Wissing nun gegen Verbrennungsmotoren und synthetische Kraftstoffe, aber auch nicht so ganz

Die FDP wackelt nicht nur bei der Impfpflicht (siehe ‚Lockdown für Ungeimpfte und Impfpflicht‘) und soliden Staatsfinanzen (siehe ‚Lindner verschiebt 60 Milliarden zur Umgehung der Schuldenbremse‘), sondern z. B. auch bei einer liberalen und technologieoffenen Verkehrspolitik, wie Bundesverkehrsminister „Volker Wissing und das Rätselraten um den Verbrennungsmotor“ zeigen. Im Wahlkampf (und davor im Bundestag) hatte sich die FDP noch gegen ein pauschales Verbot von Verbrennungsmotoren und für synthetische Kraftstoffe eingesetzt. Dagegen heißt es im (kostenpflichtigen) Tagesspiegel-„Interview mit Verkehrsminister Wissing: ‚In manchen Bereichen kann Tempo 30 helfen'“. Er meint: „Wir müssen die verschiedenen Energieträger dort einsetzen, wo sie am effizientesten sind. Das ist beim Pkw der E-Antrieb.“ Bei Flugzeugen sei das anders, aber für Autos gelte: „Auf absehbare Zeit werden wir aber nicht genug E-Fuels haben, um die jetzt zugelassenen Pkw mit Verbrennungsmotor damit zu betreiben.“

Nach deutlichen Protesten (aber auch dem wohl angestrebten Lob von linker Seite) ruderte der Verkehrsminister dann im Bundestag gleich wieder zurück, indem er sich wieder für die ursprünglich versprochene Technologieoffenheit und „strombasierte Kraftstoffe“ aussprach. So geht es jetzt bei vielen Themen hin und her, ohne dass sich die FDPler an liberale Prinzipien oder das eigene Wort halten. Wer möchte da noch in Deutschland investieren, selbst wenn es nur ein eigenes Auto ist mit was für einem Motor auch immer?

32 Gedanken zu „Wissing nun gegen Verbrennungsmotoren und synthetische Kraftstoffe, aber auch nicht so ganz

  1. Vollelektrische, aus Akkumulatoren gespeiste Pkw und so genannte Plug-In-Hybride wären ohne hohe steuerliche Anreize und Subventionen nach wie vor praktisch unverkäuflich. Für Fahrzeuge mit Brennstoffzellen, von denen inzwischen nur noch zwei Modelle, nämlich die extrem seltenen Exoten Hyundai Nexo und Toyota Mirai, angeboten werden (https://www.spiegel.de/auto/wasserstoff-autos-diese-modelle-gibt-es-in-deutschland-zu-kaufen-a-088cffed-f8c5-4fdc-a773-cfbf5e18749d) und es insgesamt nur etwa 500 überhaupt auf deutsche Straßen geschafft haben, fehlt es am Tankstellennetz und auch Hybridautos ohne Ladekabel fristen trotz inzwischen relativ breiter Angebotspalette seit nunmehr 25 Jahren (der erste Toyota Prius kam 1997 auf den Markt) ein Nischendasein. Keine dieser Technologien ist in ihrer Gesamtbilanz umweltfreundlicher / nachhaltiger als vergleichbare Autos mit Verbrennungsmotoren und die vermeintlich niedrigen Verbrauchs-/Emissionswerte der Fahrzeuge sind eine einzige Augenwischerei, da sie nur das Fahrzeug selbst betrachten, nicht jedoch direkt oder indirekt zugeladenen Strom, wie er zum Beispiel für die Produktion von Wasserstoff benötigt wird. Die Physik lässt sich nicht überlisten.

    • Die Entscheidung ist ökonomisch und ökologisch falsch. Die Grünen wurden immerhin für diese Ideologie gewählt, die FDP aber zu deren Verhinderung, die sie nicht leistet, da sie wie die Merkel-CDU die eigenen Positionen ins Gegenteil verkehrt.

  2. …….haben uns nach Gespräch mit sachkundigem Autohändler – auch bzgl. Zukunft – wieder für Verbrenner entschieden. Nicht „hochmotorisiert“ aber leistungsgerecht für Autobahn und Berge.

    PKWs werden – wie bei uns – eh ca. alle 7Jahre ausgetauscht weil Reparaturen anfangen. FDP, Verlass auf Kontinuität ? Kannste vergessen.

    Kenntnis bei FDP zwischen Wunsch , Wirklichkeit bzgl. Energie für Industrie , Verbraucher der nächsten 10 Jahre , über Wettbewerb aus dem Ausland ? Auch Fehlanzeige.

    Was bleibt ?

      • Ein solides konventionelles Auto mit Verbrennungsmotor überlebt – gewissenhafte Servicierung vorausgesetzt – jedes heute angebotene Elektroauto, das auf Akkumulatoren angewiesen ist, spielend. Sie können Ihren Verbrenner also getrost weiter fahren oder sich auch noch in Ruhe einen Neuen kaufen.

      • Mein Plan ist, den aktuellen Volvo noch ein paar Jahre zu fahren, bis er doch zu viele Probleme macht, um mir dann noch einen neuen Verbrenner zu kaufen, bevor sie ganz verboten oder einfach nicht mehr angeboten werden.

      • …Danke, wir gehören zusammen. Nicht nur „unser“ Verbrenner.

        Unser neuer Skoda Benzin Verbrauch von Augsut 2021 per 100/km liegt bei D = 4,7 Liter. Wenn wir längere Strecken
        fahren, passiert wg. Corona etc. immer weniger, kommen wir bei 100 km / auf 4,2 Liter Super E 5 . ( 5 % Beimischung ) .

        Angeblich geplante Zwangsbeimischung ( Bioethanol ) bei Benzin E 5 würde das allerdings konterkarieren.
        Aber dieser Regierungs ist Symbol – Politik wesentlich, vor Sachzwängen.

        PS Freund von uns – Handwerksmeister mit vielen Baustellen – hat seinen alten VW Diesel
        Tansporter / Pritsche – ca. 15 Jahre alt – wieder fit gemacht , stolz auf lange
        Lebensdauer, Sauer dass sein treues, langlebiges Gefährt Restriktionen unterworfen ist.

      • Ich bin Vielfahrer. Führerschein der Klasse 3 seit 1981, ca. 4,3 Mio. km Fahrpraxis, viel Erfahrung mit langstreckentauglichen Pkw. In der ersten Hälfte meiner „Laufbahn auf der Überholspur“ habe ich stets BMW bevorzugt. Etwa 2005 bin ich bei den Alltagsautos dann aber endgültig ganz auf Mercedes umgestiegen, da mir der elektronische Overkill bei BMW immer suspekter geworden ist. Ich habe eigentlich seit Mitte der 1980er Jahre immer Benziner und Diesel parallel gefahren.
        Bei den Gesamtbetriebskosten sind selbst ältere Benziner unterm Strich erstaunlicherweise aber sogar für Vielfahrer im Vorteil. Krassestes Beispiel: Im November 2005 kaufte ich mir einen Mercedes E320 4-matic (Benziner, 225 PS, Allradantrieb) und kurz darauf, im Januar 2006 einen Mercedes C270 Cdi (Diesel, 170 PS, Hinterradantrieb). Beide als Neuwagen.
        Der Durchschnittsverbrauch der E-Klasse mit allem Komfort und Allradantrieb lag bei etwa 11,5 Litern Super/100 km (min. 8,8 Liter/100 km; max. ca. 15 Liter/100 km), der der deutlich kleineren und kompakteren C-Klasse laut Bordcomputer bei 5,9 Litern Diesel/100km, tatsächlich aber bei etwa 7,1 Litern/100 km (min. 4,1 Liter/100 km, max. 9,1 Liter/100 km). Trotz des klaren Verbrauchsvorteils und etwa 75% höherer Jahresfahrleistung lagen die Gesamtbetriebskosten des kleinen Diesel (W203) je Kilometer aber auf Grund erheblich höherer Reparatur- und Wartungskosten (was vor allem am hohen Bremsenverschleiß lag), teuerer Kfz-Steuer und Versicherungskosten erkennbar über denen des vergleichsweisen Dickschiffs E-Klasse (W211) mit Benzinmotor und Allradantrieb. Das relativiert sich zwar ein klein wenig, wenn man die Anschaffungskosten mit einbezieht, da lagen die beiden Wagen etwa 20.000 € auseinander (Listenpreis der ebenfalls mit vielen Extras ausgestattenen C-Klasse seinerzeit knapp 50.000 €, E-Klasse 70.000 €), eine Endabrechnung kann man aber natürlich erst erstellen, wenn beide Fahrzeuge ausgeschieden sind (die E-Klasse erlitt vor drei Jahren leider bei Blitzeis einen wirtschaftlichen Totalschaden, die C-Klasse fährt noch und hat derzeit etwa 432.000 km auf dem ersten Motor gelaufen).
        Unterm Strich spielen die Faktoren Wartungs- und Reparaturkosten aber vor allem die Lebensdauer eine weitaus größere Rolle nicht nur hinsichtlich der Betriebskosten, sondern vor allem für Nachhaltigkeit und Umwelt.
        Unser derzeitiger High-Kilometers Rekordhalter ist übrigens ein Toyota Landcruiser Station Wagon mit 6-Zylinder Turbodiesel Motor. Er hat zur Zeit 586.000 km auf der Uhr (selbstverständlich auf dem ersten Motor) und sieht noch aus wie neu. Auf einem älteren Mercedes T-Modell (Saugdiesel 300D) habe ich sogar schon einmal die Million überschritten – ohne Probleme.
        Ich kann nur jeden Autofahrer ermutigen, sein Auto mit Verbrennungsmotor technisch gut in Schuss zu halten, regelmäßig zu servicieren und so lange wie möglich zu fahren. Das ist mit Sicherheit umweltfreundlicher als jedes Elektroauto.

      • Die meisten Menschen verhalten sich ökologischer und ökonomischer (sowie gesundheitsbewusster) als unsere Poltiker, die ihnen das Leben schwer machen.

      • Die meisten Menschen verhalten sich ökologischer und ökonomischer (sowie gesundheitsbewusster) als unsere Poltiker, die ihnen das Leben schwer machen.

      • Das liegt vor allem daran, dass es Energie nicht gratis gibt. Die meisten Menschen müssen für ihren Energie- und Ressourcenverbrauch selbst bezahlen. Politiker nicht. Sie verprassen Steuergelder, also das Geld der anderen.

      • Politiker könnten sich trotzdem auf Kosten anderer ökologischer verhalten, doch selbst das bekommen sie nicht hin bzw. täuschen es nur vor (wenn sie z. B. mit dem Fahrrad vorfahren, welches sie kurz zuvor aus dem Kofferraum des großen Dienstwagens nehmen ließen, oder mit Journalisten die Bahn nehmen, weshalb der Regierungsflieger noch Extrarunden fliegt).

      • So ist es. Wir leben in einer Welt des Scheins und die meisten Menschen fallen gutgläubig darauf herein.

  3. An sich müsste sich eine prinzipienfeste FDP aus der Ampel verabschieden- aber wohin ?
    Bei der CDU/CSU einschließlich deren Wirtschaftsrat gibt es in Fragen der Energie-Versorgung das gleiche Gehampel. Nach dem Merkelschen „Trial and Error“ gibt es weiterhin keine Geschäftsgrundlage für eine nachvollziehbare Planung – stattdessen ein Crescendo unterschiedlicher Vorstellungen, obwohl die Politik jetzt handeln müsste. Ich rechne damit, dass ab der zweiten Hälfte der Legislatur-Periode die öffentliche Meinung für eine neuerliche Wende in der Klima-Politik bereit sein wird. Im Ergebnis müssen alle Maßnahmen zum Umgang mit den natürlichen Ressourcen zeitlich gestreckt werden (so wie es AfD und LKR immer gefordert haben).

    • Die FDP könnte doch auch einfach in der Ampel prinzipienfest und liberal bleiben. Schlimmstenfalls riskiert sie, dass die anderen sie aus der Regierung werfen, was die Wähler jedoch honorieren würden. Wieso hat denn die FDP überhaupt das Verkehrsministerium übernommen, wenn sie dort lieber grüne als liberale Politik macht? Das kann man natürlich auch für das Finanz- und Justizministerium fragen. Bei Bildung und Forschung ist es noch nicht so klar, droht jedoch auch ein illiberaler Angriff auf den Föderalismus.

      • Ob der Herr Wissing jetzt Technik offen oder Stromer ist, ändert an der Versorgungslage in dieser Wahlperiode nichts; die Meinungsschwankungen machen hingegen deutlich: KEIN PLAN ! Lindner wird den Übertrag seiner Kreditermächtigung gegen das Versprechen „Keine Steuererhöhung“ eingetauscht haben. Ihre Waagschale der reinen Lehre in der Politik hat im Augenblick keine Geschäftsgrundlage (und gekündigte Liberale würden in der Öffentlichkeit als Störenfriede wahrgenommen werden). Wenn CDU/CSU sich konsolidieren und die Öffentlichkeit wegen steigender Energiepreise und Druck auf die Standortbedingungen der Industrie zu realistischeren Einsichten kommt, ist der richtige Zeitpunkt für die FDP gekommen.

      • Ich betone hier doch ständig, dass Politik nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktioniert, die leider selten zu sachlich guten Ergebnissen führen. Durch einen Freibrief für schlechte Politik wird das jedoch nicht besser, sondern man muss auf Mängel hinweisen und für eine Begrenzung der Macht (durch Recht, Öffentlichkeit, Wahlen, Privateigentum etc.) eintreten. Die FDP kann nicht jeden rot-grünen Unsinn verhindern, muss ihn aber nicht noch selbst zu überbieten versuchen.

      • Die Lichtorgelregierung ist jetzt schon ein Jahrmarkt der Peinlichkeiten.

  4. Das ist eine schlimme Farce, welche die FDP, Lindner, Wissing und andere abliefern. Genauso wie es immer größere Spaziergänge und Demos gegen die Impfpflicht gibt, müsste es auch solche gegen die Abschaltung unserer letzten Großkraftwerke geben und gegen die quasi Abschaffung des Verbrennungsmotors.
    Die FDP hat 2017 die Jamaika Option verworfen, jetzt verantwortet sie noch linkere, ökosozialistische Politik. Weil der linksgrüne Zeitgeist zunächst gesiegt hat, wollte Opportunist Lindner auf der Seite der „Sieger“ sein.
    Mittel- und langfristig werden sich knallharte Realitäten durchsetzen. Wenig wahrscheinlich, dass unsere Regierung noch die Kurve bekommt. Andere müssen dann die Trümmer wegräumen und versuchen zu retten, was noch zu retten ist.

    • In Frankreich würde bei solchen Ankündigungen postwendend protestiert. Zum Beispiel mit Autobahnblockaden. Aber der Deutsche Michel ist dafür zu träge.

      • Es ist doch eigentlich gut, dass sich hierzulande die meisten Menschen immer noch an die Gesetze halten. Nur leider werden die Gesetze immer schlechter. Die Politik ist in Deutschland das Problem, nicht die Wirtschaft oder Gesellschaft.

      • Genau das ist doch die Tragödie. Die meisten Menschen halten sich an alle, auch noch so unsinnigen Gesetze, die ihnen vorgesetzt werden, ohne deren Konsequenzen zu hinterfragen.

      • Es ist doch grundsätzlich gut, dass sich in Deutschland die meisten Menschen an die meisten Gesetze halten (im Verkehrsbereich fallen mir jedoch jeden Tag zahlreiche Ausnahmen auf). Bewusster Gesetzesbruch sollte nur in Ausnahmesituationen erfolgen und auch nicht zum Nachteil anderer.

      • Es fällt auch kritischen Geistern leicht, sich an Gesetze zu halten, wenn diese sinnvoll sind. Bei der Umsetzung der Straßenverkehrsordnung durch einen schier unüberschaubaren Schilderwald ist das aber häufig nicht mehr gegeben.

      • „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“ 
        (Lenin)

    • Es ist noch nicht zu sehen, wer politisch die Trümmer wegräumen könnte, statt noch mehr zu schaffen. Vielleicht berappelt sich die CDU noch, wenn Herr Merz endlich den Vorsitz übernimmt. Herr Söder wechselt mal wieder die Richtung, hat aber jede Glaubwürdigkeit verloren.

  5. Wissing war zuvor Wirtschaftsminister bei uns in Rheinland-Pfalz. Dort hat er genau nichts geleistet…!

      • Gut ist es nicht, wenn Minister oder eine ganze Regierung nichts leisten. Gleichwohl, es ist besser, als wenn sie Schäden anrichten. Aber ist das jetzt wirklich schon der Maßstab? 😫

      • Ja, die Merkel-Regierungen haben aktiv geschadet und die Ampel-Koalition versucht das jetzt auch, so dass Nichtstun tatsächlich besser wäre (zumindest der Regierung, während die Verwaltung unter den bestehenden Regeln weiterarbeitet).

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