Kurt Biedenkopf gestorben

Bereits vorgestern, am Donnerstag, ist im Alter von 91 Jahren „Kurt Biedenkopf gestorben: Der unbequeme König“ von Sachsen. Er wurde 1930 in Ludwigshafen geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit und Jugend in Sachsen. Er studierte Politik, Recht und Wirtschaft, wurde Jura-Professor und Rektor der Ruhr-Universität Bochum. Er leitete die Kommission Mitbestimmung, die später nach ihm Biedenkopf-Kommission genannt wurde. Er war Generalsekretär der CDU unter dem CDU-Vorsitzenden Helmut-Kohl, mit dem er sich später überwarf. Er war Bundestagsabgeordneter für die CDU, dann Landtagsabgeordneter in NRW, wo er auch Landesvorsitzender wurde. 1990 war er kurz Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig.

Der eigentliche Höhepunkt seiner Karriere war jedoch das Ministerpräsidentenamt im Freistaat Sachsen von 1990 bis 2002. Er holte für die CDU dreimal die absolute Mehrheit, war ihr Landesvorsitzender in Sachsen und auch Landtagsabgeordneter. Vor allem machte er Sachsen zum wirtschaftlich erfolgreichsten neuen Bundesland und bewies, dass auch Professoren gute Politiker sein können. Im Bundesrat stimmte er schließlich gegen die Einführung des Euro.

23 Gedanken zu „Kurt Biedenkopf gestorben

  1. 1989 wollte Kurt Biedenkopf zusammen mit Lothar Späth, Heiner Geißler und anderen Helmut Kohl stürzen. Nur der überraschende Fall der Mauer und die Chance auf die Wiedervereinigung haben Kohls Kopf gerettet. Ich hatte damals gehofft, dass der erfolglose Kohl gestürzt wird, der 1982 eine „geistig-moralische Wende“ versprach, die nie verwirklicht wurde. Ohne Kohl hätte es vielleicht auch keinen Euro, oder zumindest nur mit härteren Spielregeln gegeben. Kohl war ein Weichei, das sich von den Franzosen hat über den Tisch ziehen lassen…👎👎👎

    • Helmut Kohl hat viel falsch gemacht, aber das Durchziehen der deutschen Wiedervereinigung ist sein bleibendes Verdienst, auch wenn dabei ebenfalls viele Fehler gemacht wurden einschließlich Euro.

  2. Kurt Biedenkopf hatte noch eine andere Seite. Er war als Sächsischer Ministerpräsident der deutsche Prototyp eines Politikers, der sich selbst bereichert.
    Mit ihm verbinde ich schillernde Figuren wie Baubetrüger Jürgen Schneider (https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Schneider_(Bauunternehmer)), die von einem Abteilungsleiter im sächsischen Finanz- und im Justizministerium (dem späteren AfD-Politiker und Gründungsvorsitzenden der „Blauen Partei“ Dr. Michael Muster) für Ingrid Biedenkopf eingefädeltelten Grundstücksspekulationen des Ehepaars Biedenkopf und zahllose Affären, für die andere Politiker stante pede aus der Schusslinie genommen worden wären.

      • Das können Sie gerne so halten, ich sehe es anders. Man sollte auch posthum nichts pauschal unter den Teppich kehren. Gleichwohl es natürlich weit schlimmere Verfehlungen verstorbener Politiker gab als die von „König Kurt“.

      • Nur am Tag der Beerdigung! (Sage ich als Altphilologe)

      • Ist die Beerdigung denn schon gewesen? Vor allem geht es um die Verhältnismäßigkeit. Niemand ist perfekt. Doch die Stärken von Herrn Biedenkopf scheinen mir seine Schwächen deutlich zu überwiegen. Sonst hätte ich gar nicht an ihn erinnert.

      • @Leserlich

        Ich stimme Ihnen durchaus zu, dass kompetente Politiker unterbezahlt werden. Das rechtfertigt aber keine Selbstbedienung. Im Gegenteil: Richtig wäre es, Politiker in verantwortungsvollen Positionen besser zu bezahlen. Dann wäre deren Job für weit kompetentere Personen, als wir sie in der aktuellen Kakistokratie finden, attraktiver als heute.

      • Höhere Bezahlung lockt nur noch mehr inkompetente Personen an, während wirklich kompetente Leute nicht wegen des Geldes in die Politik gehen (würden).

      • Es mag sein, dass es dann tatsächlich auch mehr inkompetente „Bewerber“ gäbe. Aber für gute potentielle Politiker wäre die Tätigkeit trotzdem interessanter. Das größere Problem ist die Vorauswahl durch die Parteien, die eben genau nicht Qualitätskriterien folgt, wie Sie auch selbst bereits mehrmals erfahren durften.

      • Beim Lottospielen ist doch auch nicht nur die Höhe des Gewinns entscheidend, sondern vor allem die Gewinnwahrscheinlichkeit. Wer kompetent ist, spielt deshalb nicht Lotto.

      • @Alexander Dilger
        „Wer kompetent ist, spielt deshalb nicht Lotto.“

        Das sehe und handhabe ich auch so. Die Ableitung davon wäre übrigens, wer kompetent ist, geht nicht in die Politik. Und treffender kann man den IST-Zustand der Politik auch kaum beschreiben. Aber welchen Ausweg sehen Sie aus dieser zwangsläufigen Abwärtsspirale?

      • Es ist schwierig, da unser Parteiensystem nicht gut funktioniert. Die Wähler könnten allerdings mehr Kompetenz einfordern bzw. ganz offensichtliche Inkompetenz stärker abstrafen (was aber auch schwierig ist, da nur Parteienlisten mit überwiegend schwachen Kandidaten gewählt werden können).

      • Genau das ist der Knackpunkt. Das Parteiensystem per se ist unterm Strich demokratieuntauglich.

      • Ich würde es nicht als demokratieuntauglich bezeichnen. Doch in der Praxis führt es leider zu immer schlechteren Politikern und politischen Entscheidungen.

      • Mir kommt es jedenfalls nicht so vor, als ob die desaströstesten politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte von den Wahlberechtigten auf direktem Wege auch so getroffen worden wären. Deutschland wir in voller Fahrt von Kakistokraten gegen die Wand regiert.

  3. Ein viel besserer Politiker als viele andere. Aus meiner (klassisch) linksliberalen Sicht hätte er aber in Sachsen viel mehr privatisieren können (und sollen).

    • „König Kurt“ hat Sachsen regiert als wäre es sein privates Unternehmen. Also kein Grund für eine Heiligsprechung.

      • Das ist zwar richtig, aber er hat Sachsen voran gebracht. Fast alle Politiker sind Hunde! Daher muss man eben die guten Hunde wählen…

      • Wer Hunde wählt, die in die Hand beissen, die sie füttert, der darf sich nicht wundern, wenn ihm die Hand abgebissen wird …

      • Ich habe nie behauptet, dass die AfD perfekt ist. Manche Mechanismen scheinen in allen Parteien gleich zu sein. Und dass in der AfD leider sehr viel „Erfahrung“ (im übelsten Sinne) aus anderen Parteien – allen voran der machiavellistischen CDU – steckt, das wissen Sie doch selbst.

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