Diskussionspapier zur Kosten-Nutzen-Analyse von Impfungen und Impfpflicht

Vor gut einem Jahr erschien zu Silvester mein ‚Diskussionspapier zu liberaler Corona-Politik‘. Dieses Silvester habe ich ein neues Diskussionspapier fertiggestellt mit dem Titel „Qualitative Kosten-Nutzen-Analyse von Corona-Impfungen und Impfpflicht“.

Besonders interessant, auch über das konkrete Thema hinaus, finde ich die Erkenntnis, dass selbst rein ökonomisch etwas, hier das Impfen, empfehlenswert sein kann, ohne dass das für eine Pflicht zu derselben Sache gilt. Aus liberaler Sicht ist ohnehin klar, dass Freiheit beinhaltet, auch etwas anderes tun zu dürfen und man weder rechtlich noch moralisch auf nur einen Kurs festgelegt werden sollte. Ökonomisch könnte es so scheinen, dass doch entweder der Nutzen oder die Kosten überwiegen müssten, also eine nutzenmaximierende Empfehlung problemlos auch zur Pflicht gemacht werden könnte. Tatsächlich ist es jedoch so, dass Nutzen und (nichtmonetäre) Kosten subjetiv sind und verschieden eingeschätzt werden können. Insbesondere beim Nutzen für eine Person selbst ist ihre eigene Einschätzung entscheidend, die von der Bewertung durch andere Personen abweichen kann, ohne unvernünftig zu sein. Bei externen Effekten, also dem Nutzen und den Kosten für andere, muss man sich wohl eher gemäß intersubjektiven Kriterien verständigen (sonst könnte der Verursacher immer behaupten, andere hätten gar keine oder nur sehr geringe Kosten zu tragen, während diese ihre Kosten übertreiben). Doch im konkreten Falle der Corona-Impfungen ist der Schutz anderer gar nicht so ausgeprägt wie erhofft.

Der Deutsche Ethikrat sprach sich deshalb bislang richtigerweise gegen eine Impfpflicht aus, bis kürzlich eine Mehrheit seiner Mitglieder auf politischen Druck hin umgefallen ist (siehe „Ethische Orientierung zur Frage einer allgemeinen gesetzlichen Impfpflicht“), was gar nicht ethisch ist. Auch das Umfallen der Politiker ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Selbst wenn eine Impfpflicht für sich genommen sinnvoll sein sollte, muss man sein Wort halten, dass ihre Einführung ausgeschlossen sei. Vielleicht war es ein Fehler, das vorher zu versprechen, aber das macht diese Zusage nicht ungeschehen und hebt die dadurch entstandene Verpflichtung nicht auf, insbesondere wenn Betroffene darauf bestehen, selbst wenn eine Mehrheit das nicht (mehr) tut.

16 Gedanken zu „Diskussionspapier zur Kosten-Nutzen-Analyse von Impfungen und Impfpflicht

  1. Wofür brauchen wir einen „Ethikrat“? Den gibt es erst seit 2008. Haben wir ihn vorher vermisst? Ist es uns ohne „Ethikrat“ schlechter gegangen?

    Die Mitglieder des „Ethikrates“ werden auch nicht gewählt, sondern von Regierung und Bundestag ernannt, heißt: Die Pöstchen werden nach Hinterzimmermanier ausgekungelt. Eine demokratische Legitimation sieht anders aus!

    Inzwischen gibt es im deutschen Regierungssytem haufenweise Räte, externe Beratungsfirmen und mächtige NGOs (ich hasse diesen Begriff!), die sehr viel Geld verschlingen, viel Einfuss haben, wie sie aber die Erkenntnisse für ihren Rat erlangen, nebulös bleibt. Auch über diese Schienen haben 68er und ihre Nachfolger durch die Hintertür Macht erlangt, auf ihrem „Marsch durch die Institutionen“.

    Dieser Räte-Dschungel muss gelichtet werden. Zum Ausmisten ist ein eiserner Besen notwendig. Ich will keine sozialistische Räte-Republik!

  2. Besser als eine direkte Impfpflicht wäre die indirekte Impfpflicht, die einer liberalen Ansicht näherkommt. Das heißt, damit ich mir ein Bild an die Wand hängen kann, brauche ich Schraube und Dübel, die es im 2G Baumarkt gibt. Das ist der Unterschied zu einer staatlichen Zwangsimpfung. Alleine aus diesem Grund ist eine direkte Impfpflicht nicht von Nöten.

  3. Das Problem bei einer allgemeinen Impfpflicht ist auch, dass vieles unklar ist. Es gibt Evidenz aus dem Ausland, nach der Geimpfte überproportional häufig Träger von Omikron sind. Die Verläufe sind meist mild, wobei auch hier nicht klar ist, inwiefern das an dem Impfschutz (Stichwort T-Zellen) liegt oder daran, dass diese neue Mutante die Lungen weniger angreift.

    Ohne klare wissenschaftliche Evidenz ist es nicht sinnvoll, eine allgemeine Impfpflicht einzuführen. Der Staat sollte sich darauf beschränken, weiterhin für Impfungen zu werben und niedrigschwellige Impfangebote bereitzustellen. Mein Eindruck ist allerdings auch, dass es darauf hinauslaufen könnte.

    • Warum sind Sie der Meinung, dass der Staat jetzt noch für Impfungen werben sollte? Ein noch offensichtlicherer Interessenkonflikt ist doch in der jetzigen Situation (proportional mehr Omikron Fälle unter Geimpften als unter Ungeimpften) kaum noch möglich.
      Warum sollen die Impfunfen überhaupt noch vom Steuerbezahler bezahlt werden und warum trägt ‚Big Pharma‘ die Kosten für die Werbung nicht selbst? Wer außer den Pharmakonzernen sind die Profiteure? Halten hier vielleicht Politiker im ganz großen Stil die Hand auf?

      • Die Impfungen schützen weiterhin vor schwereren Verläufen. Dass das so ist, erkennt man unter anderem daran, dass bei den bisherigen Omikron-Wellen überproportional (verglichen mit Älteren) mehr Kinder hospitalisiert wurden. Kinder, die eben oftmals nicht geimpft sind.

      • Es werden doch nicht mehr Kinder hospitalisiert im Vergleich zu den Älteren, sondern COVID-19 betrifft vor allem alte Menschen. Das gilt weiterhin, ist bei Omikron jedoch vielleicht etwas abgeschwächt, was eine Normalisierung wäre wie bei den vier bisher verbreiteten Coronaviren. Über die Impfwirkung sagt das gar nichts aus, dazu müsste man vergleichbare Geimpfte und Ungeimpfte vergleichen, was jedoch zumindest in Deutschland offensichtlich nicht erwünscht ist.

      • Richtig, ich meinte, dass der relative Anteil der Kleinkinder an allen Hospitalisierungen ansteigt, aber sicherlich nicht auf über 50%. Wie groß dabei der Effekt der Impfungen und wie groß der Effekt der Mutationen ist (oder ob es andere Effekte gibt, z.B. dass Kleinkinder aus Vorsicht lieber etwas zu früh hospitalisiert werden), das ist eine offene Frage.

  4. Nur um Recht zu bekommen spielt der Ungeimpfte mit seinem Leben. Das wäre mir eigentlich egal. Ich habe mich aber impfen gelassen, um euer Leben zu schützen in der Hoffnung, ihr würdet auch mein Leben schützen wollen.

    • Nein, die Ungeimpften haben eine andere Risikoeinschätzung als Sie. Der Infektions- und Fremdschutz durch das Impfen ist jedenfalls niedriger als erhofft, am meisten schützen Sie sich durchs Impfen selbst. Für jüngere Menschen ist jedoch das Risiko durch COVID-19 geringer. Bei Omikron sinkt das Risiko einer schweren Erkrankung wohl für alle, während das Infektionsrisiko deutlich steigt, auch oder sogar gerade mit Impfung.

      • Die Zulassungsstudie wirft durchaus Fragen auf. Allerdings ist doch inzwischen durchaus mehr über die Impfstoffe bekannt. So ist ihr Schutz vor Infektionen insbesondere bei den neuen Varianten viel niedriger, falls überhaupt noch vorhanden. Dafür schützen sie recht wirksam, wenn auch keineswegs perfekt, vor schweren COVID-19-Erkrankungen und Todesfällen. Die größte Unsicherheit besteht bei den Impfnebenwirkungen. Zusammenfassend bleibt eine Impfung für Ältere empfehlenswert, aber für eine allgemeine Impfpflicht gibt es keine hinreichende Grundlage. Was unsere Politiker und den Ethikrat da umtreibt, ist sehr unethisch.

      • Die Vorgehensweise der hiesigen Regierungen (D und A) und des so genannten Ethikrats lässt nur zwei mögliche Schlüsse zu. Ihr Verhalten ist nicht „nur“ unethisch, sondern entweder grenzdebil oder sehr erfolgreich von der Pharmaindustrie korrumpiert. Lichtorgel-Kanzler Scholz hat sich heute für eine allgemeine Impfpflicht ab 18 ausgesprochen. Man kann wirklich nur hoffen, dass sich das Thema über die Zeitschiene von selbst erledigt.

      • Dummheit oder offene Korruption scheinen mir nicht die Problemursache zu sein, sondern zu starker Opportunismus und Herdenverhalten, was auch die abrupten Kurswechsel erklärt. Hoffen wir einfach, dass der Wind sich wieder dreht und dann wieder alle gegen eine allgemeine Impfpflicht sind.

      • Gerne können Sie Dummheit durch ‚Herdentrieb‘ und Korruption durch Opportunismus ersetzen. Im Ergebnis ist es dasselbe. Weder Dummköpfe noch Mitläufer neigen zu großen Denkleistungen und Korrumpierte sind immer Opportunisten, die in diesem Falle eben gerne ein Zubrot mitnehmen.
        Erste Vorzeichen dafür, dass sich der Wind wieder dreht, zeichnen sich zum Glück aber bereits ab.

  5. Pingback: Doppelter Wortbruch von Scholz bei Impfpflicht | Alexander Dilger

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