskalten Enteignung wehren kann sich der Steuerbürger praktisch nicht. Finanzämter lassen sich für Erstattungen beliebig Zeit und Beschwerden wegen Untätigkeit werden ignoriert oder führen zu weiteren Schikanen.

    • Das Bundesverfassungsgericht hat diese Zinsänderung erzwungen, was wieder zeigt, wie wenig durchdacht dessen Urteile inzwischen sind. In der damaligen Situation gab es tatsächlich ein Missverhältnis zwischen den Null- und Negativzinsen der EZB und den 6 Prozent, die der Fiskus nicht nur zahlt, sondern vor allem auch fordert. Nun kommt aber die hohe Inflation hinzu, gegenüber der selbst die 6 Prozent zu niedrig sind, während die Null- und Negativzinsen völlig absurd geworden sind. Doch die EZB hält sich mit Rückdeckung des EuGH inzwischen für völlig unabhängig von ihrem Mandat, der ökonomischen Logik und dem Wohl der Europäer.

      • Das ist richtig. Als Betroffener muss man mit diesen Zinsen vor allem die Entwertung des Geldes ausgleichen. Es geht dabei nicht um Sparzinsen. Aber das übersteigt vermutlich das Vorstellungsvermögen von Finanzbeamten und Verfassungsrichtern. Verkehrte Welt.

    • Das Hauptproblem ist die Verzinsung von Steuernachzahlungen. Die Differenz zwischen den Nachzahlungs- und Erstattungszinsen betrug bisher bis zu 1 Mrd. € p.a. zugunsten ersterer. Jeder Zinssatz unterhalb der Inflationsrate ist bei Nachzahlungszinsen ein Vorteil für den Steuerpflichtigen, zumal die Erhebung über längere Zeiträume existenzbedrohend sein kann. Festgestellte Erstattungsansprüche sind beleihungsfähig. D.h. Zinsverluste könnten insoweit kompensiert werden. Die Regelung von steuerlichen Verzugszinsen muss die Inflationsrate nicht abbilden- umso weniger, wenn das Rennen zwischen Finanzverwaltung und Steuerpflichtigen über mehrere Jahre offen ist.. ..

      • Das sehe ich völlig anders. Einen „Vorteil“ haben allenfalls Steuerpflichtige, die geschuldete Steuern erst Jahre später bezahlen. Das dürfte aber eher die Ausnahme als die Regel sein, da die Finanzämter bei Nachzahlungen – im Unterschied zu Erstattungen – üblicherweise nichts anbrennen lassen und sofort mit Mahnung und Vollstreckungsandrohung zur Stelle sind.
        Eine im Raum stehende Steuererstattung mag beleihbar sein, wenn der Bescheid nicht mehr unter dem Vorbehalt der Nachprüfung steht (i.d.R. fünf Jahre), aber dass bis dahin die bereits beschiedene Erstattung nicht ausgekehrt worden ist, dürfte wohl eher eine rein hypothetische Annahme sein.
        De facto werden Steuerbeschheide aus denen sich Erstattungen ergeben gerne von den Finanzämtern auf die ultralange Bank geschoben.

      • @Cato der Ältere
        Nachzahlungen über mehrere Jahre sind im gewerblichen/freiberuflichen Bereich , aber auch im privaten Bereich z.B. bei Einkünften aus Kapitalvermögen, eher die Regel. Im ersteren Bereich ergeben sie sich meist aus mehrere Jahre zurückreichenden Betriebsprüfungen, im zweiten Bereich aus Gerichtsentscheidungen zu unterschiedlichen Interpretationen des Steuer-Rechts (Stichwort Filmförder-Fonds und andere Steuerspar-Konstruktionen). Hinsichtlich möglicher Erstattungen präzisieren Sie Ihre Ausführungen mit der Behauptung, Entscheidungen in Verbindung mit potenziellen Erstattungsfällen würden grundsätzlich dilatorisch behandelt. Dies mag sich in Ihrem Falle so zugetragen haben, umso mehr, wenn Sie durch querulatorisches Verhalten aufgefallen sind. Aber zu unterstellen, dass unsere öffentlich-rechtlichen Angestellten ihre Arbeit grundsätzlich nicht an Recht und Gesetz ausrichten, ist einfach absurd. Ich kann so etwas als langjähriger Unternehmensberater aus der Teilnahme an steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Betriebsprüfungen bei Mandanten und aus Dauer-Testament-Vollstreckungen nicht bestätigen. Jeder dieser Angestellten ist mit Arbeitsvolumen voll eingedeckt und will „seine“ Fälle möglichst reibungslos und zügig erledigen. Meine ESt- Erklärungen werden binnen 2- 3 Monaten verbescheidet; Erstattungsbeträge fließen innerhalb von 14 Tagen.

      • @Klaus Wolfgang Berger
        „Im ersteren Bereich ergeben sie sich meist aus mehrere Jahre zurückreichenden Betriebsprüfungen, …“

        Damit fängt es doch schon an. Als Selbständiger werden Sie ständig geprüft und gegängelt. Das kostet unendlich viel Zeit, für die man nicht entschädigt wird und bindet Ressourcen. Damit der Prüfer nicht mit leeren Händen nach Hause kommt, muss auf Biegen und Brechen irgendetwas „gefunden“ werden, denn Unternehmer sind in den Augen von Finanzbeamten offenbar geborene Kriminelle. Und da wundert sich noch irgendwer, dass die Selbständigenquote von Jahr zu Jahr sinkt, Deutschland diesbezüglich schon beinahe das Schlusslicht Europas ist? Wo bleibt die seit Jahrzehnten von allen Bundesregierungen versprochene Entbürokratisierung?

      • Cato der Ältere
        sagte am 29/04/2022 um 19:59 :“ . . .Damit fängt es doch schon an. Als Selbständiger werden Sie ständig geprüft und gegängelt. . . .“ Es liegt neben dem Thema, aber in diesem Punkt gebe ich Ihnen Recht. Weitgefasste Aufzeichnungspflichten beim Mindestlohn, Kassensicherungsverordnung, Schwarzarbeiterkontrollen – alles Nahles, UN-Heil und Scholz unter Duldung von Frau Merkel zuzurechnen. Dazu anlassbezogene Prüfungen in Kleinst- und Kleinbetrieben (u.a. wegen der Warenwirtschaft und vorwiegend im Endkundengeschäft) – mit teilweiser tagelanger Betriebsstilllegung durch Entzug der Aufzeichnungsgeräte. In der Sozialversicherung die Einbeziehung von „Phantom“- Lohn in die Bemessungsgrundlagen. Damit erreichen wir keine Resilienz bei Wirtschaftsschwäche. Das ist eine der Früchte der verfluchten Merkel-Ära.

    • Niemand hatte nur das halbe BIP angenommen. Meinen Sie die reale Wachstumsrate? Auch diese wurde nach unten korrigiert. Nur nominal sieht es etwas besser aus wegen der hohen Inflation.

      • Ich wollte niemanden verwirren mit meiner abstrakten Ansicht. Das Bruttoinlandsprodukt in diesem Quartal ist um 0.2% höher als im letzten Quartal. Geschätzt waren 0.1%, das war die Verdopplung.

      • Sie übersehen, dass die Türkei ein massives Problem mit Inflation hat. In solch einer Situation sind sehr niedrige Zinsen problematisch.

      • In der Eurozone ist die Inflation doch auch schon viel zu hoch und steigend. Mandat der EZB ist es, das zu verhindern, doch sie tut genau das Gegenteil und heizt die Inflation weiter an.

    • Diese Auffassung ist falsch. Zinsen sind doch kein grundsätzliches Übel und sollten möglichst negativ sein, sondern sie können sowohl zu hoch als auch zu niedrig sein. Nominale Negativzinsen bei viel zu hoher Inflation sind definitiv zu niedrig und schaden dem Land und den Menschen. Die EZB hält trotzdem daran fest und sollte allein schon deswegen abgeschafft werden.

  4. Pingback: Inflation in Deutschland steigt auf 7,9 Prozent | Alexander Dilger

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