Merz kandidiert zum dritten Mal mit zwei anderen für CDU-Vorsitz

Im Januar wird ein CDU-Bundesparteitag (schon wieder) einen neuen Vorsitzenden wählen, weil Armin Laschet unbedingt Kanzlerkandidat werden wollte, aber mangels ernsthaftem Wahlkampf und wegen Störfeuer aus Bayern nicht Kanzler wird. Die ‚CDU-Kreisvorsitzende woll[t]en, dass Mitglieder den Vorsitzenden wählen‘, was ein Novum für die eigentlich nicht so basisdemokratischen Christdemokraten ist. Doch nachdem die Funktionäre Herrn Laschet erst als Vorsitzenden und dann als Kanzlerkandidaten gegen den Willen nicht nur der eigenen Basis, sondern auch vieler Wähler durchgedrückt hatten, versucht man es jetzt auf diesem Wege, der tatsächlich ein anderes und besseres Ergebnis bringen dürfte.

Denn heute ist die „Bewerbungsfrist abgelaufen: Dreikampf um CDU-Parteivorsitz“ steht an. Mit Sabine Buder hätte gerne auch noch eine Frau kandidiert, doch sie konnte nicht einmal ihren eigenen Kreisverband (und auch sonst keinen) davon überzeugen, sie zu nominieren. Nominiert wurden Helge Braun, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Die besten Chancen hat Friedrich Merz, obwohl er schon zwei erfolglose Anläufe hinter sich hat, bei denen er gegen Armin Laschet und zuvor gegen Annegret Kramp-Karrenbauer jeweils in der Stichwahl bei anfangs drei Kandidaten verlor. Das entschieden jedoch noch die Funktionäre, die mehrheitlich auf Merkel-Kurs waren, nicht die Mitglieder, deren Votum die Funktionäre beim Bundesparteitag nicht so einfach werden übergehen können.

Helge Braun ist Merkels Kanzleramtsminister, aber mehr loyaler Gefolgsmann als eine Führungspersönlichkeit. Norbert Röttgen, der Anfang des Jahres auf dem dritten Platz landete, ist der einzige Minister, den Frau Merkel jemals entlassen hat, weil er sie noch links überholen wollte und damit in NRW scheiterte. Inzwischen versucht er, selbst die Grünen links zu überholen, womit die CDU ihren verbliebenen Rest an politischer Identität auch noch verlieren würde. Von daher ist es folgerichtig, dass die Basis Herrn Merz präferiert und wohl auch wählen wird. Carsten Linnemann, der eigentlich noch überzeugender ist, will dann sein Stellvertreter werden und die Programmkommission leiten. So könnte die CDU eine ernsthafte Oppositionspartei werden und in vier Jahren sogar wieder und hoffentlich besser regieren.

23 Gedanken zu „Merz kandidiert zum dritten Mal mit zwei anderen für CDU-Vorsitz

  1. Carsten Linnemann hat sich als unsozialer Antiliberaler erwiesen bei der von ihm gesteuerten weitgehenden Wiedereinführung von Meisterzwang. Frank Schaeffler von der FDP stimmte dagegen.

    • Niemand ist perfekt. Auch die allgemeine Dienstpflicht, die Hderr Linnemann fordert, ist völlig illiberal und mit dem geltenden Grundgesetz unvereinbar. Trotzdem ist er insgesamt liberaler und kompetenter als selbst Herr Merz oder die meisten anderen Spitzenfunktionäre in der CDU.

  2. Ein Merz macht noch keinen Frühling. Die ?DU ist so gut wie tot, auch wenn der Anästhesist scheitern wird, der ihr in Muttis Sinne den Rest geben will.

  3. Konservative in den beiden Großkirchen sprechen auch von deren Ende (Tod). Ich gehöre weder diesen Kirchen an noch CDU/CSU. Aber alle 3 sammeln bei sich jeweils über 20 % der Bevölkerung. Es mag sein, daß alle 3 weiter schrumpfen, aber Tod definiere ich anders. Kirchliche Alternativen gibt es viele, zumindest in Großstädten und weiten Landgebieten an fast jeder Ecke (und es gibt keine 5 % Klausel für Kirchen), aber politische (mit Aussicht auf Macht) ? Die FDP ist in der Gefahr aller Koalitionspartner, nämlich der Anpassung an die anderen Koalitionspartner: Man kann nur schwer gemeinsam regieren und gleichzeitig klare Abgrenzung voneinander betreiben. Und die AfD ist – wie hier oft dargelegt- indiskutabel, übrigens ja auch wegen ihrer sozialistischen Tendenzen. Kommt keine neue – endlich- liberale Partei. macht ein Engagement in CDU/CSU (neben dem in der FDP- trotz Vorhergesagtem) bei allem berechtigtem Zorn auf die Union irgendwie doch Sinn… jedenfalls, wenn Merz gewinnt! Dann sollte man die Patei nicht den Röttgens, Söders und anderen Merkelianern überlassen!

    • Wenn Herr Merz Vorsitzender wird, wovon ich ausgehe, wird die CDU wieder interessanter. Ansonsten ist tatsächlich Platz für eine neue Partei. Für eine neue liberale Partei müsste die FDP noch mehr Platz machen, z. B. mit einer weiteren Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes inklusive Lockdown und Impfpflicht für alle wie in Österreich.

  4. Die größtenteils dementen und in jedem Fall uneinsichtigen Delegierten haben weder ihren Fehler eingesehen noch sind sie plötzlich zu Demokraten umgepolt worden. Sie wollten nur Druck von sich nehmen, Schuld abwälzen und die Diskussion ersticken, bevor sie Fahrt aufnimmt. Für sie ist wahrscheinlich sogar Merz schuld an der verlorenen Wahl, wie ohnehin jeder, der „Unruhe“ in die Partei bringt. Merz wird es wegen zwei Gegenkandidaten in die zweite Runde schaffen, dort aber wieder verlieren. Man weiß ja, dass er sich in jedem Fall auch für untere Positionen andienen wird, als Feigenblatt genügt er dort. CDU – Delegierte scheren sich einen Dreck um die Mehrheitsmeinung ihrer Parteimitglieder. Wer etwas anderes erwartet, hat Parteien immer noch nicht verstanden.

    • Mein Eindruck ist, dass Merz die Partei nicht nach vorne bringt. Ob man ihn nach 2 Jahren dann nochmals wählt, bezweifle ich. Merz verkörpert zu stark den altkonservativen Teil der Partei, immerhin geht es um den Neuanfang der Partei.
      Davon ausgehend wäre Röttgen für 4 Jahre für die CDU wertvoller, er kann die jüngeren Mitglieder glaubhafter überzeugen. Die Anpassung an die jüngere Generation muss doch der entscheidende Faktor sein.

      • Haben Sie die CDU und ihre Probleme so verstanden, dass sie glaube, einen „Neuanfang“ nach MITTE oder LINKS würde ihr helfen?

      • Die Mitte ist dort, wo der Abstand nach rechts und nach links gleich groß ist. In der Merkelpartei ist der Abstand nach rechts so riesig geworden, daß man das Rechte hinter dem linken Rand schon wieder sieht.

      • Vor allem hofiert die Merkel-Union die umbenannte SED, die wirklich auf Menschen schießen ließ, wovon bei der AfD nur einige Spinner träumen (die z. T. ausgetreten sind wie das Pleite-Pärchen).

    • Matthias Jung, einer der drei Vorstände der Forschungsgruppe Wahlen e.V. hat in einer umfangreichen Veröffentlichung in der FAZ die auf den ersten Blick erstaunliche These vertreten, dass die Wahlniederlage der CDU ihre Ursache on den Distanzierungsversuchen u.a. von AKK und Laschet von der Merkelschen Politik habe. Söder hat mal sinngemäß geäußert: Wer die Wähler Merkels gewinnen will, muss auch auf Merkels Politik setzen. Die hohen persönlichen Zustimmungswerte der Frau Merkel lagen ja vor. Allerdings stimmt die These von Jung m.E. nicht. Die Zustimmung stammt von Personen innerhalb und außerhalb der CDU, die im Grunde Politik fern sind. Davon gibt es in der CDU mehr als in anderen Parteien – einschließlich vieler mittelständischer Unternehmer. Solchen Personen sind die sehr nuancierten Kritikansätze vermutlich nicht aufgefallen, .Merkel als Bezugspunkt ist Geschichte. Jetzt sind Führungs- und Management-Qualitäten gefragt. Mit dem von Merz ins Auge gefassten Generalsekretär Mario Czaja hat er einen profilierten Sozialpolitiker gewählt, mit der bisherige baden-württembergischen Kommunalpolitikerin Christina Stumpp (34) wird er den neuen Posten einer Stellvertreterin besetzen. Robin Alexander (stellv. Chefredakteur DIE WELT), ein intimer Kenner der Politik-Szene, war jedenfalls von dem Team Merz ganz begeistert.

      • Die These ist wirklich nicht plausibel. Frau Kramp-Karrenbauer hat sich doch nicht von Frau Merkel distanziert, sondern war umgekehrt zu loyal und wurde deshalb von ihr abserviert, als die ehemalige FDJ-Funktionärin die demokratische Wahl eines Liberalen zum Ministerpräsident rückgängig machen ließ, um einen Genosse der umbenannten SED an der Macht zu halten. Auch Herr Laschet war der Nachfolgekandidat, der Frau Merkel am nächsten stand. Frau Merkel selbst hat die schlechte Situation der CDU zu verhandeln und für die kleine Differenz zur SPD trägt Herr Söder die meiste Verantwortung (wie auch für die besonders schlechte Corona-Politik in Bayern). Nur mit Herrn Merz kann die CDU sich von beiden emanzipieren.

    • Herr Merz hat ernsthaft Wahlkampf für Herrn Laschet gemacht, was man von vielen anderen in der CDU nicht behaupten kann, von der CSU ganz zu schweigen. Nun dürfte er bei den Mitgliedern eine Mehrheit bekommen. Falls nicht, ist nicht nur seine politische Karriere vorbei.

  5. Helga Braun (darf man heutzutage noch „braun“ 🤪 heißen?) ist nichts anderes, als Merkels Bettvorleger. Röttgen gehört zur Pizza-Connection, die schon seit den 90er Jahren die CDU anschlussfähig für die Grünen machen will. Aber selbst Merz fällt auf das Klima-Märchen rein und schwätzt von „Vielfalt“, während er von der einst postulierten „Deutschen Leitkultur“ nichts mehr wissen will.

    DAS ist nicht mehr die CDU, in die ich 1980 mit 19 Jahren eingetreten bin und die ich nach 20 Jahren mit der Wahl einer früheren FdJ-Funktionärin im Jahr 2000 schon verlassen habe.

    • „Deutsche Leitkultur“ aks Staatsaufgabe ist ein definitorisches Ungeheuer und zutiefst antiliberal. Staatsaufgabe ist diesbezüglich allein, jedem und allen Vereinigungen (von Religions- und Atheistengemeinschaften bis Homosexuellen- und Swingerclubs), in Deutschland legal und friedlich Handelnden ihre Leitkultur inclusive der friedlichen Bekämpfung anderer Leitkulturen rechtlich zu sichern.

      • Fast alle Staaten dieser Welt bestehen auf ihrer Leitkultur. Damit schützt man seine Art zu Leben, seine Identität und will sich nichts Fremdes aufzwingen lassen.

        Dass Deutschland hier (mal wieder) einen Sonderweg geht, wird uns auf die Füsse fallen. Als Goldfisch überlebt man im Karpfenteich nicht lange…😜

      • Es fehlt ein Konsens, was die deutsche Leitkultur überhaupt sein soll. Es geht nicht um alte Traditionen, die auch die meisten Deutschen längst vergessen haben oder ablehnen, sondern die wesentlichen Werte des Grundgesetzes, für die aber wohl leider dasselbe gilt, wenn man sich die aktuelle Politik anschaut.

      • Natürlich sind Schützen- und Trachtenvereine, Karneval oder Osterhasen nicht zwingend für eine Deutsche Leitkultur. Es ist vor allem unsere Sprache (ohne Gender-Gaga!), unser Grundgesetz (auch wenn da in den letzten Jahren Änderungen vorgenommen wurden, die mir nicht gefallen und die geplanten „Kinderrechte“ Teufelszeug sind!) und unsere Werteordnung (die „Ehrenmorde“ oder Zwangsverheiratungen ausschließen!). Wer aber seine eigene Sprache nicht richtig lesen und schreiben kann, hat natürlich große Probleme eine neue Sprache zu lernen. Und Menschen aus archaischen und gewaltaffinen Kulturen der Dritten Welt, die mit dem „Recht des Stärkeren“ sozialisiert wurden, werden unser Grundgesetz und unsere Werteordnung eher nicht verinnerlichen…

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