20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September

Die ‚Terroranschläge vom 11. September 2001‘ liegen nun genau zwanzig Jahre zurück. Die Angriffe mit vier Passagierflugzeugen und rund 3.000 direkten Toten in den USA, die nicht vergessen sind, waren eine Zäsur und führten zum Afghanistan-Krieg. Die Taliban, die Al-Kaida Unterschlupf gewährten, wurden innerhalb weniger Wochen besiegt. Osama bin Laden, der Anführer von Al-Kaida und Hauptverantwortliche für die Terroranschläge, wurde knapp zehn Jahre später in Pakistan aufgespürt und getötet.

Doch der ‚Afghanistan-Einsatz endet[e] erst letzten Monat und lässt viele in großer Gefahr zurück‘. Rückblickend hätte Afghanistan gar nicht und auf keinen Fall so lange besetzt werden dürfen, wobei der späte Rückzug dann auch noch zu chaotisch erfolgte. Jetzt sind die Taliban wieder an der Macht und behandeln ihr Volk, insbesondere die weibliche Hälfte, erneut sehr schlecht. Aber öffentlichen Unterschlupf für Al-Kaida und ähnliche Organisationen werden sie wohl nicht mehr gewähren, während sie mit dem noch gewalttätigeren Islamischen Staat (IS) ohnehin verfeindet sind.

Auch der nachfolgende Irakkrieg war ein Fehler und der Kriegsgrund nur konstruiert. Die USA haben in beiden Fällen sehr viel Geld, etliche Soldaten und auch internationales Ansehen verloren ohne nachhaltige Erfolge. Der Krieg gegen den Terror ist auf diese Weise nicht zu gewinnen, wobei sich weitere Anschläge dieser Größenordnung zum Glück verhindern ließen. Islamistischer Terror bleibt ein Problem, lässt sich aber wohl besser mit polizeilichen und geheimdienstlichen Mitteln bekämpfen als mit militärischen.

Außerdem gibt es größere Probleme, in die wohl besser mehr politisches Kapital und auch Aufmerksamkeit investiert würden, wie etwa der Aufstieg Chinas. Auch hier sollte nicht auf Krieg gesetzt werden, sondern einen Ausgleich der Interessen. Russland ist uns noch näher, sowohl geographisch als auch kulturell, weshalb das Verhältnis zu ihm ebenfalls verbessert werden sollte. Das ist nicht einfach, doch wenn der Westen einig ist (innerhalb der USA, mit Europa und den weiteren Verbündeten) wie vor zwanzig Jahren, kann er fast alles erreichen.

43 Gedanken zu „20. Jahrestag der Anschläge vom 11. September

  1. Wenn Donald Trump noch US-Präsident wäre, könnte sich der Westen mit Russland verbünden und gemeinsam würden wir China in Schach halten…!

      • Joe Biden hat z. B. den Abzug aus Afghanistan umgesetzt, den Donald Trump wie vieles andere auch nur versprochen, aber nicht realisiert hat.

      • Ja, Biden hat den Abzug mit den bekannten Ergebnissen umgesetzt und die Taliban verscherbeln die zurückgelassene Ausrüstung bereits fleißig an andere Länder.

    • Die USA hatten oft kein glückliches Händchen in der Außenpolitik. Demokratieexport funktioniert eben nur bei ähnlichen Kulturen. Deutschland ist das beste Beispiel dafür. Aber im Bezug auf die Dritte Welt ist es meistens schief gegangen. Da wählen die USA leider manchmal die falschen Freunde, z. Bsp. Saudi Arabien oder lassen echte Freunde im Stich (z. Bsp. Kurden).

      • Es geht eben in Wahrheit gar nicht um Demokratie, sondern um Rohstoffe. Auch in Afghanistan gibt es neben Eisenerz, Kupfer, Gold, Erdöl, Marmor und Edelsteinen insbesondere Lithium, Kobalt und seltene Erden.

      • Ja, man muss auch in der Lage sein vorhandene Rohstoffe abzubauen. Die Chinesen werden der Welt demnächst vorführen, wie man das auch in Afghanistan ohne Zwangs“demokratisierung“ und ohne Krieg macht.

      • Wollen Sie jetzt ernsthaft behaupten, die USA (und vorher die Sowjetunion?) hätten Afghanistan wegen Rohstoffen angegriffen, die sie dann gar nicht abbauten? Wie verblendet kann man eigentlich sein?

      • Die Chinesen haben zahlreiche Staaten in Afrika wegen ihrer Bodenschätze mit allerlei Tricks derart in eine Abhängigkeit gebracht, dass man von einer neuen Form von Kolonialismus sprechen muss…!

  2. Eine Lehre aus Afghanistan ist, sich nur in Staaten zu engagieren, deren Regierungen fähig UND Willens sind, in die Fläche zu wirken, anstatt in Schwerpunkten die milden Gaben der Entwicklungshilfe zu genießen. Es hat sich dort herausgestellt, dass die Taliban im ländlichen Raum nie gänzlich verschwunden waren und Kompatibilität mit mittelalterlich geprägter Lebensweise bestand. Das ist mit Entwicklungshelfern aus den Industrieländern nicht zu ändern.
    Was die Zusammenarbeit der entwickelten Industrie-Länder anbetrifft: Letztlich sind alle aufeinander angewiesen – in Ökologie und Ökonomie, in einer Vertrauensbildung bezüglich des beschränkten Einsatzes militärischer Mittel. Jenseits dieser strategischen Gemeinsamkeiten gibt es in autokratischen Gesellschaften aber Nahziele zur Absicherung von innenpolitischen Machtstrukturen als Selbsterhalt. In etlichen postsowjetischen Ländern -vor allem Russland – wird dazu auf nationalistische Ideologie und entsprechende Außenpolitik zurückgegriffen. Ähnlich China.. Diese Nahziele können nur zu einem Status Quo mit demokratischen Staaten führen.

    • Anfangs ging es darum, die Taliban-Regierung wegen ihrer Unterstützung von Al-Kaida zu stürzen. Der Versuch, ein demokratisches System von außen zu etablieren, war jedoch nicht nachhaltig und stabil ohne US-Soldaten. Auch anderswo ist auf absehbare Zeit keine Demokratie nach westlichem Muster zu erwarten, z. B. in China oder auch Russland. Trotzdem bzw. gerade mit dieser Einsicht könnte man besser zusammenarbeiten.

      • Egal, wer die USA gerade regiert. US-Regenten können es einfach nicht lassen, anderen Völkern ihr Demokratieverständnis und ihren Lifestyle aufzwingen zu wollen. Ist das liberal? Sicher nicht.

        [Antiamerikanisches Schmähgedicht entfernt, AD.]

      • Was Sie als „antiamerikanisches Schmähgedicht“ bezeichnen, ist ein Songtext der „Ersten Allgemeinen Verunsicherung“ und fällt wohl am ehesten unter Realsatire, auf alle Fälle aber unter künstlerische Freiheit.

      • Ich bin weder Künstler noch „antiamerikanischer AfD-ler ohne eigene Argumente“.

        Argumente gegen US-Invasionen habe ich hier schon genug vorgetragen. Sie hingegen folgen der US-Doktrin blindlings und dulden keine noch so berechtigte Kritik, wenn die USA außenpolitisch wieder einmal richtig schön ins Klo greifen.

      • Nein, Sie beschimpfen die USA für alles, auch die Verbrechen und Fehler anderer sowie das Gegenteil, für jede Invasion, aber auch jeden Rückzug und deren Unterlassen. Ich kritisiere hingegen das, was kritikwürdig ist wie der zweite Irakkrieg oder staatliche Folter, aber nicht Gerechtfertigtes wie den Sturz der Taliban oder jetzt den Rückzug, der leider viel zu spät und chaotisch erfolgte (was wiederum zu kritisieren ist, nicht jedoch der Rückzug an sich).

      • Ich beschimpfe die USA an sich doch überhaupt nicht, sondern kritisiere allenfalls (wenn auch große) Teile ihrer Außenpolitik und vielleicht noch gelegentlich die für Körper und Geist ungesunde Lebensweise zahlreicher US-Amerikaner. Aber ganz gewiss nicht die USA oder ihre Bewohner an sich. Sie sollten sich angewöhnen genauer hinzusehen und besser zu differenzieren statt alles platt über einen Kamm zu scheren.

      • Differenzierungen sind in der Regel gut, an dieser Stelle sind sie ein Ablenkungsmanöver. Bei der Außenpolitik und gar Kriegsführung geht es um die ganzen Länder. Deutschland hat den Zweiten Weltkrig angezettelt und verloren, auch wenn nicht alle Deutschen dafür waren. Ebenso haben die USA Afghanistan erst angegriffen und nun fast 20 Jahre später wieder verlassen. Deutschland war auch beteiligt, wenngleich wir beide nie dort und auch nicht dafür waren.

      • Mir geht es in meiner Kritik an den „Einsätzen“ der USA und ihrer Verbündeten (einschließlich Deutschland), aber auch bei jedem anderen Krieg – egal von wem angezettelt – vor allem um die Verhältnismäßigkeit. Und die war meines Erachtens trotz der dreitausend Toten vom 11. September 2001 unter gar keinen Umständen gegeben, da weitere hunderttausende unschuldige Zivilisten, aber auch viele Soldaten, völlig unnötig für diesen sinnlosen Krieg sterben mussten. Die Drahtzieher des elften September hätten sicher auch mit geheimdienstlichen/polizeilichen Methoden gefasst werden können.

      • Die Anschläge gingen über normalen Terrorismus weit hinaus und wurden als kriegerischer Akt aufgefasst. Die USA hätten anders reagieren können, doch ihre Reaktion war gerechtfertigt und hat auch abschreckende Wirkung, nicht zwingend auf Terroristen, aber auf sie unterstützende Regime. Die Taliban werden das jedenfalls nicht noch einmal tun. Der Fehler war, auch von den deutschen Regierungen, den Einsatz zwanzig Jahre in die Länge zu ziehen ohne klare Ziele, die deshalb auch nicht erreicht wurden.

      • Unsinn, für die meisten Toten sind die Taliban verantwortlich, die ohne Intervention wahrscheinlich noch viel mehr Afghanen umgebracht hätten. Rein humanitär betrachtet hätten die USA jetzt wohl auch nicht abziehen sollen, weil das zu noch mehr Toten führt. Trotzdem kann man Länder nicht endlos ohne Perspektive besetzen.

      • Nach Ihrer Logik müssten auch etliche afrikanische Staaten oder zum Beispiel Saudi-Arabien und China besetzt werden. Warum geschieht das nicht?

      • Sie verstehen „meine“ Logik doch gar nicht und scheinen auch keine eigene zu haben. Kriege sind immer schlimm, doch sie können unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein. Wo sehen Sie eine Rechtfertigung für einen Angriff gegen China? Wie verblendet sind Sie eigentlich?

      • Ich will doch nicht, dass China angegriffen wird!

        Ich fragte Sie, warum SIE nicht für eine Besetzung Chinas sind, wo doch jedes Jahr schon alleine zur Gewinnung von Spenderorganen Tausende Menschen unter fadenscheinigen Vorwänden (zum Beispiel weil sie Regierungsgegner sind) hingerichtet werden. Nach Ihrer Logik müsste hier doch dringend „robust“ interveniert werden. Von Saudi Arabien und unzähligen afrikanischen Staaten ganz abgesehen.

        Im Unterschied zu Ihnen halte ich keinen einzigen Angriffskrieg und keine militärische Intervention unter dem Vorwand, damit Terrorismus bekämpfen zu wollen, für gerechtfertigt.

      • Sie erfinden einfach Sachen. Wo habe ich mich dafür ausgesprochen, dass man jedes Land angreifen soll, wo es zu Menschenrechtsverletzungen kommt? Bei Völkermord mit Millionen Toten ist das überlegenswert, doch selbst dann kann es Gegengründe geben (z. B. noch viel mehr Tote durch einen Atomkrieg). Die Rechtfertigung für den Einmarsch nach Afghanistan war doch eine ganz andere, die Sie immer wieder vergessen, obwohl sie z. B. in dem Beitrag steht. Solange Sie sich damit nicht ernsthaft auseinandersetzen wollen, lohnt die weitere Diskussion nicht.

      • Ihr Logik ist (auf einen Satz gebracht), dass die Anschläge vom 11. September 2001 den Afghanistankrieg rechtfertigen. Der Afghanistankrieg hat aber 80 mal so viele Tote gefordert wie die Anschläge. Die vage Vermutung, dass die Taliban möglicherweise noch mehr ihrer Landsleute umgebracht hätten, wenn dieser Krieg nicht geführt worden wäre, ist doch blanker Mumpitz. Sie schreiben sich gerade ohne Not um Kopf und Kragen.

      • Sie begehen Täter-Opfer-Umkehr und verstehen auch nichts von militärischer Abschreckung. Sie würden auch kein kleines NATO-Mitglied verteidigen wollen, weil bei einem großen Krieg mehr Menschen sterben würden, als dort überhaupt leben. Warum lösen wir dann die NATO nicht gleich auf und führen den nächsten Krieg unter russischer Flagge?

      • Sie haben nichts begriffen.

        Die Afghanische Zivilbevölkerung ist doch nicht „Täter“ der Anschläge vom 11. September gewesen. Was genau haben Sie nicht verstanden?

        Ihr abstraktes Beispiel vom kleinen NATO-Mitgliedsstaat indes könnte durchaus Realität werden, wenn das sehr viel größere NATO-Mitglied Türkei einen Krieg mit Griechenland um in der Ägäis oder vor Zypern vermutete Gasvorkommen oder irgedwelche Mini-Inseln vor der türkischen Westküste beginnt. Auf welcher Seite stehen Sie dann und wie wird die NATO ihren Loyalitätskonflikt ggf. lösen?

      • Im Gegensatz zu Ihnen habe ich verstanden, dass die Taliban einen (Bürger-)Krieg gegen das eigene Volk führen und auch Terroristen Unterschlupf gewährten, die die USA angegriffen hatten, welche sich nur verteidigten und dabei die afghanische Zivilbevölkerung möglichst geschont und beschützt haben. Die NATO ist außerdem ein Verteidigungsbündnis nach außen, nicht im Binnenverhältnis. Gegebenenfalls müssten das dann auch die USA regeln, da Bundeswehr und vor allem die Bundesregierung dazu gar nicht in der Lage wären.

      • Aha. Die Zivilbevölkerung Afghanistans hat einen Angriffskrieg gegen die USA geführt. Das ist also ihre Sicht der Dinge.

        Dass die Attentäter überwiegend Saudis gewesen sind und kein einziger von ihnen Afghane oder Taliban, spielt dabei natürlich keine Rolle. Geplant wurden die Anschläge übrigens u.a. in Hamburg, nicht in Afghanistan. Aber egal. Hauptsache, man fabuliert sich irgendeine „Begründung“ für diesen sinnfreien Krieg herbei. Pervers.

    • Afghanistan hatte in den 1960er Jahren eine Regierung und Eliten, die sehr fortschrittlich geprägt waren. Nicht unähnlich dem Shah-Regime im Iran. Gesellschaften sind nicht autokratisch, sondern Regierungen. Dass Afghanistan ein multiethnisches Land ohne staatliche Tradition ist, hat mit Sicherheit nicht geholfen eine demokratisches System zu ethablieren, welches den Namen verdient hat. Dass die westliche Intervention nie einen echten Plan hatte, in Afghanistan ein solches Sytem langfristig zu etablieren, hat auch nicht geholfen. Eine im großen und ganzen wenig gebildete Bevölkerung, für die die afghanische Identität im großen und ganzen nie wichtiger war als die Religiöse- und/oder Stammesidentät, Pakistan als mächtiger Nachbar, der aktiv gegen ein stabiles, autonomes und möglicherweise Indien positiv gesinntes Afghanistan arbeitet, sind mit Sicherheit Faktoren, die wesentliche Einfluss für das Scheitern des Nation Building hatten.

      • @Mercedes
        „Afghanistan hatte in den 1960er Jahren eine Regierung und Eliten, die sehr fortschrittlich geprägt waren.“

        Meinen Sie wirklich (ganz) Afghanistan oder meinen Sie die Hauptstadt Kabul?
        Letzteres trifft es wohl besser.

  3. Die Amerikaner haben doch in Afghanistan nichts mehr verloren. Sie haben 1000 Milliarden Dollar dort verbraten, Geld, dass dem amerikanischen Bürger entzogen wurde.
    Schlimm ist, dass die Ziele nicht erreicht wurden. Konflikte auf der Welt, die keine militärische Gefahr der Konfliktpartei bergen, sollten nicht militärisch beantwortet werden. Wenigstens nicht von den Großmächten. Es geht jetzt um humanitäre Wirtschaftshilfe. Dabei muss dann Stück für Stück, als Bedingung, die 225.000 ha große Opiumanbaufläche reduziert werden.
    „Nur wer Opium bekämpft, kann Afghanistan retten“, sagte der Chef der russischen Anti-Drogen-Behörde vor zehn Jahren. Dazu fehlt von der Welt bislang die Kompensation.

    • Die militärische Antwort auf die Terroranschläge vor 20 Jahren war nicht zwingend, aber gerechtfertigt. Der lange und teure Versuch, aus Afghanistan eine Vorzeigedemokratie zu machen, ist jedoch gescheitert. Der Krieg gegen Drogen ist noch weniger gewinnbar als der gegen Terror. Dabei sind die Taliban eigentlich selbst gegen Drogen und reduzieren den Anbau ein wenig, aber nicht völlig, weil sie daran mitverdienen.

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