Auch vorübergehender Preisauftrieb schadet

Bundesbank-Präsident Jens „Weidmann warnt vor Aufwärtsrisiken bei Inflation“. So rechnet nicht nur er damit, dass wir gegen Jahresende eine Inflationsrate von rund fünf Prozent haben werden. In den USA liegt sie mit 5,4 Prozent schon darüber. In Deutschland sind die Verbraucherpreise aktuell um 3,9 Prozent höher als vor einem Jahr. In der gesamten Eurozone liegt die Inflation bei 3,0 Prozent und damit über dem Zielwert der EZB, den sie erst kürzlich auf 2,0 Prozent erhöht hat (‚EZB erhöht Inflationsziel auf symmetrisch zwei Prozent‘), obwohl sie eigentlich das Mandat hat, das Preisniveau stabil zu halten. Doch sie hält lieber die nominalen Zinsen bei null oder noch darunter, wodurch die Realverzinsung sehr negativ ist. Außerdem kauft sie sehr viele Staats- und Unternehmensanleihen, um den Zins weiter zu drücken und die Geldmenge auszuweiten, als wenn es keine Inflation gäbe.

In den Prognosen der EZB fällt die Inflation die nächsten Jahre wieder unter ihr selbst gesetztes Ziel von zwei Prozent. Doch erstens ist das nicht sicher und zweitens ist auch der einmalige Preisauftrieb schädlich und macht viele Menschen ärmer. Denn ein langfristiger Preisauftrieb setzt in der Regel eine Lohn-Preis-Spirale voraus, also steigende Löhne wegen der steigenden Preise, die wiederum zu steigenden Preisen und damit steigenden Löhnen führen. Nun soll uns beruhigen, dass die Löhne weniger stark steigen als die Preise. Das bedeutet allerdings, dass nicht nur die Sparer, sondern auch die Arbeitnehmer real verlieren und sich von ihrem leicht gestiegenen Lohn wegen der stärker steigenden Preise weniger leisten können. Das betrifft in der Folge auch die Rentner, da die Renten an die Löhne gekoppelt sind. Bei anderen Transferempfängern erfolgen vielleicht erst einmal gar keine Anpassungen oder noch kleinere. Die EZB sorgt also dafür, dass die meisten Bewohner der Eurozone dieses Jahr ärmer werden.

7 Gedanken zu „Auch vorübergehender Preisauftrieb schadet

  1. Als ob Inflation primär an Löhne oder vergleichbare Einnahmen gekoppelt wäre …
    Wenn ich mir meine Betriebs- und Haushaltskosten genau ansehe, komme ich zu dem Ergebnis, dass ‚unsere‘ Inflation (also die unseres Privathaushalts und meiner Unternehmen) in erster Linie von den Ernergiekosten abhängt. Erst sehr viel später kommen andere Einflussfaktoren.

  2. Machen wir uns doch nichts vor: Inflation ist für die meisten Eurostaaten der einzige Weg, von ihren horrenden Schulden herunterzukommen. Die EZB weiß das und wird sich dem nicht widersetzen.
    Die Bundesregierung weiß das auch. Und sie weiß ebenfalls, daß ihre Untertanen die Zeche dafür bezahlen werden. Daß sie dies akzeptiert, ist ein weiteres Zeichen für die Verkommenheit der Merkelregierung.

    • Ja, die Geldpolitik der EZB richtet sich nach den Interessen der maroden Staaten des Club Med. Nordeuropa soll die Zeche für die Fiesta zahlen. Und wir Deutschen haben die höchsten Energiepreise, wohnen am wenigsten im Eigentum und gehen besonders spät in Rente…

  3. Die Inflation hat leicht erklärbare Gründe (300 sel nennt einen). Sollte sie sich festsetzen, dürfte es sozial schmerzhaft sein, sie zu beseitigen.

    • Horst Krebs: Wenn wir alle ärmer werden, ändert sich doch etwas, nämlich, daß wir alle ärmer werden, oder? Durch unsere größere Armut durch Inflation werden natürlich manche Inflationsgewinnler reicher. Vielleicht erklären Sie mir einmal, was ich bei Ihnen wohl mißverstehe.

  4. Pingback: Inflation von 5,2 Prozent und Reallohnsenkungen | Alexander Dilger

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