Inflation und Wachstum mit und ohne russische Energielieferungen

Die Wirtschaftsinstituts-„Forscher warnen vor höchster Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik“, wenn es zu einem Lieferstopp für russische Energie kommt, sei es von deutscher oder russischer Seite. Die Inflation würde dann das ganze Jahr bei 7,3 Prozent verharren (wo sie aktuell schon ohne Lieferstopp ist, siehe ‚Inflation steigt auf 7,3 Prozent durch Putins Krieg und Versagen der EZB‘, während sie 1951 noch höher war). Ansonsten wird mit 6,1 Prozent Inflation gerechnet, was kein so gewaltiger Unterschied ist. Das Wirtschaftswachstum soll bei einem Ende russischer Gaslieferungen bei 1,9 Prozent in diesem Jahr liegen und sonst bei 2,7 Prozent (während im letzten Herbstgutachten noch 4,8 Prozent prognostiziert worden waren). Ohne russisches Gas würde nach diesen Berechnungen die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr sogar um 2,2 Prozent schrumpfen, mit ihm um 3,1 Prozent wachsen. Das ist durchaus ein relevanter, aber notfalls verkraftbarer Unterschied (doch Kanzler ‚Scholz schimpft auf Wirtschaftswissenschaftler, die Gasembargo für handhabbar halten‘).

Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, der eigentlich ein liberaler Ökonom und Vorsitzender der Hayek-Gesellschaft ist, äußert sich kritisch zu Hilfen für private Haushalte angesichts der hohen Energiepreise: „Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise“. Diese Argumentation halte ich für falsch, zumindest wenn es um die Reduktion von Steuern und Abgaben geht, mit denen der Staat die aktuell zu hohen Energiepreise zusätzlich belastet und sich daran bereichert (siehe ‚Energiesteuer wird kurz ein wenig gesenkt, zu versteuernde Energiepreispauschale nur für Erwerbstätige‘ und ‚Lindner will Tank-Rabatt, Steuersenkung wäre noch besser‘). Die Inflation würde durch solch eine Senkung der Steuern und Abgaben sinken und diese Preise sind doch aktuell zu hoch, also ist der Lenkungseffekt momentan zu groß. Eine mögliche Ausnahme bildet die russische Energie. Um deren Verbrauch zu beschränken und zugleich die Invasion der Ukraine weniger zu finanzieren, wäre eine ‚Strafabgabe für russisches Gas und Öl‘ das richtige Mittel. Entscheidend sind dabei die Preisunterschiede, was gerade dafür spricht, Energie anderer Lieferanten weniger zu belasten.

6 Gedanken zu „Inflation und Wachstum mit und ohne russische Energielieferungen

  1. Die Strafabgabe auf russisches Gas wird von verschiedenen Ökonomen gefordert, nachzulesen auf www stopfinancingwar com. Was halten Sie davon und ziehen Sie es in Betracht, sich diesem Aufruf anzuschließen? Ich persönlich würde bei der Gasabgabe mitgehen, halte aber nicht alles von diesem Aufruf für unproblematisch.

    • SO reden nur Moralisten, die eindeutig Geld zu viel haben. Viele Menschen können sich den Luxus gar nicht erlauben, an die Ukraine zu denken. Sie müssen schauen, wie sie selbst über die Runden kommen.

  2. Der Ukraine-Konflikt taugt hervorragend, dem doofen deutschen Restvolk, einen „Schuldigen“ für die höchsten Engergiekosten der Welt zu präsentieren. Benzin, Heizöl, Gas und Strom sind in fast allen europäischen Staaten billiger, als in Neubuntland. Wir werden von dieser Gurken-Regierung, vom Jubel-Perser-ARD&ZDF und der Lügenpresse verarscht von hinten bis vorne…🤮🤬👎

    • @francomacorisan: Ich kann Ihrer Feststellung nur uneingeschränkt zustimmen. Allein die Diskussion zum Gasembargo: Man will nur „politisch korrektes“ Gas haben, das blöderweise von den Russen kommt, die man bis zum Gehtnichtmehr verteufelt. Also gar kein Gas von dort, sondern nur das „richtige“, irrerweise z.B. aus Katar. Das ist so was von dämlich und zerstörerisch, daß es mit normalem Menschenverstand nicht zu fassen ist: Man schießt sich vorsätzlich ins eigene Knie, nur um es den Russen so richtig zu zeigen – und ist doch selbst letztlich der elende Loser.
      Genauso krank ist die diskutierte „Strafabgabe“ auf russisches Gas. Das kann man übrigens auch auf andere Waren(gruppen) ausdehnen, wenn die aus Ländern kommen, die einem nicht genehm sind. Konsequenterweise sollte man auch diese Länder nicht mehr bereisen und sie natürlich in jeder Beziehung wie die Pest meiden.
      Merkt eigentlich noch einer, wie irre all das ist? Und da hinter allem insbesondere die USA stecken: Daß das offensichtlich nicht mal mehr diskutiert werden darf, weil die Rollen final (von den USA) bereits verteilt sind? Wie im typischen miesen Blockbuster, hier die Guten aus Langley und anderswo in den Staaten, dort die Bösen und Verderbten im Kreml.
      Deutschland ist dermaßen auf den Hund gekommen, daß es micht graust. Der Elefant im Raum wird vorsätzlich nicht gesehen (darf nicht gesehen werden). Und der Hund ist auch bereits nahezu gestorben.

      • Der Elefant im Raum, den Sie übersehen, ist Putins Überfall der Ukraine. Es geht nicht darum, nur noch mit Musterdemokratien Handel zu treiben, sondern einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in Europa nicht noch zu unterstützen, dessen Erfolg langfristig für uns viel teurer oder sogar ernsthaft bedrohlich wäre.

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