Physiknobelpreis 2021 fürs Verständnis komplexer Systeme, insbesondere das Klima

„The Nobel Prize in Physics 2021“ wird verliehen „for groundbreaking contributions to our understanding of complex systems“, und zwar an den Japaner Syukuro Manabe und den Deutschen Klaus Hasselmann „for the physical modelling of Earth’s climate, quantifying variability and reliably predicting global warming“ und an den Italiener Giorgio Parisi „for the discovery of the interplay of disorder and fluctuations in physical systems from atomic to planetary scales“. Das grundlegende Klimamodell, auf das die heutigen Modelle noch aufbauen, wurde bereits vor 200 Jahren vom Franzosen Joseph Fourier entwickelt und die große Bedeutung von Kohlenstoffdioxid als Treibhausgas vom Schweden Svante Arrhenius Ende des 19. Jahrhunderts erkannt. Syukuro Manabe hat das in den 1960er Jahren für verschiedene Luftschichten verfeinert und recht genaue Vorhersagen für den Temperaturanstieg durch steigende CO2-Konzentration abgeleitet. Klaus Hasselmann modellierte den Zusammenhang zwischen dem recht chaotischen Wetter und dem sich viel langsamer wandelnden Klima. Außerdem zeigte er auf, wie sich der menschliche vom natürlichen Einfluss aufs Klima empirisch unterscheiden lässt. Giorgio Parisi untersuchte komplexe Materialien und gewann daraus allgemeine Erkenntnisse auch für ganz andere komplexe Systeme einschließlich Klima. Der diesjährige Preis unterstreicht, dass der menschliche Beitrag zum Klimawandel eine physikalische Tatsache ist, die nicht unmittelbar beobachtbar, aber doch empirisch zu erschließen ist. Wie wir damit umgehen, ist eine ganz andere, keine physikalische Frage.

14 Gedanken zu „Physiknobelpreis 2021 fürs Verständnis komplexer Systeme, insbesondere das Klima

  1. Mich und sicher viele andere Bürger/innen würde interessieren wie die rasante Zunahme Weltbevölkerung von ca. 1 Milliarde Menschen vor ca. 100 Jahren auf aktuell ca. 7,8 Milliarden Erdenbewohner und in der Prognose für 2050 auf ca. 12 Milliarden EW in die Berechnungen von Klaus Hasselmann und anderen eingeflossen ist.

    Die explosive Zunahme von Nutztieren – Kühe, Schweine , Geflügel etc. – spielt ja wohl auch eine Rolle für die Treibhausgase und es sind auch Milliarden von Tieren.

    Diese Entwicklung mit parallel laufender permanenter Abholzung von Wäldern für die Bewirtschaftung von Getreidefeldern etc. ist das eigentliche Problem ? Gleichwohl völlig tabuisiert weil Konsequenzen daraus keiner aussprechen, bewerten mag ?

    ( Cirka Angaben meiner Wenigkeit weil ich mich der Mühe enthebe zu recherschieren. Zahlen gibt es aber. )

    • Die Bevölkerungszunahme für sich genommen hat fast keinen Einfluss aufs Klima. So viel CO2 atmen wir nicht aus und es ist gar nicht relevant, solange es Teil des normalen Kreislaufes ist. Das gilt auch für die meisten Nutztiere, nur das Methan von zusätzlichen Rindern könnte tatsächlich klimarelevant sein. Das gilt auch für das großflächige Abholzen von Wäldern ohne Wiederaufforstung. Doch vor allem das Verbrennen fossiler Energieträger erhöht den CO2-Anteil in der Luft systematisch.

      • Was ist mit der Bautätigkeit, der industrieller werdenden Nahrungsmittel-Produktion, der Investitionen in Verkehr, in Chemie und Pharmazie, der Verdrängung von Waldflächen ? Es geht nicht um Stoffwechsel- Gleichgewichte..

      • Es geht um das Gleichgewicht von Einstrahlung auf und Abstrahlung von der Erde. Die Treibhausgase sind dafür deutlich wichtiger als die anderen von Ihnen genannten Faktoren.

      • „. . .Die Treibhausgase sind dafür deutlich wichtiger als die anderen von Ihnen genannten Faktoren. . . .“ – Verstehe ich nicht- Z.B. sind die mit dem Bevölkerungswachstum verbundenen Baumaßnahmen bisher mit dem Verbrauch riesiger Mengen an fossilen Brennstoffen verbunden – (Zementherstellung).

      • Nein, es gibt diesen direkten Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum nicht. Den größten Bauboom und auch stärksten Zuwachs an CO2 (oft pro Jahr mehr, als Deutschland überhaupt noch emittiert) hat China trotz kaum noch wachsender und demnächst schrumpfender Bevölkerung. Die Länder mit dem größten Bevölkerungswachstum stagnieren wirtschaftlich und haben keinen Bauboom oder höchstens in kleinen Segmenten mit eher geringer Geburtenrate. Wenn überhaupt, gibt es einen um ein oder zwei Generationen verzögerten Effekt, wenn diese Länder dann auch wirtschaftlich wachsen sollten und ihre Geburtenrate zurückgeht, aber die Bevölkerung schon sehr groß ist. Deshalb müssten wir zum globalen Klimaschutz viel mehr in Innovationen investieren, nicht in ineffiziente Maßnahmen, die kein aufstrebendes Land jemals imitieren würde.

  2. Die Nobelpreise werden von schwedischen und norwegischen Sozialisten vergeben und orientieren sich in der Regel daran, welche linke Sau gerade durchs Dorf getrieben wird.

    Heuer heißt diese Sau halt Klimawandel …

  3. Kostet EIKE nur ein müdes Lächeln, gegenläufige Modelle zu präsentieren. An sich gebührt der NOBEL-Preis mir, weil ich schon vor 60 Jahren unter Verzicht auf aufwändige Studien auf die ersichtliche Belastung des Planeten durch explosiv wachsende Bevölkerung verwiesen und – wie Frau Merkel – eigenes Verhalten (Verzicht auf Nachkommenschaft und ggf. Rückgriff auf indische bzw. südamerikanische Überschüsse) angepasst habe.

    • Es sind nicht alle Modelle gleich gut oder gar nobelpreiswürdig. Die Bevölkerung wächst doch nur noch in den ärmsten Ländern stark und schrumpft in den entwickelten Ländern, demnächst sogar in China.

  4. Nunmehr ist die Panikprophetie Greta Thunbergs und Luisa Neubauers akademisch kanonisiert. Der Nobelpreis heute entspricht der mittelalterlichen Heiligsprechung. Latif, der Prophet war sofort zur Stelle und verkündete, die Ahrtalüberflutung sei der Beweis für die Klimakrise. Eine glatte Lüge, denn 1910 und 1804 gab es hier noch größere Katastrophen mit 60 Toten allein in Ahrweiler und 10m Fluthöhe in Bad Neuenahr.

    Es ist keine Kunst, eine oder eine Schar von Kurven durch einen Datensatz zu legen im Sinne eines Modellierens. Für den weiteren Verlauf der Kurve braucht man natürlich die Empirie. Die Richtigkeit werden wir erst in 80 Jahren überprüfen können. Dann ist der Laureat 170.

    Letztes Wochenende hörte ich Prof. Fritz Vahrenholt, der nicht nur Wissenschaftler und ein höchst erfolgreicher praktischer Mensch ist (Aufsichtsratsvorsitzender von Aurubis). Seine Meinung ist wesentlich differenzierter, vor Allem sieht er keinen Weltuntergang.
    Weiter zu Hasselmann: Seine Tochter ist as green as green can be. Sie sitzt sogar in der Sondierungskommission für die Regierungsbildung. Sicher ganz unpolitisch!
    Satirisch: Mit seinen Gleichungen müsste man wohl auch den Verlauf der Aktienkurse vorhersagen können und wir werden alle reich. Die Börse wird dann aber überflüssig.

    • Sie übersehen, dass die Arbeiten von Syukuro Manabe fast 60 Jahre alt sind und seine damaligen Vorhersagen, zu denen nicht der Weltuntergang gehörte, empirisch ziemlich gut bestätigt wurden. Es könnte natürlich sein wie bei der nachträglichen Kür von erfolgreichen Aktienfonds, bei der gerne die vielen Underperformer vergessen werden. Noch in den 1980er Jahren warnten etliche Klimaforscher, die jetzt keinen Nobelpreis bekommen, vor einer neuen bzw. verschärften Eiszeit.

      Die Gedanken von Klaus Hasselmann lassen sich übrigens auch auf die Börse übertragen. Die kurzfristigen Schwankungen der Aktienkurse entsprechen dann dem Wetter und sind grundsätzlich schlecht vorhersagbar, insbesondere über ganz kurze Zeiträume hinaus, während die fundamentalen Trends dem Klima entsprechen und sich eben doch mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit angeben lassen. Deshalb kann ich auch guten Gewissens Aktien für meine Kinder kaufen, was zugleich ertragreicher und sicherer ist als sogenannte mündelsichere Anlagen.

      • Streng genommen ist die Aussage, dass Aktien langfristig steigen, aber auch nur eine Annahme. Historisch kommt das zwar so heraus, aber es ist eigentlich kein Naturgesetz.

      • Richtig, es ist kein Natur- oder Wirtschaftsgesetz, aber das gilt doch auch für die Erderwärmung. Es geht jeweils um Trends und Wahrscheinlichkeiten. Trotzdem kann es ganz anders kommen, sei es wegen Irrtums oder exogenen Schocks.

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