Russland droht mit Aus für Nord Stream 1 und Deutschland sollte stärker diversifizieren

„Russland droht mit Gas-Lieferstopp durch Nord Stream 1“. Es ist eine Retourkutsche für das deutsche ‚Aus für Nord Stream 2 nach unwirksamen Sanktionsdrohungen‘, wodurch noch gar kein Gas geliefert wurde. Diese Drohung zeigt aber auch, dass eine Regierung, die einfach so ein Nachbarland überfällt und Tausende Menschen ermordet, kein zuverlässiger Geschäftspartner ist. In jedem Fall werden also Alternativen zu den russischen Lieferungen von Gas, Kohle und Öl benötigt. Das gilt nicht nur bei einer Ausdehnung der westlichen Sanktionen auf den russischen Energiesektor, die besonders wirksam wäre, weil Russland dort mit Abstand das meiste Geld verdient, welches wiederum zur Kriegsfinanzierung dient. Auch ohne eigene Sanktionen sind diese Lieferungen gefährdet und können umgekehrt vom Kreml als Druckmittel gebraucht werden.

Alternativen sind also nötig, wobei viele andere potentielle Lieferanten ebenfalls schmutzige Kriege führen, z. B. im Jemen, und es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen. Ein umfassender Boykott russischer Rohstoffe würde außerdem die Preise nochmals stark steigen lassen, während ein reines Umsortieren der Lieferanten (wir beziehen zukünftig die fossilen Energieträger von woanders, während Russland an die bisherigen Abnehmer unserer neuen Lieferanten liefert) vor allem Symbolpolitik wäre. Am klügsten und auch moralisch gerechtfertigt ist es deshalb, die Diversifikation voranzutreiben, ohne die bisherigen Lieferverträge einseitig auszusetzen. Deutschland und allgemein der Westen müssen sich auf den Fall vorbereiten, dass Russland nicht mehr liefert. Doch man selbst sollte vertragstreu bleiben und zu den alten Konditionen noch recht günstig einkaufen. Von neuen Abnehmern bekäme Russland jetzt vermutlich mehr Geld in die Kriegskasse. Auf eigene neue Verträge mit Russland sollte hingegen besser verzichtet werden, bis die Ukrainer wieder in Frieden und Freiheit leben dürfen.

18 Gedanken zu „Russland droht mit Aus für Nord Stream 1 und Deutschland sollte stärker diversifizieren

  1. Man musste wirklich keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, um die jetzt sehr schnell zu Tage getretenen Auswirkungen auf dem Energiemarkt abschätzen zu können. Den russischen Konzernen und den dahinter stehenden Oligarchen wird es ziemlich egal sein, ob Deutschland und Europa oder China ihre Rohstoffe kaufen. Die Emirate, Saudi Arabien, Venezuela, USA, Kanada usw. reiben sich ebenfalls die Hände wegen der explodierenden Preise. Eine Win-win-Situation für alle Rohstoffexporteure also und die großen Sanktionsverhänger Deutschland und EU schießen sich selbst ins Knie.

      • Davon können Sie ausgehen. Die Ukraine und auch Ungarn haben den Export bereits eingestellt.

      • Nein, Deutschland ist immer noch ein reiches Land und kann sich alles Nötige zusammenkaufen. Der Wohlstand schwindet jedoch für die meisten Deutschen dank unserer schlechten Politik(er).

      • Eine Spritpreisbremse als solche macht wenig Sinn. Wollen Sie gar nicht mehr tanken können, aber das zu einem niedrigen Preis? Richtig wäre es, die Steuern und Abgaben nicht immer weiter zu erhöhen, sondern zur Abwechslung einmal zu senken.

      • Das ist schon richtig. Trotzdem ist es nicht verkehrt, ein Zeichen zu setzen. Daher habe ich diese Petition unterzeichnet.

      • Klar kann Deutschland sich das Getreide überall in der Welt zusammenkaufen. Und die paar hundert millionen, die das nicht können, kommen dann halt nach Deutschland und lassen sich hier runumversorgen.

      • In der Ukraine droht dieses Jahr angeblich die Ernte auszufallen, da die Bauern sich lieber damit beschäftigen russische Panzer aufzuhalten als die Saat auszubringen. Ob das tatsächlich zutrifft oder nur eine weitere Heldenlegende von den Klitschko-Brüdern und Konsorten ist, vermag ich allerdings nicht zu beurteilen.

      • Das deutsche Getreide könnte durchaus reichen, aber der Flächenfraß in Deutschland (für Gewerbegebiete, Autobahnen und Wohnungsbau) ist ein echtes Problem. Wenn beste Ackerbauflächen (z.B. bei Stuttgart) für verquaste Messeprojekte herhalten müssen wundert mich gar nichts mehr. (Ja- ich bin polemisch, aber dafür stehe ich der Landwirtschaft dann doch zu nahe)

      • @Piscator

        Sie haben in Ihrer Flächenfraß-Aufzählung Windräder und Solarfelder vergessen …

  2. Nachdem der deutsche Bundeskanzler den Russen recht deutlich klargemacht hat, wie unverzichtbar russische Energielieferungen für Deutschland sind, wäre es ein Wunder, wenn die Russen dieses Elfmeter nicht ins Tor schießen würden.

  3. Ich hoffe, dass die USA in den Verhandlungen mit Venezuela einen guten Abschluss finden. Dann hätte man schon mal eine Sorge weniger. Ich vermute dann, dass die USA aktiv eingreifen werden.

  4. Pingback: Russland droht mit Aus für Nord Stream 1 und Deutschland sollte stärker diversifizieren – Bernward.Blog

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