Vonovia bekommt nicht genug Aktien von Deutsche Wohnen

Gestern ist die „Fusion von Deutsche Wohnen und Vonovia gescheitert“, und zwar zum zweiten Mal. Schon 2016 hatte Vonovia, der größte Wohnungskonzern in Deutschland, Deutsche Wohnen, die Nr. 2, übernehmen wollen, um europaweit zur Nr. 1 zu werden. Damals war es jedoch ein feindlicher Übernahmeversuch gewesen, den Deutsche Wohnen abwehren konnte. Diesmal waren sich beide Unternehmen(sleitungen) einig, auch die Politik war dafür und das Bundeskartellamt hatte bereits grünes Licht gegeben. Doch dieser freundliche Übernahmeversuch scheiterte ebenfalls.

Vonovia ist mit über 18 Prozent der Anteile bereits der größte Aktionär von Deutsche Wohnen und wollte auf 50 Prozent (und eine Aktie) kommen, erhielt aber nur Angebote für 47,62 Prozent, die deshalb nicht wirksam werden. Dabei wäre eine faktische Beherrschung mit solch einem Anteil bereits möglich. Denn die Übernahme scheiterte nicht nur an Hedgefonds, die sich zuvor mit Aktien eindeckten und diese noch nicht verkaufen wollten, sondern auf ein höheres Angebot für die Restaktien hofften, welches nun erst einmal ausbleiben wird. Sie scheiterte nicht an Kleinanlegern wie meiner Tochter, für deren Aktien ich das Übernahmeangebot auch nicht wahrnahm. Denn wichtiger sind inzwischen passive Großanleger, insbesondere Indexfonds, die die Aktien gar nicht verkaufen dürfen, solange Deutsche Wohnen im DAX gelistet ist, was sich erst nach einer erfolgreichen Übernahme ändern würde.

Vielleicht sollten deshalb die Regeln für Übernahmen geändert werden. So könnten die Anteile passiver Fonds bei der Berechnung der relevanten Quoten außer Betracht bleiben. Umgekehrt hätten die Unternehmen und ihre Berater jetzt natürlich damit rechnen müssen. Die 50 Prozent wären erreichbar gewesen, aber eben nicht so einfach. Von daher ist auch ein dritter Anlauf für diese Übernahme oder eine anders geartete Fusion nicht völlig aussichtslos. Die wirtschaftlichen Argumente dafür haben sich eigentlich nicht geändert, während politisch nicht klar ist, ob ein größerer Wohnungskonzern mehr Einfluss hat oder eine noch bessere Zielscheibe abgibt als zwei kleinere.

21 Gedanken zu „Vonovia bekommt nicht genug Aktien von Deutsche Wohnen

  1. Diese Fusion gibt den Vereinten Sozialisten der Republik nur noch mehr Munition, ihre Enteignungspläne voranzutreiben. Das trifft dann in nicht all zu ferner Zukunft auch kleinere Wohnungsvermieter.

  2. Leider sind Kleinanleger gegenüber Investmentgesellschaften eindeutig benachteiligt. Das gefällt mir gar nicht.

    Noch weniger gefällt mir, dass in Deutschland so viele Menschen zur Miete wohnen müssen und damit andere reich machen. Hier hat die Politik seit Jahrzehnten versagt.

    • Auch Bundesregierung und GrünInnen wollen nicht, dass kleine Vermieter reich werden. Daher werden sie gegängelt wie KMUs. Die Quote derer, die zur Miete wohnen, wollen die Vereinigten Sozialisten aber trotzdem nicht senken. Denn wer Eigentum besitzt, der ist ja ein gefährlicher Kapitalist.

      • Das ist objektiv gesehen richtig. Sie wissen das, ich weiß es und die meisten Leser Ihres Blogs sicher auch. Aber Linke sehen das anders. Denn sie kennen die Definition von Kapitalismus gar nicht, glauben aber zu wissen, dass Eigentum ein böser Dämon ist.

    • Miete plus Aktien ergibt erwartungsgemäß bzw. historisch einen höheren Wohlstand als Eigentum ohne Aktien, wenn man Fremdfinanzierungsmodelle außer Acht lässt.

      • Genau, mit Fremdfinanzierung kann es ganz anders aussehen. Es hängt von vielen Faktoren ab, hier kann man es simulieren:

      • Welche? Es sei denn, man ist beruflich darauf angewiesen, öfters umzuziehen. Ganz abgesehen vom Geld, liebe ich es, in meinen Eigentum zu leben. My home is my castle…!

      • Sie können gerne diese Präferenz haben und ausleben. Andere könnten lieber zur Miete wohnen, insbesondere wenn das kostengünstiger ist. Gerade für selbstgenutzte Immobilien muss man in Deutschland eine ziemliche Prämie zahlen und ist danach immobiler.

      • Sprechen Sie aus Erfahrung? Sie wohnen doch aktuell in einem Eigenheim, wenn ich Ihre Blogbeiträge richtig verstehe?

      • Gerade in von einer Hausverwaltung verwalteten Wohnanlagen oder Mehrfamilienhäusern kann es sich als sehr viel einfacher und preiswerter erweisen, zur Miete zu wohnen. Die letztjährige Novelle des WEG-Gesetzes (in Kraft getreten zum 01.12.2020, siehe z.B. https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/immobilien-themenbereiche/weg-reform-2020-die-sieben-wichtigsten-aenderungen/ und https://www.haufe.de/immobilien/wirtschaft-politik/weg-reform_84342_460970.html) macht sowohl das Bewohnen als auch das Vermieten von (einzelnen) Eigentumswohnungen oder Reihenhäusern im Sondereigentum usw. endgültig zu einem Glücksspiel für Masochisten.

        Eine Eigentumswohnung zu kaufen lohnt sich nur noch unter dem Gesichtspunkt etwaigen Wertzuwachses. Auch der ist aber von vielen Einflussfaktoren abhängig und in eher strukturschwachen oder zurückgebliebenen Regionen kein wirklich interessanter Anreiz, da hier die Wertentwicklung nicht einschätzbar ist.

        Mein Fazit: Sowohl selbstgenutztes Wohneigentum als auch Vermieten bereitet nur Freude, wenn einem das ganze Haus gehört (gilt sowohl für EFH als auch für MFH).

  3. Uns Kleinanlegern ist die Immobilie als Geldanlage schon ausgetrieben.
    Die künftigen Weltrettungsmaßnahmen werden die Kleinanleger ohnehin in die Arme der Großinvestoren treiben.
    Die Daily Mail hat ausgerechnet, dass allein die Umstellung auf elektrische Wärmepumpen mit Unterflurheizung, Gebäude-Isolierung, Dreifachverglasung etc. sich frühestens nach 71 Jahren rentieren wird – wobei eine jetzt 30 Jahre alte Immobilie dann ohnehin abbruchreif ist.

    Wer also hier sein Geld (als Risikostreuung) in Immobilien anlegen will, wäre gut beraten, das Geld in Aktien von Gesellschaften wie Deutsche Wohnen zu investieren. Dies halte ich für besonders günstig wegen eines sehr wahrscheinlich nachgebesserten Angebotes seitens Vonovia,
    – If you can’t beat them, join them!

  4. Könnte das Scheitern des Angebots auch damit zu tun haben, dass es eine Barzahlung vorsah? Früher galt das ja als attraktiver als ein Aktientausch, aber es führt zur Versteuerung des Gewinns und unter den jetzigen Verhältnissen zur Frage: wohin mit dem Geld?

  5. Interessanter Gesichtspunkt – bei Motley Fool und faz-net:
    ETFs halten 20% der Aktien von Deutsche Wohnen, die sie satzungsgemäß nicht abgeben können, da sie an bestimmte Indices und Themen gebunden sind. Man sieht, dass die zunehmend beliebten ETFs unerwartete Nebenwirkungen haben, die die Flexibilität der Börse hemmen.

    • Wird wirklich die Börse gehemmt oder nur die Fusion? Wieso braucht Vonovia überhaupt über 50 Prozent der Aktien, wenn für eine faktische Beherrschung offensichtlich weniger Anteile reichen, während eine formelle Beherrschung oder gar komplette Übernahme gar nicht geplant sind?

  6. Pingback: Berlin kauft teuer Wohnungen zurück, statt neue zu bauen | Alexander Dilger

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