Russland überfällt die gesamte Ukraine und Deutschland ist völlig unvorbereitet

Heute haben russische Truppen auf Befehl ihres Diktators Putin die gesamte Ukraine angegriffen und völkerrechtswidrig einen heißen Krieg begonnen. Letzte Woche wurde noch verhandelt und log die russische Seite, keinerlei Angriff zu planen. Schon am Montag eskalierte die Lage, denn Wladimir ‚Putin erk[a]nnte Luhansk sowie Donezk an und schickt[e] Truppen‘ in die bereits von Moskau kontrollierten Gebiete. Daraufhin gab es ein zumindest vorläufiges ‚Aus für Nord Stream 2 nach unwirksamen Sanktionsdrohungen‘. Doch der Angriff heute hat noch einmal eine ganz andere Qualität (und Quantität). Es wird Tausende von Toten geben und die Ukraine verliert faktisch ihre Unabhängigkeit. Noch nicht klar ist, ob der russische Gewaltherrscher sich mit einem Sturz der demokratisch gewählten ukrainischen Regierung begnügen wird, Teile des Landes abtrennt, die ganze Ukraine dauerhaft besetzt oder sie gleich ganz an Russland anschließen will. Militärisch kann die Ukraine dem kaum etwas entgegensetzen und auch keine echte Hilfe von außen erwarten.

Der Westen muss sich eingestehen, dass seine Friedensbemühungen gescheitert sind, wobei nicht klar ist, ob und wie diese Invasion hätte verhindert werden können. Die NATO muss nun konkret die Verteidigungsfähigkeit ihrer eigenen Mitglieder und auch verbündeter Nichtmitglieder wie Finnland und Schweden verbessern. Die Bundeswehr muss endlich wieder einsatzbereit werden. „Die massive Schwäche der Bundeswehr in der Krise“ spricht auch der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, ganz offen an: „die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da. Die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können, sind extrem limitiert.“ Selbst Annegret Kramp-Karrenbauer, die Vorgängerin der noch schwächeren aktuellen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht, äußert sich selbstkritisch: „Ich bin so wütend auf uns, weil wir historisch versagt haben.“ Der heutige schwarze Tag gehört auch zum schlimmen Vermächtnis von Frau Merkel. Sie verhinderte 2008 nach Putins Angriffskrieg gegen Georgien eine echte NATO-Beitrittsperspektive für die Ukraine. Nach der Annexion der Krim 2014 führte sie nun definitiv gescheiterte Verhandlungen mit Präsident Putin, während sie die Bundeswehr verkommen ließ und Deutschland von russischem Gas und Öl abhängig machte.

48 Gedanken zu „Russland überfällt die gesamte Ukraine und Deutschland ist völlig unvorbereitet

  1. Wenn statt dem senilen Tattergreis Sleepy Joe Biden, im Weißen Haus Donald Trump noch als US-Präsident amtieren würde, wäre es niemals so weit gekommen…!

      • Die Ukraine wird seit der Unabhänigigkeit von der Sowjetunion 1991 von milliardenschweren Oligarchen regiert, die vor allem sich selber die nächsten sind. Wo ist da der Unterschied zwischen denen und Putin mit seiner Oligarchen-Clique? Wer ist da gut und wer böse???

        Was muss uns die Ukraine interessieren? Warum muss Deutschland und die EU dort Geld oder sonst was hinschicken? Ich will für solche shitwhole countries nicht bezahlen!

      • Warum lehnen Sie Demokratie, Freiheit und Völkerrecht ab? Die Ukrainer kämpfen und sterben momentan auch für uns. Die ukrainischen Oligarchen sind ein Problem, welches jedoch durch Russland größer wurde. In Russland selbst haben die Oligarchen kaum noch etwas zu melden. Präsident Putin hat einen anderen (schlimmeren) Hintergrund, nämlich vom KGB, und die russischen Oligarchen im Wesentlichen entmachtet. Sie dürfen gnädigerweise noch für ihn arbeiten, können aber jeden Tag enteignet und verhaftet werden.

      • Sie reden Käse! Ich bin ein Freund von Demokratie und Freiheit. Was unter „Völkerrecht“ zu verstehen ist, wurde mir allerdings nie zur Abstimmung vorlegt. Es tut uns Deutschen erkennbar nicht gut, anderen Völkern mit anderer Kultur vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben. In der Ukraine wird genau so wenig Deutschland Freiheit verteidigt, wie sie in Afghanistan verteidigt wurde! Kehren wir doch endlich vor unserer eigenen schmutzigen Haustür!!!

      • Offensichtlich wissen Sie gar nicht, was das Völkerrecht ist und was es bedeutet. Russland hat zahlreiche Verträge unterzeichnet und nun mit Gewalt gebrochen. Russland will der Ukraine mit Gewalt vorschreiben, wie sie existieren oder auch nicht mehr existieren soll. Langfristig droht dasselbe Schicksal auch Deutschland, wenn es an jeder Verteidigungswilligkeit fehlt. Diese völlige Missachtung des Weltgeschehens ist das Hauptproblem in unserem Land.

      • Das „Völkerrecht“ ist ein recht dehnbarer Begriff, der höchst unterschiedlich interpretiert wird. Der Einmarsch in fremde Staaten ist aber in der Tat ein Verstoß gegen internationale Abmachungen. Ich bin kein Putin-Fan und verurteile seinen Überfall auf die Ukraine.

        Es gehört aber auch zur bitteren Wahrheit, dass die Bundeswehr zu einer Pussi-Truppe verkommen ist. Seit Manfred Wörner, Rupert Scholz und Gerhard Stoltenberg hatten wir keinen gescheiten Verteidigungsminister mehr. Der überhastete Ausstieg aus der Wehrpflicht und das Kaputtsparen, hat die Bundeswehr empfindlich geschwächt. Das 2%-Versprechen an die NATO für Verteidiungsausgaben wurde nie erfüllt. Zwei CDU-Möchtegern-Emanzen als Verteidigungsminister waren das Verbot von Traditionspflege, Kindergärten und Gender-Gaga samt Toilettenerlass wichtiger, als die Einsatzbereitschaft. Vor Parkwächtern muss sich niemand fürchten.

        Deutschland, oder besser Neununtland, ist zu einer interessanten Lachnummer verkommen. Skandal-Scholz, Sprachfehler-Plapper-Lena, der Kinderbuchautor, Pleite-Lindner, Antifa-Faeser und die Wackel-Oma werden es jetzt ganz zu Grunde richten. Die einzige Sorge mache ich mir um meine Rente…🤨

      • Das Völkerrecht ist an dieser Stelle völlig klar. Herr Putin ist ein Rechtsbrecher und sogar Kriegsverbrecher. Wahrscheinlich wird ihn niemand zur Rechenschaft ziehen, umso klarer fällt das moralische und historische Urteil über ihn aus. Er schadet insbesondere auch seinem eigenen Land und Volk.

        Dass die Bundeswehr politisch völlig vernachlässigt und mit ablenkendem Unsinn überzogen wurde, ist ein ganz anderes Problem, welches nun hoffentlich entschieden angegangen wird.

    • Ich verstehe wirklich nicht, wie man nach den Fakten, die Putin geschaffen hat, noch in irgendeiner Weise solche Argumentationen vertreten kann. Das impliziert die Mär, die vor dem Angriff aufgebaut wurde, dass sich Putin nur gegen eine Nato-Erweiterung wehrt. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich selbst im Lager der „Putin Versteher“ (bin ohnehin kein „Transatlantiker“ und in der Frage Deutschlands eigentlich auf dem Kurs eines Herrn Gaulands, wir sollten uns mit Russland gut stellen), denn in der Tat wurde Russland vom Westen ein Stückweit betrogen, als (mündliche) Versprechungen gebrochen wurden. So geht man mit einer militärischen Grossmacht nicht um. Nun ist einiges passiert. Lesen Sie doch bitte mal die Inhalte der beiden jüngsten Putinreden aufmerksam durch, und dann sagen Sie mir, wie z.B. eine Ablehnung des völkischen Flügels der AFD auf der einen mit Konzessionen ggü. Putin und seinen Ideen auf der anderen Seite zusammen passen. Putin hat eine de facto Blut&Boden Rede gehalten, in der er eben nicht nur auf die Handlungen des Westens zur Sprache kam, sondern u.a. die Ukraine als russischen Boden bezeichnet hat und ausgedrückt, das territoriale Rad der Geschichte zurück drehen zu wollen. In der Begründung für die Invasion dann hat er nochmals eine Rede gehalten, in der es um „Degradierungen und Entartungen“ des Westens geht, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse, weil sie gegen die menschliche Natur verstößen. Putin sieht sich als neuen Zaren eines autokratischen russischen Reiches, mit faschistischen Methoden nach innen und imperialistischen nach Außen. Er spricht dem ukrainischen Volk das Recht bzw. die Fähigkeit auf/für eine eigenständige Staatlichkeit ab. Er und seine Paladine sowie Sprechpuppen in Weißrussland haben nachweislich gelogen und getäuscht. Er droht dem Westen unverhohlen mit Hinweis auf seine atomare Schlagfähigkeit.

      Ich ärgere mich als Gegner von US-Interventionen maßlos, dass Putin diesen Schritt gegangen ist und die USA mit ihren Prophezeiungen Recht behielten (nein, Putin hat nicht angegriffen wegen der US-Warnungen, die hunderttausende Soldaten waren lange vorher da) Ich hätte ihm außerdem geschicktere Argumentationen zugetraut, aber er wollte mit den Reden offenbar nur nationalistische Strömungen im Inneren bedienen und war schlicht ehrlich, weil er es kann. Putin wurde hier also nicht in einen Krieg hinein getrieben, und ich hoffe für u.a. die AFD, dass sie dieses Narrativ nicht tatsächlich weiter stricken wollen. Das klappt nur in der eigenen Blase.

  2. Mein Eindruck ist, daß die Russen zwar überall etwas rumgeballert haben, letztendlich aber nur dort einmarschiert sind, wo sie eh schon die Kontrolle hatten.
    Welches Ziel verfolgen die Russen? Eine richtige Invasion sieht anders aus.

  3. Seit Jahren werden wir von Naivlingen regiert, die auch opportunistisch verweigern, weiten Teilen der Bevölkerung zu sagen, daß Wohlfühlpolitik hohe Risiken und Folgekosten bringt.

  4. “ ………Sie verhinderte 2008 nach Putins Angriffskrieg gegen Georgien eine echte NATO-Beitrittsperspektive für die Ukraine. “

    Sehe ich völlig anders. Ukraine war 2008 und auch 2021 niemals legitimiert Nato beizutreten. Weil bereits 2008 Haltung Moskaus zum Nato – Beitritt der Ukraine klar war.

    Weil Zusagen der sogen. Westmächte nach 1989 so bestimmt waren daß Russland nicht von der Nato voll umzingelt werden.

    Ohne eigenen Anspruch auf Kenntnis von Weltpolitik, wenn Moskau in Kuba Raketen stationiert hätte, welche Folgen hätte das für Deutschland, für Berlin – meiner Heimatstadt – gehabt ?
    Wir waren damals in Berlin ziemlich nervös, gelinde ausgedrückt.

    Was hätten Russen z.B. in Mittelamerika – Nachbarn der USA – verloren ? Etc. Überhaupt nichts. Auch wenn es nicht oppurtun ist, Russen ticken wie unsere – meine – Freunde in den USA .

    Mir scheint da ist man sehr blauäugig bzgl. Intentionen Russlands in das Desaster hineingekommen.

    PS …kein “ richtiger “ Berliner ist Putin – Versteher.

    • Ihre Argumentation halte ich nicht für richtig, insbesondere angesichts Putins Angriffskrieg. Reine Verhandlungen ohne reale Machtmittel bringen nichts gegen rechtlose Gewaltherrscher. Hätten die USA West-Berlin nicht unterstützt, wäre es nicht zu halten gewesen.

      • Ich stimme Ihnen bzgl. Unterstützung West – Berlins durch USA vorbehaltlos zu. War Augenzeuge am Checkpoint USA !

        Da standen Panzer, amerik. Soldaten. Aber es fiel kein Schuss, war niemals beabsichtigt lt. J.F. Kennedy. ( ….spätere historische Informationen ) . Reiner Symbolcharakter , beruhigten uns Berliner – war noch früher Jugendlicher / Kind – ungemein. Jahre später als JFK nach Berlin kam vor dem Schöneberger Rathaus jubelten wir.

        Situation nach 1989 total anders. UdSSR gab DDR frei ( !!! ) für
        Wiedervereinigung. Unter von 3 Mächten – USA, GB, Fr. – zugesicherter
        Voraussetzung dass Russkand dafür n i c h t von der Nato bedroht wird.
        Mittels Stationierung von Militär, Waffen, gegen Russland beabsichtigte,
        gerichtete westliche Vereinbarungen etc.

        Fakten, deshalb muss man Russlands Invasion jetzt nicht akzeptieren, relativieren. Einfach nur Fakten benennen. Ist kein Putin-Verständnis gleichwohl wird jede Begründung so ausgelegt.

      • Russland wird nicht von der NATO bedroht, sondern hat seine Nachbarn bedroht und wiederholt angegriffen. Es hat keine Vereinbarung oder verbindliche Zusage gegeben, dass souveräne Staaten nicht Mitglied der NATO werden dürfen. Es hat Beschränkungen bei der Truppen- und Raketenstationierung gegeben, die durch den aktuellen Angriffskrieg aber wohl hinfällig wurden. Die baltischen Staaten waren z. B. ohne NATO völlig schutzlos (und auch mit und von ihr sind sie nicht direkt zu verteidigen, sondern mittels Abschreckung).

    • @Bernd L. Mueller sagte am 25/02/2022 um 07:51 :“ . . .Weil Zusagen der sogen. Westmächte nach 1989 so bestimmt waren daß Russland nicht von der Nato voll umzingelt werden. . . .“ Und nach Besetzung der Ukraine ist Russland gleich von 4 NATO-Staaten umzingelt. Haben Sie für Wladimir Adolfowitsch die Strategie-Beratung durchgeführt ?

    • Richtig ist, dass die Sanktionsandrohungen nichts gebracht haben und die Sanktionen nichts bringen werden. Trotzdem wäre es fälsch, jetzt gar nichts zu machen, weil dann auch andere, z. B. militärische Drohungen für den Fall eines Angriffs auf ein NATO-Mitglied abgeschwächt würden. Auch diese Form der Abschreckung hat Schwächen, doch die spieltheoretische Analyse ist etwas komplizierter und nicht ganz so hoffnungslos.

  5. Der Westen sollte sich nicht einmischen. Denn mittelfristig erlebt Russland eine demografische Katastrophe. So wie China bereits heute. Siehe dazu Wikipedia „Demographics of China“, Vital Statistics
    Der Kommunismus bricht zusammen.
    Auch das autoritäre Regime in Russland wird in einigen Jahren zusammenbrechen.
    Wir brauchen eine liberal-konservative und ökologische Politik. Und eine Erneuerung des Christentums. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

  6. Sanktionen werden mittelfristig nichts bringen. Die Devisenreserven Russlands liegen über 180 Milliarden Dollar, und man muss dann auch schauen, dass sich der Westen nicht selber schädigt. Vorrangig müsste jetzt eine deutsch-russische Freundschaft generiert werden auf Basis der Jugend. Lieber Frieden statt Freiheit oder umgekehrt, dazwischen gibt es noch einen schmalen Grat, der begehbar gemacht werden müsste.

    • Wenn London als Zufluchtsort und Verwertungsstelle der Oligarchen-Vermögen ausfallen würde, fiele ein Motiv zur System-Erhaltung in Russland aus.

  7. Russland ist unter Gorbatschow dem Westen weit entgegengekommen, gerade bei der deutschen Wiedervereinigung. Leider hat der Westen Gorbatschows Wohlwollen nicht belohnt, sonder im Gegenteil eher ausgenutzt. Im Lauf der Jahre ist die NATO immer naeher an Russlands Grenzen herangerueckt, Russlands Bedenken wurden nie ernstgenommen. Es ist zumindest nachvollziehbar, dass Russland irgendwo eine rote Linie gezogen hat. Amerika haette es nie geduldet, wenn eine feindliche Grossmacht sich in ihrer Nachbarschaft breitgemacht haette.

    Es war ein Fehler, dass Praesident Zelensky den NATO Beitritt forciert hat (obwohl, wie sich jetzt zeigt, die NATO Staaten offenkundig nicht gewillt sind, fuer die Ukraine in den Krieg zu ziehen) und darueberhinaus die Re-Integration der Krim angestrebt hat. Diese Schritte waren allesamt legal, besonnen waren sie nicht.

    Das alles rechtfertigt in keiner Weise die russische Invasion. Russlands Krieg ist ein Bruch des Voelkerrechts genauso wie der Kosovo-Krieg der NATO und der Irak-Krieg der USA. Es ist schade, dass der Westen nicht eine Verhandlungsloesung (Russland respektiert die Grenzen der Ukraine, die im Gegenzug nicht Mitglied der NATO wird) angestrebt hat.

    • „Russlands Krieg ist ein Bruch des Voelkerrechts genauso wie der Kosovo-Krieg der NATO und der Irak-Krieg der USA.“ Die Gleichsetzung ist falsch. Nicht jeder Rechtsbruch ist gleich schlimm, auch nicht jeder Bruch des Völkerrechts. Präsident Putin unternimmt einen reinen Angriffskrieg nur zu eigenem Vorteil, vielleicht sogar zur Landnahme wie schon bei der Krim, die er allerdings weniger blutig bekam. Der Westen hat zur Vermeidung dieses Verbrechens mit ihm verhandelt, er hat aber nicht ernsthaft verhandelt, sondern bis zuletzt gelogen. Nachträglich bestätigt das doch, dass die NATO-Ausdehnung zum Schutz der neuen Mitglieder nötig war. Hätte Frau Merkel die Ukraine in die NATO gelassen, würde diese jetzt nicht angegriffen.

    • Die Zusagen gegenüber Gorbatschow – wenn es denn solche gab – waren an die Sowjetunion mit einem bestehenden Verteidigungsbündnis gerichtet. Mit der Auflösung der SU sind neue völkerrechtliche Subjekte mit souveräner Entscheidungshoheit entstanden. Es bestand keinerlei Veranlassung etwa Helmut Kohls die Verhältnisses des Warschauer Pakts freiwillig zu konservieren. Die Bedrohung des neu entstandenen Russlands ging unter Jelzin von Tschetschenien aus; zudem hat es Bedrohungen Estlands durch russische Truppen gegeben, die die Sicherheitsbedürfnisse der baltischen Staaten weckten. Kohl wie die USA und Frankreich hatten versucht, das Regime Jelzins wirtschaftlich zu stabilisieren. Dieses Regime ist an seiner überstürzten Privatisierung gegen inflationierte Rubel, am Verzicht auf Kapitalverkehrskontrollen u.a. gescheitert, es war die Geburtsstunde einer hemmungslosen, ausbeuterischen Oligarchie. Kohl hatte 1996 zur Unterstützung Jelzins Wiederwahl die Nato-Osterweiterung nicht angesprochen, wohl aber auf das problematische Verhältnis Russlands zu seinen Nachbarn verwiesen. Es liegt eigentlich auf der Hand, dass das NATO-Thema von Putin als Ablenkungs-Manöver benutzt wird.

  8. „Nicht jeder Rechtsbruch ist gleich schlimm“. Der Irak-Krieg hat Hunderttausende Iraker das Leben gekostet. Der Irak-Krieg war ein Angriffskrieg, der auf Luegen von Bush und Cheney aufgebaut war. Sind die Leben der Iraker nicht genauso wertvoll und schuetzenswert, wie die der Ukrainer? Das rechtfertigt Russlands Verhalten in keiner Weise, aber es ist heuchlerisch, wie hier mit zweierlei Mass gemessen wird.

    „Der Westen hat zur Vermeidung dieses Verbrechens mit ihm verhandelt, er hat aber nicht ernsthaft verhandelt.“ Der Westen hat es abgelehnt, ueber die zentrale Forderung Russlands (keine NATO Mitgliedschaft der Ukraine) zu verhandeln.

    „Hätte Frau Merkel die Ukraine in die NATO gelassen, würde diese jetzt nicht angegriffen.“ Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig, aber auch nicht absolut sicher. Moeglicherweise haette Russland die Beistandsverpflichtung an die Ukraine als einen Bluff gesehen. Dann stuende die NATO jetzt moeglicherweise im Krieg mit Russland, mit katastrophalen Folgen. Ich lehne es ab, dieses Risiko einzugehen.

    • Der erste Irak-Krieg der USA war vollständig gerechtfertigt durch die Invasion Kuwaits. Ebenso wäre jetzt übrigens ein Krieg gegen Russland zur Verteidigung der Ukraine gerechtfertigt, aber viel zu gefährlich. Der zweite Irak-Krieg der USA wurde mit verbotenen Massenvernichtungswaffen gerechtfertigt, die es allerdings gar nicht gab, da Saddam Hussein gelogen hatte und die US-Regierung ihm glauben wollte und zu diesem Zweck falsche Beweise vorlegte. Folglich war es ein ungerechtfertigter Krieg und eine Völkerrechtsverletzung, aber eben nicht auf einer Stufe mit dem jetzigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Diese Gleichsetzungen sind rechtlich, moralisch und politisch falsch.

      Die Forderung Russlands, die Ukraine dürfe niemals NATO-Mitglied werden, war nicht berechtigt und schon gar kein legitimer Kriegsgrund, zumal in der Folge eine zukünftige NATO-Mitgliedschaft der Ukraine wahrscheinlicher geworden ist. Der Westen hat darauf verwiesen, dass eine solche Mitgliedschaft aktuell ohnehin nicht anstand. Nur die Ukraine hätte sie dauerhaft ausschließen können, hat sie allerdings umgekehrt als Ziel in der Verfassung stehen wegen der letzten russischen Invasion. Es ist doch spätestens jetzt offensichtlich, dass alle Nachbarn Russlands militärisch bedroht sind, wenn sie nicht der NATO angehören oder selbst eine Atommacht wie China sind. Sogar Finnland und Schweden denken jetzt ernsthaft über einen NATO-Beitritt nach, da sie inzwischen gefährdeter sind als selbst zu Zeiten des Kalten Krieges.

      • „Folglich war es ein ungerechtfertigter Krieg und eine Völkerrechtsverletzung, aber eben nicht auf einer Stufe mit dem jetzigen Angriffskrieg gegen die Ukraine.“ Was war der Irak-Krieg von 2003 anderes als ein Angriffskrieg? War es etwa ein Krieg zur amerikanischen Landesverteidigung? Der Irak hat Amerika nicht angegriffen. Der Irak ist Tausende Meilen von Amerika entfernt, er war durch jahrelange Sanktionen und durch UN-Waffensinspektionen geschwaecht, und war gar nicht in der Lage, Amerika zu bedrohen. Massenvernichtungswaffen hatte der Irak nicht, wie man schon damals aufgrund der Inspektionen von Hans Blix genau wusste.

        „Die Forderung Russlands, die Ukraine dürfe niemals NATO-Mitglied werden, war nicht berechtigt“ Das ist vom voelkerrechtlichen Standpunkt her vermutlich richtig, aber man muss dann fairerweise auch darauf hinweisen, dass Amerika es mit dem Voelkerrecht in den letzten 30 Jahren auch nicht immer genau genommen hat. Vom realpolitischen Standpunkt her ist es dagegen nachvollziehbar, dass Russland sich durch die immer weitere Ausbreitung der NATO bis unmittelbar an die Grenzen Russlands bedraengt fuehlt. George Kennan hat bereits 1997 vor der NATO Osterweiterung gewarnt. Henry Kissinger hat 2014 von einer NATO Mitgliedschaft der Ukraine abgeraten. Die Bukarester Erklaerung, in der man Georgien und der Ukraine eine NATO Mitgliedschaft versprochen hat (und die spaetere Entsendung amerikanischer Militaerberater in die Ukraine), war ein Spiel mit dem Feuer, vergleichbar mit der Stationierung von russischem Militaer auf Kuba in den 1960er Jahren.

      • Sie sind ein schlimmer Relativierer angesichts des aktuellen und völlig ungerechtfertigten Krieges gegen die Ukraine. Ein Völkerrechtsbruch lässt sich nicht durch einen ganz anderen rechtfertigen, zumal der andere weniger schwerwiegend war. Die USA haben sich kein fremdes Territorium angeeignet und keine demokratische Regierung beseitigt, sondern einen blutigen Diktator gestürzt, der mit (nicht vorhandenen) Massenvernichtungswaffen drohte.

        Der Ukraine wurde nie eine NATO-Mitgliedschaft versprochen, sondern nur vage in Aussicht gestellt, was insbesondere Frau Merkel hintertrieben hat mit der gegenwärtigen Invasion als Folge. Herr Putin treibt doch mit seinen Kriegen alle seine westlichen Nachbarn in die NATO mit Ausnahme von Weißrussland, dessen Diktator nur noch mit russischer Hilfe zu Gewalt gegen das eigene Volk an der Macht ist.

  9. Aufgrund der unverhohlenen nuklearen Drohungen Putins kann es nur eine Antwort geben: Sicherheit gibt es nur beim Besitz eigener Atomwaffen; dies gilt insbesondere für Finnland, Polen, Schweden und auch uns. Eine konventionelle Aufrüstung würde gegen eine nukleare Drohung nichts nützen und zu lange dauern.

    Mit Philip von Mazedonien: „Keine Mauer ist so hoch, als dass der mit Gold beladene Esel nicht mühelos darüber hinweg käme; und abgewandelt nach Rathenau: Kaufen wir sie doch!
    Ich bin sicher, dass z.B. Pakistan gegen ein Bakschisch lieferbereit wäre. Selbst mit Kim Jong Un könnte man über einen angemessenen Preis reden. Auch Israel benötigt seien 600 Atomwaffen nicht morgen früh.
    Im Ernst, es wird als Folge von Putins Überfall auf eine ehemalige Atommacht zu einer Explosion der Atommächte kommen, womit auf Dauer die Gefahr eines Atomkrieges exponentiell ansteigt. Der nächste Kandidat ist Saudi-Arabien als Käufer für Pakistan und die Türkei als Selbstentwickler. Dort gibt es bright girls and boys!

    • Mit ihrem Text muss ich Ihnen recht geben. Bei der Summe aller atomaren Sprengköpfe gehören alleine den Russen 50%. Militärisch hat die Welt keine Chance, wenn Putin auch nur einen einzigen Sprengkopf über die Ukraine zündet.

    • Kleinen Ländern nutzen eigene Atomwaffen viel weniger, weil ihnen die strategische Tiefe fehlt. Bei einem Atomkrieg sind sie einfach weg und könnten höchstens noch etwas nutzlose Vergeltung üben. Die NATO ist groß genug und bietet durch die USA besseren Schutz, als ihn z. B. eine deutsche Bundesregierung jemals gewährleisten könnte. Finnland und Schweden wären auch in der NATO sicherer, in die sie gerade von Herrn Putin getrieben werden.

  10. Zitat: „Hätte Frau Merkel die Ukraine in die NATO gelassen, würde diese jetzt nicht angegriffen“.
    Das ist absoluter Quatsch, ja sogar äußerst dumm Herr Professor!!! Merkel hat genau richtig gehandelt, anderen EU Staaten von der Absicht die Ukraine aufzunehmen widersprochen. Wäre es zur Aufnahme gekommen, hätten wir heute den EU – Nato Verteidigungsfall. Sie werden doch zugeben, dass Merkel Mentalität und Entschlossenheit der slawischen Völker besser kennt als SIE!!! Hier in Nordkirchen haben wir „noch so einen“ Theoretiker Professor und dazu noch Ihr duz – Freund. Leben SIE weiter in Ihren Blasen und Theorien.

    • Wladimir Putin ist ein Verbrecher, aber kein Verrückter. Er hat jeweils sehr vorsichtig gehandelt und immer nur viel Schwächere angegriffen. Wäre die Ukraine in der NATO, wäre sie nicht angegriffen worden, schon 2014 nicht. Es ist allerdings möglich, dass sie noch früher angegriffen worden wäre, um ihren Beitritt zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Das mag auch jetzt eine Rolle gespielt haben.

      • Die Diskussion ist doch sehr akademisch. Zwischen der Vereinbarung und der Wirksamkeit eines Natobeitritts wäre allemal genug Zeit gewesen, die Ukraine zu eliminieren. Dann wäre der Einmarsch halt schon 20 Jahre früher erfolgt.

      • Es stand doch aktuell gar kein NATO-Beitritt der Ukraine an. Zeit zu dessen Verhinderung hätte es also noch reichlich gegeben. Präsident Putin geht es offensichtlich um etwas anderes, nämlich die Verhinderung einer halbwegs funktionierenden Demokratie beim Nachbarn, die seine eigenen Bürger auf dumme (bzw. eigentlich kluge) Gedanken bringen könnte. Entsprechend werden jetzt viele Russen verhaftet, die gegen seinen Angriffskrieg protestieren.

  11. Das Problem bei Herrn Putin (bzw. seinem Chefideologen Dugin, den ich einmal kennenlernen konnte) ist, dass er a) ein religiös halbgebildeter Spinner ist und b) vom Geheimdienst kommt.
    Ad a) damit erhebt er sich im Namen Gottes über die Gesetze der Mathematik (Spieltheorie) und der Ökonomie. Ziel ist es, den „dekadenten Westen“ mit seinem neuen Babylon (New York und Hollywood) zu zerstören, bevor es zur mythologischen „Schlacht von Armageddon“ kommt. Die Ukraine ist in dieser Sicht vom „Krebsgeschwür des Liberalismus“ befallen. Das muß ausgemerzt werden- auch um den Preis eines Atomkrieges, um die Seelen der Menschen zu retten. „Wage uns zu verurteilen, wenn du wiederkommst“, lässt Dostojewski den Großinquistor zu Jesus Christus in seinem großartigen gleichnamigen Text in den Brüdern Karamasov sagen.
    b) zum Geheimdienst: ein Militär rechnet seine Chancen rational durch. Putin kommt vom Geheimdienst. Er meint, er könne noch eine Hintertür finden, sagte mir einmal vor Jahren ein Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes.
    Beides zusammen bildet einen gefährlichen Sprengstoff.

    • Finden Sie nicht, dass Herr Putin seine Chancen und Risiken viel genauer durchgerechnet hat als z. B. die Bundesregierung? Uns gefallen seine Mittel und Ziele nicht, aber er geht doch recht rational und erfolgreich vor.

      • @Alexander Dilger
        Da wäre jetzt vieles zu diskutieren. Auch ein psychisch kranker Mensch kann im Rahmen seiner Wahnvorstellungen zweckrational handeln, ohne dass ich jetzt irgendjemand unterstelle, psychisch krank zu sein. Ich denke, dass z.B. Frau dr. Merkel ihre Ziele sehr erfolgreich erreicht hat. (Nämlich an der Macht zu bleiben) . Ob das Herrn Putin gelingen wird? Ich habe meine Zweifel.
        Ich bin mir auch unsicher, ob es eine einheitliche Vernunft gibt. So ist – da fällt es mir gerade besonders auf – die Rationalität der landwirtschaftlichen Betriebswirtschaft in Bezug auf den Boden eine völlig andere als die der allgemeinen BWL. Das ließe sich auch für andere Bereiche aufzeigen.
        Daneben muß man auch den Einwand des Mathematikers Pascal berücksichtigen: „Das Herz hat Gründe, von denen der Verstand nichts weiß.“ Im Original: „Le coeur a ses raisons que la raison ne connaît point.“ (Wobei das „Herz“ die Personenmitte meint)Pensées IV, 277

      • Bosheit ist kein Zeichen von mangelndem Verstand, sondern von einem schlechten Herzen und Charakter. Blaise Pascal war sehr klug, aber gerade kein Streiter für die Rationalität, sondern gegen sie, weil ihm sein Glaube wichtiger war.

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