Ökonomenpanel zur Klimapolitik

Beim 35. Ökonomenpanel von ifo und FAZ geht es um die „Klimapolitik“. „Europa: klimaneutral bis 2050“ fasst die Antworten zusammen. In den wesentlichen Punkten stimme ich mit der Mehrheit meiner Kollegen überein, wobei es eine große Minderheit gibt, die ein ineffizientes Nebeneinander von nationalen und europäischen, umfassenden und sektoralen Klimazielen fordert. Die Fragen und meine Antworten sind wie folgt:

Wie beurteilen Sie die Reaktion der EU auf den Klimawandel?

Es sollte weniger getan werden, weil Detailregelungen und Sektorenziele nicht sinnvoll sind.

Die EU Kommission plant im Rahmen ihres Energie- und Klimapakets zur Erreichung der verschärften Klimaziele, ein zweites Handelssystem für Emissionen aus Wärme und Verkehr einzurichten.

Welche der folgenden Optionen wäre aus Ihrer Sicht zu bevorzugen?

Der bestehende EU Emissionshandel sollte umgehend auf Wärme und Verkehr ausgeweitet werden, weil ein einheitliches System mit einem Preis effizienter ist.

Die EU Kommission plant für alle Emissionen, die nicht vom ursprünglichen europäischen Emissionshandelssystem erfasst wurden, nationale Vermeidungsziele beizubehalten (sogenannte Effort Sharing Regulation). Diese umfassen auch die im neuen Emissionshandelssystem regulierten Sektoren Wärme und Verkehr.

Halten Sie die Beibehaltung dieser nationalen Ziele für sinnvoll?

Nein, weil der Emissionshandel effizienter ist.

Die EU Kommission plant den Straßenverkehr sowohl in den neuen EU Emissionshandel zu integrieren als auch die bereits existierenden Flottenemissionsstandards zu verschärfen.

Sollte die EU Kommission diese beiden Instrumente kombinieren?

Nein, weil das ineffizient, bevormundend und nicht technologieoffen ist.

Im Rahmen des „Fit for 55“ Pakets der EU soll die freie Zuteilung von Emissionszertifikaten an Carbon Leakage gefährdete Sektoren zunächst in ausgewählten Sektoren durch einen CO2-Grenzausgleich (CBAM = Carbon Border Adjustment Mechanism) ersetzt werden.

Wie beurteilen Sie den Einsatz eines solchen Grenzausgleichsmechanismus?

Die EU Kommission sollte alternative Maßnahmen zum Schutz von Carbon Leakage ergreifen, z. B. mit den Handelspartnern verhandeln, dass diese auch etwas für den Klimaschutz tun.

Sollte die nationale CO2-Bepreisung von Kraft- und Brennstoffen auch bei Einführung eines zweiten Emissionshandelssystems auf EU Ebene beibehalten werden?

(Hintergrund: Unternehmen in Deutschland, die mit Heizöl, Erdgas, Benzin oder Diesel handeln, müssen seit Januar 2021 einen CO2-Preis von zunächst 25 Euro bezahlen. Dieser steigt bis zum Jahr 2025 auf 55 Euro pro Tonne CO2.)

Der nationale CO2-Preis sollte abgeschafft werden, wenn CO2-Preise auf europäischer Ebene eingeführt werden.

Wie sollten Ihrer Meinung nach die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung verwendet werden? [Mehrfachnennungen möglich]

Senkung oder Abschaffung der Energie- und Stromsteuer,

Senkung oder Abschaffung der EEG-Umlage,

Senkung anderer, nicht-energiebezogener Steuern und Umlagen.

Sollte die Bundesregierung zur Erreichung der höheren Minderungsziele sektorspezifische Regulierungen (z. B. Energieeffizienz- und Emissionsstandards) verschärfen? Falls ja, in welchen Sektoren? [Sektorklassifizierung nach Klimaschutzgesetz – Mehrfachnennungen möglich]

Gar keinen

Sollte die Bundesregierung zur Erreichung der höheren Minderungsziele zusätzliche sektorspezifische Investitionen (z. B. technologiespezifische Fördermaßnahmen) tätigen? Falls ja, in welchen Sektoren? [Sektorklassifizierung nach Klimaschutzgesetz – Mehrfachnennungen möglich]

Energiewirtschaft

Das im Juni verabschiedete Klimaschutzgesetz sieht jahresgenaue, sektorspezifische Minderungsziele für alle Sektoren bis 2030 vor. Im Jahr 2024 werden diese für den Zeitraum 2031 bis 2040 festgelegt.

Sehen Sie die Spezifizierung solcher Sektorziele als sinnvoll an?

Nein, weil sie ineffizient sind, die Freiheit unnötig beschränken und nicht technologieoffen sind.

Sollte das Mandat der EZB auch das klimapolitische Ziel der EU, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen, enthalten?

Nein, weil die EZB sich auf die Preisniveaustabilität konzentrieren sollte und für aktive Klimapolitik nicht demokratisch legitimiert ist

Sollte Ihrer Meinung nach die EZB im Rahmen des Programms zum Ankauf von Wertpapieren des Unternehmenssektors (CSPP) verstärkt Anleihen von emissionsarmen Unternehmen kaufen, um die klimapolitischen Ziele der EU zu unterstützen?

Nein, weil das ineffizient ist und keine Tonne C02 einspart.

Ihr öffentlicher Kommentar zur Klimapolitik (optional):

Ein einheitliches Emissionshandelssystem ist sinnvoll, Sektorenziele und Detailsteuerung sind es nicht. Das System sollte über die EU hinaus erweitert werden, da sie für sich genommen das Weltklima nicht signifikant beeinflussen kann.

28 Gedanken zu „Ökonomenpanel zur Klimapolitik

  1. Der ganze „Emmisionshandel“ mit „C02-Bepreisung“ hat nur ein einziges Ziel: Uns Geld aus der Tasche zu ziehen, ABER moralisch, ja fast pseudo-religiös verpackt, damit die Leute ohne zu murren ihre Portmonees aufmachen. Nur darum geht es.

    Mit der Reduzierung der weniger als 2%, die die noch-Industrienation Deutschland verursacht, rettet man definitiv NICHT die Welt!

      • Ja, wohl wie bei so modernen Raubrittern wie Gema, VG-Wort u.ä., wo der größte Teil des Geldes von der Verwaltung aufgefressen wird…

      • Nein, die Verwaltungskosten sind in all diesen Fällen nicht der größte Teil, bei den Emissionszertifikaten schon gar nicht.

      • Die GEMA schafft es trotz dieses hohen (offiziell) ausgewiesenen Anteils vor allem nicht, ihre erhobenen Gebühren nach tatsächlicher Erhebung an die Künstler zu verteilen, obwohl sie doch für die exakte Erhebung der Nutzung und entsprechende Auszahlung von Tantiemen eingerichtet wurde. Sie begünstigt einseitig diejenigen, die sehr erfolgreich sind und wertet ihr zur Verfügung gestellte Daten gar nicht erst aus. Dadurch verursacht sie an anderer Stelle unnötige Mehrarbeit (zum Beispiel in Radiosendern, die ihre Airplays penibel erfassen und an die GEMA melden müssen). Ein höchst ineffizienter, selbstgefälliger Moloch.

      • Die „C02-Bepreisung“ ist nichts anderes als eine Steuer. Es wird nur anders genannt und dem gehirngewaschenen Volk anders begründet.

      • Bei uns kostete die Gallone Gasolina Premium (entspricht wohl Super Plus) umgerechnet 4,03 € ÷ 3,79 Liter = 1,06 €. Eine Runde Mitleid für alle, die Dank Merkel und ihren grünen Genossen mehr bezahlen müssen… 😎

      • Überall auf der Welt werden Waren und Dienstleistungen besteuert. ABER es gibt nur wenige Staaten, wo die Menschen so geschröpft werden, wie in Deutschland und gleichermaßen so viel Geld davon in andere Länder verteilt wird.

      • Die Rolle Bayerns innerhalb Deutschlands ist damit vergleichbar.
        Mittelbar ist Bayern der größte Melkesel der EU.

      • Zu Bayern muss man ehrlicherweise sagen, dass es auch bis in die 60er oder 70er Jahre Empfängerland war. ABER eine kluge Politik, hauptsächlich initiiert von Franz-Josef Strauß, hat dafür gesorgt, dass Bayern vom rückständigen Agrarland zum modernen Hightech-Standort aufgestiegen ist. Die Zuschüsse wurden nicht, wie in den sozialdemokratisierten Bundesländern verfrühstückt, sondern zukunftsweisend investiert.

      • Man muss vor allem sehen, wie wenig Bayern aus dem Länderfinanzausgleich einst erhalten hat und wie viel es inzwischen einbezahlt hat. Bereits am 21.01.2019 berichtete das Handelsblatt „Insgesamt hat Bayern seit 1950 rund 71,8 Milliarden Euro in den Länderfinanzausgleich eingezahlt und demgegenüber 3,4 Milliarden Euro erhalten.“ (Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/umverteilung-bayern-zahlt-mehr-als-die-haelfte-des-laenderfinanzausgleichs-6-7-milliarden-euro/23890824.html?ticket=ST-2624519-6plhlWMXbdkyo2KhjplX-ap6)
        Da Bayern aber nach wie vor der einsame Spitzeneinzahler ist (siehe https://de.statista.com/statistik/daten/studie/71763/umfrage/geber-und-empfaenger-beim-laenderfinanzausgleich/), werden kommendes Jahr wohl kumulierte 100 Mrd. € erreicht sein. Bayern hat dann etwa das 30-fache dessen in den Länderfinanzausgleich/Finanzkraftausgleich einbezahlt als anfags erhalten.
        Es ist höchste Zeit, dass diese Daueralimentierung von sozialistischen Taugenichtsen regierter Bundesländer zu Lasten des Südens endlich beendet wird.

      • Mit dem Geld aus Bayern finanzieren rot-grüne Sumpf-Biotope wie Berlin oder Bremen Firlefanz (Toiletten für das 3. Geschlechtsspezifische,…), bzw. ideologiegetriebene Gesellschaftsumformungen.

        So einen sozialistischen Schwachsinn, wie den Länderfinanzausgleich gibt es in den USA zu Glück (noch) nicht, aber die EU musste dieses System der Umverteilung natürlich unbedingt kopieren. Wer fleißig ist und spart, ist selber Schuld… 🥵🤢

    • Die CO2-Bepreisung, und zwar mit einem (möglichst global) einheitlichen Preis, sei es über Zertifikate oder auch eine Steuer, ist die effizienteste Methode zur Reduktion der Emissionen. Sie können dieses Ziel ablehnen, aber kennen Sie ein besseres Mittel zu seiner Erreichung?

      • Bessere Methoden zur CO2-Reduktion:
        – Keine mit Schweröl betriebenen Schiffe.
        – Keine sinnfreien Warentransporte (wie z.B. Nordseekrabben in Marokko puhlen zu lassen), insbesondere keine Subventionen für solchen Unsinn.
        – Weniger Betonbauten (könnte in den meisten Fällen durch Stahl oder Holz ersetzt werden).

        Bringt in der Summe erheblich mehr als alle bisherigen Maßnahmen zur Reduktion von CO2 zusammen.

      • Sie sind also wie die Grünen für staatliche Detailvorgaben statt freie Marktprozesse und Innovationen zur Erreichung eines vorgegebenen Emissionsminderungsziels.

      • Es gibt Dinge, die muss der Staat regeln, da sonst Anarchie ausbricht.
        Den Emissionshandel zähle ich nicht dazu, da er zu Auswüchsen führt, die seinem eigentlichen Ziel nicht gerecht werden.

      • Doch, das eigentliche Ziel ist eine Begrenzung der Emissionen und das wird auch erreicht (wenn auch nur für die teilnehmenden Länder und Sektoren). Sie können das Ziel ablehnen, aber das ist eine ganz andere Frage.

      • Diese ‚Begrenzung der Emissionen‘ wird – global gesehen – doch überhaupt nicht erreicht. Wenn vereinzelte Länder (allen voran Deutschland) meinen, hier mit riesigem Aufwand Vorbild spielen zu müssen, wird das nicht nur von anderen Ländern nicht ernst genommen. Ein einziger Vulkanausbruch oder Waldbrände (wobei Letztere zum Teil im Wortsinne tatsächlich Mensch gemacht sind), wie wir sie zu Zeit erleben, führen alle Bestrebungen innerhalb weniger Tage ad absurdum. Von den gerade auftauenden Permafrostböden in Sibirien und den durch sie demnächst freigesetzten Gasen ganz zu schweigen. Der Mensch gemachte Anteil am Treibhauseffekt ist unterm Strich völlig vernachlässigbar.

        Viel sinnvoller wäre es daher, sich auf Umweltschutzmaßnahmen zu konzentrieren, die unser Leben tatsächlich positiv beeinflussen können. Davon gibt es einige. Zum Beispiel die Vermeidung von Plastik und weiteren unnötigen Belastungen der Nahrungskette durch Pestizide, Antibiotika etc..

        Dem Klimawandel werden wir uns anpassen müssen, ob wir es glauben oder nicht. Da können Greta Thunberg, Luisa Neubauer usw. noch so viel zeitgeistigen Unsinn daher blubbern.

      • „Der Mensch gemachte Anteil am Treibhauseffekt ist unterm Strich völlig vernachlässigbar.“ Das entspricht nicht dem Stand der Wissenschaft (es ist sogar möglich, aber extrem unwahrscheinlich). Das Auftauen der Permafrostböden ist eine Folge, die den Effekt weiter verstärkt. Unabhängig von der Ursache ist eine Anpassung an die Veränderungen jedoch auf jeden Fall sinnvoll.

      • Was ganz sicher nicht dem Stand der Wissenschaft entspricht, ist der Aberglaube daran, dass sich mit von Lithiumakkus gespeisten Elektroautos der Klimawandel aufhalten ließe.

  2. Pingback: Spätere Nutzung von Emissionszertifikaten | Alexander Dilger

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