Verschlechtertes Testverfahren an Grundschulen in NRW

Das „‚Lolli‘-PCR-Testverfahren an Grundschulen wird verändert“, wurde gestern Abend in NRW angekündigt und heute schon umgesetzt. Erst seit diesem Jahr, also faktisch gut zwei Wochen wurden neben den schon länger verwendeten Pool-Tests für die ganze Klasse von jedem Schüler Einzelproben genommen, die im Falle eines positiven Poolergebnisses sogleich getestet werden sollten, um zu wissen, welches Kind infiziert ist und in Quarantäne muss. ‚Quarantäne für gesunde Kinder mit negativem Test‘ blieb und bleibt allerdings möglich, wenn mehrere Kinder einer Klasse in einer Woche positiv getestet wurden. Letzte Woche wurde uns das sogar angedroht, weil das Ergebnis vom Pooltest am Abend noch nicht vorlag. Ein verzögertes Testergebnis sollte also dieselben Konsequenzen wie ein positives haben, wobei das negative Ergebnis zum Glück noch über Nacht kam.

Nun trifft das allgemeine Missmanagement bei den PCR-Tests, von denen ganz Deutschland weniger schafft als Wien allein, auch die Schüler (und ihre Eltern), indem die PCR-Einzeltests entfallen. Bei positivem Pooltest sollen die Eltern jetzt mit ihrem Kind frühmorgens selbst zu einem Testzentrum fahren für einen Antigen-Schnelltest. Ein solcher Einzeltest an der Schule vor Unterrichtsbeginn ist auch möglich, aber nicht erwünscht. Also stehen wir morgen früher auf wegen einem weiteren Beispiel von Politikversagen.

16 Gedanken zu „Verschlechtertes Testverfahren an Grundschulen in NRW

  1. Hätten schlecht managende (deutsche) Landesregierungen wenigstens einen Funken Vertrauen in die Schüler und ihre Eltern – also in ihre Bürger = Wähler und künftige Wähler – ließe sich das Problem ihres Missmanagements leicht durch Selbsttests, die früh vor der Schule zu Hause durchgeführt werden könnten, lösen. Denn welches Kind bzw. welche Eltern hätten schon ein Interesse daran, infiziert zur Schule zu gehen? Aber offenbar ist das politische und gesellschaftliche Klima inzwischen so vergiftet, dass diese Lösung nicht einmal in Erwägung gezogen wird.

    • Die meisten Politiker halten uns inzwischen für unmündige Untertanen statt mündige Bürger und den Souverän. Misstrauen hat auch die fatale Tendenz, sich selbst zu bestätigen. Wahrscheinlich ist der Anteil der Ehrlichen unter den Eltern viel höher als unter den Politikern, aber natürlich nicht 100 Prozent.

      • Ein paar Schwarze Schafe gibt es immer. Aber unter Politikern dominieren sie.

      • Ja, unser politisches System führt zu einer negativen statt positiven Auslese und muss dringend grundlegend reformiert werden. Leider mangelt es dazu an Einsicht und vor allem Anreizen, da die vorhandenen Politiker davon profitieren.

      • Leider bin ich da sehr, sehr skeptisch. Es gibt – wenige, aber immer noch zu viele penetrante Eltern – die meinen, alles besser zu wissen als die Lehrer, selbst wenn diese einschlägige Forschungsartikel veröffentlicht haben. Meine Schulleitung hat deshalb inzwischen von unserem Kollegium Veröffentlichungslisten, auf die sie bei Elternbeschwerden zurückgreifen kann. Diese Eltern würden auch Testungen zu Hause falsch melden.

      • Ja, solche Eltern gibt es leider. Es gibt allerdings auch unseriöse Testzentren und noch viel mehr unseriöse Politiker. Schließlich kann die gesamte Test- und Quarantänestrategie an Schulen hinterfragt werden. Was sagt denn Ihre Forschung oder zumindest Erfahrung dazu?

    • Ich selber forsche nebenher zu meinem Schuldeputat zur medizinischen Ethik unter Zeitdruck. Deshalb hatte ich auch eine Auseinandersetzung mit einem Vater als ich im Unterricht Suizidprävention behandelt habe. (Sie ist nötig, wenn im Deutschunterricht Texte wie Goethes: „Leiden des jungen Werther“ oder Wedekind „Frühlingserwachen“ behandelt werden, wegen des Werthereffekts.) Der Vater war zudem als Arzt Coronaleugner. Das war wohl eine Übersprungshandlung des Vaters- meine Vermutung. Andere Eltern schreiben: „Ich habe mein Kind extra auf eine Privatschule geschickt, denn es soll Industriemechaniker werden, und da machen sich schlechte Noten in Mathe schlecht“ d.h. die Eltern wollen z.T. gute Noten kaufen. Zur Teststragie: in BW hat man letztlich alle Verantwortung bei den Schulleitungen abgeladen, ich hätte eine konsequente Null-Zero-Strategie bevorzugt und verwende für meinen Unterricht den ausgezeichneten Entwurf aus Siegen zu Wirtschaftsethik und Corona. So viel erst einmal in Kürze.

      • Anfangs mag man eine „konsequente Null-Zero-Strategie“ ernsthaft erwogen haben, aber inzwischen ist sie doch empirisch krachend gescheitert. Schauen Sie nach Australien und Neuseeland, die sie unter ungleich günstigeren Bedingungen probiert haben und aufgeben mussten. China versucht sich noch daran mit brutalen Mitteln, die nur einer Diktatur zur Verfügung stehen, und hat keinen nachhaltigen Erfolg damit. Aktuell mit Omikron stellt sich doch eher die Frage, ob man die Durchseuchung großer Teile der Bevölkerung verlangsamen oder einfach geschehen lassen soll.

      • Ich stimme Ihnen zu zur konsequenten Null- Zero-Strategie. Für Schüler ist es aber sehr instruktiv zu sehen, warum diese Strategie scheiterte. Das kann man mit dem Material aus Siegen gut behandeln. Zur aktuellen Omikronvariante vertrete ich nur, dass man die Kurve abflachen muss (wie weit, ist dann noch eine zweite Frage) und zusehen muss, dass man sich nicht noch eine gefährlichere Mutation ins Haus holt. (Dafür habe ich aber Kollegen, deren Schwerpunkt Mikrobiologie ist. An dieser Diskussion kann ich mich nicht beteiligen.) Etwas Sorgen macht mir der Anstieg von Diabetes I nach Coronainfektionen bei Kindern.

      • Muss man die Kurve tatsächlich noch abzuflachen versuchen, wenn Omikron so mild ist und weiterhin keine Überlastung des Gesundheitswesens droht? Individuell versuche ich weiter, eine Infektion zu vermeiden, aber der Staat ist dabei keine große Hilfe. Mutationen können irgendwo auf der Welt entstehen und lassen sich, wenn sie sehr ansteckend sind, nicht aus Deutschland fernhalten. Zum Glück ist es unwahrscheinlich, dass sie wieder tödlicher werden. Wahrscheinlich endet SARS-CoV-2 wie die bereits verbreiteten und recht harmlosen Coronaviren.

  2. In einigen Grundschulen findet der Schnelltest nach einen positiven Pooltest morgens in der Schule statt. (Es sind also nicht alle Kommunen in NRW gleich heruntergekommen.)
    Allerdings müssen die Eltern dann damit rechnen, ihr Kind ggf. sehr kurzfristig wieder nach Hause holen zu müssen, was auch nicht schön ist.
    Unser Ministerpräsident sieht in solchen Kleinigkeiten aber wohl kein Problem. Für ihn ist es wichtig, die Bürger zu disziplinieren, die sich der von oben verordneten Hysterie bislang erfolgreich widersetzt haben.
    Der Wähler wird sich zu gegebener Zeit daran erinnern.

    • Es ist die Vorgabe der Landesregierung, dass die Schulen Schnelltests anbieten müssen. Unsere Grundschule tut das auch, rät aber selbst davon ab, „um die Infektionsgefährdung hier vor Ort so gering wie möglich zu halten“. Dafür ist das ganze Verfahren mit den Pooltests aber gar nicht geeignet. Wenn man meint, dass Kinder sich insbesondere in der Schule anstecken, wieso macht man dann keine Schnelltests am Morgen (oder vernünftigen, landesweit vorbereiteten Digitalunterricht), sondern einen Pooltest, der erst über den Tag ausgewertet wird? Nach Angaben des Ministeriums ist inzwischen jeder fünfte Pooltest positiv. Also sitzt in jeder fünften Klasse mindestens ein infiziertes Kind. Über den Tag (des Tests und die testfreien Tage) stecken sich jedoch offensichtlich nicht alle anderen an. Ich halte die gesamte Corona-Politik inzwischen für verfehlt, ohne Ziel und Strategie wird ein Sammelsurium inkonsistenter Maßnahmen vorgeschrieben.

      • Man sollte unsere Kinder definitiv von dem ganzen Test- und leider auch Impfwahnsinn verschonen.
        Gesunde Kinder haben praktisch kein Risiko schwerer Corona Erkrankungen.
        Von Mai bis Oktober ist die Virenbelastung sowieso sehr gering. Und jetzt im Winter haben wir zwar eine starke Omikron-Verbreitung, jedoch kaum schwere Verläufe.
        Es gibt zumal bei Kindern kein Massensterben an Covid und auch keine Überlastung der Intensivstationen, auch nicht der Krankenhäuser mit Covid.
        Da, wo sich Eltern oder Großeltern Sorgen um ihre eigene Gesundheit haben, sollte diese selbst entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

      • Vielleicht schafft Omikron, wozu unsere Politiker und leider auch Gerichte offensichtlich nicht in der Lage sind, nämliche eine Rückkehr zu einem vernünftigen Umgang mit einer zunehmend normalen Corona-Infektion. Die politische Debatte und die angeordneten Maßnahmen haben doch fast gar nichts mehr mit der Realität zu tun und halten die Infektion von Millionen Menschen auch gar nicht auf.

  3. Pingback: Verschlechtertes Testverfahren an Grundschulen in NRW – Bernwards Blog

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