Legalisierung von Cannabis

‚Cannabis ist [seit 2018] legal in Kanada‘. Der ‚Ampel-Koalitionsvertrag‘ sieht das demnächst auch für Deutschland vor:

Wir führen die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften ein. Dadurch wird die Qualität kontrolliert, die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindert und der Jugendschutz gewährleistet. Das Gesetz evaluieren wir nach vier Jahren auf gesellschaftliche Auswirkungen.

Als Liberaler bin ich dafür, auch wenn ich selbst diese zusätzliche Freiheit nicht nutzen werde und die Nachteile sehe. Cannabis kann süchtig machen sowie die Gesundheit, das Denken und die Motivation beeinträchtigen. Die Konsumenten schaden sich jedoch selbst und freiwillig. Vor allem sind die Risiken und Schäden bei den legalen Drogen Alkohol und Tabak viel größer. Schließlich ist das bestehende Verbot kaum wirksam und führt zu einem großen Schwarzmarkt. Staatliche Regulierung verbessert die Qualität und Gesetzestreue, während zugleich Steuereinnahmen fließen.

29 Gedanken zu „Legalisierung von Cannabis

  1. Dass es andere (herkömmliche) Suchtmittel neben Cannabis gibt, ist kein Argument für die Zulassung eines weiteren. Es besteht die Befürchtung, dass der Fortfall der Stigmatisierung von Cannabis als Rauschgift zu einer Ausweitung der Konsumenten-Gruppe führt. Entsprechende Erfahrungen aus den USA berichtet medical-tribune.de/medizin-und-forschung https://is.gd/xlgszz unter der Überschrift „Cannabis-Legalisierung führt 36 % mehr Erwachsene in die Abhängigkeit“. Negative Erfahrungen liegen also vor. Insbesondere Jugendliche werden sich weiterhin – aus Preisgründen wie der gemeinsamen Quellen für härtere Drogen – auf dem Schwarzmarkt eindecken. Ich bin strikt gegen das Gesetzesvorhaben.

    • Es gibt keine Stigmatisierung von Cannabis mehr in Deutschland. Der jetzige Zustand untergräbt nur das Vertrauen in den Rechtsstaat und lehrt, dass andere Verbote wohl ebenfalls nicht so ernst gemeint sind, was z. B. auch die Pandemiebekämpfung erschwert (abgesehen davon, dass auch dort viele Ver- und Gebote nicht gut durchdacht sind). Dagegen würde eine Legalisierung den Schwarzmarkt austrocknen (solange die Bedingungen nicht zu restriktiv und die Steuern nicht prohibitiv hoch sind). Das lässt sich ebenfalls gut in den USA beobachten, wo Jugendliche leichter an harte Drogen (und Cannabis sowieso) als an Alkohol kommen (von illegalen Händlern; die Weitergabe durch Freunde und Verwandte ist ein anderes Thema).

      • Aus der laschen Verfolgung von Eigentumsdelikten und Gewalttaten in den letzten 20 Jahren wird man auch keine Änderungen im StGB fordern. Gerade diese Entwicklung hat das Vertrauen in den Rechtsstaat bereits untergraben. Nicht umsonst punktet Minister Reul in NRW. In fast allen mir bekannten bürgerlichen Familien ist Rauschgift-Konsum ein Tabu. Deren Bemühungen und denen der Schulen sollte man nicht in den Rücken fallen. Sie argumentieren mit Relativierungen, die erfahrungsgemäß nicht umgesetzt werden.

      • Gerade bei den Eigentumsdelikten ist nicht die Strafhöhe das Problem, sondern die zu geringe Wahrscheinlichkeit der Aufklärung und Bestrafung. Gewalttaten sollten hingegen tatsächlich stärker bestraft werden plus konsequente Abschiebung von ausländischen Straftätern.

        Harte Drogen sind in bürgerlichen Familien tabu, Alkohol und Nikotin nicht und für die Jugendlichen Cannabis faktisch auch nicht (sei es mit offenem oder stillschweigendem Einverständnis der Eltern oder ohne). Die jetzige Ausgrenzung von Cannabis lässt sich sachlich kaum rechtfertigen, das Verbot harter Drogen hingegen schon, während ganz konsequenter Liberalismus sie wohl ebenfalls zulassen würde.

  2. Auch Alkohol und Nikotin kann süchtig machen sowie die Gesundheit, das Denken und die Motivation beeinträchtigen. In gewisser Weise gilt das auch für Spielsucht und Fernsehsucht.
    Merkwürdigerweise spülen legalisierte Suchtmittel immense Steuern in die Staatskasse und belasten andererseits in noch größerem Maße die Sozialkassen. Bei Cannabis wird das dann offensichtlich auch nicht anders sein.

    • Die suboptimale Ausgestaltung des Sozialsystems ist aber keine Grund für weiterreichende Freiheitsbeschränkungen. Bei Nikotin zeigt eine umfassende Gesamtbetrachtung sogar, dass die Sozialkassen dadurch entlastet werden. Die meisten Raucher arbeiten bis zur Rente, die sie dann kürzer beziehen. Die Kosten fürs Gesundheitswesen wären auch kaum niedriger, wenn die (verhinderten) Raucher länger leben und andere Krankheiten bekommen. Das spricht nicht fürs Rauchen, dessen Hauptopfer aber die Raucher selbst sind, nicht die Nichtraucher, die länger leben und Rente beziehen.

      • Der Drogen-Konsum ist nach meiner Beobachtung kein Substitut; vielmehr tritt er zu Alkohol und Tabak noch hinzu. Beispiele aus meiner engeren Umgebung zeigen, dass sich die Gesellschaft eben doch gegen eine Überlastung des Sozialsystems durch ein weiteres Suchtmittel wehren muss: Ein Dreißigjähriger war immer nur HartzIV-Empfänger, hat aber mit -erfolglosen – Entziehungskuren, mit Adipositas-Behandlungen u.a. ein riesiges Kosten-Volumen aufgebaut (und spekuliert auf bedingungslose Grundrente)..

      • Wie soll sich die Gesellschaft Ihrer Meinung nach denn gegen Cannabis wehren? Es wird doch schon massenhaft konsumiert und Ihr Beispiel hat sich doch bereits ereignet. Die Legalisierung vollzieht die gesellschaftliche Realität nur nach und erlaubt eine bessere Regulierung (und Besteuerung) der Angebotsseite. Auf der Nachfrageseite ändert sich wenig und gibt es Vorteile durch Qualitätsstandards und tatsächlich auch besseren (leider nicht perfekten) Jugendschutz.

      • Es ist doch hinlänglich bekannt, dass Cannabis die Lethargie, also vereinfacht ausgedrückt, die Bocklosigkeit fördert. Da kommt es dann wohl gerade recht, wenn Industrie und Intelligenz abwandert, dafür fremdländische Kültürbereicherung zuwandert.

        „Mehr Fortschritt wagen“ heißt übersetzt „Mehr Linksshit quaken“. Das kann man dann nur noch zugedröhnt ertragen…!

      • Cannabis ist eben die passende Droge zur rot-grünen Politik. Dagegen könnte man Alokohol verbieten, der besser zur Union und der Politik von Frau Merkel passt.

  3. Wer schon mal durch Amsterdam bummeln gegangen ist – z.B. an einem Sonntag bei Sonnenschein – vergisst eigenartigen Geruch niemals der durch die Gassen wabert. Kommt nicht von / aus den vielen Kanälen !

    Vergisst nicht die vielen glücklichen Gesichter bei jungen Frauen, Männern vor Cannabisläden , Coffeeshops genannt. Ein irrer, großer Partytourismus, Deutsche nach Sprache in der Mehrheit.

    Stadtverwaltung will das nicht und Amsterdam ein neues, positives Image verpassen aber die Inhaber der Coffeeshop-Besitzer sind strikt dagegen.

    Einwohner von Amsterdam total gefrustet über Touristen die ohne Respekt “ vor den Fenstern in den Gassen kotzen “ , Kinder sind in Gefahr. Marihuana – Handel hat in Amsterdam europ. Höhepunkte.

    Verantwortung von Eltern die Jugendliche – nach Amsterdam – allein in das wunderschöne Van Gogh Museum schicken ?

    Verhältnisse wie in Amsterdam bald auch in Düsseldorf, Köln, Berlin ? Nach Ampel – Planung J u g e n d s c h u t z durch staatliche Regulierung vom Handel ? Diese Naivität ist einfach nur grotesk.

    • Amsterdam ist klein und wird durch die Legalisierung in Deutschland entlastet werden. Hierzulande wird der Konsum zunehmen, allerdings nicht bei Jugendlichen. Das bestehende Verbot greift kaum noch und ist für Endkonsumenten faktisch bereits ausgesetzt.

  4. Das Problem bei Cannabis: die statistische Wahrscheinlichkeit einer Psychose ist – vor allem bei Männern – deutlich höher. https://www.spektrum.de/news/psychose-verdacht-gegen-super-dope-erhaertet-sich/1633570 Im Unterschied zu Nikotin wird daher die Cannabisfreigabe die Rentenkassen nicht entlasten. An einem Lungenkrebs stirbt man- an einer Psychose nicht. D.h. über Cannabis können wir eine deutlich höhere Belastung der Sozialkassen bekommen und deutlich mehr arbeitsunfähige Bezieher von Hartz IV.
    Für Frauen sollte das Cannabis bis 21; für Männer bis 25 verboten bleiben, um den Schaden nicht zu sehr anwachsen zu lassen. (Frauen sind durch das Östrogen besser geschützt)

    • Es passt nicht zusammen, das Wahlalter auf 16 Jahre absenken zu wollen und gleichzeitig den jungen Menschen bis 25 Jahre keine eigenen Entscheidungen zuzutrauen. Im konkreten Fall würde es helfen, die Dosierung zu begrenzen. Bei der kontrollierten Abgabe könnte es weitere Begrenzungen geben (z. B. Konsum nur im lizenzierten Geschäft, was auch die Weitergabe an Minderjährige erschweren würde).

      • Doch,@Alexander Dilger, denn ich vertrete ein Wahlrecht ab der Geburt, das dann die Eltern stellvertretend wahrnehmen. Das würde die Rechte der jungen Menschen deutlich steigern.
        Die Begrenzung des Konsums durch ein Mindestalter hat biologische Gründe. Erst ab diesem Alter kann Cannabis das Gehirn nicht mehr dauerhaft schädigen.

      • Bis wann sollen denn die Eltern das Wahlrecht für ihre Kinder wahrnehmen dürfen, bis 16, 18, 25 oder bis zum eigenen Tod (in einer Monarchie kommt der neue Souverän auch erst nach Ableben des vorherigen auf den Thron)? Alkohol kann das Gehirn übrigens viel stärker schädigen und das in jedem Alter.

  5. Die Legalisierung von Cannabis ist ein Fehler. Wir brauchen eine öko-konservative Politik. Eine christlich-konservative Haltung ist zu befürworten; aber ein bibeltreuer christlicher Fundamentalismus ist abzulehnen. Omni-laterale Abrüstung ist wichtig.

  6. Es geht ja nicht nur um die befriedigenden Momente beim Cannabis rauchen. Es wird im Atemtrakt viel mehr Teer abgelagert, als bei einer Zigarette. Dann die weitaus höheren Risiken bei Lungenkrebs, bei Kehlkopfkrebs, chronische Bronchitis und andere chronische Lungenkrankheiten. Gegen Corona kann man impfen, gegen die Folgen von Cannabis nicht.
    Was ist eigentlich mit den Piloten, die während eines Fluges ihre Sucht befrieden müssen oder der Pastor, der während der Beichte einen Joint braucht.

    • Danke für das zum schmunzeln bringen. Das Cannabis nicht physisch abhängig macht, dürfte für Sie neu sein. Ansonsten stellt ich mir gerade vor, wie ein Pilot sich nen Lüdden reinzieht, während er im Cockpit sitzt bzw. nen Pastor, der während der Beichte auf das letzte „Geständis“ prostet. Alkohol- bzw. Drogentests sind weiterhin erlaubt.

    • Man muss Cannabis nicht rauchen, sondern kann z. B. Haschkekse essen. Wie bei Alkohol und zahlreichen Medikamenten dürfte man nach (größerem) Cannabiskonsum natürlich nicht mehr alles tun wie aktives Fahren oder Fliegen.

    • Die Gewerkschaft der Polizei ist Partei in dieser Frage, wobei auch sie nichts von einem Schwarzmarkt schreibt, der bei einer Legalisierung nicht zu erwarten ist (zumindest ohne übermäßige Regulierung und prohibitive Steuern).

  7. Alexander Dilger
    sagte am 28/11/2021 um 11:27 :“ . . .Wie soll sich die Gesellschaft Ihrer Meinung nach denn gegen Cannabis wehren? Es wird doch schon massenhaft konsumiert . . .“
    Irgend wie ist meine Antwort im Nirwana verschwunden. Ich wollte noch darauf hinweisen, dass zumindest nach der Datenlage von 2018 von einem massenhaften Konsum noch nicht die Rede sein kann, insbesondere wenn man die neugierigen Einmal- oder Gelegenheitsprobierer berücksichtigt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat hierzu eine interessante Untersuchung unter DER CANNABISKONSUM JUGENDLICHER UND JUNGER ERWACHSENER IN DEUTSCHLAND https://is.gd/HL2fjc veröffentlicht. Ich hatte ferner – bisher hier unkommentiert – auch auf Erfahrungen aus den USA hingewiesen, die die medical-tribune.de/medizin-und-forschung https://is.gd/xlgszz unter der Überschrift „Cannabis-Legalisierung führt 36 % mehr Erwachsene in die Abhängigkeit“.berichtet. Diese Aspekte -dazu der Erziehungsaspekt – veranlassen mich einstweilen, der Empfehlung der Bundeszentrale, den Einstieg zu erschweren, den Ausstieg zu erleichtern (mittels präventiver Maßnahmen) zuzustimmen.

    • @Alexander Dilger
      Liesse sich aus der Kosten-Nutzen- Analyse der Cannabisliberalisierung nicht eine spannende Studie machen, für die es sicher auch Forschungsgelder und Drittmittel gäbe? Mindestens eine Doktorandenstelle könnte doch sicherlich damit finanziert werden.

    • Cannabis ist die mit Abstand am häufigsten konsumierte (bislang) illegale Droge in Deutschland. Auch die von Ihnen verlinkte Studie zeigt doch eine große Verbreitung mit zunehmender Tendenz. Eine Legalisierung wird zu einer weiteren Zunahme bei den dann berechtigten Personen (vermutlich ab 18 Jahren) führen. Je nach Ausgestaltung dürfte der Konsum bei den Jüngeren sinken. Zugleich steigt die Qualität und wird der Konsum sicherer.

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