Spätere Nutzung von Emissionszertifikaten

Emissionszertifikate halte ich für eine gute, sowohl effiziente als auch effektive Lösung, wenn es um die Verringerung von Emissionen geht, z. B. von Kohlenstoffdioxid und anderen Treibhausgasen (siehe zuletzt ‚Ökonomenpanel zur Klimapolitik‘). Heute möchte ich auf eine besondere Ausgestaltungsoption hinweisen, die ich schon einmal unter ‚Verschärfung der Klimaziele und Emissionszertifikate‘ kurz angedeutet hatte und die wie die Zertifikate selbst sowohl ökologisch als auch ökonomisch vorteilhaft  ist.

Aktuell wird in der EU für jedes Jahr eine Menge an Zertifikaten bzw. von in dem Jahr erlaubten Emissionen festgelegt, die außerdem von Jahr zu Jahr sinkt. Die Verbesserungsoption besteht einfach darin, dass Zertifikate eines Jahres nicht sofort (bzw. bis zum Ende des Folgejahres) genutzt werden müssen und ansonsten verfallen, sondern sich die erlaubten Emissionen auch weiter in die Zukunft verlagern lassen. Das ist ökologisch von Vorteil, weil die aktuellen Emissionen dadurch tendenziell sinken, während die Gesamtemissionen nicht steigen. Das würde den befürchteten globalen Temperaturanstieg ein wenig verlangsamen. Ökonomisch ist es von Vorteil, weil erstens eine Option mehr entsteht (man kann die aktuellen Zertifikate jetzt nutzen, muss es aber nicht sofort tun) und zweitens der Wert der Zertifikate durch die zunehmende Verknappung ansteigen dürfte. Damit würde auch der heutige Preis steigen, aber die gesamten Emissionsvermeidungskosten würden sinken, weil sie besser über die Zeit verteilt werden könnten.

Das Hauptrisiko ist wieder einmal politischer Art, nämlich ob das Emissionssystem in der angekündigten Form überhaupt Bestand haben wird. Die Regeln könnten verschärft, aber auch gelockert werden, z. B. durch eine stärkere Verknappung der Zertifikate als angekündigt oder umgekehrt durch die Ausgabe von mehr Zertifikaten oder sogar die Abschaffung und damit Entwertung aller Zertifikate. Aber auch dieses Problem könnte beim intertemporalen Handel mit den Zertifikaten eingepreist werden.

8 Gedanken zu „Spätere Nutzung von Emissionszertifikaten

  1. Der gesamte Emissionshandel ist reine Farce, solange die schlimmsten Umweltverschmutzer, wie China und auch Indien als „Entwicklungsländer“ eingestuft werden und ganz erheblich milderen Regeln unterworfen sind.

    Auch in wirklichen Drittwelt-Staaten lebt eine gewisse Oberschicht feudal wie Fürsten und ist sehr daran interessiert, dass sich die Armut in Land gar nicht verringert. Denn die Armen halten immer als Argument her, dass internationale Hilfe gebraucht wird, von der sich die Oberschicht genug in die eigenen Taschen abzweigt.

    Ich lebe lange genug in einem Drittwelt-/Schwellenland, um diese Thematik aus der Praxis ganz genau beurteilen zu können.

    • „Entwicklungshilfe“, aber auch innereuropäische Subventionen landen selten dort, wo sie eigentlich ankommen sollten und sind daher meist weder effizient für die Bevölkerung der Nehmerländer noch geeignet, Armut oder soziale Mißstände abzubauen. Auch in den osteuropäischen EU-Staaten bereichert sich in erster Linie die regierende Kaste an den Geldern der EU. Sehr gut zu beobachten beispielsweise in Ungarn an Viktor Orbán (den ich dennoch für derzeit alternativlos als Regierungschef Ungarns halte) und seiner Selbstbedienungs-Amigo-Clique.

      • Wenn es irgendwo Freibier gibt, fallen auch Leute besoffen herum, die sonst gar kein Bier trinken… 😜

    • Was würden Sie denn empfehlen? Soll man gar nichts tun, weil andere es ebenso halten. Deutsche Symbolpolitik bringt auch nichts außer hohen Kosten. Doch man könnte versuchen, andere bedeutende Länder einzubinden. Die USA sind da wieder aufgeschlossen und selbst China macht Versprechungen, die sich vertraglich festhalten ließen.

      • Wir sind sehr viele Jahre ohne Emissionshandel ausgekommen und er hat uns nicht gefehlt. Wenn man Verschmutzungen begrenzen will, müssen für alle gleiche Spielregeln gelten. Ich habe allergrößte Zweifel, dass sich das kommunistische China an faire Regeln hält.

        Entwicklungshilfe wird seit weit über 50 Jahren gezahlt. Die Armut ist nicht verschwunden. Sie wird durch die chinesische Hegemonie im neukolonialen Stil sogar noch verstärkt. Selbstständige Staaten müssen für ihre Völker selber sorgen. Hilfe im Einzelfall kann man gewähren, wenn diese Staaten sehr kooperationsbereit sind, z. Bsp. bei der Terrorabwehr, der Verhinderung illegaler Migration, bei der Rücknahme abgelehnte Asylforderer und Straftätern.

      • Vielleicht hat der Handel von Emissionsrechten der Welt doch gefehlt, immerhin sind die Emissionen stark angestiegen, allerdings nicht in Deutschland und Europa.

        Entwicklungshilfe ist ein ganz anderes Thema und sollte zumindest an China nicht mehr gezahlt werden. Nicht nur dort hat der Handel viel mehr gebracht als jede explizite Entwicklungshilfe.

  2. Dieser Vorschlag entspricht den Vorstellungen von Armin Laschet hinsichtlich der Harmonisierung der Ziele von Klima, sozialen Belangen und wirtschaftlicher Entwicklung. Bei den Grünen soll die Harmonisierung von Klimazielen mit wirtschaftlicher Entwicklung mit Techniken erreicht werden, die entweder derzeit noch nicht verfügbar sind oder jedenfalls scharfem internationalen Wettbewerb unterliegen (Solar und Windmühlen, EAntriebe). Laschet scheut sich davor, gute Einsichten in konkrete Gestaltungsvorschläge umzusetzen. Hofft er auf „Hinterzimmer“-Absprachen mit Koalitionspartnern ? Setzt sich dabei aber dem Vorwurf der Profillosigkeit aus.

    • Der Vorschlag müsste eigentlich von jedem befürwortet werden, der ihn versteht, da er sowohl ökonomisch als auch ökologisch vorteilhaft ist. Wenn es Konflikte gibt, will Herr Laschet beide Aspekte berücksichtigen, während die Grünen behaupten, dem Klimaschutz alles unterzuordnen, was aber auch nicht stimmt, wie ihr fortgesetzter Widerstand gegen Atomkraft zeigt. Wenn eine Seite (Herr Laschet) kompromissbereit ist und die andere (Grüne) nicht, werden die Kompromisslosen immer mehr fordern und jeden errungenen Kompromiss auch gleich wieder aufkündigen (siehe Kohleausstieg), weshalb sie möglichst gar nicht an der Regierung beteiligt werden sollten.

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